Lilith

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Michelangelo: Verführung und Fall Adams und Evas., Lilith, als Mischwesen aus Frau und Schlange dargestellt, reicht Eva den Apfel. Ausschnitt eines Deckengemäldes in der Sixtinischen Kapelle.

Lilith (sumerisch DINGIRLIL.du/LIL.LU, babylonisch Lilitu, hebr. לילית, „Eule, Kreischeule[1], „weiblicher Dämon[2]“) war eine alte Gottheit aus Sumer (Göttin des Windes in großer Höhe), die bei der Erschaffung der Welt eine undurchsichtige Rolle spielte und schließlich wegen ihrer Bosheit aus dem Paradies-Garten der Inanna vertrieben wurde. In der Folge wird sie im alten Orient mit einem weiblichen Mischwesen gleichgesetzt. In späteren Zeiten wird Lilith meist geflügelt dargestellt. Sie kommt sowohl in mythologischen und magischen als auch literarischen Texten vor. In der Astrologie wird Lilith als der „Schwarze Mond“ ( Lilith symbol.svg ) bezeichnet und heute gleichgesetzt dem Apogäum oder dem zweiten Brennpunkt der elliptischen Mondbahn.

Nach Rudolf Steiner erscheint Lilith in der Walpurgisnacht von Goethes Faust als Imagination von Fausts teilweise gelockertem (weiblichen) Ätherleib (Lit.: GA 273, S. 52f).

Etymologie

Neben der sumerischen Form DLIL.LU bestanden weitere literarische Bezeichnungen sowie Gleichsetzungen mit anderen Gottheiten. Als Gottheit KI.SIKIL.LIL.LA („Reiner Ort des Windes“) erscheint sie auch in Form der Göttin (w)ardat-LIL.I (LIL.LU), die zum Zeitpunkt der Schöpfung durch ihren negativen Einfluss in die Steppe verbannt wird und fortan als ruhelos und ohne festen Wohnort gilt. Der in diesem Zusammenhang auch verwendete Begriff BAḪAR („Töpfer“) weist auf das Töpferhandwerk, Symbolbestandteil der sumerischen Schöpfungsgötter.

Die Lesung lil2 als „lillu“ deutet auf die Bedeutung Tölpel (LIL.MEŠ): Luftwesen, die sich nur unbeholfen auf der Erde fortbewegen konnten. Die Grundform LIL (Wind) zeigt die Charakteristik als Luftgottheit. In der späteren Zeit taucht die gleichgesetzte Göttin DLi-lum und DLe-el-lu-um in Mari als „Nächtlicher Schutzwind“ auf.

Die mythologischen Zusammenhänge und Wandlungen lassen eine eindeutige Übersetzung deshalb nicht zu. Sicher belegt ist nur ihre ursprüngliche Zugehörigkeit zu den Luftwesen, die als Nachkommen aus der Verbindung von Mutter- und Schöpfungsgottheiten gelten. Die meistgenannten Bedeutungen „Windhauch, Schützer des Windes“, „Tölpel der Städte“ und „Nachtwind“ zeigen die Vielfältigkeit der verwendeten Synonyme.

Häufig wird der Name Liliths auch von hebr. ליל LIL = Nacht abgeleitet, was zwar als wissenschaftlich nicht haltbare Volksetymologie gilt, aber dennoch eine tiefere geistige Wahrheit ausspricht, denn Lilith steht in enger Beziehung zu den Geistern der Nacht, die in der Genesis als Laj'lah (hebr. לילה) bezeichnet werden (Lit.: GA 102, S. 195). Die Laj'lah, die zurückgebleibene Urengel (Archai) sind, wirken bis heute in den lebenswichtigen Aufbaukräften, die während des Schlafes am physischen und Ätherleib arbeiten und dadurch die Schäden wieder ausbessern, die durch unser Tagesbewusstsein angerichtet werden. לילית bedeutet im Hebräischen auch „Eule“ bzw. „Kreischeule[1]. Die «Uhu»-artigen Laute der Eulen weisen durch die Betonung des U-Lautes, des Saturn-Lautes, auf ein (geistiges) Erwachen in tiefster Nacht, das im Extremfall sogar mit einer Lockerung des Ätherleibs verbunden ist, der dann in der Imagination als weibliche Lilith-Gestalt erscheint, wie es nach Rudolf Steiner etwa in der «romantischen Walpurgisnacht» in Goethes Faust I geschildert wird (siehe unten). Damit mag auch eine zarte Wiedererweckung des Bewusstseinszustands verbunden sein, in dem die Menschheit auf dem alten Saturn war, wo der physische Leib des Menschen zunächst als reiner Wärmeleib veranlagt und die Grundlage für die Sinne geschaffen wurde.

