Auferstehung

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Die Auferstehung Christi (hê anastasis), Mosaik rechts neben dem Durchgang vom westlichen Vorraum zum großen Kirchenraum in der großen Kirche des Klosters Hosios Lukas, 11. Jahrhundert.
Christus erscheint in dieser Darstellung zuerst im Totenreich, erwartet von alttestamentarischen Königen, vermutlich David und Salomon, überwindet den Tod, zersprengte die Pforte zum Totenreich unter seinen Füßen und ergreift den Arm des knienden alten Adam, hinter dem Eva in Gebetshaltung zu sehen ist.

Die Auferstehung (griech. αναστασις, anastasis; lat. resurrectio) des Leibes bzw. die Auferstehung der Toten bedeutet die Wiedervereinigung des zuvor durch den Tod vom Leib getrennten unsterblichen Geistes mit dem nunmehr wiederhergestellten, aber nicht mehr verweslichen Leib. Durch die Auferstehung ist die Unvergänglichkeit bzw. Wiedererrichtung der Leibesgestalt garantiert.

Grundlegendes

Der Gedanke der Auferstehung ist insbesonders im Zoroastrismus und in den großen monotheistischen abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) zu finden. Die jüdischen Sadduzäer allerdings, die die Auferstehung beharrlich leugneten, wollten die Verkündigungen des Christus über die leibliche Auferstehung mit ihrer spitzfindigen Sadduzäerfrage, die in den synoptischen Evangelien überliefert ist (vgl. etwa Mk 12,18-27 LUT), widerlegen.

Nach den Worten des Paulus ist die leibliche Auferstehung des Jesus Christus, die die Voraussetzung für die spätere Auferstehung der Toten ist, wie sie etwa in der Offenbarung des Johannes (Offb 20,1-15 LUT) geschildert wird, das zentrale Ereignis des Christentums:

Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich. 1. Kor 15,13

Unsterblichkeit, Wiedergeburt und Auferstehung

Auferstehung ist mehr als bloße Unsterblichkeit, ist aber auch mehr als die Wiedergeburt in wiederholten Erdenleben. Unsterblichkeit bedeutet das bewusste Fortbestehen des geistigen Wesenskerns des Menschen, des Ich, im rein geistigen Leben nach dem Tod. Wiedergeburt im Sinne der Reinkarnation bedeutet das wiederholte Wiedererscheinen dieses geistigen Wesenskernes in einem sterblichen irdischen Leib. Auch die Totenerweckung, bei der der Tote innerhalb einer Frist von etwa drei Tagen nach dem Tod wieder in seinen sterblichen Leib zurückgeführt wird, ist nicht mit der Auferstehung gleichzusetzen.

Auferstehung bedeutet die Wiedergeburt des ganzen Menschen im Geistigen. Was aber ist der ganze Mensch? Der ganze Mensch umfasst das Ich und die drei niederen Wesensglieder, nämlich Astralleib, Ätherleib und physischer Leib, die das Ich umhüllen. Das Ich ist zwar unser geistiger Wesenskern, aber noch nicht der ganze Mensch – und die Wesensglieder alleine natürlich noch weniger.

Im Erdenleben schafft uns der stoffliche Leib eine feste Begrenzung und bietet uns einen Innenraum, der nur uns gehört und der dadurch unsere Identität wahrt und verhindert, dass wir uns in unserer Umwelt verlieren. Dieses Grenzerlebnis ist entscheidend für die Entwicklung unseres Ichbewusstseins. Das Grenzerlebnis, das wir im physischen Leben haben, muss ins Geistige übertragen werden, wenn wir unser volles Selbstbewusstsein nicht verlieren wollen.

Ohne seine wesenhaften Hüllen hat das Ich auch keine Entwicklungsmöglichkeiten, denn das Ich wächst und reift nur dadurch, dass es an der Vergeistigung seiner Hüllen arbeitet und sie zu Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch verwandelt. Es verwirklicht sich, indem es seine Hüllen wirksam durchdringt. Die Integrität der Wesenshüllen des Menschen muss gewahrt werden, wenn sich das Ich voll entfalten soll – darum dreht sich letztlich die ganze Erdenentwicklung. Nur durch die Auferstehung wird gewährleistet, dass der Mensch auch später, wenn er nicht mehr zu einem irdischen Dasein heruntersteigen wird, auch im rein geistigen Dasein seine Entwicklung fortsetzen kann. Nur so wird das menschliche Ich den Untergang der Erdenwelt, der notwendig einmal geschehen muss, überdauern können.

Individualität und Persönlichkeit

"Wenn wir in die alten Zeiten zurückgehen, finden wir, daß die Menschen in den früheren Jahrhunderten immer weniger auf die Individualität gaben, dafür wurde die Persönlichkeit immer mächtiger und mächtiger. Man verwechselt heute leicht die Begriffe von Individualität und Persönlichkeit. Die Individualität ist das Ewige, das sich von Erdenleben zu Erdenleben hindurchzieht. Persönlichkeit ist dasjenige, was der Mensch in einem Erdenleben zu seiner Ausbildung bringt. Wenn wir die Individualität studieren wollen, so müssen wir auf den Grund der menschlichen Seele sehen, wollen wir die Persönlichkeit studieren, so müssen wir sehen, wie sich der Wesenskern auslebt. Der Wesenskern wird in das Volk, in den Beruf hineingeboren. Das alles bestimmt die innere Wesenheit, das verpersönlicht sie. Bei einem Menschen, der noch auf untergeordneter Stufe der Entwickelung ist, wird man wenig von der Arbeit an seinem Inneren bemerken können. Die Ausdrucksweise, die Art der Gesten und so weiter ist eben so, wie er sie von seinem Volke hat. Diejenigen sind aber die fortgeschrittenen Menschen, die sich die Ausdrucksweise und Gesten aus ihrem Inneren heraus geben. Je mehr das Innere des Menschen an seinem Äußeren arbeiten kann, desto höher entwickelt das den Menschen.

Man könnte nun sagen, so kommt also die Individualität in der Persönlichkeit zum Ausdruck. Derjenige, der seine eigenen Gesten, seine eigene Physiognomie, selbst in seinem Handeln und in bezug auf die Umgebung einen eigenartigen Charakter hat, hat eine ausgesprochene Persönlichkeit. Geht das nun beim Tode alles verloren für später? Nein, das geht es nicht. Das Christentum weiß ganz genau, daß das nicht der Fall ist. Was man unter der Auferstehung des Fleisches oder der Persönlichkeit versteht, ist nichts anderes als die Erhaltung des Persönlichen in alle folgenden Inkarnationen hinein. Was der Mensch als Persönlichkeit errungen hat, bleibt ihm, weil es einverleibt ist der Individualität und diese es fortträgt in die folgenden Inkarnationen. Haben wir aus unserem Leib etwas gemacht, was einen eigenartigen Charakter hat, so steht dieser Leib, diese Kraft, die da gearbeitet hat, wieder auf. So viel wir an uns selbst gearbeitet haben, so viel wir aus uns selbst gemacht haben, ist unverloren an uns." (Lit.: GA 54, S. 399f)

Die Schattenwelt des Totenreichs

Statute des sterbenden Achilles im Achilleion auf Korfu

In der antiken griechischen Kultur hatte man die Schrecknisse des Todes erstmals ganz tief innerlich erfahren. Im Griechentum hatte sich die Menschheit ganz intensiv in die Schönheiten der sinnlichen Welt eingelebt und der Tod erschien als schmerzlichster Verlust dieser wunderschönen äußeren Erdenwelt, als ein hinübergehen in das düstere Reich der Schatten. Der in der Unterwelt weilende Achilles spricht es in Homers Odyssee deutlich aus:

Lieber möcht' ich als Knecht einem anderen dienen im Taglohn,
Einem dürftigen Mann, der selber keinen Besitz hat,
Als hier Herrscher sein aller abgeschiedenen Seelen.

