Alphabet

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Ein Alphabet (lat. alphabetum, von griech. ἀλφάβητος alphábētos) umfasst sämtliche Buchstaben einer oder mehrerer Sprachen in geordneter Reihenfolge. Die Bezeichnung leitet sich von den ersten beiden Buchstaben des griechischen Alphabets - (Alpha – α, Beta – β) - ab.

Alphabet und Menschenweisheit

„Wenn einer nur das Alphabet kann, nimmt er das Buch in die Hand und sagt vielleicht: Mir ist alles klar, was in dem Buche steht: da steht A, B, C, nur verschieden eingereiht; ich weiß alles, was in dem Buche steht. - Aber alles, was da wirklich innerlich dem Sinne nach drinnensteht, das kann er nicht lesen, das weiß er nicht. Sie sehen, man muß lesen lernen mit dem, was die Buchstaben sind; man muß wirklich in seinem Kopf und in seinem Geist die Buchstaben so durcheinanderwürfeln können, daß Sinn daraus entsteht. Und so haben die alten Juden lernen müssen die zehn Sephiroth; die waren für sie Buchstaben. Sie werden sagen: Ja, das sind Worte. - Früher aber wurden die Buchstaben auch mit Worten bezeichnet! Das ist nur von den Menschen, als die Buchstaben nach Europa gekommen sind, in Griechenland verloren worden.

Nicht wahr, als der Übergang von der griechischen zur römischen Kultur war, da geschah etwas sehr Bedeutsames. Die Griechen nannten ihr A nicht A, sondern Alpha, und Alpha heißt eigentlich: der geistige Mensch; und sie nannten ihr B nicht B, sondern Beta, das ist so etwas wie ein Haus. Und so hatte jeder Buchstabe einen Namen. Und der Grieche hätte sich gar nicht vorstellen können, daß der Buchstabe etwas anderes ist, als was man mit einem Namen bezeichnet. Dann erst, als der Übergang von der griechischen Kultur zu der römischen geschah, da sagte man nicht mehr Alpha, Beta, Gamma, Delta und so weiter, da bezeichnete man die Buchstaben nicht mehr mit ihren Namen, wo jeder Name darauf hinwies, was ein solcher Buchstabe bedeutet, sondern da sagte man: A, B, C, D und so weiter, da wurde das Ganze abstrakt. Gerade als das Griechentum untergegangen ist, in das Römertum eingegangen ist, entstand die große Kulturdiarrhöe in Europa. Da verlor man in einer riesigen Diarrhöe das Geistige auf diesem Weg vom Griechentum zum Römertum.

Und sehen Sie, da war aber insbesondere das Judentum dann groß. Wenn die ihr Aleph aufschrieben, ihren ersten Buchstaben, so meinten sie damit den Menschen. Aleph ist das. Sie wußten: Überall, wo sie diesen Buchstaben für die sinnliche Welt hinstellten, da muß das, was sie durch diesen Buchstaben ausdrücken, auf den Menschen passen. Und so hatte auch jeder Buchstabe, der für die Ausdrücke der sinnlichen Welt war, einen Namen. Und die Namen jetzt: Kether, Chokmah, Binah, Chesed, Geburah, Tiphereth, Netsah, Hod, Jesod, Malkuth, das waren die Namen für die geistigen Buchstaben, für das, was man lernen mußte, um in der geistigen Welt zu lesen. Und so hatten die Juden ein Alphabet: Aleph, Beth, Gimel und so weiter - ein Alphabet, mit dem sie die äußere Welt, die physische Welt erfaßten. Aber sie hatten auch das andere Alphabet, wo sie nur zehn Buchstaben, zehn Sephiroth hatten, und mit dem erfaßten sie die geistige Welt.“ (Lit.:GA 353, S. 219f)

„Es ist schon so, daß es nur durch die Geisteswissenschaft heute möglich ist, überhaupt einen Aufschluß über diese Dinge zu bekommen. Denn kein Mensch sagt Ihnen heute, daß diese zehn Sephiroth solche Buchstaben waren für die geistige Welt. Das können Sie sonst nirgends hören, das weiß eigentlich heute kein Mensch! So daß man sagen kann, die Sache liegt da so, daß die heutige Wissenschaft die meisten Sachen, die man schon einmal gewußt hat in der Menschheit, nicht mehr weiß, und sie müssen erst wiederum errungen werden.

