Malebolge

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Malebolge (ital. „Üble Säcke“) nennt Dante Alighieri in seiner «Göttlichen Komödie» den Übeltätergraben des Infernos, der aus zehn ringförmigen, aus rostfarbigem Stein gehauenen Sacktälern besteht, die zusammen den achten Höllenkreis bilden.

Luogo è in inferno detto Malebolge,
tutto di pietra di color ferrigno,
come la cerchia che dintorno il volge.

Ein Ort der Hölle, namens Uebelsäcken[1],
Ist eisenfarbig, ganz erbaut von Stein,
So auch die Dämme, die ringsum ihn decken.[2]

Die zehn Gräben des Malebolge

Das mythologische Mischwesen Geryon trägt Dante und Vergil in den achten Höllenkreis hinunter (Illustration von William Blake)
Gustave Doré: Die Bestrafung der Simonisten (1880)
1. Graben (Kuppler und Verführer)

Geryon, ein mythologisches Mischwesen, das in der Imagination Dantes die Gestalt des Menschen, des Löwen und der Schlange in sich vereinigt und das Antlitz eines gerechten, gütigen Menschen hat, trägt Dante und Vergil hinab in den achten Höllenkreis. Im ersten Graben sind die Kuppler und Verführer gefangen und werden von Dämonen mit Peitschenhieben gequält. Dante erkennt hier Caccianemico, der seine Schwester Ghisolabella an Azzo VIII. von Este verkuppelt haben soll.

2. Graben (Dirnen und Schmeichler)

Über einen schmalen Steg ziehen die Wanderer weiter zum zweiten Graben, auf dessen finsterem Grund die Dirnen und Schmeichler im Kot waten und sich gegenseitig verprügeln. Der als großer Schmeichler bekannte Interminei aus Lucca schreit Dante an und dann sehen sie auch die legendäre Hure Thais, die Alexander den Großen im Rausch dazu angestiftet haben soll, den Königspalast in Persepolis niederzubrennen.

3. Graben (Simonisten)

Im dritten Graben büßen die Simonisten, die sich geistliche Würde erkaufen wollten, allen voran der in der Apostelgeschichte genannte Simon Magus, der eine gnostische Sekte begründet haben soll und als erster Herätiker der Kirche gilt. Die Sünder, zu denen auch Papst Nikolaus III. zählt, stecken kopfüber in steinernen Becken, aus denen nur die Beine knieaufwärts hervorragen. An ihren Füßen nagt das Feuer.

4. Graben (Wahrsager und Zauberer)

Wahrsager und Zauberer durchwandern ruhelos den vierten Graben. Ihr tränenüberströmtes Antlitz ist zum Rücken hin verrenkt, sodass sie gezwungen sind, rückwärts zu schreiten.

5. Graben (Betrüger und Betrogene, Bestecher und Bestochene; Amtsmissbrauch)

Den fünften Graben teilen sich Betrüger und Betrogene, Bestecher und Bestochene, die ihr Amt missbrauchten, um sich zu bereichern. Sie büßen in einem Teich voll kochendem Pech und werden von einer Schar von Teufeln mit Bratspießen immer wieder untergetaucht. Kaum erblicken sie Dante und Vergil, rasen sie mit gezückten Spießen auf sie zu, doch Vergil hält sie zurück. Da die beiden Wanderer auf höchsten Befehl hier weilen, müssen die murrenden Teufel widerwillig Dante und Vergil bis zu jenem Steg geleiten, der in den nächsten Graben führt. Durch das große Erdbeben beim Tode Christi ist dieser Steg allerdings vor genau 19 Stunden und 1266 Jahren zerborsten und darum nur schwer zu erklimmen. Ehe sie noch den Steg erreichen, läuft ihnen der findige Ciampolo entgegen, der die dummen Teufel so verwirrt, dass einige Büßer aus dem Pechsee entkommen können, worüber die genarrten Teufel in heftigen Streit geraten. Ciampolo entkommt und zwei heftig streitende Teufel stürzen in den Pechsee und stecken mit verklebten Flügeln darin fest. Während die anderen versuchen, sie mit ihren Spießen herauszuziehen, eilen Dante und Vergil weiter. Wutschnaubend und alle Weisungen missachtend nahen die Teufel mit ausgespannten Flügeln.

