Zehn Gebote

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Der gehörnte[1] Moses mit den Gesetzestafeln, von Rembrandt Harmensz van Rijn, 1659

Die Zehn Gebote, auch Dekalog (v. griech.: δεκα deka = zehn + λoγoς logos = Wort) sind eine Liste religiöser und ethischer Regeln, die im Judentum und im Christentum eine grundlegend wichtige Bedeutung haben.

"Was zeigen uns diese Zehn Gebote vor allen Dingen? Wir werden sehen, sie zeigen uns überall, nicht nur in dem ersten Teil, sondern auch in dem letzten Teil, wo es scheinbar verborgen ist, daß durch Moses zu dem jüdischen Volke gesprochen wird in dem Sinne, daß jene Macht nunmehr bei dem jüdischen Volke sein soll, die sich im brennenden Dornbusch dem Moses angekündigt hat mit den Worten als der Bezeichnung seines Namens: «Ich bin der Ich bin!» - «Ehjeh asher ehjeh!» Hingewiesen ist darauf, daß die anderen Völker in der Entwickelung unserer Erde jenes «Ich bin», den eigentlichen Urgrund des vierten Teiles der menschlichen Wesenheit, nicht so intensiv, so klar haben erkennen können, wie das jüdische Volk das erkennen soll. Jener Gott, der einen Tropfen seines Wesens in den Menschen gegossen hat, so daß das vierte Glied der menschlichen Wesenheit der Träger dieses Tropfens wurde, der Ich-Träger, jener Gott wird zum ersten Male seinem Volke bewußt durch Moses." (Lit.: GA 107, S. 118)

Die Zehn Gebote sind zweifach im Alten Testament (Exodus 20,2-17; Deuteronomium 5,6-21) überliefert und haben dort als einzige direkte Niederschrift durch den Finger Gottes (Ex 31,18) - der Rest der Gesetze wird als ein Diktat Gottes an Mose geschildert - höchste Geltung und Heiligkeit. Sie wurden von Gott selber auf zwei steinernen Gesetzestafeln geschrieben.

Bei der Zählung der Gebote gibt es im Judentum und in den christlichen Kirchen unterschiedliche Traditionen. Alle Zählungen sind sich in der Zehnzahl einig; schon das AT spricht von den "Zehn Worten". Jesus von Nazareth hat die Zehn Gebote in einem Doppelgebot zusammengefasst: dem der Gottesliebe (Gebot 1-3) und dem der Nächstenliebe (Gebot 4-10). Im Frühchristentum wurde der griechische Begriff Dekalog geprägt.

"Die Zehn Gebote sind, wenn wir näher darauf eingehen, in einer ganz besonderen Weise aufgebaut. Von den zehn sind nur drei so gebaut, daß es heißt: Du sollst etwas tun. - Die anderen sieben sind so gebaut, daß man sagt: Du sollst nicht. - Daraus geht hervor, daß die Weltenmächte viel mehr Notwendigkeit sehen, den Menschen moralische Gesetze zu geben, die sagen: Du sollst etwas nicht tun —, als solche, die sagen: Du sollst etwas tun. - Denn das, was geboten wird, nicht zu tun, verhält sich zu dem, was geboten wird, zu tun, wie sieben zu drei. Wir können also sagen: Die Moralität muß im allgemeinen in der Menschennatur so wirken, daß sie sich besonders auf den Standpunkt stellt, zu sagen: Du sollst etwas nicht.