(Lit.: Odyssee, 11. Gesang, Vers 489 - 491)

Die ganze sinnliche griechische Kultur stellte zunächst überall das in voller Jugendkraft blühende Leben dar, den Jüngling, die Jungfrau, aber niemals den alternden Greis. Erst in späteren Zeiten trat dann das Bild des Todes auch immer mehr hervor, aber man hatte vor diesen Bildern auch immer große Furcht. In früheren Kulturen war zwar auch schon der Tod als entscheidender Einschnitt des Lebens erfahren worden, aber man hatte noch ein deutliches Erleben davon, dass man mit dem Tod in eine lichtvolle geistige Welt hinübertrat. So lichtvoll konnte der Grieche das nicht mehr sehen; er konnte die nachtodliche Welt zunächst nur mehr ganz schattenhaft und bald gar nicht mehr erleben. Der Tod wurde ihm dadurch zur furchtbarsten Lebenstragik, die ihm all das nahm, was ihm das Leben lebenswert machte. Das war etwas, was ihn zutiefst innerlich erschütterte. Darum fiel auch gerade das christliche Bild der Auferstehung des Leibes, der auch der Mensch teilhaftig werden sollte, gerade im griechischen Kulturraum auf so fruchtbaren Boden. Ein bloß seelisch-geistiges Fortbestehen nach dem Tod in einem schattenhaften Jenseits erschien den Menschen damals – und auch heute noch vielen, sofern sie überhaupt noch an die Unsterblichkeit der menschlichen Seele glauben – unerträglich. Aber handelt es sich bei dem Glauben an die Auferstehung nicht um ein bloßes Wunschdenken, das allem modernen Naturverständnis spottet?

Vom todesähnlichen Einweihungsschlaf in den vorchristlichen Mysterien zur Tatsache der Auferstehung

Weitreichende Angaben zum Verständnis der Auferstehung des Christus und den damit verbundenen objektiven Folgen für die Menschheit hat Rudolf Steiner vor allem in dem im Oktober 1911 in Karlsruhe gehaltenen Vortragszyklus "Von Jesus zu Christus" (Zyklus 19) gegeben. Tod und Auferstehung des Gottes, wie sie auch in vorchristlichen Zeiten in den imaginativen Schilderungen vieler Mythen und Kulte vorkommen, etwa im Adonis-Kult oder im Mithras-Kult, wurden in bildhaft kultischer Form auch im Einweihungsweg vieler Mysterienstätten durchlebt, wo der Einzuweihende durch einen drei Tage währenden todesähnlichen Zustand hindurchging, wie es etwa auch in den ägyptischen Mysterien der Fall war. Was in den Mysterienstätten bildhaft erfahren werden konnte, wurde durch den Tod und die Auferstehung des Christus zur einmaligen historischen Tatsache auf dem physischen Plan. Dass es sich hierbei um eine Tatsache und nicht nur um ein seelisch-bildhaftes Erleben handelt, legen auch schon die detailreichen Schilderungen der Evangelien nahe. Dabei wird zugleich deutlich, dass Auferstehung nicht einfach die Wiederauferweckung des sterblichen fleischlichen Leibes bedeutet. Denn merkwürdig muss es jedenfalls erscheinen, dass der Auferstandene seinen Getreuen, wie deutlich geschildert wird, in physischer Gestalt erscheint, dass sie ihn, mit dem sie ständig beisammen waren, aber dennoch zunächst nicht erkennen. Auch Maria Magdalena, die als erste dem Auferstandenen begegnet, hält ihn zunächst für den Gärtner und erkennt ihn erst, als der Christus sie anspricht. Nicht mit sinnlichen Augen sehen Maria und die Jünger den Auferstandenen, sondern sie erleben den auferstandenen physischen Leib des Christus Jesus als zunächst noch unverstandene Imagination, deren Bedeutung sich erst durch die Stimme der Inspiration, die von dem Christus selbst ausgeht, enthüllt.

"Was als die größten Tatsachen in den Evangelien geschildert ist, sind im Grunde genommen Einweihungstatsachen, Vorgänge, welche sich zunächst im Innern des Tempelgeheimnisses der Mysterien abgespielt haben, wenn dieser oder jener Mensch, der dafür würdig erachtet worden war, durch die Hierophanten eingeweiht wurde. Da hat ein solcher Mensch, nachdem er lange Zeit hindurch dazu vorbereitet worden war, eine Art Tod und eine Art Auferstehung durchgemacht; und auch gewisse Lebensverhältnisse mußte er durchmachen, welche uns in den Evangelien wiedererscheinen — zum Beispiel als die Versuchungsgeschichte, als die Geschichte auf dem Ölberg und dergleichen. Weil sich das so verhält, erscheinen auch die Beschreibungen der alten Eingeweihten, die nicht Biographien im gewöhnlichen Sinne des Wortes sein wollen, so ähnlich den Evangeliengeschichten von dem Christus Jesus...

Aber wenn wir auch zugeben müssen, daß wir auf diese Art für wichtige Vorgänge, die uns in den Evangelien dargestellt werden, die Vorbilder zu suchen haben in den Einweihungszeremonien der alten Mysterien, so sehen wir doch auf der anderen Seite handgreiflich, daß die großen Lehren des Christus-Jesus-Lebens überall durchtränkt sind in den Evangelien mit Einzelangaben, die nun nicht eine bloße Wiederholung der Einweihungszeremonien sein wollen, sondern die uns recht sehr darauf hinweisen, daß unmittelbar Tatsächliches geschildert wird. Oder müssen wir nicht sagen, daß es in einer merkwürdigen Weise einen tatsächlichen Eindruck macht, wenn uns im Johannes-Evangelium folgendes geschildert wird (Joh 20,1-17 LUT):

«Am ersten "Wochentage aber kommt Maria, die von Magdala, morgens frühe, da es noch dunkel war, zu dem Grabe, und sieht den Stein vom Grabe weggenommen. Da läuft sie und geht zu Simon Petrus und zu dem anderen Jünger, welchen Jesus lieb hatte, und sagt zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grabe genommen, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Da ging Petrus hinaus und der andere Jünger, und gingen zum Grabe. Es liefen aber die beiden miteinander und der andere Jünger lief voraus, schneller als Petrus, und kam zuerst an das Grab, und beugte sich vor und sieht die Leintücher da liegen, hinein ging er jedoch nicht. Da kommt Simon Petrus hinter ihm drein, und er trat in das Grab hinein und sieht die Leintücher liegen, und das Schweißtuch, das auf seinem Kopf gelegen war, nicht bei den Leintüchern liegen, sondern für sich zusammengewickelt an einem besonderen Ort. Hierauf ging denn auch der andere Jünger hinein, der zuerst zum Grab gekommen war, und sah es und glaubte. Denn noch hatten sie die Schrift nicht verstanden, daß er von den Toten auferstehen müsse. Da gingen die Jünger wieder heim. Maria aber stand außen am Grabe weinend. Indem sie so weinte, beugte sie sich vor in das Grab, und schaut zwei Engel in weißen Gewändern da sitzend, einen zu Häupten und einen zu Füßen, wo der Leichnam Jesu gelegen war. Dieselben sagen zu ihr: Weib, was weinst du? Sagt sie zu ihnen: weil sie meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Als sie dies gesagt hatte, kehrte sie sich um und schaut Jesus dastehend, und erkannte ihn nicht. Sagt Jesus zu ihr: Weib, was weinst du? Wen suchst du? Sie, in der Meinung, es sei der Gartenhüter, sagt zu ihm: Herr, wenn du ihn fortgetragen, sage mir, wo du ihn hingelegt, so werde ich ihn holen. Sagt Jesus zu ihr: Maria! Da wendet sie sich und sagt zu ihm hebräisch: Rabbuni! das heißt: Meister. Sagt Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an; denn noch bin ich nicht aufgestiegen zu dem Vater!»

Da haben wir eine Situation so mit Einzelheiten geschildert, daß wir kaum etwas vermissen, wenn wir uns in unserer Imagination ein Bild machen wollen, so, wenn zum Beispiel gesagt wird, daß der eine Jünger schneller läuft als der andere, daß das Schweißtuch, das den Kopf bedeckt hatte, fortgelegt ist an eine andere Stelle und so weiter. In allen Einzelheiten sehen wir etwas geschildert, was keinen Sinn hätte, wenn es sich nicht auf Tatsachen beziehen würde. Auf eins wurde auch schon bei anderer Gelegenheit aufmerksam gemacht, daß uns erzählt wird: Maria erkannte den Christus Jesus nicht. Und es wurde darauf aufmerksam gemacht, wie es möglich wäre, daß man jemanden, den man vorher gekannt hat, nach drei Tagen nicht in derselben Gestalt wiedererkennen würde? Daß der Christus also in einer veränderten Gestalt der Maria erschienen ist, das muß auch berücksichtigt werden; denn sonst hätten diese Worte auch keinen Sinn.

