Alois Mailänder

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Alois Mailänder (* 25. März 1843 in Weissenau/Donaukreis [1]; † 25. Januar 1905 in Dreieichenhain[2]) war ein deutscher Mystiker und Okkultist.

Mailänder, ursprünglich katholisch, war der uneheliche Sohn der Anna Mailänder aus Südtirol. Er war einfacher Herkunft und von Beruf Webergeselle. 1877, im Alter von 33 Jahren, soll er durch einen Schreiner namens Prestel in eine "spirituelle Lehre" eingeweiht worden sein. 1890 gründete er in Dreieichenhain bei Frankfurt eine mystische Gesellschaft christlich-rosenkreuzerischer Ausrichtung, wobei er sich den Ordensnamen Johannes zulegte. Mailänder war einer der Häupter dieser Gesellschaft. Versammlungsort war das sogenannte „Bruderheim“ Mailänders und seines Schwagers Nikolaus Gabele.[3] Mailänder wirkte in Dreieichenhain auch philanthropisch und bestimmte in seinem Testament, dass nach Auszahlung der Legate seiner Verwandten der Rest seines Vermögens − es waren fast 10.000 Mark − zu gleichen Teilen den armen Leuten in Dreieichenhain und der zu errichtenden Kleinkinderschule als Stiftung zugutekommen solle.[4]

Bekanntestes Mitglied dieser Gesellschaft war der Schriftsteller Gustav Meyrink. Aus der Zeit seiner Mitgliedschaft, die am 23. Oktober 1892 begann und 13 Jahre währte, sind 40 Briefe erhalten geblieben. Schließlich distanzierte Meyrink sich von der Gruppe und ihrem Leiter Johannes, einerseits, weil er deren Aktivitäten als „Spiritismus“ und „christliche Frömmelei“ zu betrachten begann, andererseits, weil er die von Bruder Johannes verordneten Übungen für die Ursache eines langwierigen Rückenmarksleidens hielt.[5]

Außer Meyrink sollen auch Karl Weinfurter, Wilhelm Hübbe Schleiden und Franz Hartmann der Gruppe angehört haben. Ob Mailänder auch mit Felix Koguzki bekannt war und überdies auch Friedrich Eckstein kannte, ist allerdings ungewiß.

Spekuliert wird über Rudolf Steiners Kenntnis des Wirkens von Alois Mailänder: “Blavatsky habe sich zeitweise als Rosenkreuzerin verstanden, Hartmann und Gustav Meyrink sollen in die »rosenkreuzerischen Schule von Johannes [i.ee. Alois] Mailänder (die Steiner gekannt habe), gegangen sein”[6].

Literatur

  • Hans-Jürgen Glowka: Bund der Verheißung (Alois Mailänder). In: ders.: Deutsche Okkultgruppen 1875-1937. Arbeitsgemeinschaft für Religions- und Weltanschauungsfragen, München 2003, ISBN 3-921513-54-5, S. 105-107
  • Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens. München 1979, S. 267
  • Frans Smit: Gustav Meyrink : auf der Suche nach dem Übersinnlichen. Langen Müller, München 1988, S. 151-153

Einzelnachweise

  1. In der Sterbeurkunde Nr. 2/1905 des Standesamts Dreieichenhain ist als Geburtsort Eschach, Oberamt Ravensburg angegeben. Eschach gehörte zur vormaligen Sternberg-Manderscheidschen Herrschaft Weißenau, die durch Kaufvertrag vom 30. März 1835 an den württembergischen Staat übergegangen war. Der bei Mailänder oft genannte Geburtsort Fidazhofen gehörte als Ort bzw. Weiler zu Eschach.
  2. Evangel. Kirchenchronik Dreieichenhain, Eintragung 1905
  3. Solmische-Weiher-Straße 22, Dreieichenhain. Siehe: Roger Heil: Okkultische Sekte im Dreieichenhain der Jahrhundertwende. In: Landschaft Dreieich. Jahresbd. 1990, S. 120-125.
  4. Ludwig Hein: Mailänders Stiftung für die Kleinkinderschule 1905. In: Evangel. Kirchenchronik Dreieichenhain, Eintragung 1905
  5. Gustav Meyrink: Fledermäuse. München 1981, S. 241f u. 410
  6. http://mystica-aeterna.com/dem-m-revealed/
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