Nehmen Sie nur diesen Buchstaben, den ich Ihnen hier aufgemalt habe: Aleph א. Was bedeutet denn dieser Aleph für die Sinneswelt? Nun, da steht der Mensch. So steht er, seine Kraft aussendend. Das ist dieser Strich (Zeichnung). Er hebt die rechte Hand hinauf: das ist dieser Strich; er streckt die andere Hand herunter: das ist dieser Strich. So daß dieser erste Buchstabe Aleph ausdrückt den Menschen. Und jeder Buchstabe drückte - auch noch im Griechischen - irgend etwas aus, so wie der erste Buchstabe «den Menschen» ausdrückt.

Sehen Sie, meine Herren, die Leute haben heute gar kein Gefühl mehr dafür, wie die Dinge zusammenhängen. Den ersten Buchstaben für den Menschen nannte der Hebräer Aleph, die Griechen Alpha, und sie meinten damit das, was sich im Menschen geistig bewegt, was hinter dem physischen Menschen geistig ist. Nun haben Sie aber auch noch ein altes deutsches Wort. Zunächst wird es dann gebraucht, wenn der Mensch besondere Träume hat. Wenn ihn ein geistiger Mensch drückt, dann nennt man dies den Alpdruck, den Alp. Da sagt man, da komme über den Menschen etwas, was ihn besessen macht. Aber dann ist aus Alp Elp entstanden, und dann Elf, der Elf, die Elfe - diese geistigen Wesen, die Elfen; der Mensch ist nur ein verdichteter Elf. Dieses Wort Elf, das auf Alp zurückführt, das kann Sie noch erinnern an Alpha im Griechischen. Sie brauchen nur das a wegzulassen, dann haben Sie: Alph - ph ist dasselbe wie unser f -, ein Geistiges. Dadurch, daß das f dazugesetzt worden ist, sagt man: der Aleph im Menschen, der Alp im Menschen. Wenn Sie im Jüdischen, wie es üblich ist, überall die Selbstlaute weglassen, so bekommen Sie direkt Alph = Elf für den ersten Buchstaben. Die Menschen sprechen aus: Elf für diese geistige Wesenheit. Man redet von Elfen. Natürlich sagt man heute: Das sind Wesenheiten, welche die Alten erfunden haben aus ihrer Phantasie heraus. Wir glauben nicht mehr daran. - Aber die Alten haben gesagt: Ihr braucht ja nur auf den Menschen selber hinzuschauen, dann habt ihr den Alph, nur daß da der Alph im Körper drinnensteckt und nicht ein feines ätherisches Wesen ist, sondern ein dichtes körperliches Wesen ist im Menschen. - Aber die Menschen haben ja längst verlernt, überhaupt noch den Menschen aufzufassen.“ (S. 223f)

„Die Griechen haben nicht ein A, ein Alpha, so gedacht, ohne an den Menschen zu denken. Sie wurden gleich an den Menschen erinnert. Und sie haben nicht ein Beta gehabt, ohne sich an ein Haus zu erinnern, worin der Mensch wohnt. Das Alpha ist immer der Mensch. Sie stellten sich etwas dem Menschen Ähnliches vor. Und bei Beta, da stellten sie sich etwas, was um den Menschen herum ist, vor. Da wurde dann das jüdische Beth und das griechische Beta das Umhüllende um das Alpha, das noch drinnen ist als geistiges Wesen. So würde auch der Körper das Beth, Beta sein, und das Alpha der Geist darinnen. Und nun reden wir heute vom «Alphabet» - das heißt aber für die Griechen: «der Mensch in seinem Haus», oder auch: «der Mensch in seinem Körper», in seiner Umhüllung.