Zweierlei können wir daher sagen: Die Auferstehung müssen wir tatsächlich auffassen als das Historischwerden der Auferweckung in den heiligen Mysterien zu allen Zeiten — nur mit dem Unterschiede, daß wir sagen müssen: Der, welcher die einzelnen Mysterienschüler auferweckt hat, war in den Mysterien der Hierophant; in den Evangelien wird aber darauf hingewiesen, wie der, der den Christus auferweckt hat, die Wesenheit ist, die wir mit dem Vater bezeichnen, daß der Vater selber den Christus auferweckt hat. Wir werden damit auch darauf hingewiesen, daß das, was sich sonst in einem kleineren Maßstabe in den Tiefen der Mysterien zugetragen hat, von den göttlichen Geistern hingestellt worden ist für die Menschheit einmal auf Golgatha, und daß die Wesenheit, die als der Vater bezeichnet wird, selber als Hierophant aufgetreten ist zur Erweckung des Christus Jesus. So haben wir also ins höchste gesteigert, was sonst im kleineren in den Mysterien aufgetreten ist. Das ist das eine. Das andere ist, daß mit den Dingen, die auf die Mysterien zurückführen, verwoben sind Beschreibungen von solchen Einzelheiten, daß wir uns die Situationen auch heute noch an den Evangelien bis in die Einzelheiten — wie wir an dem angeführten Bilde gesehen haben — rekonstruieren können." (Lit.: GA 131, S. 135ff)

Die Engelerscheinungen am Grab und die ersten Begegnungen mit dem Auferstandenen

In allen Evangelienberichten sind es zuerst die Frauen, die die ersten Zeichen der sich vollziehenden Auferstehung wahrnehmen. Die empfindsamere weibliche Seele öffnet sich leichter der sich entfaltenden Schau. Es kommt aber nicht unmittelbar zur Schau des Auferstandenen, sondern er enthüllt sich erst nach und nach aus der Mitte der ihn umschwebenden höheren Hierarchien, den Himmlischen Heerscharen des Christus, indem diese Hülle für den geistigen Blick immer durchsichtiger wird. Stufenweise nacheinander enthüllen die Evangelien das Geschehen, wobei jedes einzelne einen besonderen Aspekt hervorhebt, und erst in der Gesamtheit aller vier Evangelien wird das ganze Bild deutlich, wie es Emil Bock sehr ausführlich in seinen Evangelienbetrachtungen geschildert hat (Lit.: Bock, S. 411ff).

Am Grab des Christus erscheinen den Frauen folgende Gestalten:

Matthäus
Markus
Lukas
Johannes

Gewalten (Exusiai, Geister der Form)
Urbeginne (Archai)
Erzengel (Archangeloi)
Engel (Angeloi)

Der Engel des Herrn
Der Jüngling mit dem weißen Gewand
Zwei Männer mit glänzenden Kleidern
Zwei Engel in weißen Gewändern

Die Wesenheiten der 3. Hierarchie, also Angeloi, Archangeloi und Archai sind die unmittelbaren Vorläufer des Menschen und daher mit ihm aufs engste verbunden. Sie haben ihre Menschheitsstufe, d.h. ihr Ich-Bewusstsein, auf den früheren planetarischen Verkörperungen unserer Erde erreicht - die Urbeginne auf dem alten Saturn, die Erzengel auf der alten Sonne und die Angeloi auf dem alten Mond. Das Ich, das auf Erden zum innersten Wesenskern des Menschen wird, ist eine Opfergabe der Geister der Form - der Elohim in der Sprache des Alten Testamentes.

Matthäus-Evangelium

Die Schilderung bleibt hier zunächst ganz draußen in der Natur. Die österlichen Frühlingsstürme haben ihren Höhepunkt erreicht, das Erdbeben, das von Karfreitag an die Erde erschüttert hat, kulminiert in letzten Stößen von elementarer Stärke. Der Felsen vor dem Grab wird weggerollt. Die Frauen bleiben außerhalb des Grabes:

1 Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. 2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. 3 Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. 4 Die Wachen aber erschraken aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot. 5 Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, daß ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. 6 Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die Stätte, wo er gelegen hat; 7 und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern, daß er auferstanden ist von den Toten. Und siehe, er wird vor euch hingehen nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. (Mt 28,1)

Der "Engel des Herrn" wirkt bis in die Naturkräfte herein. Er stammt aus der Hierarchie der Geister der Form (Exusiai oder Gewalten). Ähnlich finden wir in der Apokalypse des Johannes die Schilderung des Menschensohnes:

9 Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses von Jesus. 10 Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune, 11 die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea. 12 Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir redete. Und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter 13 und mitten unter den Leuchtern einen, der war einem Menschensohn gleich, angetan mit einem langen Gewand und gegürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. 14 Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie der Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme 15 und seine Füße wie Golderz, das im Ofen glüht, und seine Stimme wie großes Wasserrauschen; 16 und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht. 17 Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot; und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte 18 und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. 19 Schreibe, was du gesehen hast und was ist und was geschehen soll danach. 20 Das Geheimnis der sieben Sterne, die du gesehen hast in meiner rechten Hand, und der sieben goldenen Leuchter ist dies: Die sieben Sterne sind Engel der sieben Gemeinden, und die sieben Leuchter sind sieben Gemeinden. (Offb 1,9)

In diese Richtung weist auch die Schilderung des Mystikers und Naturforschers Pierre Teilhard de Jardin, wie er sie in seinem Buch "Das Herz der Materie" (Lit.: Teilhard de Jardin, S 91ff) gibt.

Markus-Evangelium

Auch hier beginnt die Szene am Grab, aber alles ist stiller. Das Erdbeben wird in den drei weiteren Evangelien nicht mehr erwähnt:

1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. 2 Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. 3 Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? 4 Und sie sahen hin und wurden gewahr, daß der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. 5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. 6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. 7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, daß er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. 8 Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.

9 Als aber Jesus auferstanden war früh am ersten Tag der Woche, erschien er zuerst Maria von Magdala, von der er sieben böse Geister ausgetrieben hatte. 10 Und sie ging hin und verkündete es denen, die mit ihm gewesen waren und Leid trugen und weinten. 11 Und als diese hörten, daß er lebe und sei ihr erschienen, glaubten sie es nicht. 12 Danach offenbarte er sich in anderer Gestalt zweien von ihnen unterwegs, als sie über Land gingen. 13 Und die gingen auch hin und verkündeten es den andern. Aber auch denen glaubten sie nicht.

14 Zuletzt, als die Elf zu Tisch saßen, offenbarte er sich ihnen und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härte, daß sie nicht geglaubt hatten denen, die ihn gesehen hatten als Auferstandenen. 15 Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. 16 Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. 17 Die Zeichen aber, die folgen werden denen, die da glauben, sind diese: in meinem Namen werden sie böse Geister austreiben, in neuen Zungen reden, 18 Schlangen mit den Händen hochheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird's ihnen nicht schaden; auf Kranke werden sie die Hände legen, so wird's besser mit ihnen werden.

19 Nachdem der Herr Jesus mit ihnen geredet hatte, wurde er aufgehoben gen Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes. 20 Sie aber zogen aus und predigten an allen Orten. Und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch die mitfolgenden Zeichen. (Mk 16,1)

Der Jüngling wird schon einmal zuvor im Markus-Evangelium erwähnt, nämlich bei der Verhaftung des Christus in Gethsemane:

43 Und alsbald, während er noch redete, kam herzu Judas, einer von den Zwölfen, und mit ihm eine Schar mit Schwertern und mit Stangen, von den Hohenpriestern und Schriftgelehrten und Ältesten. 44 Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen genannt und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist's; den ergreift und führt ihn sicher ab. 45 Und als er kam, trat er alsbald zu ihm und sprach: Rabbi! und küßte ihn. 46 Die aber legten Hand an ihn und ergriffen ihn. 47 Einer aber von denen, die dabeistanden, zog sein Schwert und schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm ein Ohr ab. 48 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Ihr seid ausgezogen wie gegen einen Räuber mit Schwertern und mit Stangen, mich zu fangen. 49 Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen und habe gelehrt, und ihr habt mich nicht ergriffen. Aber so muß die Schrift erfüllt werden. 50 Da verließen ihn alle und flohen. 51 Ein junger Mann aber folgte ihm nach, der war mit einem Leinengewand bekleidet auf der bloßen Haut; und sie griffen nach ihm. 52 Er aber ließ das Gewand fahren und floh nackt davon. (Mk 14,43)

Die Terminologie des Evangeliums ist immer ganz exakt. Das Wort "Jüngling" deutet Erneuerung, Neubeginn an und verweist damit sehr deutlich auf eine Engelwesenheit aus der Hierarchie der Urbeginne oder Archai (Geister der Persönlichkeit).

