Adler

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Steinadler (Aquila chrysaetos)

Adler ist umgangssprachlich eine zusammenfassende Bezeichnung für eine Vielzahl großer Greifvögel, im engeren Sinn ist damit der Echte Adler (lat. aquila) gemeint.

Wie bei allen Vertretern der Klasse der Vögel ist beim Adler das Kopfprinzip besonders stark ausgebildet. Er ist daher auch ein treffendes imaginatives Bild für das Nerven-Sinnes-System im dreigliedrigen menschlichen Organismus. Als Symbolfigur repräsentiert er die Macht und den Aufschwung des siegreichen Geistes und ist darum auch das Evangelistensymbol des Evangelisten Johannes. Das Gegenbild dazu ist der Skorpion, der mit seinem Stachel ein Sinnbild für den abtötenden Verstand ist. Nach dem Löwen ist der Adler das beliebteste Wappentier. In der griechischen Mythologie galt er als Vogel des Zeus bzw. des römischen Jupiter. Aithon (griech. Αἴϑων Aíthōn „der Glänzende“, „der Funkelnde“ oder „der Brennende“, latinisiert Aethon), der Adler des Zeus, nagt an der Leber des zur Strafe an den Kaukasus geswchmiedeten Prometheus, bis er schließlich durch den Pfeil des Herakles getötet wird. Der mythische Vogel Greif, ein imaginativ zu schauendes Mischwesen, trägt den Kopf und Hals des Adlers und oft auch dessen Flügel, so wie auch die geflügelte Sphinx (Tetramorph) Adlerflügel trägt.

Der Adler und sein Zusammenhang mit den äußeren Planeten

"Wenn wir nun die Organisation des Adlers ins Auge fassen, dann haben wir vor allen Dingen darauf zu sehen, inwiefern die Sonnenkräfte modifiziert werden, verstärkt oder geschwächt werden durch das Zusammenwirken der Sonne mit Saturn, Jupiter, Mars. Nicht umsonst spricht die Legende davon, daß der Adler eigentlich Jupiters Vogel ist. Der Jupiter steht überhaupt da als Repräsentant für die äußeren Planeten. Wenn wir uns schematisch das hinzeichnen, um was es sich dabei handelt, dann müssen wir uns hinzeichnen die Sphäre, die im Weltenraum, im Kosmos der Saturn hat, die Sphäre, die der Jupiter hat, die Sphäre, die der Mars hat (Tafel I / Zeichnung S. 30). Stellen wir das einmal vor unser Auge hin: die Saturnsphäre, die Jupitersphäre, die Marssphäre; dann finden wir den Übergang zur Sonnensphäre, und wir haben sozusagen im Äußersten unseres Planetensystems ein Zusammenwirken von Sonne, Mars, Jupiter, Saturn.

Und wenn wir den Adler in den Lüften kreisen sehen, dann sprechen wir durchaus eine Realität aus, wenn wir sagen: Diejenigen Kräfte, die von der Sonne aus die Luft durchströmen, so daß sie zusammengesetzt sind aus dem Zusammenwirken von Sonne mit Mars, Jupiter und Saturn, die sind es, die in der ganzen Gestalt, in der Wesenheit des Adlers leben. Sie leben aber zugleich in dem Gebilde des menschlichen Hauptes. Und wenn wir den Menschen hineinstellen in bezug auf sein wirkliches Dasein - man möchte sagen, auf Erden ist er ja nur in seinem Miniaturbilde - in das Weltenall, dann müssen wir ihn hineinstellen in die Adlersphäre seinem Haupte nach. Wir müssen uns also den

Tafel I / Zeichnung S. 30

Menschen seinem Haupte nach hineingestellt vorstellen in die Adlersphäre, und haben damit dasjenige im Menschen gegeben, was mit den Kräften nach oben zusammenhängt." (Lit.: GA 230, S. 29f)

Das Gefieder und die Gedankenbildung

Die Sonnenkräfte, die das Gefieder des Adlers und auch jedes anderen Vogels bilden, sind dieselben, die das menschliche Gehirn zum Denkorgan formen:

"Dann, wenn wir uns so richtig versenken in diese Adlernatur, wenn wir verstehen, inneres künstlerisches Naturverständnis zu entwickeln, welches das Geistige mitenthält, wenn wir hinschauen können, wie künstlerisch herausgebildet wird aus den Sonnenimpulsen, die verstärkt sind durch andere Impulse, die ich nachher nennen werde, wenn wir das sehen, wie gleichsam diese Sonnenimpulse hinfluten über den Adler, schon bevor er aus dem Ei gekrochen ist, wie sie das Gefieder herauszaubern oder eigentlich, besser gesagt, hineinzaubern in seine Fleischesgestalt, und uns dann fragen: Was bedeutet denn das für den Menschen? - Ja, das bedeutet für den Menschen dasjenige, was sein Gehirn zum Träger der Gedanken macht. Und Sie sehen richtig hin in den Makrokosmos, in die große Natur, wenn Sie den Adler so ansehen, daß Sie sagen: Der Adler hat sein Gefieder, seine vielfarbigen, bunten Federn; in denen lebt dieselbe Kraft, die in dir lebt, indem sie dein Gehirn zum Gedankenträger macht. Dasjenige, was dein Gehirn faltet, was dein Gehirn fähig macht, jene innere Salzkraft aufzunehmen, die die Grundlage des Denkens ist, was dein Gehirn überhaupt dazu macht, dich zu einem Denker zu bilden, das ist dieselbe Kraft, die dem Adler in den Lüften sein Gefieder gibt. - So fühlen wir uns verwandt, indem wir denken, gewissermaßen den menschlichen Ersatz in uns fühlend für das Adlergefieder; unsere Gedanken strömen von dem Gehirn so aus, wie ausfluten von dem Adler die Federn.

