Assoziation (Psychologie)

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Als Assoziation wird in der Psychologie die bewusst oder noch häufiger unbewusst erfolgende Verknüpfung von mindestens zwei beliebigen Bewusstseinselementen (Assoziationsgliedern) (z.B. Sinneseindrücke, Gefühle, Gedanken, Vorstellungen) bezeichnet, derart, dass mit dem bewussten Aufrufen eines Assoziationsgliedes zugleich ein oder mehrere zugehörige Assoziationsglieder ins Bewusstsein gerufen werden, wobei sich Assoziationen zu ganzen Assoziationsketten aneinander reihen können.

"Wenn wir die Vorstellung einer Rose haben, so kann ganz von selbst die Vorstellung einer Person auftreten, die uns eine Rose geschenkt hat. Daran schließt sich vielleicht die Vorstellung von einem blauen Kleide, das die betreffende Person trug und so weiter. Solche Zusammenhänge nennt man: Assoziation der Vorstellungen." (Lit.: GA 108, S. 203)

Assoziationen werden dem Gedächtnis durch Gewohnheit einverleibt bzw. antrainiert und haben demgemäß ihren Sitz im Ätherleib, der der eigentliche Träger des Gedächtnisses ist. Assoziationen spielen demgemäß oft auch eine wichtige Rolle beim Abrufen von Gedächtnisinhalten. Nach den bereits von Aristoteles formulieren primären Assoziationsgesetzen ist die Assozierung abhängig von der räumlichen und zeitlichen Nähe und der Ähnlichkeit oder Gegensätzlichkeit der Assoziationsglieder, nicht aber von der nur durch das Denken zu gewinnenden Erkenntnis ihres bestehenden oder nicht bestehenden engeren begrifflichen Zusammenhangs. Die Bildung und das Abrufen von Assoziation ist daher kein Denken, obwohl das bloße Abrufen von Assoziationsketten häufig als solches missverstanden wird.

Nach den von dem schottischen Philosophen Thomas Brown (1778−1820) beschriebenen sekundären Assoziationsgesetzen hängt die Verbindung der Assoziationsglieder ab von:

  • ihrer jeweiligen Intensität, mit der sie im Bewusstsein erscheinen
  • der Häufigkeit ihres gemeinsamen Auftretens
  • der Zeit, die seit dem letzten gemeinsamen Auftreten der beteiligten Glieder vergangen ist
  • der Anzahl mit dieser Verknüpfung konkurrierender Verbindungen.

Das Lernen durch Assoziationen ist daher kein Lernen durch Einsicht, sondern gleicht der Dressur, wie sie auch bei Tieren angewandt wird. Ein klassisches Beispiel dafür ist der Pawlowsche Hund, bei dem ein an sich neutraler Sinnesreiz wie das Klingeln einer Glocke wiederholt mit der Bereitstellung von Futter verknüpft wurde. Nach einiger Zeit löste die ertönende Glocke automatisch den für die Verdauung des Futters nötigen Speichfluss aus, auch wenn gar kein Futter gereicht wurde.

Die freie Assoziation nach Sigmund Freud

Sigmund Freud war mit den Ergebnissen, die er mit der Hypnose erzielte, nicht zufrieden und entwickelte eine Methode, die er <<freie>> Assoziation nannte. Die Vorgehensweise beschreibt er wie folgt:

„Dazu bedarf es nun einer gewissen psychischen Vorbereitung des Kranken. Man strebt zweierlei bei ihm an, eine Steigerung seiner Aufmerksamkeit für seine psychischen Wahrnehmungen und eine Ausschaltung der Kritik, mit der er die ihm auftauchenden Gedanken sonst zu sichten pflegt. Zum Zwecke seiner Selbstbeobachtung mit gesammelter Aufmerksamkeit ist es vorteilhaft, dass er eine ruhige Lage einnimmt und die Augen schließt; den Verzicht auf die Kritik der wahrgenommenen Gedankenbildungen muss man ihm ausdrücklich auferlegen. Man sagt ihm also, der Erfolg der Psychoanalyse hänge davon ab, dass er alles beachtet und mitteilt, was ihm durch den Sinn geht, und nicht etwa sich verleiten lässt, den einen Einfall zu unterdrücken, weil er ihm unwichtig oder nicht zum Thema gehörig, den anderen, weil er ihm unsinnig erscheint. Er müsse sich völlig unparteiisch gegen seine Einfälle verhalten; denn gerade an der Kritik läge es, wenn es ihm sonst nicht gelänge, die gesuchte Auflösung des Traums, der Zwangsidee u. dgl. zu finden.“ [1]

Freud geht es hier also um die kritiklose innere Wahrnehmung der aus unbewussten Kräften auftauchenden und sich assoziierenden Bewusstseinsinhalte. Die Kritiklosigkeit wird sogar vom Patient unter Druck gefordert ("Man sagt ihm also, der Erfolg der Psychoanalyse hänge davon ab"), deshalb könnte auch von einem <<Assoziationszwang>> gesprochen werden. Rudolf Steiner stellt hingegen die Beobachtung der vom Ich selbst hervorgebrachten und dabei voll durchschauten Denktätigkeit in den Vordergrund [2]. Kommen die Gedanken anders zustande, so spricht er von "Suggestion im weitesten Sinne":

"Es ist aber ohne Frage, dass dieselbe Verbindung von Vorstellungen, die durch unser «Ich» bewirkt wird, auch sich unabhängig von demselben bloß durch die Anziehungskraft der Vorstellungen selbst vollziehen kann. Dies wird geschehen, wenn das «Ich» auf irgendeine Weise ausgeschaltet, in Untätigkeit versetzt wird...Ist das der Fall, so haben wir es hier mit der Suggestion im weitesten Sinne zu tun." (Lit.: GA 030, S. 338)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Beantwortung von Welt- und Lebensfragen durch Anthroposophie, GA 108 (1986), ISBN 3-7274-1081-7 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Methodische Grundlagen der Anthroposophie, GA 30 (1989), ISBN 3-7274-0300-4 html
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
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Einzelnachweise

  1. Sigmund Freud: Die Traumdeutung, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1972, Kapitel 2 Text
  2. Rudy Vandercruysse: Die therapeutische Dimension des Denkens: anthroposophische Aspekte zur Psychoanalyse, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1998, Seite 85-87