Lukas-Evangelium

Im Lukas-Evangelium treten die Frauen in das dunkle Grab ein:

1 Aber am ersten Tag der Woche sehr früh kamen sie zum Grab und trugen bei sich die wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten. 2 Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab 3 und gingen hinein und fanden den Leib des Herrn Jesus nicht. 4 Und als sie darüber bekümmert waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer mit glänzenden Kleidern. 5 Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? 6 Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Gedenkt daran, wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war: 7 Der Menschensohn muß überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen. 8 Und sie gedachten an seine Worte. 9 Und sie gingen wieder weg vom Grab und verkündigten das alles den elf Jüngern und den andern allen. 10 Es waren aber Maria von Magdala und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter, und die andern mit ihnen; die sagten das den Aposteln. 11 Und es erschienen ihnen diese Worte, als wär's Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht. 12 Petrus aber stand auf und lief zum Grab und bückte sich hinein und sah nur die Leinentücher und ging davon und wunderte sich über das, was geschehen war. (Lk 24,1)

Diese zwei Männer mit glänzenden Kleidern werden später in der ebenfalls von Lukas niedergeschriebenen Apostelgeschichte in der Himmelfahrtsszene nochmals erwähnt:

9 Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. 10 Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. 11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen. (Apg 1,1)

Die zwei Männer mit glänzenden Kleidern sind Wesenheiten aus der Hierarchie der Erzengel, die auch im Alten Testament immer konsequent als "Männer" bezeichnet werden, etwa wenn die drei Erzengel Raphael, Gabriel und Michael dem Abraham im Hain Mamre begegnen.

Im Lukas-Evangelium finden wir dann geschildert, wie der Auferstandene den Emmaus-Jüngern begegnet. Sie erkennen den Auferstandenen erst, als er mit ihnen ins Haus tritt und gemeinsam mit ihnen das Brot bricht:

13 Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa zwei Wegstunden entfernt; dessen Name ist Emmaus. 14 Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten. 15 Und es geschah, als sie so redeten und sich miteinander besprachen, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. 16 Aber ihre Augen wurden gehalten, daß sie ihn nicht erkannten. 17 Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen. 18 Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist? 19 Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Taten und Worten vor Gott und allem Volk; 20 wie ihn unsre Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben. 21 Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, daß dies geschehen ist. 22 Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen, 23 haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe. 24 Und einige von uns gingen hin zum Grab und fanden's so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen sie nicht.

25 Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben! 26 Mußte nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? 27 Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war. 28 Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen. 29 Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben.

30 Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach's und gab's ihnen. 31 Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen. 32 Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete? 33 Und sie standen auf zu derselben Stunde, kehrten zurück nach Jerusalem und fanden die Elf versammelt und die bei ihnen waren; 34 die sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simon erschienen. 35 Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war und wie er von ihnen erkannt wurde, als er das Brot brach.

36 Als sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! 37 Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist. 38 Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so er-schrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? 39 Seht meine Hände und meine Füße, ich bin's selber. Faßt mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, daß ich sie habe. 40 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und Füße. 41 Als sie aber noch nicht glaubten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? 42 Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. 43 Und er nahm's und aß vor ihnen. 44 Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muß alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen. 45 Da öffnete er ihnen das Verständnis, so daß sie die Schrift verstanden, 46 und sprach zu ihnen: So steht's geschrieben, daß Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage; 47 und daß gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern. Fangt an in Jerusalem, 48 und seid dafür Zeugen. 49 Und siehe, ich will auf euch herabsenden, was mein Vater verheißen hat. Ihr aber sollt in der Stadt bleiben, bis ihr ausgerüstet werdet mit Kraft aus der Höhe. (Lk 24,13)

Johannes-Evangelium

Hier finden wir die vielschichtigste Schilderung und hier steht zunächst Maria Magdalena im Mittelpunkt des Geschehens:

1 Am ersten Tag der Woche kommt Maria von Magdala früh, als es noch finster war, zum Grab und sieht, daß der Stein vom Grab weg war. 2 Da läuft sie und kommt zu Simon Petrus und zu dem andern Jünger, den Jesus liebhatte, und spricht zu ihnen: Sie haben den Herrn weggenommen aus dem Grab, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben. 3 Da ging Petrus und der andere Jünger hinaus, und sie kamen zum Grab. 4 Es liefen aber die zwei miteinander, und der andere Jünger lief voraus, schneller als Petrus, und kam zuerst zum Grab, 5schaut hinein und sieht die Leinentücher liegen; er ging aber nicht hinein. 6 Da kam Simon Petrus ihm nach und ging in das Grab hinein und sieht die Leinentücher liegen, 7 aber das Schweißtuch, das Jesus um das Haupt gebunden war, nicht bei den Leinentüchern liegen, sondern daneben, zusammengewickelt an einem besonderen Ort. 8 Da ging auch der andere Jünger hinein, der zuerst zum Grab gekommen war, und sah und glaubte. 9 Denn sie verstanden die Schrift noch nicht, daß er von den Toten auferstehen müßte. 10 Da gingen die Jünger wieder heim.

11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, schaute sie in das Grab 12 und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten. 13 Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. 14 Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, daß es Jesus ist. 15 Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen. 16 Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister! 17 spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. 18 Maria von Magdala geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt. (Joh 20,1)

Mit den zwei Engeln in weißen Gewändern, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, werden wir nun direkt an die Hierarchie der Angeloi herangeführt und gleich weiter zur menschlichen Gestalt des Auferstandenen. Noch hat sich der Prozess der Auferstehung aber nicht vollendet, noch ist der Christus nicht aufgefahren zum Vater. Erst durch die Durchdringung mit der Vaterkraft kann sich die Vergeistigung des physischen Leibes, durch die das höchste geistige Wesensglied des Menschen, der Geistesmensch oder Atma ausgebildet wird, vollenden. So ist der Auferstandene zwar dem imaginativen Blick der Maria Magdalena sichtbar, aber noch nicht greifbar. Am Abend des gleichen Tages erscheint der Auferstandene auf ähnliche Weise im Kreise der Jünger, aber erst acht Tage später, als der ungläubige Thomas seine Hände in die Wundmale des Christus legen darf, hat sich der Auferstehungsleib des Christus bis zur tastbaren Imagination verdichtet:

19 Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! 20 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, daß sie den Herrn sahen. 21 Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. 22 Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den heiligen Geist! 23 Welchen ihr die Sünden erlaßt, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

24 Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. 25 Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich's nicht glauben. 26 Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! 27 Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! 28 Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! 29 Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! (Joh 20,19)

Der erste und der zweite Adam

Paulus sprach vom ersten und vom zweiten Adam - und das zu Recht.

Der ursprüngliche Adam, wie er im Sechstagewerk durch die Elohim als getreues Bild ihres gemeinsamen Wesens geschaffen wurde, war der makrokosmische Mensch, der den ganzen Kosmos umspannte (Lit.: GA 110, S. 145f). Der Erdenmensch, den Jahve aus der "feuchten Ackererde" formte und dessen Erschaffung in der zweiten Schöpfungsgeschichte der Bibel geschildert wird (1 Mos 2,7 LUT), war auch nicht das körperliche Wesen, das wir heute als Mensch bezeichnen, sondern er umspannte die ganze Erdensphäre, die damals noch die Mondensphäre mit umfasste, da sich der Mond zu dieser Zeit noch nicht von der Erde getrennt hatte (Lit.: GA 347, S. 180f). Erst als Folge des Sündenfalls begann der Mensch als immer dichter werdendes körperliches Wesen auf die Erde herabzusteigen.

In der frühen lemurischen Zeit, als sich der Mond noch nicht von der Erde getrennt hatte, war die Erde – und damit auch der Menschenleib – durch die Mondenkräfte in eine immer stärkere Verhärtung gekommen, sodass es für die Menschenseelen immer schwieriger wurde, sich zu inkarnieren. Freilich waren diese damaligen verhärteten Menschenleiber noch ganz dünn und ätherisch im Vergleich zu unserem heutigen Leib, aber damals herrschten noch ganz andere Inkarnationsbedingungen als heute. Schließlich war es soweit gekommen, dass es im wesentlichen nur mehr ein einziges Hauptpaar gab, das die "widerspenstige Menschensubstanz" zu bezwingen vermochte, jenes Paar eben, das in der Bibel als Adam und Eva bezeichnet wird. Alle anderen Menschenseelen waren nach und nach auf die verschiedenen Planetensphären abgewandert und sie kamen erst nach und nach zurück, nachdem sich der Mond von der Erde abgetrennt hatte; dieser Vorgang dauerte bis weit in die atlantische Zeit hinein.

