Zwölf Bürgerinnen und Bürger

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Zuordnung der Bürgerinnen und Bürger am Beispiel Michael Edelmanns zu den Tierkreisbauern nach handschriftlichen Aufzeichnungen Rudolf Steiners (Quelle: Hammacher 2010, S 599).

Zwölf Bürgerinnen und Bürger sind in Rudolf Steiners drittem Mysteriendrama «Der Hüter der Schwelle», obwohl noch ungeweiht, eingeladen, ihre Kräfte mit denen des von Hilarius Gottgetreu geleiteten Rosenkreuzerbundes zu vereinen. Sie sind Wiederverkörperungen der sechs Bauern und sechs Bäuerinnen, die im 6. und 9. Bild in «Die Prüfung der Seele» auftreten und während der Probenarbeiten von Steiner stets als die Tierkreisbauern charakterisiert worden waren. Ähnlich den Bauern repräsentieren auch die Bürger die zwölf Tierkreiszeichen und damit auch zwölf aneinander anschließende und einander ergänzende Perspektiven, um die geschilderten Ereignisse zu beurteilen. Die Zuordnung der zwölf Bauern und Bäuerinnen zu den zwölf Bürgern und Bürgerinnen erschließt sich aus einer handschriftlichen Druckvorlage Steiners zum 1. Bild des «Hüters der Schwelle», in der ursprünglich noch die Bezeichnungen für die Bauern stehen und erst nachträglich durch die Namen der Bürger und Bürgerinnen ersetzt wurden (Lit.: Hammacher 2010, S 598ff). Die Bürger und Bürgerinnen werden aber, mit Ausnahme Ferdinand Reineckes, unter jeweils anderen Tierkreiszeichen wiedergeboren, worin sich der Fortschritt ihrer geistigen Entwicklung ausdrückt:

  1. Luise Fürchtegott Widder - 4. Bäuerin Schütze
  2. Friedrich Geist Stier - 4. Bauer Waage; tritt in "Der Seelen Erwachen" als Sekretär des Hilarius Gottgetreu auf.
  3. Michael Edelmann Zwillinge - 3. Bauer Krebs
  4. Georg Wahrmund Krebs - 5. Bauer Skorpion
  5. Maria Treufels Löwe - 3. Bäuerin Jungfrau; zugleich wird sie in der „Prüfung der Seele“ als Berta, die Tochter Joseph Kühnes, geschildert. Sie tritt in "Der Seelen Erwachen" als Pflegerin des Doktor Strader auf. In der „Pforte der Einweihung“ heißt sie "die andre Maria".
  6. Franziska Demut Jungfrau - 2. Bäuerin Löwe
  7. Katharina Ratsam Waage - 6. Bäuerin Wassermann
  8. Bernhard Redlich Skorpion - 2. Bauer Stier
  9. Hermine Hauser Schütze - 5. Bäuerin Steinbock
  10. Caspar Stürmer Steinbock - 1. Bauer Widder
  11. Marie Kühne Wassermann - 1. Bäuerin Zwillinge
  12. Ferdinand Reinecke Fische - 6. Bauer Fische

Laut Wilfried Hammacher entspricht die Reihenfolge, in der sie im 8. Bild des «Hüters» zu Wort kommen, ihrer Zuordnung zu den Tierkreiszeichen vom Widder bis hin zu den Fischen:

LUISE FÜRCHTEGOTT:
Die Seele soll nicht, blind ergeben, glauben,
Daß sie in stolzer Kraft zum Licht sich heben
Und eignes Wesen voll entfalten könne.
Ich will nur anerkennen, was ich weiß.
AHRIMAN (nur Strader hörbar):
Und weißt doch nicht, wie blind du selber dich
Mit deiner stolzen Kraft ins Dunkel führst.
Sie wird dir dienen, Strader, an dem Werk,
Das du aus meinen Kräften kühn errungen.
Sie braucht dazu nicht Glauben an den Geist,
Der ihrem Hochmut nicht geziemend scheint.
FRIEDRICH GEIST:
Die Mystenwege sind fürwahr verlockend;
Es soll mir künftig nicht am Fleiße fehlen,
Mich gründlich aller Weisheit hinzugeben,
Die mir aus Tempelworten werden kann.
MICHAEL EDELMANN:
Der Seele Wahrheitstriebe lenken mich
Zum Geisteslicht; es wird die edle Lehre,
Die jetzt so hell ins Menschenleben leuchtet,
An mir gewiß den besten Schüler finden.
GEORG WAHRMUND:
Ich war von allem tief ergriffen stets,
Was mir von edler Mystik Geistesschätzen
Aus mancher Quelle sich erschlossen hat;
Aus vollem Herzen will ich weiter streben.
AHRIMAN (nur Strader hörbar):
Sie meinen's gut; doch sitzt ihr Streben nur
In obern Schichten ihres Seelenlebens.
So werde ich, was sie in Geistesgründen
An großen Schätzen unbewußt noch bergen,
Für lange Zeiten kräftig nutzen können.
Auch sie erscheinen brauchbar meinem Ziel,
Das Straders Werk im Menschen-Erdenleben
In glänzend stolzer Art entfalten will.
MARIA TREUFELS:
Gesunder Lebenssinn wird aus sich selbst
Der Seele auch die Geistesfrüchte bringen,
Wenn Menschen Ehrfurcht vor dem Weltenall
Mit klarem Blick in Wirklichkeiten einen.
AHRIMAN (nur Strader hörbar):
Die spricht im Traume von der Wirklichkeit;
Sie träumt wohl um so besser, wenn sie wacht.
So wird sie mir jetzt schlechte Dienste leisten;
Vielleicht in ihrem nächsten Leben bess're;
Doch wird sie dann als Okkultist erscheinen
Und nach Bedarf den Menschen ihre Leben
Bis zu den Erdenurbeginnen sagen.
Doch wird sie kaum die Treue richtig schätzen;
Im frühern Leben schalt sie Strader böse
Und jetzt belobt sie ihn; das ändert sich.
An ihr wird Lucifer sich mehr erfreuen.
FRANZISKA DEMUT:
Der Mystik ernstes Reich, es wird dereinst
Des Menschen Wesen als ein Ganzes bilden,
Wenn sich Gedanken durch Gefühle pflegen,
Gefühle von Gedanken führen lassen.