Nun, meine Herren, es ist eigentlich furchtbar lustig. Nehmen Sie heute ein Lexikon in die Hand, dann lesen Sie nach in dem Alphabet die ganze Weisheit, die die Menschheit hat. Wenn einer - Sie werden es nicht tun - beim A anfängt und beim Z aufhören würde, dann würde er die ganze Weisheit in sich haben. Ja, aber nach was ist denn diese Weisheit im Menschen anzuordnen? Nach dem Alphabet, nach dem, was man vom Menschen wissen kann. Es ist sehr interessant: Die Menschen haben es dazu gebracht, alle Weisheit zu verbreiten, weil sie nicht mehr wußten, daß das eigentlich hindeutet auf das, was aus dem Alphabet kommt. - Übersetzt man Alphabet, so kommt heraus, wenn man es etwas anders ausdrückt: Menschenweisheit, Menschenwissen - wiederum mit einem griechischen Wort ausgedrückt: Anthroposophie, Menschenweisheit. Und so sagt es denn jedes Lexikon. Eigentlich müßte in jedem Lexikon Anthroposophie drinnenstehen, denn es ist nur nach dem Alphabet, nach der Menschenweisheit, «der Mensch in seinem Körper» angeordnet. Es ist also furchtbar lustig: Eigentlich stellt jedes Lexikon ein Totengerippe dar, wo in der alphabetisch angeordneten Wissenschaft die alte Weisheit verschwunden ist. Es ist alles Fleisch und Blut weg, alle Muskeln und alle Nerven sind heruntergefallen. Jetzt gehen Sie zum Lexikon; da ist nur noch das tote Gerippe von der alten Wissenschaft drinnen. - Jetzt muß wieder eine neue Wissenschaft entstehen, die nicht bloß das Totengerippe hat, wie das Lexikon, sondern wirklich alles wieder hat vom Menschen, Fleisch und Blut und so weiter: das ist die Anthroposophie! Daher möchte man am liebsten - trotzdem man sie heute braucht - alle diese Lexika zum Teufel schmeißen, weil sie das tote Gerippe sind von einer alten Wissenschaft. Neue Wissenschaft muß begründet werden!“ (S. 226f)

„Ich habe darauf hingewiesen, wie beim Übergange aus der griechischen in die römisch-lateinische Kultur, also im vierten nachatlantischen Kulturzeitraum, es deutlich bemerkbar wird, daß die einzelnen Laute der Sprache nun nicht mehr Benennungen haben, sondern eben einfach, so wie wir es heute gewohnt sind, als Laute bezeichnet werden. Im Griechischen haben wir noch die Benennung für den ersten Buchstaben des Alphabets; im Lateinischen nur noch A. Beim Übergang vom Griechischen zum Lateinischen wird ein in der Sprache Lebendes, im eminentesten Sinne Konkretes, in ein Abstraktes verwandelt.“ (Lit.:GA 209, S. 107)

„Ich habe auch schon darauf aufmerksam gemacht, wie ein wirkliches Verständnis des Alpha - Aleph im Hebräischen - dazu führt, zu erkennen, daß man, indem man diesen Buchstaben so benannte, ausdrucken wollte: er ist das Sinnbild für den Menschen. Alpha ist eigentlich, wenn man es annähernd mit einem heutigen Worte ausdrücken will, «der sein Atmen Empfindende». In dieser Benennung liegt direkt die Hindeutung auf das Wort des Alten Testamentes: der Erdenmensch wurde dadurch geschaffen, daß ihm der lebendige Odem eingehaucht wurde. - Das also, was da getan wurde mit dem Atmen, um den Menschen zum Erdenmenschen zu machen, das Wesen, das dadurch dem Menschen aufgedrückt worden ist, daß er der die Atmung Erlebende, Empfindende geworden ist, der die Atmung in sein Bewußtsein Hereinnehmende, das sollte mit dem ersten Buchstaben des Alphabets zum Ausdrucke kommen.

Und das Beta, wenn man es unbefangen betrachtet, gerade auch, wenn man das Entsprechende im Hebräischen in Betracht zieht, es stellt sich dar als so etwas wie die Umwandung, die Umhüllung, das Haus. So daß, wenn man in der heutigen Sprache ausdrücken wollte, was einmal empfunden worden ist, als man anfing, Alpha, Beta zu sagen, man es etwa ausdrücken würde durch die Worte: Der Mensch in seinem Haus. - Und so könnte man das ganze Alphabet durchgehen und würde einen Begriff, einen Sinn, eine Wahrheit über den Menschen aussprechen, indem man einfach die Benennungen für das Alphabet hintereinander sagt. Es würde gewissermaßen ein umfassender Satz ausgesprochen, der das Menschengeheimnis zum Ausdrucke bringt. Es beginnt dieser Satz also damit, daß man hinweist darauf: der Mensch in seinem Haus, in seinem Tempel. Die folgenden Teile des Satzes würden dann zum Ausdrucke bringen, wie der Mensch sich darinnen verhält, wie sein Verhältnis zum Weltenall ist. Kurz, es würde, was man so hintereinander als die Namen des Alphabets aussprechen würde, nicht das Abstrakte sein, wie wenn wir heute A, B, C sagen und uns dabei eigentlich gar nichts denken können, sondern es würde der Ausdruck für das Menschengeheimnis, für die Wurzelung des Menschen in der Welt sein.“ (S. 108f)