Das menschliche Hauptpaar war zwar stark genug, um die Menschensubstanz so zu bezwingen, dass es sich verkörpern konnte, aber es war nicht stark genug, um dem luziferischen Einfluss Widerstand zu leisten. In die Zeit des Mondenaustritts fällt daher auch der Sündenfall, die luziferische Versuchung, der der Mensch erlegen ist. Zugleich wurde Jahve, einer der sieben Elohim, der Schöpfergötter, zum Herrn der neu entstandenen Mondensphäre und griff von hier regelnd in die Abstammungsverhältnisse ein.

Als Folge des Sündenfalls wurde Adam ein Teil der Kräfte seines Ätherleibs entzogen; nachdem er vom Baum der Erkenntnis gegessen hatte, sollte er nicht auch noch vom Baum des Lebens kosten, wie es in der Genesis heißt. Der luziferische Einfluss erstreckte seine Wirkungen auch in den Astralleib dieses Hauptpaares Adam und Eva, so dass es unmöglich war, alle die Kräfte, die in Adam und Eva waren, auch herunterfließen zu lassen durch das Blut der Nachkommen. Den physischen Leib musste man durch alle die Geschlechter herunter sich fortpflanzen lassen, aber von dem Ätherleib behielt man in der Leitung der Menschheit etwas zurück und ebenso vom Astralleib und von der ursprünglichen Substanz aus der das menschliche Ich entsprungen ist.

"Und wir müssen dabei in der lemurischen Zeit einen Zeitpunkt festsetzen, nach welchem im heutigen Sinne erst richtig vom „Menschengeschlecht“ gesprochen werden kann. Was vorher war, kann noch nicht so besprochen werden, dass man sagen könnte, es wären schon jene Iche in den Erdenmenschen vorhanden gewesen, die sich dann immer weiter und weiter inkarniert haben. Das war nicht der Fall. Vorher war das Ich des Menschen keineswegs noch abgetrennt von der Substanz derjenigen Hierarchie, die zunächst zu diesem Ich des Menschen die Veranlassung gegeben hat, von der Hierarchie der Geister der Form. Wir können uns vorstellen - das zeigt die okkulte Forschung -, dass gleichsam ein Teil der Substanz der Geister der Form eingegangen ist in die menschlichen Inkarnationen zur menschlichen Ich-Bildung." (Lit.: GA 131, S. 178)

Ein Teil davon aber, ein Teil des ursprünglichen Adam, wurde zurückbehalten, dies wurde später die Seele des nathanischen Jesusknaben.

Der Teil der Kräfte des Ätherleibs, der dem Adam genommen worden war, ging folglich auch nicht auf seine Nachkommen über. Dieser Teil wurde, wie sich Rudolf Steiner ausdrückt, aufbewahrt in der großen Mutterloge der Menschheit. Der unschuldige Teil der Adamseele, gleichsam der unschuldigen himmlischen Schwesterseele des irdischen Adam, wurde später, viel später, dem nathanischen Jesusknaben als „provisorisches Ich“, wie Rudolf Steiner sagt, eingegliedert. Der von den luziferischen Mächten frei gebliebene Teil des Stammvaters der Menschheit, der alte Adam, wurde nun als neuer Adam in dem nathanischen Jesuskindlein zur Zeitenwende wiedergeboren.

Bis zu seiner ersten irdischen Inkarnation als nathanischer Jesus lebte diese unschuldig gebliebene Schwesterseele des Adam als erzengelartige Wesenheit, wie Rudolf Steiner oft betont hat, in der geistigen Welt und wirkte im wesentlichen nur bis zum Ätherleib herab. Mit ihr verband sich der Christus schon in der fernen Vergangenheit mehrmals, um wichtige Aufgaben für die Menschheit zu erfüllen. Durch ein den Menschen weit überragendes Geistwesen, durch Luzifer, wurde der Mensch in den Sündenfall getrieben, nur durch eine übermenschliche Tat konnten seine Folgen wieder ausgeglichen werden. Daher entschloss sich der Christus, seine Sonnenheimat zu verlassen und sich durch einen Menschen mit der Erde zu verbinden. Das musste aber schrittweise vorbereitet werden, indem der Einfluss der Widersacher auf den physischen Leib, den Ätherleib und den Astralleib gemildert wurde. Durch drei Vorstufen zum Mysterium von Golgatha, die der Christus vollbrachte, indem er die Wesenheit des späteren nathanischen Jesus durchdrang, wurde das spätere Erdenwirken des Christus und die Auferstehung von den Toten vorbereitet.

Die erzengelartige Wesenheit des späteren nathanischen Jesusknaben wurde erst zur Zeitenwende in einen Menschenleib geführt, der in der Blutsverwandtschaft seinen physischen Leib hinaufleitete bis zu dem alten Adam – und "der war Gottes", wie es im Geschlechtsregister des Lukas-Evangeliums (Lk 3,38) heißt, d.h. er war der unmittelbaren und ungetrübten Schöpfung der Elohim entsprungen. Der nathanische Jesus hängt also nicht nur in einfacher, sondern in zweifacher Weise mit dem alten Adam zusammen. Einerseits dadurch, dass in ihm der von der luziferischen Versuchung unberührte, unschuldig gebliebene Teil des Adam verblieben war, und anderseits dadurch, dass sein physischer Leib in direkter Blutslinie vom Leib des alten Adam abstammte, jenes Leibes, in dem ein Mensch erstmals die feste physische Erde betreten hatte. Dieses auserwählte Leibesgefäß bot dem Christus die Möglichkeit, sich mit der Jordan-Taufe im 30. Lebensjahr des Jesus von Nazareth auf Erden zu inkarnieren. Nur dieser ganz besonders vorbereitete Leib, der Leib des zweiten Adam, konnte, erfüllt von der Christuskraft, der Auferstehung teilhaftig werden. Mehr noch, dieser Leib konnte zum fruchtbaren Samen werden, durch den nach und nach immer mehr Menschen die Auferstehung erleben können.

"Wer das Evangelium und die Paulus-Briefe auf sich wirken läßt, wird merken, welch tiefgehender Unterschied in bezug auf die Auffassung der Auferstehung zwischen dem Grundton der Evangelien und der paulinischen Auffassung ist. Zwar parallelisiert Paulus seine Auferstehungsüberzeugung mit der der Evangelien; denn indem er sagt, Christus sei erstanden, weist er darauf hin, daß der Christus als ein Lebendiger, nachdem er gekreuzigt worden war, dem Kephas, den Zwölfen, dann fünfhundert Brüdern auf einmal und zuletzt ihm auch, als einer unzeitigen Geburt, erschienen ist aus dem Feuerschein des Geistigen. So ist er auch den Jüngern erschienen; darauf weist Paulus hin. Und die Erlebnisse mit dem Auferstandenen waren für Paulus keine anderen als für die Jünger, was er aber gleich daran anknüpft, was für ihn das Ereignis von Damaskus ist, das ist seine wunderbare und leicht zu begreifende Theorie von der Wesenheit des Christus. Denn was wird vom Ereignis von Damaskus an für ihn die Wesenheit des Christus? Sie wird für ihn der zweite Adam. Und Paulus unterscheidet sogleich den ersten Adam und den zweiten Adam: den Christus. Den ersten Adam nennt er den Stammvater der Menschen auf der Erde. Aber in welcher Weise? Wir brauchen nicht weit zu gehen, um uns die Antwort auf diese Frage zu verschaffen. Er nennt ihn den Stammvater der Menschen auf Erden, indem er in ihm den ersten Menschen sieht, von dem alle übrigen Menschen abstammen — das heißt für Paulus: derjenige, der den Menschen vererbt hat den Leib, den sie als einen physischen an sich tragen. So hatten alle Menschen von Adam ihren physischen Leib vererbt. Das ist der Leib, der uns zunächst in der äußeren Maja entgegentritt, und der sterblich ist; es ist der von Adam vererbte, verwesliche Leib, der dem Tode verfallende physische Leib des Menschen. Mit diesem Leib — wir können den Ausdruck, denn er ist nicht schlecht, geradezu gebrauchen — sind die Menschen «angezogen». Und den zweiten Adam, den Christus, betrachtet Paulus im Gegensatz dazu als innehabend den unverweslichen, den unsterblichen Leib. Und durch die christliche Entwickelung setzt Paulus voraus, daß die Menschen allmählich in die Lage kommen, an die Stelle des ersten Adam den zweiten Adam zu setzen, an die Stelle des verweslichen Leibes des ersten Adam den unverweslichen Leib des zweiten Adam, des Christus, anzuziehen. Nichts Geringeres also, als was alle alte Weltanschauung zu durchlöchern scheint, nichts Geringeres scheint Paulus von denen zu fordern, die sich echte Christen nennen. Wie der erste, verwesliche Leib abstammt von Adam, so muß von dem zweiten Adam, von Christus, stammen der unverwesliche Leib. So daß jeder Christ sich sagen müßte, weil ich von Adam abstamme, habe ich einen verweslichen Leib, wie ihn Adam hatte; und indem ich mich in das rechte Verhältnis zu dem Christus setze, bekomme ich von Christus — dem zweiten Adam — einen unverweslichen Leib. Diese Anschauung leuchtet für Paulus unmittelbar hervor aus dem Damaskus-Ereignis. Mit anderen Worten: was will Paulus sagen? Wir können es vielleicht mit einer einfachen schematischen Zeichnung ausdrücken.