6. Graben (Heuchler)

Vergil packt Dante und rutscht rasch mit ihm in den sechsten Graben, wohin ihnen die Teufel nicht folgen dürfen. In schweren goldenen Mänteln, die innen aus Blei bestehen, kommen ihnen weinend und mit schwerem Schritt die Heuchler Catalano und Loderingo entgegen, die dem auffallend weltlichen „Lustigen Orden“ angehört hatten. Auf der Erde gekreuzigt an drei Pflöcken erblicken sie hier auch den Hohepriester Kaiphas.

7. Graben (Diebe und Raubmörder)

Auch die Brücke zum nächsten Graben ist zertrümmert. Mühevoll steigen Dante und Vergil hinab in den siebenten Graben, wo sich fürchterliche Schlangen winden, die die Diebe und Räuber wie Stricke fesseln und sie zerfressen. Plötzlich flammen sie auf und zerfallen zu Asche, aus der sie schnell wieder erstehen wie der Vogel Phönix. Der Kirchenschänder und Raubmörder Vanni Fucci aus Pistoia, der mit obszöner Geste Gott lästert, büßt hier ebenso wie der ihn zornig verfolgende Caccus, der in der Commedia als Zentaur dargestellt ist und einst von Herakles erschlagen wurde. Rufend lösen sich drei Gestalten vom Boden, als eine Echse naht und mit ihren Krallen nach einer der Gestalten stößt und sie dann immer enger und fester umklammert. Wie Wachs verschmelzen beide miteinander und verwandeln sich in einer erstaunlichen Metamorphose wechselseitig ineinander. Die menschliche Gestalt wird zur Echse, die Echse zum Menschen. Dante hält danach eine kurze Strafrede auf Florenz.

8. Graben (hinterlistige Ratgeber)

In flackernde Flammen gehüllt durchschweben wie Glühwürmchen alle hinterlistigen Ratgeber den achten Graben. Eine gespaltene Doppelflamme birgt Diomedes und den listigen Odysseus, der ausführlich von seinem Schicksal berichtet. Dann naht in einer spitzen Flammenhülle, aus der es wie Stiergebrülle tönt, der in der Romangna geborene Krieger und Staatsmann Guido von Montefeltro, der als verschlagener Berater dem Papst gedient hatte.

9. Graben (Zwietrachtstifter)

Im neunten Graben büßen die Zwietrachtstifter. Es sieht aus, als hätten sich hier mit verstümmelten Gliedern die Verwundeten aller Schlachten versammelt, die jemals in Apulien geschlagen wurden. Die klaffenden Wunden schließen sich rasch wieder und werden von einem Teufel mit scharfem Schwert immer wieder aufgerissen. Hier treffen Dante und Vergil auf Mahomet und auf den Troubadour Bertran de Born, der sein abgeschlagenes Haupt am Schopf hält und wie eine Laterne schwingt. Er hatte die Söhne Heinrichs II. von England zur Empörung gegen ihren Vater angestachelt.

10. Graben (Alchemisten, Falschmünzer und Fälscher)

Vergil drängt Dante weiter zum zehnten Graben, wo die Alchemisten, Falschmünzer und Fälscher an ekelhaften Krankheiten leiden. Gestank von angefaulten Gliedern weht herauf. Zwei Büßer, Griffolino und Capocchio, sitzen Rücken an Rücken, von Kopf bis Fuß mit Krätze bedeckt, die sie mit spitzen Fingernägeln abkratzen. Griffolino aus Arezzo hatte vorgegeben, fliegen zu können und wurde verbrannt, weil er den Beweis für seine Künste schuldig blieb. Capocchio, den Dante persönlich kannte, war verbrannt worden, weil er gefälschte Goldbarren hergestellt hatte. Zwei nackte bleiche Schatten kommen mit fletschenden Zähnen wie wilde Schweine gerannt. Sie waren Fälscher der Person. Einer packt Capocchio und schlägt ihm die Hauer ins Genick. Es ist der durch Puccinis gleichnamige Oper nicht ganz unbekannte Gianni Schicchi, der sich ehedem täuschend echt als der sterbende Buoso Donati ausgegeben und dem Notar ein Testament diktiert hatte, das seine eigene Familie begünstigte. Die zweite Schattengestalt ist Myrrha, die Tochter des Assyrerkönigs Kinyras und seiner Gemahlin Kenchreis, die sich damit rühmte, dass ihre Tochter schöner als Aphrodite sei. Zur Strafe ließ Aphrodite die Tochter sich in den Vater verlieben, der, ebenfalls von der Göttin verführt, mit Myrrha, die er ob ihrer verwandelten Gestalt nicht erkannte, den Adonis zeugte.