„Das u bedeutet, daß wir eigentlich immer aufwachen, mehr aufwachen, als wir aufgewacht sind. Wer u ausspricht, deutet darauf hin, daß er aufwachen möchte in bezug auf den Gegenstand, den er wahrnimmt. Man kann nicht stärker ausdrücken, daß man aufwachen möchte, als wenn die Eule sich geltend macht. Dann sagt man «Uhu». Die Eule veranlaßt, daß man so recht wachen möchte der Eule gegenüber.“ (Lit.:GA 282, S. 69f)

Darstellungen in späteren Epochen

Altsumerische Zeit

Wahrscheinliche Darstellung der Göttin Lilitu (Burney-Relief aus dem Britischen Museum)

Im Zusammenhang mit der Erzählung Inanna und der Huluppu-Baum ist die Göttin Lildu (Lilitu) sitzend unter den Ästen des Weltenbaumes mit einer Hörnermütze zu erkennen, dessen Wipfel niedergebogen den Boden berühren. Von außen versucht der Gott Utu die Baumwohnung zu zerstören, indem er die Äste entfernt und mit den Füßen einzudringen versucht.

Zusätzlich beherbergt der Huluppu-Baum eine weitere Gottheit, die die heranwachsende Vegetation verkörpert und durch die Zweckentfremdung der Baumkrone in ihrer Entstehung gehindert wird.

Altbabylonische Zeit

Das Burney-Relief zeigt Lilitu mit der vierfachen Hörnerkrone, die sie als Göttin ausweist. Statt menschlicher Füße hat sie vogelähnliche Krallen. Die herabhängenden Flügel sind das typische Symbol einer Unterweltgottheit. Als Herrschaftssymbol trägt sie Ring und Stab in den Händen. Flankiert von zwei Eulen steht Lilitu auf zwei liegenden Löwen.

Erhaltene Farbreste bezeugen, dass Lilitu ursprünglich einen roten Körper hatte. Die Flügel und die Mähnen der Löwen waren schwarz. Die Flügel der Eulen hatten im Wechsel die Farben rot und schwarz. Im unteren Bildbereich ist eine doppelte Schuppenreihe zu erkennen, Symbol für das Gebirge und das Land ohne Wiederkehr (Totenreich).

Da es keine Bildbeschreibung gibt, muss offen bleiben, ob es sich um die direkte Darstellung von Lilitu oder um die gleichgesetzte Nebenform der Ištar als DNIN.NIN.NA (Göttin der Eulen) handelt. Auch eine Verbindung mit DKI.LIL.I als Schutzpatronin der Prostituierten kommt in Frage.

Jüdische Legenden um Lilith

Lady Lilith, Gemälde von Dante Gabriel Rossetti, 1866–68, 1872–73, Delaware Art Museum
John Collier: Lilith

