Außersinnliche Wahrnehmung

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Als außersinnliche Wahrnehmung (kurz ASW; eng. ESP für extrasensory perception) wird nach allgemeinem Sprachgebrauch jede Form der Wahrnehmung bezeichnet, die nicht auf der Tätigkeit der bekannten 5 bzw. 12 (nach der Sinneslehre Rudolf Steiners) Sinne des Menschen beruht. Die Parapsychologie zählt sie zu den sogenannten Psi-Phänomenen. Außersinnliche Wahrnehmungen sind seit der Antike in vielen Zeugnissen überliefert und werden auch von Tieren berichtet.

Sinnliche, außersinnliche, übersinnliche und untersinnliche Wahrnehmung

Da Rudolf Steiner in seiner Sinneslehre den Kreis der physischen Sinne auf zwölf erweitert hat, sind manche scheinbar außersinnlichen Wahrnehmungen in Wahrheit auf sinnliche Erfahrungen zurückzuführen. Von wirklicher außersinnlicher Wahrnehmung kann man erst dort sprechen, wo auch bewusst oder unterbewusst zumindest ein Teil der Ätherwelt mit wahrgenommen wird.

Die außersinnliche Wahrnehmung im eigentlichen Sinn beschränkt sich auf die Wahrnehmung von Dingen oder Ereignissen, die der physischen oder ätherischen Welt angehören. Die höheren Welten, also die Astralwelt und die geistigen Welt, werden dadurch nicht erfasst. Sie können nur durch eine wesentlich erweiterte Form der außersinnlichen Wahrnehmung erlebt werden, mit der erst die wirkliche übersinnliche Erkenntnis beginnt, die auf einem höheren Hellsehen beruht, für das aber heute in der Regel die entsprechenden seelischen Sinnesorgane nur durch eine geregelte geistige Schulung ausgebildet werden können. Der auf diesem Weg erfahrbaren übersinnlichen Welt steht nach Rudolf Steiner als deren unteres Spiegelbild die untersinnliche Welt gegenüber.

„Man spricht also von Telepathie, Telekinese, man spricht von Teleplastik. Anthroposophische Geisteswissenschaft muß gegenüber diesen Erscheinungen wiederum die kritische Frage aufwerfen: Rühren diese Erscheinungen wirklich her von dem, wovon gestern gesagt worden ist, daß es im Einschlafen als Gefühls-Willenswesen aus dem physischen und dem Äther- oder Bildekräfteleib des Menschen heraustritt und außerhalb verharrt vom Einschlafen bis zum Aufwachen? Hat man es in dem, was sich als Telepathie im Menschen äußert, als Telekinese, als Teleplastik, hat man es da mit einer Wirkung des ewigen Geistig-Seelischen, dessen, was wir als Gefühls- und Willenswesen kennen gelernt haben, zu tun oder hat man es vielleicht nur mit dem zu tun, was zurückgelassen wird im Bette, wenn der Mensch schläft, was also besteht aus dem physischen Leib und dem ätherischen oder Bildekräfteleib? Wenn man es nur mit dem letzteren zu tun hat, dann mögen diese Erscheinungen einem noch so wunderbar vorkommen, sie mögen noch so absonderlich sein, sie gehören dann zu dem, was mit dem Tode des Menschen verschwindet. Denn mit dem Tode des Menschen verschwindet das, was beim Einschlafen zurückbleibt. Das, was das eigentlich unsterbliche, ewige Wesen des Menschen ist, was im Einschlafen sich herauszieht aus dem physischen und dem Bildekräfteleib, das ist in der Regel dann, wenn diese Erscheinungen der Telepathie, der Teleplastik, der Telekinese auftreten, auch irgendwie unter hypnotischem Einfluß oder dergleichen aus dem physischen und dem Ätherleib heraus entfernt. So daß man sagen muß: Diese sogenannten wunderbaren Erscheinungen können auf nichts hindeuten, was mit dem ewigen Wesenskern des Menschen zusammenhängt. Wenn sie auch noch so wunderbar sind, sie sind gebunden an das, was im Tode sich loslöst und dem Elemente der Erde sich verbindet. Sie können dann nur hinweisen auf eine Welt, die ebenfalls dem Menschen entschwindet, wenn er durch die Pforte des Todes geht.“ (Lit.:GA 79, S. 106ff)

Verschiedene Arten der außersinnlichen Wahrnehmung

Allgemein werden folgende Arten der außersinnlichen Wahrnehmung unterschieden:

  • Telepathie - eine Form der direkten, nicht-sinnlichen Informationsübertragung zwischen Mensch und Mensch oder auch zwischen Mensch und Tier.
  • Hellsehen - gemeint ist damit jene niedere Form des Hellsehens, die sich auf die nicht-sinnlich Wahrnehmung weiter entfernter, gleichzeitig stattfindender Ergeinisse in der sinnlichen Welt bezieht. Beispielsweise soll Apollonius von Tyana von Ephesos aus die zeitgleich in Rom stattfindende Ermordung des römischen Kaisers Domitian miterlebt und geschildert haben.
  • Hellhören - Personen aus der Vergangenheit oder Zukunft sprechen zu hören.
  • Präkognition - die Vorausahnung künftiger Ereignisse auf dem physischen Plan. So bezeugt etwa Immanuel Kant, dass Emanuel Swedenborg den 1756 in Stockholm stattfindenden großen Brand genau so vorausgeahnt haben soll, wie er dann wirklich eingetreten ist. Die weitaus meisten präkognitiven Erfahrungen sind von Nostradamus überliefert.
  • Retrokognition - die Rückschau auf vergangene Ereignisse, die auf einem Lesen in der Akasha-Chronik beruht.

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Wirklichkeit der höheren Welten, GA 79 (1988)
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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