„Worin besteht nun eigentlich das neuere Leben? Wenn wir von diesem neueren Leben zurückblicken auf das alte Leben der Menschheit in Urzeiten, so finden wir, daß in dem instinktiven Bewußtsein dieser Urzeiten noch das Erleben des Weltzusammenhanges des Menschen vorhanden war. Man kann es im Konkreten an dem Alphabet erleben. Wenn der Mensch die ganze Fülle des Göttlichen in einem Ursatze aussprechen wollte, so sprach er das Alphabet aus. Wenn er sein eigenes Geheimnis, wie er es in den Mysterien lernen konnte, aussprach, dann sprach er aus, wie er heruntergestiegen ist durch Saturn oder Jupiter in ihrer Konstellation zu Löwe oder Jungfrau, das heißt, wie er heruntergestiegen ist durch das A oder das I in ihrer Konstellation zu dem M oder zu dem L. Er sprach aus, was er da erlebt hat von der Sphärenmusik, und das war sein kosmischer Name. Und man war sich in älteren Zeiten durchaus instinktiv bewußt, daß der Mensch sich einen Namen mitbrachte durch seinen Herabstieg aus dem Kosmos auf die Erde.“ (S. 116f)

„Was war also, von diesem Gesichtspunkte betrachtet, das Alphabet? Es war das, was die Himmel offenbarten durch ihre Fixsterne und die über diese Fixsterne sich hinüberbewegenden Planeten. Sprach man das Alphabet aus in der ursprünglichen instinktiven Weisheit der Menschen, dann sprach man eine Astronomie aus. Alphabet-Aussprechen und Astronomielehre war für diese alten Zeiten ein und dasselbe.“ (S. 117)

Alphabet und Ätherleib

„Wir sprechen nicht auf einmal alles dasjenige, was der Sprache zugrunde liegt. Wann würden wir es denn sprechen, alles dasjenige, was der Sprache zugrunde liegt? Wir würden es sprechen - so paradox das klingt, es ist so -, wenn wir einmal von a b c bis z alle möglichen Laute hintereinander ertönen ließen. Stellen Sie sich das einmal vor. Stellen Sie sich vor, ein Mensch würde beginnen mit dem a, b und so fort hintereinander, ohne abzusetzen natürlich, nur mit dem entsprechenden Atemholen, bis zum z, ein Mensch würde das hintereinander lautlich erklingen lassen. Alles dasjenige, was wir aussprechen, zeichnet in die Luft hinein eine gewisse Form, die man nur nicht sieht, die man aber durchaus als vorhanden voraussetzen muß, von der man sich sogar denken könnte, daß sie durch wissenschaftliche Mittel ohne die menschliche Zeichnung fixiert würde.

Wenn wir ein Wort aussprechen: Baum, Sonne - immer führen wir eine ganz bestimmte Luftform aus. Wenn wir das aussprechen von a bis z, würden wir eine sehr komplizierte Luftform bilden. Fragen wir uns einmal, wenn wirklich ein Mensch das zustande brächte, was da entstünde. Es müßte in einer gewissen Zeit geschehen - wir werden schon im Laufe der Vorträge noch hören, warum -, so daß, wenn wir beim z angekommen sind, nicht schon das erste vollständig wiederum auseinandergeflossen ist, daß also das a in seiner Form plastisch noch bleibt, wenn wir beim z angekommen sind. Wenn wir tatsächlich vom a bis zum z gehen könnten in der Lautformulierung, wenn wir dies so zuwege brächten, daß das a stehenbleiben würde bis zum z, und das Ganze würde sich in der Luft abbilden, was wäre denn das? Was wäre das für eine Form?