Die Legenden um Lilith werden in verschiedenen, ähnlich gearteten Varianten geschildert. Danach erschuf Gott Adam und Lilith aus demselben Lehm, um Adam eine Partnerin zu schenken. Gott holte Lilith vor der ersten Nacht noch zu sich und sagte ihr, sie solle Adam untertan sein (einige deuten dies so, dass sie beim Geschlechtsakt unten zu liegen habe, was aber höchstens metaphorisch zu verstehen ist, da es damals eine Körperlichkeit im heutigen Sinn noch nicht gab). Dies wurde von Lilith nicht akzeptiert, denn der Lehm, aus dem Lilith erschaffen worden war, war durch den Speichel des verstoßenen Samael verunreinigt worden. Samael ist in der Gnosis auch einer der drei Namen Jaldabaoths, des als böse angesehenen löwenköpfigen Schöpfers der materiellen Welt, und hängt wohl auch mit dem in der ersten Hälfte der Erdentwicklung erfolgtem Marsdurchgang zusammen. Lilith stritt sich mit Adam und verschwand dann aus dem Paradies in die Wüste. Dort verkehrte sie jeden Tag mit tausend Mischwesen und brachte tausend Kinder pro Tag auf die Welt. Adam beklagte sich bei Gott über seine Einsamkeit, welcher ihm dann Eva aus seiner Rippe erschuf. Lilith musste es auf sich nehmen, dass täglich hundert von ihren Kindern sterben sollten, blieb aber selbst unsterblich, da sie nie die verbotene Frucht vom Baum der Erkenntnis gegessen hatte.

In einigen jüdischen Sagen wird Lilith als der letzte Engel der zehn unheiligen Sephiroth beschrieben und gefürchtet; denn der Legende nach wurden alle Kinder der Lilith getötet, da sie sich mit der Flucht aus dem Paradies Gottes Willen widersetzte. Man sagt, Lilith raube aus Vergeltung nachts die Kinder der Menschen aus ihren Krippen und töte sie. Um sich davor zu schützen, befestigten die Menschen früher Pentagramme an den Krippen, auf denen die vier Flüsse des Paradieses, sowie die Namen der Engel Sanvai, Sansanvi und Semangloph, die Lilith einst im Auftrag Gottes jagten und ihre Kinder mordeten, zu sehen waren.

"Als der Herr Adam erschaffen hatte, sprach er: Es ist nicht gut, dass ein Mensch allein sei. Und er schuf ihm ein Weib aus der Erde, aus der auch Adam gebildet war, und hieß ihren Namen Lilith. Alsbald hatten beide Streit miteinander, und Lilith sprach: Bist doch nur meinesgleichen, beide sind wir von Erde genommen; und hörte nicht eins auf den Willen des andern.

Und wie nun Lilith sah, dass kein Friede war, sprach sie den wahrhaften Namen Gottes aus und flog davon in die Lüfte.

Da stand Adam und betete vor seinem Schöpfer und sprach: Herr der Welt! das Weib, das du mir gegeben hast, es ist von mir gegangen. Da schickte der Herr drei Boten, um die Lilith zurückzubringen, und er sprach zu ihnen: Will sie zurückkommen, so ist es gut, will sie aber nicht, so muss sie es auf sich nehmen, dass täglich hundert von ihren Kindern sterben.

Und die Engel verließen den Herrn und gingen der Lilith nach und fanden sie im Meer, in reißendem Wasser stehen, an derselben Stelle, wo dereinst die Ägypter ertrinken sollten. Und die Engel erzählten der Lilith, was der Herr gesprochen hatte. Aber sie wollte nicht umkehren; da sprachen die Engel: Wir ertränken dich im Meer. Sprach Lilith: Lasset ab von mir, wisset ihr nicht, dass ich nicht umsonst erschaffen bin, und dass es meine Bestimmung ist, Säuglinge zu verderben; ist's ein Knabe, so habe ich bis zu seinem achten Tage über ihn Gewalt, ist's ein Mägdlein, so habe ich bis sie zum zwanzigsten Tage. Doch schwor sie den Engeln im Namen des lebendigen Gottes, dass sie allezeit, wenn immer sie ihre Gestalten oder ihre Namen erblicken wird, von dem Kinde lassen würde. Auch nahm sie es auf sich, dass täglich ihrer eigenen Kinder hundert sterben sollten. Das geschieht auch.