Die Abstammung des Menschen vom alten Adam

Wenn wir eine Anzahl von Menschen zu einer bestimmten Zeit haben (X), so wird Paulus alle stammbaumgemäß zurückführen zu dem ersten Adam, von dem sie alle abstammen, und der ihnen den verweslichen Leib gegeben hat. Ebenso muß nach der Vorstellung des Paulus ein anderes möglich sein. Wie die Menschen in bezug auf ihre Menschlichkeit sich sagen können: wir sind verwandt, weil wir von dem einen Urmenschen, von Adam, abstammen, so müssen sie sich auch im Sinne des Paulus sagen: wie wir ohne unser Zutun durch die Verhältnisse, die in der physischen Menschheitsfortpflanzung gegeben sind, diese Linien zu Adam hinaufführen können, so muß es möglich sein, daß wir in uns etwas entstehen lassen können, was uns ein anderes möglich macht. Wie die natürlichen Linien zu Adam hinaufführen, so muß es möglich sein, Linien zu ziehen, die uns — zwar nicht zu dem fleischlichen Adam hinaufführen mit dem verweslichen Leib, die uns aber ebenso hinführen zu dem Leib, der unverweslich ist, und den wir durch unsere Beziehung zu dem Christus ebenso in uns tragen können, nach Paulinischer Auffassung, wie wir den verweslichen Leib durch Adam in uns tragen.

Die Vervielfältigung des Auferstehungsleibes des Christus

Nichts Unbequemeres gibt es für das moderne Bewußtsein, als diese Vorstellung. Denn ganz nüchtern besehen: was fordert das von uns? Es fordert etwas, was für das moderne Denken geradezu ungeheuerlich ist. Das moderne Denken hat lange darüber gestritten, ob alle Menschen von einem einzigen Urmenschen abstammen; aber das läßt es sich noch gefallen, daß alle Menschen von einem einzigen Menschen abstammen, der einmal auf der Erde da war für das physische Bewußtsein. Paulus aber fordert folgendes. Er sagt: Wenn du im rechten Sinne ein Christ werden willst, mußt du dir vorstellen, daß in dir etwas entstehen kann, was in dir leben kann, und von dem du sagen mußt, du kannst ebenso geistige Linien ziehen von diesem in dir Lebenden zu einem zweiten Adam, zu Christus, und zwar zu jenem Christus, der am dritten Tage sich aus dem Grabe erhoben hat, wie alle Menschen Linien hinziehen können zu dem physischen Leib des ersten Adam. — So verlangt Paulus von allen, die sich Christen nennen, daß sie in sich etwas entstehen lassen, was wirklich in ihnen ist, und was so, wie der verwesliche Leib zurückführt auf Adam, zu dem hinführt, was sich am dritten Tage erhoben hat aus dem Grabe, in das der Leib des Christus Jesus hineingelegt worden ist. Wer das nicht zugibt, kann kein Verhältnis zu Paulus gewinnen, kann nicht sagen: er verstehe Paulus. Stammt man ab in bezug auf seinen verweslichen Leib vom ersten Adam, so hat man die Möglichkeit, indem man die Wesenheit des Christus zu seinem eigenen Wesen macht, einen zweiten Stammvater zu haben. Das ist aber der, der sich am dritten Tage, nachdem der Leichnam des Christus Jesus in die Erde gelegt worden war, aus dem Grabe erhoben hat." (Lit.: GA 131, S. 142ff)

Durch das Ereignis der Himmelfahrt verband sich der Christus mit der ganzen Erdensphäre, in der der ursprüngliche Adam noch vor dem Sündenfall gelebt hatte und wurde damit gleichsam zum neuen Adam.

Der Auferstehungsleib

Isenheimer Altar, rechter Flügel der aufgeklappten zweiten Schauseite: Christi Auferstehung von den Toten als Sonnengeburt, 1512 - 1516, Meister Mathis Nithart bzw. Gothart (Matthias Grünewald)

Etwa drei Tage nach dem Tod löst sich der Ätherleib des Menschen bis auf einen kleinen Extrakt, der mitgenommen werden kann, in der allgemeinen Ätherwelt auf. Innerhalb dieser drei Tage ist u. U. noch eine Wiedererweckung des Toten möglich, danach nicht mehr. Der Mensch lebt dann für eine längere Zeit, die etwa einem Drittel des vorangegangenen Erdenlebens entspricht, im Kamaloka, wo aus dem Astralleib all das ausgeschieden wird, was den Menschen noch begierdenhaft an die Erdenwelt kettet. Nur der verbleibende Rest kann in ein höheres Dasein mitgenommen werden. Der physische Leib aber, der dem Grab übergeben wird, löst sich durch Verbrennung schnell oder durch Verwesung allmählich in der Erdenwelt auf.

Wie also hat man sich die leibliche Auferstehung konkret vorzustellen? Versammeln sich dann auf wundersame Weise und gegen alle Naturgesetzlichkeit die längst in alle Winde zerstreuten Gebeine wieder, die einstmals dem Grab übergeben wurden, und umkleiden sie sich von neuem mit Fleisch? Wenn die Auferstehung kurz nach dem Tode erfolgt, solange der Leichnam noch nicht der Verwesung anheim gefallen ist, mag das noch irgendwie glaubhaft erscheinen. Aber für die Mehrzahl der Menschen soll sich die Auferstehung ja erst in einer ferneren Zukunft, zur Zeit des Jüngsten Gerichts, verwirklichen. Und wie verhält es sich, wenn der Leichnam verbrannt wurde? Aber selbst wenn es dann doch irgendwie gelänge, den physischen Leib vollständig wieder zu errichten, wäre er dann nicht wieder bloß ein verweslicher Leib – oder aus welchem Wunderstoff sollte er gewoben sein, dass er nie mehr vernichtet werden könnte? Und in welcher Gestalt sollte dieser Leib wieder auferstehen – etwa in der, die er, vielleicht schon alt, krank und siech, im Moment des Todes hatte? Rätselfragen auf Rätselfragen häufen sich, wenn man versucht, sich eine konkrete Vorstellung vom Prozess der Auferstehung zu bilden. Oder ist alles doch nur als mythologisches Bild gemeint, dem keine reale Tatsache entspricht?

Dass es so nicht gemeint sein kann, machen schon die Worte des Paulus deutlich:

35 Es könnte aber jemand fragen: Wie werden die Toten auferstehen, und mit was für einem Leib werden sie kommen? 36 Du Narr: Was du säst, wird nicht lebendig, awenn es nicht stirbt. 37 Und was du säst, ist ja nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloßes Korn, sei es von Weizen oder etwas anderem. 38 Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er will, einem jeden Samen seinen eigenen Leib. 39 Vögel, ein anderes die Fische. 40 Und es gibt himmlische Körper und irdische Körper; aber eine andere Herrlichkeit haben die himmlischen und eine andere die irdischen. 41 Einen andern Glanz hat die Sonne, einen andern Glanz hat der Mond, einen andern Glanz haben die Sterne; denn ein Stern unterscheidet sich vom andern durch seinen Glanz. 42 So auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. 43 Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in bHerrlichkeit. Es wird gesät in Armseligkeit und wird auferstehen in Kraft. 44 Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Gibt es einen natürlichen Leib, so gibt es auch einen geistlichen Leib. 45 Wie geschrieben steht: Der erste Mensch, Adam, «wurde zu einem lebendigen Wesen» (1. Mose 2,7), und der letzte Adam zum Geist, der lebendig macht. 46 Aber der geistliche Leib ist nicht der erste, sondern der natürliche; danach der geistliche. 47 Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch; der zweite Mensch ist vom Himmel. 48 Wie der irdische ist, so sind auch die irdischen; und wie der himmlische ist, so sind auch die himmlischen. 49 Und wie wir getragen haben das Bild des irdischen, so werden wir auch tragen das Bild des himmlischen.

