Kelch

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Karolingischer „Liudgerikelch“, Abteikirche Essen-Werden, 9./10. Jhd.

Ein Kelch (griech. κύλιξ kalix; lat. calix) ist ist ein deckel- und henkelloses Gefäß, das aus Cuppa (Schale), Nodus (Knauf), Stilus (Schaft) und Pes (Fuß) besteht und vornehmlich für zeremonielle bzw. kultische Zwecke gebraucht wird. Er dient namentlich in der christlichen Liturgie als Abendmahlskelch.

Der Speisekelch, das Ziborium (lat. ciborium „Trinkbecher“), das in der katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen zur Aufbewahrung der konsekrierten Hostien verwendet wird, verfügt zusätzlich über einen abnehmbaren Deckel.

Der ähnlich aufgebaute Pokal (von ital. boccale „bauchiges Trinkgefäß“; von griech. βαύκαλις baúkalis „Wein bzw. Wasser kühlendes Gefäß“, der sich vom Becher (mhd. becher , ahd. behhari , aus lat. bicarium bzw. griech. βίκος bikos „irdenes Gefäß“) und der bloßen Schale durch seinen hohen Schaft und Fuß unterscheidet, dient nur profanen Zwecken.

Auch der Heilige Gral wird vielfach als Kelch gedeutet. In ihm soll Josef von Arimathäa das Blut Christi bei der Kreuzigung auf Golgatha aufgefangen haben. Die Herkunft des Wortes Gral ist nicht restlos geklärt. Am wahrscheinlichsten ist die Herleitung aus okzitanisch grazal, altfranzösisch graal „Gefäß, Schüssel“, das vermutlich etymologisch auf griechisch krater „Mischgefäß“ (über lateinisch cratalis/gradalis) zurückgeht. Im Altspanischen ist grial ebenso wie im Altportugiesischen gral ein gängiger Begriff für einen Mörser oder ein mörserförmiges Trinkgefäß. Das kosmische Vorbild des Grals ist die von der Sonne golden beleuchtete Mondsichel, die die dunkle Scheibe des Mondes wie eine Hostie in sich trägt. Das ist die „hinwandelnde Wegzehrung“ (ganganda greida), von der die nordische Parzivalsage spricht[1].

„Wo also ist der Gral, der heute so gefunden werden muß, daß darauf steht der Name des Parzival, wo ist er zu finden? Nun, Sie sehen, im Verlaufe meiner Forschung hat sich mir ergeben, daß er in der Sternenschrift gesucht werden muß — zunächst der Name —. Und dann ergab es sich mir eines Tages, den ich als einen für mich besonders bedeutsamen ansehen muß, wo die goldglänzende Schüssel in ihrer Realität zu finden ist; zunächst so, daß wir durch sie — da, wo sie sich durch ihr Sternenschriftsymbolum ausdrückt — geführt werden auf das Geheimnis des Gral. Und da sah ich denn in der Sternenschrift dasjenige, was jeder sehen kann — nur findet er zunächst nicht das Geheimnis der Sache. Denn eines Tages erglänzte mir, als ich mit innerem Schauen verfolgte die goldglänzende Mondsichel, wenn sie am Himmel so erscheint, daß der dunkle Mond darin wie eine große Scheibe schwach sichtbar ist, so daß man schaut äußerlich-physisch den goldglänzenden Mond — Ganganda greida, die hinwandelnde Wegzehrung — und darin die große Hostie, die dunkle Scheibe, das, was man nicht sieht vom Monde, wenn man nur oberflächlich hinschaut, was man sieht, wenn man genauer hinschaut. Denn dann sieht man die dunkle Scheibe, und in wunderbaren Lettern der okkulten Schrift auf der Mondessichel — den Namen Parzival! Das, meine lieben Freunde, war zunächst die Sternenschrift. Denn in der Tat, im richtigen Licht gesehen, ergibt dieses Lesen der Sternenschrift für unser Herz und unseren Sinn etwas — wenn vielleicht auch noch nicht alles — von dem Parzival-Geheimnis, von dem Geheimnis des heiligen Gral.“ (Lit.:GA 149, S. 91f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Christus und die geistige Welt. Von der Suche nach dem heiligen Gral, GA 149 (2004), ISBN 3-7274-1490-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Weblink

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Einzelnachweise

  1. Eugen Kölbing: Die nordische Parzivalsage und ihre Quelle, Carl Gerold's Sohn, Wien 1869, S. 9