Die drei Boten aber hießen mit ihren Namen: Senoi, Sansenoi und Samangelof. Und diese drei Namen schreiben wir auf die Amulette der Neugeborenen, damit Lilith sie sehe, an ihren Schwur erinnert werde und das Kind verschone." (Lit.: Die Sagen der Juden I, S 323f) [2]

Nach anderen Überlieferungen wurden Samael (hier Semael genannt) und Lilith gemeinsam beim Bruch der Gefäße (hebr. שבירת הכלים, Schvirat ha-Kelim) geschaffen:

"Nachdem das erste Licht der Schöpfung verhüllt worden war, ward die Kelippa, das Urböse, erschaffen. Und von der Kelippa kam ein Doppelwesen, das ihr glich (dies war Semael, der böse Geist, und Lilith, sein Weib). Und wie die Lilith da war, stieg sie auf und erreichte die Sphäre des kleinen Gesichtes (hebr. זעיר אנפין, Zeir Anpin oder Mikroprosopon). Und es überkam sie ein Verlangen, sich mit dem Gesicht zu vereinigen, und wollte nicht davon lassen. Der Herr aber trennte sie davon uns stieß sie nach unten.

Und es geschah, nachdem Adam erschaffen worden war - und der Herr schuf ihn, auf dass er der Lilith Vergehen wiedergutmachte in der Welt -, da sah Lilith einmal Eva ihren Mann Adam in Liebe umarmen, und sie sah, dass Adam von himmlischer Schönheit war, und sein Bild war vollendet. Da flog sie wieder nach oben und wollte sich abermals mit dem kleinen Gesicht zusammentun. Aber die zwei Himmelswächter ließen sie nicht hinein, und der Herr schrie sie an und warf sie in die Tiefe des Meeres; dort blieb sie auch wohnen.

Und es geschah, nachdem Adam und Eva Sünde getan, da zog der Herr Lilith wieder aus des Meeres Tiefe hervor und gab ihr die Gewalt über das Leben der Kinder, und es sollten an ihnen die Sünden ihrer Väter heimgesucht werden.

Seit jener Zeit schweift Lilith in der Welt umher; sie versucht immer, den Toren des unteren Edens nahe zu kommen, aber da erblickt sie sogleich die zwei Cherubim, welche das Tor bewachen; sie setzt sich dem flammenden Schwert gegenüber, aber in dem Augenblick, da das Schwert sich wendet, flieht sie davon, kehrt in die Welt zurück und schweift dort wieder umher. Findet sie dann Kinder, die gestraft werden sollen, so fängt sie mit ihnen ein Spiel an und tötet sie; ihre Macht währt aber nur in der Zeit des abnehmenden Mondes, wo sein Licht sich vermindert." (Lit.: Die Sagen der Juden I, S 325f) [3]

Die spätere jüdische Tradition bringt Lilith auch mit König Salomo und mit dem Dämonenfürsten Asmodäus in Beziehung[3][4]. So soll die legendäre Königin von Saba, die Salomo zur Zeit des Tempelbaus besuchte, in Wahrheit Lilith gewesen sein. Und die beiden Dirnen, die Salomo um ein Urteil baten (1 Kön 3,16-28 EU), wem das Neugeborene, um das sie stritten, gehören solle, seien Lilith und deren Tochter Na'ama gewesen[5].

In diesem Zusammenhang wird auch von alten und jungen Lilith gesprochen:

"Der Herr machte den Asmodäus zum König der Geister; aber nur am zweiten Tag der Woche darf er anklagen und seinen Schaden tun. Zwar wird Asmodäus der große König berGeister genannt, aber er ist dennoch dem Semael untergeben, welcher der große Fürst heißt; Asmodäus ist unter Hand und Herrschaft. Die alte Lilith ist das Weib Semaels, die junge Lilith ist das Weib Asmodäus'.

Die alten Weisen erzählten auch, dass zwischen Semael, dem großen Fürsten, und Asmodäus, dem Könige der Dämonen, eine Eifersucht entbrannt ist um Lilith, welche die Jungfrau Lilith genannt wird. Vom Kopf bis zum Nabel gleicht diese Lilith einem schönen Weibe, vom Nabel abwärts aber ist sie eitel Feuer und Flamme.