50 Das sage ich aber, liebe Brüder, daß Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit. 51 Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, awir werden aber alle verwandelt werden; 52 und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn bes wird die Posaune erschallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden. 53 Denn dies Verwesliche muß anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muß anziehen die Unsterblichkeit. 54 Wenn aber dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit und dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht (Jesaja 25,8; Hosea 13,14): «Der Tod ist verschlungen vom Sieg. 55 Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?» 56 Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz. 57 Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus! 1. Kor 15,35

Wir werden uns der Tatsache der Auferstehung erkenntnismäßig nur nähern können, wenn wir verstehen lernen, wie der unverwesliche physische Leib beschaffen ist, der durch die Auferstehung vollkommen wieder hergestellt wird. Dass es sich dabei nicht einfach um den verweslichen stofflichen Leib handelt, in dem der Mensch bis zu seinem irdischen Tod gelebt hat, liegt auf der Hand; Paulus spricht deutlich vom unverweslichen Leib. Wie aber ist dieser beschaffen?

Das Phantom des physischen Leibes

Hier hat Rudolf Steiner entscheidende Hinweise zu einem tieferen Verständnis gegeben. Auferstehung bedeutet nach geisteswissenschaftlicher Auffassung die vollständige Wiederherstellung des menschlichen Phantoms, der geistigen Formgestalt des physischen Leibes, allerdings nun in völlig individualisierter Form.

"Da handelt es sich darum, daß die Betrachtung des physischen Menschenleibes an sich zu den schwierigsten hellseherischen Problemen gehört, zu den aller schwierigsten! Denn nehmen wir an, wir lassen von der Außenwelt dasjenige Experiment mit dem Menschen vollziehen, das ähnlich ist dem Zerlegen des Wassers in Wasserstoff und Sauerstoff. Nun, im Tode wird ja dieses Experiment von der großen Welt vollzogen. Da sehen wir, wie der Mensch seinen physischen Leib ablegt. Legt er wirklich seinen physischen Leib ab? Die Frage scheint eigentlich lächerlich zu sein. Denn was scheint klarer zu sein, als daß der Mensch mit dem Tode seinen physischen Leib ablegt! Aber was der Mensch mit dem Tode ablegt — was ist denn das? Das ist etwas, von dem man zum mindesten sich sagen muß, daß es das Wichtigste, was der physische Leib im Leben hat, nicht mehr besitzt: nämlich die Form, die von dem Momente des Todes an zerstört zu werden beginnt an dem Abgelegten. Wir haben zerfallende Stoffe vor uns, und die Form ist nicht mehr eigentümlich. Was da abgelegt wird, sind im Grunde genommen die Stoffe und Elemente, die wir sonst auch in der Natur verfolgen; das ist nicht das, was sich naturgemäß eine menschliche Form geben würde. Zum physischen Menschenleib gehört aber diese Form ganz wesentlich. Für den gewöhnlichen hellseherischen Blick ist es zunächst tatsächlich so, als ob einfach der Mensch diese Stoffe ablege, die dann der Verwesung oder Verbrennung zugeführt werden, und sonst nichts von seinem physischen Leibe bliebe. Dann sieht das gewöhnliche Hellsehen nach dem Tode in jenen Zusammenhang hinein, der da besteht aus Ich, astralischem Leib und Ätherleib während der Zeit, während welcher der Mensch seinen Rückblick zum verflossenen Leben hat. Dann sieht der Hellseher durch das fortschreitende Experiment den Ätherleib sich abtrennen, sieht einen Extrakt dieses Ätherleibes mitgehen und das Übrige sich auflösen in dem allgemeinen Weltenäther in der einen oder anderen Weise. Und so scheint es in der Tat, als ob der Mensch den physischen Leib mit den physischen Stoffen und Kräften abgelegt hätte mit dem Tode und den Ätherleib nach ein paar Tagen. Und wenn der Hellseher den Menschen dann weiter verfolgt während der Kamaloka-Zeit, so sieht er, wie wieder von dem Astralleib ein Extrakt durch das weitere Leben zwischen Tod und neuer Geburt mitgenommen, und wie das andere des Astralleibes der allgemeinen Astralität übergeben wird.

Wir sehen also: Physischer Leib, Ätherleib und Astralleib werden abgelegt, und der physische Leib scheint erschöpft zu sein in dem, was wir vor uns haben in den Stoffen und Kräften, die der Verwesung oder Verbrennung oder auf eine andere Weise der Auflösung in die Elemente entgegengehen. Je mehr sich aber in unserer Zeit des Menschen Hellsichtigkeit entwickelt, desto mehr wird er sich über eines klar werden: daß das, was mit dem physischen Leibe abgelegt wird als die physischen Stoffe und Kräfte, doch nicht der ganze physische Leib ist, daß das gar nicht einmal die ganze Gestalt des physischen Leibes gäbe. Sondern zu diesen Stoffen und Kräften gehört noch etwas anderes, das wir nennen müssen, wenn wir sachgemäß sprechen, das «Phantom» des Menschen. Dieses Phantom ist die Formgestalt des Menschen, welche als ein Geistgewebe die physischen Stoffe und Kräfte verarbeitet, so daß sie in die Form hineinkommen, die uns als der Mensch auf dem physischen Plane entgegentritt. Wie der plastische Künstler keine Statue zustande bringt, wenn er Marmor oder irgend etwas anderes nimmt und wüst darauf losschlägt, daß einzelne Stücke abspringen, wie sie der Stoff eben abspringen läßt; sondern wie der plastische Künstler den Gedanken haben muß, den er dem Stoffe einprägt, so ist auch für den Menschenleib der Gedanke vorhanden; aber nicht so vorhanden, da das Material des Menschenleibes kein Marmor oder Gips ist, wie derjenige des Künstlers, sondern als der reale Gedanke in der Außenwelt: als Phantom. Was der plastische Künstler einprägt seinem Stoffe, das wird den Stoffen der Erde, die wir nach dem Tode dem Grabe oder dem Feuer übergeben sehen, eingeprägt als Phantom des physischen Leibes. Das Phantom gehört zum physischen Leibe dazu, es ist der übrige Teil des physischen Leibes, ist wichtiger als die äußeren Stoffe; denn die äußeren Stoffe sind im Grunde genommen nichts anderes als etwas, was hineingeladen wird in das Netz der menschlichen Form, wie man Äpfel auf einen Wagen lädt. Das Phantom ist etwas Wichtiges! Die Stoffe, die da zerfallen nach dem Tode, sind im wesentlichen das, was wir in der Natur draußen auch antreffen, nur daß es aufgefangen wird von der menschlichen Form.

Wenn Sie tiefer nachdenken: glauben Sie, daß alle die Arbeit, die getan worden ist von großen göttlichen Geistern durch die Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit hindurch, nur das geschaffen hat, was mit dem Tode den Elementen der Erde übergeben wird? Nein! das ist es gar nicht, was da durch Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit hindurch entwickelt worden ist. Das Phantom ist es, die Form des physischen Leibes! Das ist es also, worüber wir uns klar sein müssen, daß das Verständnis dieses physischen Leibes nicht so leicht ist. Vor allen Dingen darf das Verständnis des physischen Leibes nicht in der Welt der Illusion, nicht in der Welt der Maja gesucht werden. Wir wissen, daß den Grundstein, sozusagen den Keim zu diesem Phantom des physischen Leibes, die Throne während der Saturnzeit gelegt haben, daß dann weiter daran gearbeitet haben die Geister der Weisheit während der Sonnenzeit, die Geister der Bewegung während der Mondenzeit und die Geister der Form während der Erdenzeit. Und dadurch erst ist das, was der physische Leib ist, zum Phantom geworden. Daher nennen wir sie die Geister der Form, weil sie eigentlich in dem leben, was wir das Phantom des physischen Leibes nennen. So müssen wir schon, um den physischen Leib zu verstehen, zum Phantom desselben zurückgehen." (Lit.: GA 131, S. 149ff)

Der physische Leib des Menschen, so wie er heute auf Erden lebt, setzt sich also zusammen aus der Formgestalt, dem Phantom, und den Stoffen, die diese Form erfüllen. Die Formgestalt des Menschen war vor dem Sündenfall frei von irdischen Stoffen und nur übersinnlich sichtbar.

"Unsichtbare, nicht räumliche Formen haben zunächst die Geister der Form dem Menschen beim Beginne seines Erdenwerdens gegeben." (Lit.: GA 134, S. 72)

Die Zerstörung des Phantoms und die Materialisierung des physischen Leibes durch den luziferischen Einfluss

Durch die luziferische Versuchung und den Sündenfall, durch den der Mensch nun auch in den Einflussbereich Ahrimans kam, wurde das Phantom nach und nach zerstört. Dadurch lagerte sich irdische Materie, die in gewissem Sinn nichts anderes ist als zerbrochene, zerstörte Form, in die physische Formgestalt ein und machte so den physischen Leib sinnlich sichtbar.