Das wäre die Form des menschlichen ätherischen Leibes. Der menschliche ätherische Leib würde auf diese Weise zustande kommen. Der menschliche ätherische Leib stünde vor Ihnen, wenn Sie einmal das ganze Alphabet - man müßte es erst richtigstellen, heute ist es nicht ganz richtig so, wie es gewöhnlich aufgestellt wird, aber es kommt ja auf das Prinzip jetzt an -, wenn Sie einmal lautlich das Alphabet von a angefangen bis zum z hinstellen würden, der Mensch stünde vor Ihnen.

Was ist da eigentlich geschehen? Der Mensch als Ätherleib ist ja immer da. Sie tragen ihn immer in sich. Was tun Sie also, indem Sie sprechen, das Alphabet aussprechen? Sie versenken sich gewissermaßen in die Form Ihres Ätherleibes und teilen sie der Luft mit. Sie bilden in der Luft ein Abbild Ihres Ätherleibes. Wenn wir ein einzelnes Wort sprechen, das nicht alle Laute hat selbstverständlich, was geschieht dann? Stellen wir uns vor, der Mensch steht vor uns. Da steht er als physischer Leib, als Ätherleib, Astralleib, Ich. Er spricht irgendein Wort. Man sieht, er versenkt sich mit dem Bewußtsein in seinen Ätherleib. Ein Stück dieses Ätherleibes bildet er in der Luft ab, so wie wenn Sie sich vor den physischen Leib stellen würden und meinetwillen eine Hand abbilden würden, so daß die Hand in der Luft zu sehen wäre. Nun, der Ätherleib hat nicht diese Formen, die der physische Leib hat, aber die Formen des Ätherleibes bilden sich in der Luft ab. Wir schauen, wenn wir dies richtig verstehen, gerade in die wunderbarste Metamorphose der menschlichen Gestalt, der Entwickelung hinein. Denn, was ist dieser Ätherleib? Er ist dasjenige, was die Kräfte des Wachstums, die Kräfte, die in Betracht kommen, um die Ernährung zu besorgen, aber auch die Kräfte, die in Betracht kommen, um das Gedächtnis in die Wege zu leiten, was das alles enthält. Das alles teilen wir der Luftgestaltung mit, indem wir sprechen. Das Innere des Menschen, also insofern sich dieses Innere des Menschen im Ätherleib auslebt, das prägen wir der Luft ein, indem wir sprechen. Wenn wir Laute zusammenstellen, entstehen Worte. Wenn wir das zusammenstellen vom Anfang des Alphabets bis zum Schluß, entsteht ein sehr kompliziertes Wort. Aber dieses Wort enthält alle Wortmöglichkeiten. Dieses Wort enthält aber zu gleicher Zeit den Menschen in seiner ätherischen Wesenheit. Bevor aber ein physischer Mensch auf der Erde war, war der ätherische Mensch da. Denn der ätherische Mensch liegt dem physischen Menschen zugrunde. Was ist denn aber der ätherische Mensch? Der ätherische Mensch ist das Wort, das das ganze Alphabet umfaßt.“ (Lit.:GA 279, S. 46ff)

Ich bin das Alpha und das Omega

„Den Satz «Ich bin das Alpha und das Omega» (Apk. 1, 8) versteht man nur, wenn man weiß, daß der Laut A - Alpha - in alten Zeiten nicht jener abstrakte, gesonderte, nichtsbedeutende Bestandteil des Wortes war, als den wir ihn heute empfinden, sondern der Laut war wirklich wert, eine Benennung zu tragen.“ (Lit.:GA 346, S. 46)

„Sie wissen, Anthroposophie geht zurück bei der Darstellung der Evolution des Irdischen zu den vorirdischen planetarischen Daseinsstufen Mond, Sonne, bis zum Saturnzustand, und es wird versucht, dasjenige heraufzuholen innerhalb der Betrachtung der Weltentwickelung, was mit der Evolution des Menschen zusammenhängt. Denn auf dem alten Saturn finden wir den ersten kosmischen Menschenkeim, der dann, nach den mannigfaltigsten Transformationen durch die Daseinsstufen von Sonne, Mond und Erde, der heutige physische Menschenleib geworden ist. Der Mensch ist schon auf dem alten Saturn in seiner ersten Keimanlage vorhanden.“ (S. 46f)

