Slawisches Henochbuch

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Das slawische Henochbuch ist ein apokryphes, apokalyptisches Buch und erzählt von den Erlebnissen des Henoch vor seiner Aufnahme in den siebten Himmel.

Das slawische Henochbuch hat einen apokalyptischen Charakter und ist vermutlich im ersten Jahrhundert n. Chr. entstanden. Ursprünglich war es wohl auf Griechisch geschrieben, heute ist aber nur noch eine kirchenslawische Übersetzung erhalten geblieben. Dem Namen nach soll der Verfasser der im biblischen Buch Genesis erwähnte Henoch gewesen sein, der es aber sicher nicht geschrieben hat. Die Schrift lässt sich grob in drei Bereiche aufteilen: Der Bericht über die sieben Himmel, die Unterweisung des Henoch durch Gott, die Mahnreden des Henoch an seine Söhne und die Fürsten des Volkes.

Nach diesem Buch sind die Namen der Söhne Henochs: Methusalem (Metuschelach), Regim, Rim, Azuchan, Chermion.

Inhalt

Zwei Engel nehmen Henoch mit sich und zeigen ihm die Himmel:

  • Im ersten Himmel werden ihm die Gestirne, Wolken und Tauquellen gezeigt.
  • Im zweiten Himmel findet er die abgefallenen, gefangenen Engel, die auf das Gericht warten.
  • Der dritte Himmel ist das Paradies, in das die Gerechten unter den Menschen gebracht werden. Im Norden dieses Himmels ist die Hölle, dort werden die Ungerechten gepeinigt.
  • Im vierten Himmel befinden sich Sonne und Mond. Im Osten und Westen befinden sich je sechs Tore, durch die die Sonne je nach Jahreszeit geht; damit werden die je nach Jahreszeit unterschiedlich lang hellen Tage erklärt. Desgleichen mit dem Mond: hier sind es zwölf Tore.
  • Im fünften Himmel sind menschenähnliche Riesen als Wächter.
  • Im sechsten Himmel sind sieben Engelschöre, die für die Ordnung der Welt sorgen.
  • Im siebten (obersten) Himmel findet er die Erzengel, Ophanim, Seraphim, Cherubim und Gott auf seinem Thron.

Gott weist den Erzengel Bretil an, Henoch Feder und Papier zu geben und ihm alle Dinge über Himmel, Erde und Meer zu diktieren; nach dreißig Tagen hat Henoch 360 Bücher geschrieben. Danach beschreibt Gott Henoch die Erschaffung der Welt. Daraufhin schickt ihn Gott zurück zur Erde, um seinen Söhnen innerhalb von dreißig Tagen alles zu berichten und ihnen die Bücher zu bringen. An dieser Stelle erwähnt Gott bereits die kommende Sintflut.

Zurück auf der Erde hält Henoch zuerst seinen Söhnen eine Rede, erzählt von allem Geschehenen, warnt vor Sünde und ermahnt mehrmals und in vielfältiger Weise zum rechten, gottgefälligen Leben. Später mahnt er die Ältesten des Volkes in ähnlicher Weise und erzählt vom Lohn des gerechten Lebens. Das Buch endet mit der Aufnahme Henochs in den obersten Himmel.

Rudolf Steiner wirft ein sehr kritisches Licht auf das Slawische Henochbuch:

„In grandioser, in majestätischer Weise ist im Matthäus-Evangelium (Mt 5,3-11 LUT) in den Sätzen nach der Versuchungsszene ausgedrückt, wie die Christus-Kraft für die Neungliedrigkeit des Menschen wirkt, zunächst in der Gegenwart, und dann, wie sie wirkt in der nächsten Zukunft, wo diejenigen noch Kinder Gottes genannt werden, in die hineinleuchtet das Geistselbst schon jetzt, wo aber doch solche Kinder Gottes nur in einzelnen begnadeten Exemplaren vorhanden sind. Gerade das ist das Wunderbare: das bestimmte Sprechen für die ersten Glieder, die schon da sind, und das Auslaufen in das Unbestimmte in den letzten Sätzen, die für fernere Zukünfte gelten.

Da ist nun aber wieder das Oberflächliche: Denken Sie sich, es würde jemand nachsuchen, ob sich ähnliche Sätze vielleicht auch sonstwo finden und ob die Evangelisten diese Sätze vielleicht aus etwas anderem kombiniert, zusammengeleimt haben könnten. Und denken Sie, der Betreffende habe keine Ahnung, um was es sich handelt; denn das ist es ja, wovon man da sprechen müßte: daß es angewendet wurde auf die durchchristete Ich-Natur! Dann könnte er, wenn er die wunderbare Steigerung des Wesentlichen nicht bemerkt, auf folgendes hinweisen. Sie brauchen in dem schon angeführten Buche[1] nur ein paar Seiten weiterzublättern, dann finden Sie in einem Kapitel «Die Seligkeiten» einen Hinweis auf einen Henoch, der ein anderer ist als der gewöhnliche, und darin werden neun «Seligkeiten» angeführt. Besonders tut sich der Betreffende darauf etwas zugute, daß er sagt, dieses Dokument sei in der ersten Zeit der christlichen Ära entstanden, und er meint, daß dies, was wir eben als ein so tiefes Dokument charakterisiert haben, abgeschrieben sein könnte aus folgenden neun Seligkeiten des «Slawischen Henoch»:

«1. Selig ist, der den Namen des Herrn fürchtet und unausgesetzt vor seinem Angesicht dient» und so weiter.
«2. Selig ist, der ein gerechtes Urteil fällt nicht um des Lohnes willen, sondern um der Gerechtigkeit willen, nichts dafür erwartend; ein lauteres Urteil wird ihm später zuteil werden.
3. Selig ist, der die Nackten mit einem Gewand bekleidet und sein Brot den Hungrigen gibt.
4. Selig ist, der ein gerechtes Urteil fällt für die Waise und Witwe und jedermann beisteht, dem Unbill widerfährt.
5. Selig ist, der sich vom unsteten Pfad dieser eitlen Welt abwendet und auf dem gerechten Wege wandelt, der zum ewigen Leben führt.
6. Selig ist, der gerechten Samen säet; er wird siebenfach ernten.
7. Selig ist, in dem Wahrheit ist, auf daß er seinem Nächsten die Wahrheit sage.
8. Selig ist, der Liebe auf seinen Lippen hat und Sanftmut im Herzen.
9. Selig ist, der jedes Wort des Herrn versteht und den Herrn-Gott preist» und so weiter.

Schön sind gewiß diese Sätze. Aber wenn Sie sie betrachten im ganzen Aufbau und in bezug auf das, worauf es bei ihnen ankommt, nämlich auf die Aufzählung einiger guter Grundsätze, die man in jeder Zeit sagen kann, nur nicht gerade für eine Zeit des Umschwunges, die dadurch charakterisiert ist, daß die Ich-Kraft eingeführt wird, dann stehen Sie, wenn Sie diese vergleichen wollten mit den «Seligpreisungen» des Matthäus-Evangeliums, auf dem äußerlichen Punkte derjenigen, die in äußerlicher Weise die Religionen der Menschheit ver- gleichen und, wenn sie etwas Ähnliches finden, immer sofort eine Gleichheit konstatieren und nicht auf das achten, worauf es ankommt.“ (Lit.:GA 123, S. 181ff)

Anmerkungen

  1. Rudolf Steiner bezieht sich hier auf das Buch von John M. Robertson: Die Evangelien-Mythen, Jena 1910, Kap.: Das «Vaterunser», S. 191ff.

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
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Siehe auch

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