Archäus

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Als Archäus (auch Archaeus; von griech. ἀρχαιος, „alt“), oder auch als Spiritus Vitae (lat. Geist des Lebens), Liquor Vitae etc., bezeichnete Paracelsus den Ätherleib des Menschen. Er formt sich nach Paracelsus gleich dem Schatten an der Wand nach dem äußeren (physischen) Menschen und ist dessen innerer Schatten (Ätherdoppelkörper)[1]. Er wirkt in allen Leibesgliedern und gibt ihnen ihre spezifische Bildung, ihr Wesen und ihre Natur.

Makrokosmos und Mikrokosmos

Der Archäus ist ein Ausfluss des Weltäthers, des Spiritus Mundi, und darum wirken auch kosmische Einflüsse auf den Archäus ein - wobei allerdings Paracelsus der überlieferten und meist unverstandenen Astrologie sehr skeptisch gegenübersteht.

„Denn der Saturn ist nicht allein im Himmel, sondern auch im Untersten des Meeres und im Hohlsten der Erde. Melissa ist nicht allein im Garten, sondern auch in der Luft und auch im Himmel. Was meint ihr, daß Venus sei, als allein artemisia? Was artemisia oder Beifuß, als allein Venus? Was sind sie beide? Matrix oder Mutter, conceptio oder Empfangen, vasa spermatica oder Samengefäße. Was also ist ferrum oder Eisen? Nichts als Mars. Was ist Mars? Nichts als ferrum, – das ist, sie sind beide ferrum oder Mars. Dasselbe ist auch urtica oder die Brennessel, auch (das Harz) tereniabin quarta, – und ist alles eins. Wer Mars kennt, der kennt ferrum, und wer ferrum kennt, der weiß, was Mars ist, und wer die kennt, der weiß, was tereniabin ist, und auch was urtica ist.“

Paracelsus: Das Buch Paragranum, Der erste Traktat, von der Philosophia

Der Mensch als Mikrokosmos ist ein Abbild des Makrokosmos und es gilt, die Entsprechungen zu suchen:

„So er nun aus ihnen gemacht ist, so muß er seinen Eltern gleich sein, ebenso wie ein Kind das seines Vaters Gliedmaßen alle hat. So hat sie der Mensch seinem Vater gleich; sein Vater ist Himmel und Erden, Luft und Wasser. Weil nun sein Vater Himmel und Erden sind, so muß er alle ihre Art haben und alle ihre Teile, und nit eines Härleins mangeln. Aus dem folgt nun, daß der Arzt wissen soll, daß im Menschen Sonne, Mond, Saturn, Mars, Merkur, Venus und alle Zeichen, der arktische und der antarktische polus, der Wagen und alle Viertel im Tierkreise sind. Das muß der Arzt wissen, wenn er vom Grund der Arznei reden will; wo nit, so ist er nix als ein klarer Bescheißer und arzneiet wie ein Bauer ...“

Paracelsus: Das Buch Paragranum, Der zweite Traktat, von der Astronomia

Paracelsus gibt auch die Zuordnung der sieben Planeten zu den Organen, wie sie auch aus der Anthroposophie bekannt ist:

„Und weil die Arznei ohne den Himmel nichts taugt, so muß sie durch den Himmel geführt werden. Ihre Führung ist nun nichts anderes, als daß du ihr die Erde hinweg nehmest, denn der Himmel regiert sie nicht, sie sei denn von ihr geschieden. So du sie nun geschieden hast, so ist die Arznei im Willen der Gestirne, und wird vom Himmel geführt und geleitet. Was zum Hirn gehört, das wird durch Luna zum Hirn geführt; was zur Milz gehört, wird durch Saturn zur Milz geführt; was zum Herzen gehört, wird durch Sol zum Herzen geleitet, und also durch Venus zu den Nieren, durch Jupiter zur Leber, durch Mars zur Galle.“

Paracelsus: Das Buch Paragranum, Alchimia, der dritte Grund medicinae

Psychosomatik

Der Archäus wird sehr stark von den psychischen Kräften beeinflusst. Das ist die Grundlage für alle psychosomatischen Wirkungen. Sehr wesentlich lässt sich die Tätigkeit des Archäus durch Imagination beeinflussen, zu der im Sinne Paracelsus namentlich auch die Phantasie und das Traumleben zu rechnen ist. "Ebenso wie ein Bildschnitzer ein Holz nimmt und schnitzt daraus, was er in Gedanken hat, ebenso schafft die Imagination mit der Lebenskraft."[2] Frauen haben dabei nach Paracelsus die stärkere Imaginationskraft[2].

„Der Geist ist der Herr, die Imagination das Werkzeug und der Körper der bildsame Stoff.“

Paracelsus: De morbis invisibilis

Fernwirkungen

Wenngleich der Archäus seiner Form nach weitgehend dem physischen Leib gleicht, so ist seine Lebenskraft dennoch nicht durch den Körper eingeschlossen, sondern strahlt aus; Fernwirkungen sind dadurch möglich und bilden die Grundlage für die Wirksamkeit aller möglichen magischen Rituale.

Mumia

Als Mumia (Mumie) bezeichnet Paracelsus die körperliche, aber dennoch übersinnliche Lebenskraft, wenn sie natürlicherweise oder künstlich an organische Ausscheidungen gebunden ist. Sie ist namentlich in den Ausscheidungen und Ausdünstungen des menschlichen Körpers, insbesondere aber im weiblichen Menstrualblut und im männlichen Samen wirksam, die sich daher nach Paracelsus ganz besonders für magische Rituale eignen. Überhaupt ist das Blut bzw. der Blutkreislauf ihr hauptsächlicher Träger. Die Mumie ist das Arkanum, die Blüte des Menschen[3]. Sie kann als lebende Mumie unmittelbar vom lebenden Menschen aus wirken, aber auch mittelbar als an den Stoff gebundene tote Mumie. Der Stoff dient dann als Träger bestimmter ätherischer Kräfte.

Siehe auch

Quellen

  1. vgl. Kiesewetter, S 66
  2. 2,0 2,1 Fragment: Libri Philosophiae de virtute imaginativa.
  3. Von Entstehung der unsichtbaren Krankheiten, 4. Buch

Literatur

  1. Carl Kiesewetter: Geschichte des neueren Okkultismus, Marixverlag, Wiesbaden 2007, ISBN 9783865391216

Weblinks

  1. Paracelsus: Das Buch Paragranum