Accademia del Cimento

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Kardinal Leopoldo de’ Medici, Begründer der Accademia del Cimento (Porträt von Giovanni Battista Gaulli)
Hauptfassade des Palazzo Pitti, in dem die Versammlungen der Accademia del Cimento stattfanden.

Die Accademia del Cimento (ital. „Akademie des Experiments“) wurde 1657 in Florenz von Großherzog Ferdinando II. de’ Medici und seinem sehr an den Wissenschaften interessierten Bruder, Kardinal Leopoldo de’ Medici, ohne formale Statuten begründet und bestand nur für etwa zehn, allerdings für die Naturwissenschaft äußerst fruchtbare Jahre. Die Mitglieder, die zumeist Schüler oder Anhänger von Galileo Galilei waren, trafen einander in unregelmäßigen Abständen in den Privatgemächern Leopoldos im Palazzo Pitti. Gemäß dem Motto Provando e Riprovando („Versuchen und wieder Versuchen“) bemühten sie sich, die Natur empirisch auf Grundlage reproduzierbarer Experimente zu erforschen. Die Forschungen, durchgeführt auf rein materialistischer Basis, erstreckten sich auf die verschiedensten Gebiete der Physik, Chemie, Biologie und Medizin. Darüber hinaus studierte man vor allem die Werke von Platon, Demokrit, Aristoteles, Robert Boyle und Pierre Gassendi. Die später wiederholt neu aufgelegten Forschungsergebnisse wurden 1667 als Saggi di naturali esperienze veröffentlicht. Danach zerstreute sich die Forschergruppe.

"Alle die Vorstellungen, die heute in Physikbüchern und überhaupt in der Behandlung der Physik herrschend sind, sind ja im Grunde genommen noch nicht alt. Sie rühren im wesentlichen aus dem 17. Jahrhundert her, und zwar haben sie ihren Grundcharakter bekommen durch alles dasjenige, was man im 17. Jahrhundert unter dem Neuaufleben eines gewissen wissenschaftlichen Geistes in Europa veranstaltet hat durch die Accademia del Cimento in Florenz, die 1657 gegründet worden ist und in der außerordentlich viele Experimente auf den verschiedensten Gebieten gemacht worden sind, namentlich aber auf dem Gebiete des Wärmewesens, auf dem Gebiete der Akustik, des Tonwesens und so weiter. Wie jung unsere gebräuchlichen Vorstellungen sind auf diesem Gebiete, das zeigt sich ja, wenn man ein wenig eingeht auf gewisse spezielle Veranstaltungen der Accademia del Cimento. Da wurde zum Beispiel zuerst eigentlich die Grundlage gelegt für unsere moderne Thermometrie. Da wurde zuerst bemerkt, wie in einer Glasröhre, die unten mit einem Zylinder abgeschlossen ist, was Sie ja an jedem Thermometer sehen können, wie da die Erwärmung auf Quecksilber, mit dem die Glasröhre gefüllt ist, wirkt. Da wurde man zum Beispiel erst aufmerksam darauf, daß ein scheinbarer Widerspruch besteht zwischen der Anschauung, die man sonst gewonnen hat, also etwa durch ein solches Experiment, wo eine Flüssigkeit sich einfach ausdehnt, und dem, was sich besonders stark zeigte, indem man einen Versuch, der belehrend sein sollte, machte. Man war so im allgemeinen zu der Anschauung gekommen: Flüssigkeiten dehnen sich auch aus. Aber indem man den Versuch anstellte mit Quecksilber, fiel es zunächst unter der Erwärmung, und dann erst stieg es. Man mußte dafür erst eine Erklärung im 17. Jahrhundert finden, die man ja leicht dafür finden konnte dadurch, daß man sich sagte: Wenn ich erhitze, so erhitze ich zunächst das äußere Glas. Das dehnt sich aus. Der Raum, den das Quecksilber ausfüllt, wird größer; es sinkt zuerst, und der innere Körper beginnt erst etwas zu steigen, wenn die Erwärmung nach dem Inneren vorgedrungen ist. - Solche Begriffe bekam man überhaupt erst seit dem 17. Jahrhundert." (Lit.: GA 321, S. 37f)

Publikationen

  • Saggi di Naturali Esperienze fatte nell'Accademia del Cimento sotto la protezione del Serenissimo Principe Leopoldo di Toscana e descritto dal segretario Lorenzo Magalotti, gedruckt 1667 bei Cecchi in Florenz und 1714 in Neapel bei Raillard.
In dem Sammelband wurde die wesentlichen Forschungsergebnisse der Akademie veröffentlicht.
Das Werk wurde 1684 in englischer Übersetzung bei Alsop in London gedruckt und 1731 in niederländischer Übersetzung von J. und H. Verbeek in Leiden. Ebenfalls 1731 erschien eine lateinische Übersetzung.
Neuauflage 1976, Classici della società italiana, Band 10; eine englische Übersetzung erschien in dem Buch von Middleton 1971 (siehe Literatur).

Literatur

  • Luciano Boschiero Experiment and Natural Philosophy in Seventeenth-Century Tuscany: The History of the Accademia del Cimento, Springer Verlag 2007
  • W. E. Knowles Middleton The Experimenters: A Study of The Accademia del Cimento, Baltimore: The Johns Hopkins Press 1971
  • Giorgio Strano, Marco Beretta (Herausgeber) The Accademia del Cimento and its European context, Watson Publishing 2009 (Beiträge von Rob Iliffe, Mordechai Feingold, Meli u.a.)

Weblinks

Rudolf Steiner
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