Philia, Astrid und Luna

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Maria mit den Seelenschwestern Philia, Astrid und Luna in Rudolf Steiners zweitem Mysteriendrama «Die Prüfung der Seele».

Philia, Astrid und Luna sind Gestalten aus den Mysteriendramen Rudolf Steiners. In "Die Pforte der Einweihung" treten sie als Freundinnen Marias auf, deren Urbilder im Verlaufe als Geister von Marias Seelenkräften sich offenbaren. In den weiteren Dramen erweisen sie sich ganz allgemein als die geistigen Wesenheiten, welche die Verbindung der menschlichen Seelenkräfte mit dem Kosmos vermitteln; nicht allegorisch, sondern so, wie sie für die geistige Erkenntnis Realität sind. Da tritt ihnen auch die andre Philia entgegen als die geistige Wesenheit, welche die Verbindung der Seelenkräfte mit dem Kosmos hemmt; in "Der Seelen Erwachen" erweist sich die andre Philia dann als die Trägerin des Elementes der Liebe in der Welt, welcher die geistige Persönlichkeit angehört. Wahre Liebe ist weit mehr als ein bloßes Gefühl; sie erfordert das starke In-sich-Sein der Seele aus dem heraus sie sich in Freiheit den anderen Seelen zuwendet und sich mit ihnen aus freiem Entschluss bewusst verbinden will.

"In Philia sollte eine Persönlichkeit hingestellt werden, die in einem gewissen Sinne ganz durchstrahlt ist von Liebefähigkeit, aber durchaus als menschliche Gestalt. Sie offenbart sich als menschliche Gestalt einfach, indem man nachvibrieren fühlt, wenn man dafür Empfänglichkeit hat, das, was eine ganz von Liebe durchdrungene Persönlichkeit gegenüber denjenigen Empfindungen und Vorstellungen und Erscheinungen und Schauungen zu sagen hat und zu tun hat, die sich durch Maria abspielen. Astrid hinwiederum stellt eine Persönlichkeit dar, die erfüllt ist ganz von dem, was man nennen könnte die innere menschliche Weisheit, so wie sich diese innere menschliche Weisheit verbindet durch innerlichstes Schauen mit dem Welten wirken. Und Luna stellt dar dasjenige, was in dem gefestigten Bewußtsein als Willenswirksamkeit sich offenbart.

Nicht sind die drei Persönlichkeiten symbolisch oder allegorisch dargestellt, ebensowenig wie Nero eine symbolische Darstellung der Grausamkeit ist, sondern es sind diese drei Persönlichkeiten Menschen von Fleisch und Blut, aber so, daß sie verschieden sind, wie zum Beispiel im wirklichen Leben die Menschen nach ihren Temperamenten verschieden sind, daß in der einen Persönlichkeit ganz vibriert Liebe, in der anderen ganz vibriert Weisheit, in der anderen ganz Festigkeit." (Lit.: GA 281, S. 12)

Von anderer Seite betrachtet entspricht Philia der Empfindungsseele, Astrid der Verstandes- oder Gemütsseele und Luna der Bewusstseinsseele.

"So ist im Rosenkreuzermysterium das, was in gewisser Weise Maria darstellen soll, aufgelöst in den anderen Figuren, die als Begleiter um sie herum sind, die mit ihr eine Ichheit ausmachen. Man kann insbesondere Eigenschaften der Empfindungsseele in der Philia sehen, Eigenschaften der Verstandes- oder Gemütsseele in Astrid, Eigenschaften der Bewußtseinsseele in Luna. Daraufhin sind schon die Namen geprägt. Alle Namen sind so, daß sie für die einzelnen Wesenheiten ganz wesenhaft geprägt sind. Nicht nur in den Worten, sondern in der Art, wie die Worte gesetzt sind, namentlich wo wirken soll das Spirituelle im Devachan, im siebenten Bild, da ist das, was die drei Gestalten der Philia, Astrid und Luna charakterisieren soll, genau abgestuft. Das, womit da das siebente Bild beginnt, ist eine bessere Charakteristik von Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele, als man sonst in Worten geben kann. Da kann man den Menschen zeigen, was Empfindungsseele, was Verstandesseele, was Bewußtseinsseele ist. In der Kunst kann man die Stufen zeigen in der Art, wie diese drei Gestalten dastehen. In der menschlichen Wesenheit fließen sie ineinander. Werden sie voneinander gelöst, dann stellen sie sich so dar, wie Philia sich hineinstellt in das Weltenall, wie Astrid sich hineinstellt in die Elemente, wie Luna ausfließt in Selbsttat und Selbsterkenntnis. Und weil sie sich da so hineinstellen, ist in der Devachanszene alles enthalten, was im wahren Sinne Alchimie ist. Die ganze Alchimie ist darin. Man muß sie nur nach und nach herausfinden.

Sie ist aber nicht nur in dem abstrakten Inhalt gegeben, sondern in dem Weben und Wesen der Worte. Deshalb sollen Sie nicht nur hören, was gesagt wird, und namentlich nicht bloß, was der einzelne spricht, sondern wie die Seelenkräfte im Verhältnis zueinander sprechen. Die Empfindungsseele schiebt sich hinein in den Astralleib, wir haben es mit webender Astralität zu tun. Die Verstandesseele schiebt sich hinein in den Ätherleib, wir haben es also mit webender Äther Wesenheit zu tun. Wir sehen, wie sich wie mit innerer Festigkeit die Bewußtseinsseele in den physischen Leib hineinergießt. So ist das, was seelenhaft wirkt wie Licht in der Seele, in den Worten der Philia gegeben; was ätherisch objektiv wirkt, so daß man den wahren Dingen gegenübersteht, das ist in Astrid gegeben; was innere Festigkeit gibt, so daß es mit dem physischen Leib verbunden ist, das ist in Luna gegeben. Das müssen wir erfühlen. Hören wir die Seelenkräfte im siebenten Bild:

Philia (Empfindungsseele):
Ich will erfüllen mich
Mit klarstem Lichtessein
Aus Weltenweiten,
Ich will eratmen mir
Belebenden Klangesstoff
Aus Ätherfernen,
Daß dir, geliebte Schwester,
Das Werk gelingen kann.