Mit einem von schwerer Wassersucht aufgeblähten Bauch erscheint schließlich noch der Falschmünzer Adamo, der mit Sinon, welcher die Trojaner überredet hatte, das hölzerne Pferd in die Stadt zu bringen, in heftigen Streit gerät. Dante sieht fasziniert zu und schämt sich dann dafür.

Dante und Vergil ziehen weiter und gelangen an den Rand des neunten Höllenkreises, aus dem die Gestalten der Riesen wie Wehrtürme hervorragen.

Der Zersplitterer

Hauptartikel: Zersplitterer

Dem achten Höllenkreis entspricht der sog. Zersplitterer, der nach Rudolf Steiner die achte Schicht des Erdinneren ist:

„Die achte Schicht, die ebenfalls auf der siebenten Einweihungsstufe[3] wahrnehmbar wird, hat nicht bloß irgendwelche physische Eigenschaften, sondern auch moralische, sie verwandelt alle moralischen Eigenschaften, welche die Menschen entwickeln, in ihr Gegenteil. Alles, was auf Erden verbunden ist, das wird dort getrennt und zerstreut. Alle moralischen Gefühle, wie Liebe, Mitleid, sind dort in ihr Gegenteil verwandelt, in Härte, Brutalität und so weiter. Man nennt diese Schicht den Zersplitterer.

Die neunte Schicht ist das Erdgehirn. Dort wirkt das Böse magisch. Schwarzmagische Kunst steht damit in Verbindung. Der weiße Pfad wird dort schwarz.

Es ist viel schwieriger, das Erdinnere zu erforschen, als den Astral- und Devachanplan. Diese Erforschung gehört wirklich zum Allerschwierigsten. Was Sinnett in seinem Buch: «Esoterischer Buddhismus » über das Erdinnere sagt, ist nicht richtig. Statt daß er selbst als Hellseher forschte, gebrauchte er ein Medium. Nur in der eigentlichen Rosenkreuzerschule vermag man vom Erdinnern zu sprechen. Und in den besten Zeiten des Christentums hat man das Erdinnere ähnlich betrachtet. Die nordischen Mysterien, die Trotten- und Druidenmysterien haben auch ziemlich ausführlich davon gesprochen. In poetischer Weise spricht auch Dante in seiner «Göttlichen Komödie» vom neunteiligen Erdinnern. Die achte Schicht finden Sie dort als Kainsschicht[4], weil durch Kain das Böse, das Zersplitternde in die Welt gekommen ist.“ (Lit.:GA 94, S. 181)

Anmerkungen

  1. XVIII. 1. Uebelsäcken, im Original: Malebolge. Bolgia heißt ein Felleisen, ein Mantelsack. Diesen Namen gibt Dante den zehn Abtheilungen des achten Kreises, in welchen die verschiedenen Gattungen des Betrugs bestraft werden, wahrscheinlich um deshalb, weil er sie als lange enge Schlünde beschreibt, und in dieser Gestalt Aehnlichkeit mit einem Mantelsack, folglich wohl auch mit einem gewöhnlichen Sacke findet. Da die Benennung Malebolge im Italienischen einen bestimmten Begriff erweckt, so hat der Uebersetzer geglaubt, sie durch ein Wort wiedergeben zu müssen, welches einen ähnlichen Begriff ausdrückt. Ganz dasselbe Bild gibt es allerdings nicht wieder, weil ein Sack nicht, wie ein liegendes Felleisen, der Länge nach oben geöffnet ist. Indessen ist kein passenderes und zugleich deutliches Bild, welches auch schicklich einen Ortsnamen abgeben könnte, zu finden gewesen. Das Bild des Ortes selbst, wie es zum achtzehnten Verse gezeichnet ist, wird hoffentlich bei aufmerksamer Betrachtung deutlich genug hervortreten und jede Erläuterung unnöthig machen.
  2. nach der deutschen Übersetzung von Carl Streckfuß [1]
  3. Rudolf Steiner bezieht sich hier auf die siebente und höchste Stufe des christlichen Schulungswegs.
  4. In Dantes «Göttlicher Komödie» ist allerdings die „Caina“, der Kainsort, bereits der erste Abschnitt des neunten Höllenkreises.

Weblinks

Commons-logo.png Commons: Göttliche Komödie - Weitere Bilder oder Audiodateien zum Thema