Von Asmodäus aber und seinem Weib kam der große Himmelsfürst, der über achtzigtausend Plager und Verderber herrscht. Man nennt ihn das Schwert des Königs Asmodäus; auch sein Antlitz ist Feuer und Flamme." (Lit.: Die Sagen der Juden I, S 327) [4]

In jüdisch-feministischer Theologie wird Lilith als eine Frau dargestellt, die sich nicht Gottes, sondern Adams Unterordnungswillen entzieht und im Gegensatz zu Eva resistent gegen den Teufel ist. Sie symbolisiert positiv die gelehrte, starke Frau.

In einer anderen Version brachte Lilith als erste Frau Adams Gott dazu, ihr seinen heiligen Namen zu verraten. Der Name verlieh ihr anschließend unbegrenzte Macht. Lilith verlangte Flügel von Gott und flog davon.[6]

Lilith wird auch im jüdischen Talmud wie auch in einer Textstelle (Jes 34,14 EU) der Bibel erwähnt.

Lilith in der Bibel

In der Bibel wird der Name Lilith nur einmal genannt. Im Buch Jesaja wird in einer prophetischen Rede die Verwüstung Edoms geschildert, und dass auf seinen Ruinen Tiere und andere Wesen hausen werden, darunter auch Lilith: „Da treffen Wüstentiere mit wilden Hunden zusammen, und Bocksdämonen begegnen einander. Ja, dort rastet die Lilit und findet einen Ruheplatz für sich.“ (Jes 34,14 ELB)[7] Die Elberfelder Bibel deutschte, wie einige andere Bibelübersetzungen, das hebräische Wort „lilit“ mit „Lilit“ ein. Andere Bibelübersetzungen, wie zum Beispiel die Lutherbibel übersetzen Lilit mit „Nachtgespenst“ und die Neue Welt Übersetzung mit „Nachtschwalbe“[8].

Lilith als Symbolfigur der Emanzipation

Lilith wurde im Feminismus zum Symbol und die ersten Frauenbuchhandlungen und Frauencafés nannten sich oft Lilith. Auch als weiblicher Vorname wurde Lilith beliebt, siehe Lilith. In Lilith sehen einige Menschen die Gegenheldin zu der biblischen Eva, die in der patriarchalen Tradition stehe.

Der Lilithmythos symbolisiere die Selbständigkeit der Frau und den (bereits biblischen) Versuch der Männer, diese mittels einer höheren Autorität zu unterdrücken. In der Psychologie stehen sich hier zwei scheinbar gegensätzliche Eigenschaften der Frauen gegenüber – Sinnlichkeit, Leidenschaft, Sexualität (Lilith) und Mütterlichkeit, Bescheidenheit, Folgsamkeit (Eva). Diese Gegensätzlichkeit unterscheidet sich von derjenigen zwischen Venus (Sinnlichkeit, Leidenschaft, Sexualität) und Mond (Mütterlichkeit, Hingabe), die der astrologischen Psychologie als ein psychologischer Grundkonflikt der Frau gilt, der sich auch in den idealen Frauenbildern von Männern spiegelt. Venus (Aphrodite) kann auch konventionell sein (im Erfolgsinteresse), und kommt auch in patriarchalischen Verhältnissen auf ihre Kosten. Der mythologische Gehalt der Lilith-Figur entspricht auch nicht dem Konflikt zwischen altem und neuem Adam bzw. alter und neuer Eva. Lilith ist nicht die neue, christliche Eva.

Lilith als Symbolfigur der Ambivalenz der Seele

In talmudischen Quellen (3. bis 5. Jhd. n. Chr.) geistert Lilith als Nachtdämon umher und wird erst ab dem 9. Jahrhundert n. Chr. zu Adams erster Frau erhoben.