Wir können dies Verhältnis sieben zu drei in den Zehn Geboten näher vergleichen. Wenn wir die sieben betrachten, die besagen: Du sollst etwas nicht tun -, so beziehen sich diese alle auf Dinge der äußeren Welt, auf das, was man nicht tun soll in der physischen Welt; dagegen beziehen sich die drei Gebote, die das «Du sollst» enthalten, eigentlich auf dasjenige, was über die physische Welt hinausgeht. Da heißt es: Du sollst an einen einzigen Gott glauben -, Du sollst den Namen dieses Gottes nicht mißbrauchen - und so weiter. Daraus sehen wir, daß in bezug auf die eigentlich geistigen Angelegenheiten der Seele die Gebote positiv sind; dagegen haben alle Gebote, welche sich auf eigentliches moralisches Verhalten im äußeren physischen Leben beziehen, ein «Du sollst nicht». Wenn wir nämlich auch vermeinen, das vierte Gebot «Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß du lange lebest auf Erden» sei positiv, so spüren wir doch, daß es im Grunde genommen einen stark negativen Charakter hat, wie die anderen sechs Gebote auch. Es ist eine Art Übergangsgebot, das sich zwar auf die physische Welt bezieht, aber gleichwohl von dieser physischen Welt schon hinaufführt in die geistige Welt [...]

Wir müssen auf dem okkulten Erkenntnispfad unser ganzes Erkennen moralisieren, unsere sonst bloß theoretischen Erkenntnisgesetze müssen innerliche Moralgesetze werden. - Es muß also dasjenige, was sich vorzugsweise auf den physischen Plan bezieht, wenn der Mensch durch innere Erkenntnis der Dinge ihm gegenübersteht, so werden, daß er das, was unmittelbar vor ihm sich ausbreitet, auslöscht, daß er sagt: Ich lösche es aus, so wie die niederen Neigungen ausgelöscht werden, wenn das moralische «Du sollst nicht» ruft. - In der Tat wird aus diesem Grunde in jeder wahrhaften Schilderung des Erkenntnispfades darauf hingewiesen, daß man durch Veredelung der moralischen Impulse die Erkenntniskräfte am sichersten in die höhere Welt hinaufhebt." (Lit.: GA 143, S. 45ff)

Die beiden Fassungen in Exodus und Deuteronomium unterscheiden sich in 20 Punkten, wovon 13 Zusätze im Deuteronomium sind. Wichtig ist vor allem der Unterschied in der Begründung des Sabbatgebots: Das Ruhen Gottes nach der Schöpfung am siebten Tag in Exodus bzw. die Herausführung der Juden aus der Sklaverei, dem Auszug aus Ägypten, im Deuteronomium.

Das Judentum, die orthodoxe und reformierte Kirche sowie die katholische und lutherische Kirche (beide basierend auf Augustinus von Hippo) haben jeweils unterschiedliche Aufteilungen und Zählungen:

  Jüdische Zählung Orthodoxe und Reformierte Zählung Augustinisch-Lutheranische Zählung
Einleitung Und Gott sprach all diese Worte und sagte Und Gott sprach all diese Worte und sagte

"Ich bin der Herr, dein Gott."

Und Gott sprach all diese Worte und sagte

"Ich bin der Herr, dein Gott."

Das 1. Wort "Ich bin der Herr, dein Gott, der dich herausgeführt hat aus dem Land Ägypten, aus dem Hause der Knechte." "Du sollst nicht andere Götter haben neben mir." "Du sollst nicht andere Götter haben neben mir. Du sollst dir kein Bildnis noch irgend ein Gleichnis machen, weder des, das oben im Himmel, noch des, das unten auf Erden, oder des, das im Wasser unter der Erde ist. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht."
Das 2. Wort "Du sollst nicht andere Götter haben neben mir. Du sollst dir kein Bildnis noch irgend ein Gleichnis machen, weder des, das oben im Himmel, noch des, das unten auf Erden, oder des, das im Wasser unter der Erde ist. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht." "Du sollst dir kein Bildnis noch irgend ein Gleichnis machen, weder des, das oben im Himmel, noch des, das unten auf Erden, oder des, das im Wasser unter der Erde ist.

Bete sie nicht an und diene ihnen nicht."

"Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht unnützlich führen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht."
Das 3. Wort "Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht unnützlich führen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht." "Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht unnützlich führen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht." "Du sollst den Feiertag heiligen."
Das 4. Wort "Gedenke des Sabbattages, daß du ihn heiligest" "Du sollst den Feiertag heiligen." "Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass dirs wohlgehe und du lange lebest auf Erden."
Das 5. Wort "Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass dirs wohlgehe und du lange lebest auf Erden." "Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass dirs wohlgehe und du lange lebest auf Erden." "Du sollst nicht töten."
Das 6. Wort "Du sollst nicht töten." "Du sollst nicht töten." "Du sollst nicht ehebrechen."
Das 7. Wort "Du sollst nicht ehebrechen." "Du sollst nicht ehebrechen." "Du sollst nicht stehlen."
Das 8. Wort "Du sollst nicht stehlen." "Du sollst nicht stehlen." "Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten."
Das 9. Wort "Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten." "Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten." "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus."
Das 10. Wort "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh oder alles, was sein ist." "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh oder alles, was sein ist." "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh oder alles, was sein ist."

(In der deuteronomistischen Fassung steht anders als in Exodus als 9. "Frau" und als 10. "Haus"; dafür ist wie oben beschrieben das erste Gebot aufgeteilt in Monotheismusgebot und Bilderverbot).

Ein Pendant zu den Zehn Geboten sind die Fünf Silas im Buddhismus.

Um den tieferen Sinn der Zehn Gebote und ihrer besonderen Beziehung zum Ich des Menschen zu enthüllen, hat Rudolf Steiner folgende Übersetzung gegeben:

"Erstes Gebot. Ich bin das ewig Göttliche, das du in dir empfindest. Ich habe dich aus dem Lande Ägypten geführt, wo du nicht Mir in dir folgen konntest. Fortan sollst du andere Götter nicht über Mich stellen. Du sollst nicht als höhere Götter anerkennen, was dir eine Abbildung zeigt von etwas, das oben am Himmel scheint, das aus der Erde heraus oder zwischen Himmel und Erde wirkt. Du sollst nicht anbeten, was von alledem unter dem Göttlichen in dir ist. Denn Ich bin das Ewige in dir, das hineinwirkt in den Leib und daher auf die kommenden Geschlechter wirkt. Ich bin ein fortwirkendes Göttliches. Wenn du Mich nicht in dir erkennst, werde Ich als dein Göttliches verschwinden bei Kindern und Enkeln und Urenkeln, und deren Leib wird veröden. Wenn du Mich in dir erkennst, werde Ich bis ins tausendste Geschlecht als Du fortleben, und die Leiber deines Volkes werden gedeihen.

Zweites Gebot. Du sollst nicht im Irrtum von Mir in dir reden; denn jeder Irrtum über das Ich in dir wird deinen Leib verderben.

Drittes Gebot. Du sollst Werktag und Feiertag scheiden, auf daß dein Dasein Bild Meines Daseins werde. Denn was als Ich in dir lebt, hat in sechs Tagen die Welt gebildet und lebte in sich am siebenten Tage. Also soll dein Tun und deines Sohnes Tun und deiner Tochter Tun und deiner Knechte Tun und deines Viehes Tun und dessen, was sonst bei dir ist, nur sechs Tage dem Äußeren zugewandt sein; am siebenten Tage aber soll dein Blick Mich in dir suchen.

Viertes Gebot. Wirke fort im Sinne deines Vaters und deiner Mutter, damit dir als Besitztum verbleibt das Eigentum, das sie sich durch die Kraft erworben haben, die Ich in ihnen gebildet habe.

Fünftes Gebot. Morde nicht.

Sechstes Gebot. Brich nicht die Ehe.

Siebentes Gebot. Stehle nicht.

Achtes Gebot. Setze den Wert deines Mitmenschen nicht herab, indem du Unwahres von ihm sagst.

Neuntes Gebot. Blicke nicht mißgönnend auf das, was dein Mitmensch besitzt als Eigentum.

Zehntes Gebot. Blicke nicht mißgönnend auf das Weib deines Mitmenschen und auch nicht auf die Gehilfen und die anderen Wesen, durch die er sein Fortkommen findet." (Lit.: GA 107, S. 117f)

Anmerkungen

  1. Der beiden "Hörner" des Moses sind nach Rudolf Steiner ein Hinweis auf die zweiblättrige Lotosblume, das Stirnchakra.

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
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Weblinks

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