Wenn wir von dem physischen Niveau heraufgehen in das astralische Niveau, dann müssen wir den paradoxen Satz aussprechen: Auf dem physischen Plan bewirken dieselben Kräfte die Federnbildung, die auf dem astralischen Plan die Gedankenbildung bewirken. Die Federnbildung geben sie dem Adler; das ist der physische Aspekt der Gedankenbildung. Dem Menschen geben sie die Gedanken; das ist der astralische Aspekt der Federnbildung. Solche Dinge liegen manchmal in einer wunderbaren Weise im Genius der Volkssprache ausgedrückt. Wenn man eine Feder oben abschneidet und herausnimmt das, was da drinnen ist, so nennt das Volk das die Seele. Gewiß werden manche eine äußerliche Bezeichnung in diesem Namen Seele sehen. Es ist keine äußere Bezeichnung, sondern eine Feder enthält für denjenigen, der die Sache durchschaut, etwas Ungeheures: sie enthält das Geheimnis der Gedankenbildung." (Lit.: GA 230, S. 14f)

Vergeistigung der Materie

Ganz real hängt der Adler auch zusammen mit der Vergeistigung der Materie überhaupt:

"Der Adler verdaut wie jeder Vogel oberflächlich. Es wird alles nur angefangen sozusagen, das Verdauungsgeschäft nur angefangen. Und ich möchte sagen, es ist im Adlersein dieses Verdauen, wenn wir auf das Ganze sehen, eigentlich ein Nebengeschäft des Daseins; es wird überall im Adler als ein Nebengeschäft behandelt. Dagegen verläuft gründlich im Adler alles, was auf sein Gefieder verwendet wird. Bei anderen Vögeln ist gerade das noch stärker. Da wird mit ungeheurer Sorgfalt alles in den Federn ausgearbeitet. Und solch eine Vogelfeder ist eigentlich ein wunderbares Gebilde. Da kommt nämlich am stärksten zustande dasjenige, was man irdische Materie nennen möchte, die der Adler der Erde entnimmt, und die von den oberen Kräften durchgeistigt wird, aber so, daß es nicht angeeignet wird von dem Adler; denn der Adler macht keinen Anspruch auf Reinkarnation. Ihn braucht es daher nicht zu genieren, was dann geschieht durch das, was da durch die oberen geistigen Kräfte an der irdischen Materie in seinem Gefieder bewirkt wird; ihn braucht nicht zu genieren, wie das nun weiterwirkt in der geistigen Welt.

So sehen wir denn, wenn der Adler stirbt und sein Gefieder nun auch zugrunde geht - wie gesagt, es gilt das für jeden Vogel -, daß da die vergeistigte irdische Materie in das Geisterland hinausgeht, zurückverwandelt wird in geistige Substanz.

Sie sehen, wir haben eine merkwürdige verwandtschaftliche Beziehung in bezug auf unser Haupt zum Adler. Was wir nicht können, der Adler kann es: Der Adler schafft fortwährend von der Erde fort dasjenige, was in der Erde durch die geistigen Kräfte an physischer Substanz vergeistigt wird.

Das ist es auch, weshalb wir mit unserer Empfindung so merkwürdig den Adler in seinem Flug betrachten. Wir empfinden ihn als etwas Erdenfremdes, als etwas, was mit dem Himmel mehr zu tun hat als mit der Erde, obwohl er ja von der Erde seine Substanz holt. Aber wie holt er sie? Er holt sie so, daß er für die Erdensubstanz nur ein Räuber ist. Ich möchte sagen, es ist nicht im gewöhnlichen banalen Gesetz des Erdendaseins vorgesehen, daß der Adler auch noch etwas bekommt. Er stiehlt sich, er raubt sich seine Materie, wie überhaupt das Vogelgeschlecht vielfach die Materie raubt. Aber er gleicht aus, der Adler. Er raubt sich seine Materie, aber er läßt sie vergeistigen von den Kräften, die als geistige Kräfte in den oberen Regionen sind, und er entführt nach seinem Tode diese vergeisteten Erdenkräfte, die er geraubt hat, ins Geisterland. Mit den Adlern zieht die vergeistigte Erdenmaterie hinaus ins Geisterland." (Lit.: GA 230, S. 52f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Der Mensch als Zusammenklang des schaffenden, bildenden und gestaltenden Weltenwortes, GA 230 (1993), ISBN 3-7274-2300-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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