In der Astrologie bezeichnet Lilith einen „dunklen Zwilling des Mondes“ (auch „schwarzer Mond“). Als materieller Trabant unseres Planten wurde er 1918 von dem Astrologen Sepharial postuliert. Der heute teilweise in Horoskopen verwendete Planet Lilith ist jedoch kein realer Himmelskörper, sondern der (neben der Erde) zweite Brennpunkt der elliptischen Mondbahn.[9] Nach Joëlle de Gravelaine beschreibt er unser Verhältnis zum Absoluten, zum Opfer, aber auch zum Loslassen.[10]

Im übrigen sind Lilith-Figuren in der Dichtung häufig ironisch gebrochen z. B. in Ernst Penzoldts Die Powenzbande.

Lilith in Goethes Faust

In Goethes Faust erscheint Lilith in der Walpurgisnacht. Auf Fausts Frage nach ihr erhält er folgende Antwort von Mephisto: „Lilith ist das.“ [Faust: „Wer?“] „Adams erste Frau. Nimm dich in Acht vor ihren schönen Haaren, vor diesem Schmuck, mit dem sie einzig prangt. Wenn sie damit den jungen Mann erlangt, so lässt sie ihn sobald nicht wieder fahren.“ Lilith ist hier ein dämonisiertes Gretchen, das Männer verführt und Neugeborene tötet.

Rudolf Steiner weist darauf hin, dass in der Walpurgisnacht auch der Ätherleib Fausts gelockert wird und ihm - da er ein Mann ist - in weiblicher Gestalt als Lilith erscheint:

"Und jetzt wird darauf hingewiesen, wie das Seelische heraus muß aus dem Leibe, wie auch noch ein Stück Ätherleib herausgeholt werden muß, was während der ganzen Erdenentwickelung sonst nicht geschieht, als wie in einem besonderen Herausfahren, ich möchte sagen, in einer Art Natur-Initiation. Der Ätherleib des Faust ist mitgegangen zum Teil; das wird, weil der Ätherleib - ich habe das öfter erwähnt - des Mannes weiblich ist, als Lilith gesehen. Das führt hinauf in Zeiten, in denen der Mensch überhaupt nicht so konstituiert war. Lilith ist der Sage nach Adams erste Frau und Luzifers Mutter. Also hier sehen wir, wie schon luziferische Künste, die dem Mephistopheles auch zu Hilfe stehen, mit spielen, wie aber doch etwas Niedriges dabei ist. Das ist in der nachfolgenden Rede der Fall, die einer Verführung gleichkommt. Faust fürchtet sich ohnedies schon, daß ihm das Bewußtsein schwinden könnte, und dafür möchte Mephistopheles schon sorgen, daß Faust das Bewußtsein verliert und so recht untertaucht. Er hat ihn nun dazu gebracht, sogar ein Stück Ätherleib herauszuziehen, so daß er die Erscheinung der Lilith haben kann. Er möchte schon, daß es recht weit käme, daher verführt er ihn zu diesem Hexentanz, wo er selber mit der alten Hexe tanzt und Faust mit der jungen Hexe." (Lit.: GA 273, S. 52f)

„Bei allen früheren Führern der Menschheit in der zweiten und dritten nachatlantischen Kulturperiode, bei denen bloß vorhanden war ein Sprechen der übersinnlichen Welten durch sie, war es so, daß sie gewissermaßen ihren eigenen Ätherleib als etwas vom physischen Leib Getrenntes wahrnehmen konnten. Wenn in den Kulturen des alten Hellsehens, auch bei den Kelten noch, der Mensch etwas wahrnehmen sollte, was er seinen Mitmenschen zu offenbaren hatte, dann wurde ihm das dadurch geoffenbart, daß sein Ätherleib selber aus ihm heraustrat. Dieser Ätherleib war dann Träger derjenigen Kräfte, die sich zu ihm niedersenkten. Wenn nun die Verkünder Männer waren und also ihre Ätherleiber weiblich waren, so nahmen sie dasjenige, was ihnen etwas aus den geistigen Welten vermittelte, in weiblicher Gestalt wahr.“ (Lit.:GA 124, S. 125)

Lilith im Film

Es gibt unterschiedliche Bearbeitungen der Lilith-Sage, z. B. Robert Rossens Film Lilith mit Warren Beatty in der Hauptrolle. Er handelt von einem Therapeuten, der sich in einem Nobel-Sanatorium einer mysteriösen jungen Frau annimmt und in der Folge unter Wahnvorstellungen leidet.