Astrid (Verstandesseele):
Ich will verweben
Erstrahlend Licht
Mit dämpfender Finsternis,
Ich will verdichten
Das Klangesleben.
Es soll erglitzernd klingen,
Es soll erklingend glitzern,
Daß du, geliebte Schwester,
Die Seelenstrahlen lenken kannst.

Luna (Bewußtseinsseele):
Ich will erwärmen Seelenstoff
Und will erhärten Lebensäther.
Sie sollen sich verdichten,
Sie sollen sich erfühlen,
Und in sich selber seiend
Sich schaffend halten,
Daß du, geliebte Schwester,
Der suchenden Menschenseele
Des Wissens Sicherheit erzeugen kannst.

Ich mache darauf aufmerksam, daß wir haben bei der Philia: «Daß dir, geliebte Schwester...», daß wir bei Astrid in das Dumpfere, in das Dichtere hineinkommen: «Daß du, geliebte Schwester . . . » , «Daß dir . . . » , «Daß du . ..». Und jetzt haben wir es bei Luna verwoben mit dem noch schwerer Wiegenden: «Der suchenden Menschenseele». Da ist das U so verwoben mit den benachbarten Konsonanten, daß es noch festere Dichtigkeit erlangt. Das sind die Dinge, die man tatsächlich charakterisieren kann. Auf das Wie kommt es an, das muß festgehalten werden. Vergleichen wir die Worte, die Philia weiter spricht:

Ich will erbitten von Weltengeistern,
Daß ihres Wesens Licht
Entzücke Seelensinn,
Und ihrer Worte Klang
Beglücke Geistgehör

mit den ganz anders gearteten, die Astrid spricht:

Ich will die Liebesströme,
Die Welt erwärmenden,
Zu Herzen leiten
Dem Geweihten

so ist gerade da, wo diese Worte durchgeführt sind, das innere Weben und Wesen des devachanischen Weltelementes durchgeführt." (Lit.: GA 125, S. 113ff)

„Denken wir, wie es wäre, wenn der Aufstieg einer Seele normal ideal sein könnte, wenn also alle idealsten Bedingungen erfüllt wären für das Überschreiten der Schwelle, für das Hinaufsteigen in die geistigen Welten. Dann würde der Mensch, wenn er in der geistigen Welt seinem anderen Selbst begegnete, das nicht etwa so erleben können, wie man eine Photographie von sich selbst erlebte, sondern das, was in der physisch-sinnlichen Welt und in der elementarischen Welt subjektiv ist, was da innerhalb der Seele in abstrakter Subjektivität lebt, was Seelenkräfte sind, Denken, Fühlen und Wollen, wovon man sagt, daß man sie im Inneren hat - das hat man dann nicht mehr im Inneren. Dieses Denken, Fühlen und Wollen, das man in der physischen Welt hat, tritt einem, wenn man dem anderen Selbst begegnet in der geistigen Welt, objektiv entgegen, und zwar als eine Dreiheit. Und ich versuchte, diese Dreiheit, der man begegnet, und der gegenüber man das Bewußtsein in sich haben muß, diese Drei ist man selber, darzustellen in den Gestalten von Philia, Astrid und Luna. Diese Gestalten sind ganz reale Gestalten; sie sind so oft in der geistigen Welt vorhanden, als es einzelne Menschenseelen gibt. Man erkennt sie, wenn man sie einmal erkannt hat, wie man alle Haferkörner kennt, wenn man ein Haferkorn kennengelernt hat. Aber man muß sich klar sein, daß das, was sonst nur ein Schattenbild, ein schwaches Schattenbild in der menschlichen Seele ist, einem dann, wenn man seinem anderen Selbst begegnet, als eine lebendige Dreiheit, als eine wirklich differenzierte Dreiheit, in drei Wesen differenzierte Dreiheit entgegentritt. Man ist Philia, Astrid, Luna selber. Aber das sind trotzdem durchaus selbständige Gedankenlebewesen. Und was man in der erstarkten Seele dann haben muß, das ist das Bewußtsein, man ist die Einheit dieser drei Wesen. Und auch davon muß man ein Bewußtsein haben, daß das, was man Denken, Fühlen und Wollen nennt, eine Maja ist, nämlich das Schattenbild, das von diesen Dreien in die Seele hereingeworfen wird. Das Krankhafte der Seele würde darin bestehen können, entweder, daß man sich nicht erkennt in der geistigen Welt als diese drei Wesen, daß man diese drei als Wesen betrachten würde, die nichts mit einem zu tun haben, oder daß man nicht die Einheit festhalten könnte, sondern sich selber so halten würde, daß ein Teil der Seele die Luna, ein anderer die Astrid und wieder ein anderer die Philia ist. Aber so in seiner vollen Dreiheit dieses andere Selbst zu sehen, das erfordert eben einen normalen idealen Entwickelungsgang der Seele, wie er kaum vorhanden sein kann bei einer menschlichen Seele.“ (Lit.:GA 147, S. 116f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Beantwortung von Welt- und Lebensfragen durch Anthroposophie, GA 125 (1992), ISBN 3-7274-1250-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Die Geheimnisse der Schwelle, GA 147 (1997), ISBN 3-7274-1470-7 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Die Kunst der Rezitation und Deklamation, GA 281 (1987), ISBN 3-7274-2810-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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