Aberglaube

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Aberglaube (seltener auch Aberglauben) besteht in der Vorstellung des Geistigen unter falscher Gestalt (Lit.:GA 265, S. 370).

„Aberglaube ist nicht, hinter den Dingen den Geist zu suchen: sondern ihn blindlings in die Dinge selbst zu verlegen. Der Abergläubische gleicht nicht dem, der zur Uhr den Erfinder sucht, sondern dem, der in der Uhr selbst einen Geist vermutet, der die Zeiger vorwärts bewegt.“ (Lit.:GA 34, S. 55)

„Aberglaube ist der Glaube an Geister, wo keine sind; aber man kann auch nicht an Geister glauben, wo welche sind: das ist der negative Aberglaube. Diesem negativen Aberglauben, dem gibt sich heute die Menschheit in Hülle und Fülle hin, ohne daß sie es zunächst noch weiß, weil man sich noch nicht gewöhnt hat, die Dinge, welche in der Menschheitsentwickelung auftreten und die man heute nur unter dem Gesichtspunkte des Mechanismus denkt, diese Dinge auch im ganzen Weitenzusammenhange drinnen unter einem moralischen Gesichtswinkel zu denken.“ (Lit.:GA 172, S. 192)

„Man darf nicht glauben, daß dasjenige, was aus dem Altertum überliefert ist, immer Aberglaube ist, nur haben es vielfach die Späteren so umgestaltet, daß es zum Aberglauben geworden ist. Es ist ja merkwürdig, wie Dinge, die zuerst ganz vernünftig sind, eben später einfach zum Aberglauben werden. Wenn man nicht mehr weiß, wie eigentlich die Sachen ausgeführt werden sollen, dann werden die Dinge zum Aberglauben. So zum Beispiel haben die alten Juden kein Schweinefleisch gegessen. Ja, die haben gewußt, daß bei ihrer Rasse und der Gegend, in der sie waren, das Schweinefleisch sie schwach macht. Dann ist es später Aberglaube geworden. Die Dinge, die später zum Aberglauben werden, gehen immer auf frühere vernünftige Dinge zurück. Wir müssen also nicht glauben, daß das, was als altes Wissen früher vorhanden war, immer unsinnig ist, aber man kann sich nicht immer auf das Alte verlassen, weil die alten Dinge vielfach verfälscht sind. Deshalb muß man alles neu erforschen.“ (Lit.:GA 350, S. 67)

„Man hält heute manches nur für Volksaberglauben und weiß nicht, daß den Ausdrücken in den alten Schriften Wahrheiten zugrundeliegen. Gnomen, Undinen, Sylphen und Salamander wurden im Mittelalter diese Wesen genannt, die niemals ein physisches Dasein haben. Es ist natürlich leicht, etwas zu sagen von diesen Dingen, aber nur derjenige spricht mit vollem Verantwortungsgefühl darüber, der zu unterscheiden weiß, was Aberglaube und was Wirklichkeit ist. Aberglaube tritt auf verschiedenen Stufe auf. Es gibt nicht bloß den Aberglauben, der uns anhaftet, wenn wir an irgendwelche Erscheinungen glauben, die nicht wirklich vorhanden sind. Nein, ein Aberglaube kann auch vorhanden sein bei den größten Gelehrten, auch bei denjenigen, die die Natur nach allen Seiten durchforscht zu haben glauben. Der Glaube an die Materie kann auch ein Aberglaube sein. Die zweite Stufe des Sehens, das spirituelle Sehen, muß der Schüler erreicht haben, um unterscheiden zu können, was physische Wirklichkeit und was Täuschung ist. Dann lernt er auch erkennen, was in der Literatur [über Elementarwesen] auf Wirklichkeit zurückzuführen ist und was nur phantastische Sachen sind.“ (Lit.:GA 88, S. 73)

„Das ist es, was die Geisteswissenschaft dem Menschen bringen wird: daß er nicht das Unerklärliche suchen wird, sondern daß er die Erklärung wird suchen wollen.“ (Lit.:GA 57, S. 165)

„Deshalb kann es sich, wenn über den Aberglauben gesprochen wird, nur darum handeln, daß die Geisteswissenschaft wahrhaftig am allerwenigsten einen Grund hat, diesen oder jenen Aberglauben zu propagieren. Sie steht auf dem Boden, daß das Geistige erforschbar ist und daß es Mittel und Wege gibt, um hineinzudringen in die geistige Welt, durch die man von einem höheren Gesichtspunkte aus die Welt zu überschauen vermag. Dadurch wird der Mensch hinausgeführt über das, was Aberglaube ist, und auch hinausgeführt über das, was Aberglaube im menschlichen Leben als Schaden anrichten kann.“ (S. 167)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Lucifer – Gnosis, GA 34 (1987), ISBN 3-7274-0340-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Wo und wie findet man den Geist?, GA 57 (1984), ISBN 3-7274-0570-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Über die astrale Welt und das Devachan, GA 88 (1999), ISBN 3-7274-0880-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Das Karma des Berufes des Menschen in Anknüpfung an Goethes Leben, GA 172 (2002), ISBN 3-7274-1720-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule von 1904 bis 1914, GA 265 (1987), ISBN 3-7274-2650-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  6. Rudolf Steiner: Rhythmen im Kosmos und im Menschenwesen. Wie kommt man zum Schauen der geistigen Welt?, GA 350 (1991), ISBN 3-7274-3500-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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