KATHARINA RATSAM:
Die Menschen streben doch, das Licht zu sehen.
Sie tun es oft in ganz besondrer Art;
Erst löschen sie es aus und wundern sich,
Daß sie es dann im Finstern nirgends finden.
AHRIMAN (nur Strader hörbar):
So sind die Seelen, die wohl gut zu reden
Als rechtes Wohlgefühl empfinden mögen;
Doch fehlt's an Festigkeit im Untergrunde.
Sie selber bleiben mir wohl unzugänglich,
Doch werden sie noch manches künftig leisten,
Was mir recht gute Früchte bringen kann.
Sie sind noch lange nicht, was sie sich gelten.
BERNHARD REDLICH:
Wenn Vorsicht fehlt im Streben nach Erkenntnis,
Wird Phantasie wohl nichts als Luftgebäude
Zur Lösung aller Weltenrätsel bringen,
Die doch nur strenges Denken meistern kann.
HERMINE HAUSER:
Die Weltendinge müssen sich stets wandeln,
Wenn alles Sein sich ganz entfalten soll;
Wer wünschen kann, daß alles sich erhalte,
Dem fehlt die Kraft, das Leben zu verstehn.
CASPAR STÜRMER:
In Phantasien leben, heißt doch nur,
Der Menschenseele jene Kräfte rauben,
Durch die sie stark sich macht, im Dasein sich
Und andern Menschen rechten Dienst zu tun.
MARIE KÜHNE:
Die Seele, die sich selbst verkümmern will,
Sie mag nach äußern Kräften sich gestalten;
Der rechte Mensch wird nur Persönlichkeit
Entwickeln wollen, die sein Wesen birgt.
AHRIMAN (nur Strader hörbar):
Was deren Seelen bergen, ist nur menschlich;
Man kann nicht wissen, was sie noch erreichen.
An ihnen mag sich Lucifer versuchen;
Er kann sie glauben machen, daß sie stark
Die eigne Kraft der Seele nur entfalten,
So sind sie ihm vielleicht noch unverloren.
FERDINAND REINECKE:
Wer Weltenrätsel recht begreifen will,
Der warte, bis Verstand und rechter Sinn
Sich seinem Leben durch sich selbst erschließen.
Und wer im Dasein sich zurecht will finden,
Ergreife, was ihm nutzt und Freude macht.
Erst über alles Weisheitslehren suchen
Und hohe Ziele schwachen Menschen geben,
Das führt auf dieser Erde doch zu nichts.
AHRIMAN (nur Strader hörbar):
Der ist zum Philosophen auserkoren,
Er wird es auch im nächsten Leben sein -.
Mit diesem gleich' ich nur die Rechnung aus.
Von zwölfen brauch' ich sieben stets für mich
Und gebe fünf dem Bruder Lucifer.
Von Zeit zu Zeit betrachte ich die Menschen
Und forsche, wie sie sind und was sie können.
Und hab' ich mir erst zwölfe ausgewählt,
Dann brauche ich nicht länger noch zu suchen.
Denn komme ich im Zählen an den dreizehnten,
So gleicht er doch dem ersten ganz ersichtlich.
Wenn ich die zwölfe dann in mein Gebiet
Durch ihre Seelenart mir holen kann,
So müssen ihnen doch auch andre folgen.
(Lit.: GA 14, S. 374ff)

Herbert Witzenmann gab allerdings in seinen Einführungen zu «Der Hüter der Schwelle» teilweise abweichende Zuordnungen zu den Tierkreiszeichen und bezüglich der Reinkarnationen (Lit.: Steiner, Witzenmann, S 120ff).

Literatur

  1. Wilfried Hammacher: Die Uraufführung der Mysteriendramen von und durch Rudolf Steiner, Verlag am Goetheanum, Dornach 2010
  2. Oskar Schmiedel: Erinnerungen an die Proben zu den Mysterienspielen in München in den Jahren 1910 – 1913 in „Mitteilungen aus der Anthroposophischen Arbeit in Deutschland“ Nr. 7 März 1949
  3. Rudolf Steiner: Vier Mysteriendramen, GA 14 (1998), ISBN 3-7274-0140-0; Tb 607 (I + II), ISBN 978-3-7274-6070-8 + Tb 608 (III + IV), ISBN 978-3-7274-6080-7
  4. Rudolf Steiner, Herbert Witzenmann: Der Hüter der Schwelle, Gideon Spicker Verlag, Dornach 2002, ISBN 3857042370
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