„Das erste, was der Mensch während der alten Saturnentwickelung erhalten hat, war die Empfindung, daß er Wärmekörper war, daß er den Umfang dieses Wärmekörpers wahrnahm. So daß wir sagen können, schematisch: Der Mensch empfand sich auf dem alten Saturn als Wärme, aber er empfand nach und nach, nachdem er sich zuerst als eine Art Wärmemolluske gefühlt hatte, etwas wie eine Ansammlung von Wärme, dann etwas wie eine äußere Haut, eine Wärmehaut, eine etwas kältere Umhüllung, als die Wärme in ihm war. Das Innere fühlte er etwas wärmer, in mannigfaltiger Differenzierung, außen die Wärme von der geringsten Intensität als Wärmehaut. Wir sprechen das in unserer Sprache heute aus, aber unsere Sprache hat etwas Abstraktes, unsere Sprache zaubert nicht das Großartige einer solchen Vorstellung vor unsere Seele, wenn wir hineinsehen in die vergangenen Zeitenläufe bis zum alten Saturn zurück. Aber diejenigen, die nur ein wenig von dieser Anschauung berührt werden, werden wiederum berührt von der heiligen Scheu, in der diese Dinge angesehen wurden in den alten Mysterien. Noch in den altgriechischen chthonischen Mysterien sprach man von diesen Dingen so, daß man in einer gewissen Weise den Saturnmenschen kannte, der noch nicht die Wärmehaut hatte, und man wußte von diesem Saturnmenschen, daß er als erstes von der umgebenden Welt die Wärmehaut angenommen hat, die in ihrer Konfiguration die Welt nachahmte. Das war das erste, was der Mensch von der Welt angenommen hat. Wie schaute damals seelisch-subjektiv das aus, was der Mensch, als er noch ein Wärmemensch war, in sich erlebte? Er erlebte in sich reine Verwunderung über die Welt. Wenn es ausgedrückt werden soll, was er erlebte, so war es reine Verwunderung. Denn man kann die Wärme nicht anders begreifen denn als reine Verwunderung. Äußerlich ist es Wärme, innerlich wird es empfunden als reine Verwunderung. Bloß weil die Menschen so unendlich tolpatschig geworden sind mit ihren Begriffen, sprechen sie von der Unerklärbarkeit des «Dinges an sich» wie der alte Kant. Das «Ding an sich» der Wärme ist Verwunderung; und der Mensch war als Saturnmensch ebensogut Verwunderung, wie er Wärme war. Er lebte in Verwunderung, in Staunen über sein eigenes Dasein, denn er kam nun erst in dieses Dasein. Das ist Alpha: Der in Verwunderung lebende Wärmemensch, der Saturnmensch. Und das erste, was der Mensch als Welt, als das Gehäuse der Welt empfand, die Haut, das ist Beta, das Haus, dieses Haus des Menschen. Der Mensch in seinem Haus, in seinem Tempel. Und das Haus war das erste, was der Mensch von der Welt bekommen hat; die Haut - Beta.

Und gehen wir so durch das Alphabet, so gehen wir damit durch die Welt. Indem der Mensch alles, was Welt ist, nach und nach aufnimmt und mit seinem ganzen Wesen vereint, bis er dereinst auf dem Vulkan den ganzen Umfang der Welt, dieses ganze große All, zu dem er gehört, mit sich vereinigt haben wird, da wird er derjenige sein, der er war im Beginn der Saturnentwickelung und die ganze Welt. Er wird sein Alpha und Omega, der Mensch, und in ihm alles vereinigt, was Welt ist. Mit dem «Ich bin das Alpha und das Omega» der Apokalypse des Johannes haben wir das bezeichnet, was der Mensch sein wird am Ende der Vulkanzeit. Am Ende der Vulkanentwickelung wird auch der Mensch sagen dürfen: Ich bin das Alpha und das Omega.“ (S. 48ff)

Siehe auch

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Nordische und mitteleuropäische Geistimpulse, GA 209 (1982), ISBN 3-7274-2090-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Eurythmie als sichtbare Sprache , GA 279 (1990), ISBN 3-7274-2790-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken, V (Apokalypse und Priesterwirken), GA 346 (2001), ISBN 3-7274-3460-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Die Geschichte der Menschheit und die Weltanschauungen der Kulturvölker, GA 353 (1988), ISBN 3-7274-3532-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org


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