Lilith tritt auch in verschiedenen Bearbeitungen als Vampirin oder verstoßener Engel auf, etwa in dem Anime Neon Genesis Evangelion sowie in der Serie Supernatural.

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 siehe Strong's Concordance 3917
  2. Die Zuweisung negativer Eigenschaften zum Begriff Dämon erfolgte erst im Mittelalter; Übersetzung vgl. Gesenius, Wilhelm: Wilhelm Gesenius' hebräisches und aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament / Wilhelm Gesenius. In Verb. mit ... bearb. von Frants Buhl. - Berlin ; Göttingen ; Heidelberg : Springer, 1962, S.385
  3. Hurwitz, S 24
  4. Scholem, S 165ff
  5. Zingsem, S 34f
  6. Martin Bocian: Lexikon der biblischen Personen. Kröner, 2004, ISBN 3-520-46002-5.
  7. Hier Elberfelder Bibelübersetzung, Luther übersetzte Lilith mit „Nachtgespenst“.
  8. Hier Neue Welt Übersetzung, NWÜ übersetzt Lilit mit „Nachtschwalbe“.[1]
  9. www.astro.com: Lilith – the Dark Moon.
  10. Joëlle de Gravelaine: Lilith und das Loslassen. In: Astrologie Heute Nr. 23, 2006

Literatur

  • Swantje Christow: Der Lilith-Mythos in der Literatur. Der Wandel des Frauenbildes im literarischen Schaffen des 19. und 20. Jahrhunderts. Shaker, Essen 1998, ISBN 978-3-8265-3852-0.
  • Hans-Christian Huf: Das Bibelrätsel. Geheimnisse der Heiligen Schrift. Econ, Berlin 2005, ISBN 978-3-430-14875-7.
  • Siegmund Hurwitz: Lilith – die erste Eva. Eine Studie über dunkle Aspekte des Weiblichen. Mit einem Vorwort von Marie-Louise von Franz. Daimon, Zürich 1980 (5. überarbeitete Auflage 2004), ISBN 978-3-85630-633-5, Auszüge bei google books
  • Manfred Hutter: Lilith. In: K. van der Toorn, B. Becking, Pieter W. van der Horst (Hrsg.): Dictionary of Deities and Demons in the Bible. Leiden, Boston, Köln, zweite Auflage 1999, S. 520-521
  • Hans-Joachim Maaz: Der Lilith-Komplex. Die dunklen Seiten der Mütterlichkeit. Beck, München 2003, ISBN 3-406-49335-1.
  • Dorothee Pielow: Lilith und ihre Schwestern. Zur Dämonie des Weiblichen. Grupello, Düsseldorf 1998, ISBN 3-928234-94-3.
  • Gershom Scholem: Lilith u'malkat scheva i. Peraqim chadaschim me'injenei Aschmedei ve' Lilith i. TZ Vol. XIX pag. 165ff
  • Vera Zingsem: Lilith, Adams erste Frau. Klöpfer & Meyer, Tübingen 1999 (2. erweiterte Auflage 2003), ISBN 978-3-937667-55-3.
  • Diane Wolkenstein, Samuel Noah Kramer: Inanna – Queen of Heaven and Earth. Rider & Co, 1984, ISBN 0-09-158181-8.
  • Heide Göttner-Abendroth: Inanna, Gilgamesch, Isis, Rhea – Die großen Göttinnenmythen Sumers, Ägyptens und Griechenlands. Ulrike Helmer Verlag, Königstein 2004, ISBN 3-89741-158-X.
  • Micha Josef Bin-Gorion: Die Sagen der Juden, Band 1, Frankfurt 1919 [5]
Rudolf Steiner
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