"Sehen Sie, wenn nämlich ein Prozeß im Weltenall fortgeschritten ist bis zur Form, die noch ganz im Geistig-Seelischen ist, die noch keine Raumesform ist, wenn der Prozeß fortgeschritten ist bis zu dieser übersinnlichen Form, dann ist der nächste Schritt nur noch möglich dadurch, daß die Form als solche zerbricht. Und das ist nämlich das, was sich dem okkulten Anblick darbietet: Wenn gewisse Formen, die unter dem Einfluß der Geister der Form geschaffen sind, sich bis zu einem gewissen Zustand entwickelt haben, dann zerbrechen die Formen. Und wenn Sie nun ins Auge fassen zerbrochene Formen, etwas, was also dadurch entsteht, daß Formen, die noch übersinnlich sind, zerbrechen, dann haben Sie den Übergang von dem Übersinnlichen in das Sinnliche des Raumes. Und das, was zerbrochene Form ist, das ist Materie. Materie, wo sie im Weltenall auftritt, ist für den Okkultisten nichts anderes als zerbrochene, zerschellte, zerborstene Form. Wenn Sie sich vorstellen könnten, diese Kreide wäre als solche unsichtbar und sie hätte diese eigentümliche parallelepipedische Form, und als solche wäre sie unsichtbar, und jetzt nehmen Sie einen Hammer und schlagen rasch das Stück Kreide an, daß es zerstiebt, daß es in lauter kleine Stücke zerbirst, dann haben Sie die Form zerbrochen. Nehmen Sie an, in diesem Augenblicke, in dem Sie die Form zerbrechen, würde das Unsichtbare sichtbar werden, dann haben Sie ein Bild für die Entstehung der Materie. Materie ist solcher Geist, der sich entwickelt hat bis zur Form und dann zerborsten, zerbrochen, in sich zusammengefallen ist.

Materie ist ein Trümmerhaufen des Geistes. Es ist außerordentlich wichtig, daß man gerade diese Definition ins Auge faßt, daß Materie ein Trümmerhaufen des Geistes ist. Materie ist also in Wirklichkeit Geist, aber zerbrochener Geist." (Lit.: GA 134, S. 72f)

Wir müssen also streng unterscheiden zwischen physischem Leib und stofflichem Leib. Zur Zeit des Mysteriums von Golgatha hatte die Verstofflichung des physischen Leibes ihren Höhepunkt erreicht.

"Wäre kein luziferischer Einfluß geschehen, dann hätte der Mensch im Beginne des Erdendaseins in voller Kraft dieses Phantom mit seinem physischen Leibe bekommen. Nun aber drangen in die menschliche Organisation, insofern sie besteht aus physischem Leib, Ätherleib und Astralleib, die luziferischen Einflüsse ein, und die Folge davon war die Zerstörung des Phantoms des physischen Leibes. Das ist es, wie wir sehen werden, was uns in der Bibel symbolisch mit dem Sündenfall ausgedrückt wird, und mit der Tatsache, wie es im Alten Testament gesagt wird, daß auf den Sündenfall der Tod folgte. Der Tod war eben die Zerstörung des Phantoms des physischen Leibes. Und die Folge davon war, daß der Mensch zerfallen sehen muß seinen physischen Leib, wenn er durch die Pforte des Todes schreitet." (Lit.: GA 131, S. 164)

Die Wiederherstellung des Phantoms durch den Christus

Dadurch, dass der Christus mit seiner ganzen weltenschöpferischen Kraft für drei Jahre in dem Leib des Jesus von Nazareth gelebt hatte und durch den Tod auf Golgatha gegangen war, konnte aus dem Grab erstmals ein vollständiges, unzerstörtes Phantom als reine, immaterielle physische Formgestalt aus dem Grab auferstehen. Während dieser drei Jahre blieb das Phantom des Jesus Christus völlig unberührt von den festen materiellen Bestandteilen, die im alchemistischen Sinn als Asche bezeichnet werden. Es verband sich nur mit den sich lösenden, verflüchtigenden Salzbestandteilen. Darum löste sich der Leib auch nach dem Tod sehr rasch auf.

"Durch die drei Jahre, von der Johannes-Taufe im Jordan an bis zum eigentlichen Mysterium von Golgatha, war die leibliche Ent-wickelung des physischen Leibes, des Ätherleibes und des Astralleibes eine ganz andere, als die leibliche Entwickelung bei andern Menschen. Dadurch, daß auf den nathanischen Jesus in früheren Inkarnationen luziferische und ahrimanische Kräfte nicht Einfluß genommen hatten, war die Möglichkeit gegeben, daß von der Johannes-Taufe im Jordan ab — da jetzt nicht eine menschliche Ich-Individualität in diesem Jesus von Nazareth war, sondern die Christus-Individualität — alles das nicht herausgebildet wurde, was sonst beim Menschen in seiner Leiblichkeit immer wirken muß. Wir haben gestern davon gesprochen, daß das, was wir das menschliche Phantom nennen, die eigentliche Urgestalt, die in sich auffaßt, einsaugt die materiellen Elemente und sie dann mit dem Tode abgibt — daß dieses Phantom degenerierte im Laufe der menschlichen Entwickelung bis zum Mysterium von Golgatha. Wir können diese Degenerierung in einer gewissen Weise so auffassen, daß eigentlich vom Anfange der menschlichen Entwickelung an dieses Phantom dazu bestimmt war, unberührt zu bleiben von den materiellen Teilen, die aus dem Mineral-, Pflanzen- oder Tierreich vom Menschen als Nahrungsmittel aufgenommen werden. Unberührt davon sollte das Phantom bleiben. Es war aber nicht unberührt geblieben. Denn durch den luziferischen Einfluß trat eine enge Verbindung ein zwischen dem Phantom und den Kräften, die der Mensch aufnimmt durch die irdische Entwickelung — besonders mit den Aschenbestandteilen. Das war also die Folge des luziferischen Einflusses, daß das Phantom, während es mit der weiteren Entwickelung der Menschheit mitgeht, eine starke Anziehung zu den Aschenbestandteilen entwickelte; und dadurch, anstatt mit dem Ätherleib des Menschen mitzugehen, ging es nun mit dem mit, was Zerfallprodukte sind. Das waren alles die Folgen der luziferischen Einflüsse. Und wo die luziferischen Einflüsse so hintan gehalten waren, wie dies beim nathanischen Jesus der Fall war, wo ja kein menschliches Ich da war, sondern wo die kosmische Christus-Wesenheit von der Johannes-Taufe an vorhanden war, da zeigte es sich, das sich keinerlei Anziehungskräfte geltend machten zwischen dem menschlichen Phantom und dem, was als materielle Teile aufgenommen wurde. Es blieb das Phantom durch alle drei Jahre unberührt von den materiellen Teilen. Man drückt das okkult so aus, daß man sagt: Eigentlich sollte das menschliche Phantom nach dem, wie es sich herübergebildet hatte durch die Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit, keine Anziehungskräfte haben zu den Aschenbestandteilen, sondern es sollte nur mit den sich lösenden Salzbestandteilen eine Anziehung haben, so daß es den Weg der Verflüchtigung nimmt in dem Maße, als die Salzbestandteile sich auflösen. Im okkulten Sinne würde man sagen, daß es sich auflöst und übergeht — nicht in die Erde, sondern in die flüchtigen Bestandteile. Das war aber gerade das Eigentliche, daß mit der Johannes-Taufe im Jordan, der Versetzung der Christus-Individualität in den Leib des nathanischen Jesus, aller Zusammenhang des Phantoms mit den Aschenbestandteilen vernichtet, vertilgt worden war und der einzige Zusammenhang blieb mit den Salzbestandteilen. Das tritt uns auch da hervor, wo der Christus Jesus denjenigen, die er zunächst erwählt hatte, klarmachen will: Es soll durch die Art, wie ihr euch verbunden fühlt mit der Christus-Wesenheit, zur weiteren menschlichen Entwickelung die Möglichkeit herbeigeführt werden, daß der eine aus dem Grabe auferstandene Leib — der Geistleib — auf die Menschen übergehen kann. — Dies will der Christus sagen, als er die Worte gebraucht: «Ihr seid das Salz der Erde!» Alle diese Worte, an die wieder erinnern die Terminologie, die Kunstausdrücke der späteren Alchimisten, des späteren Okkultismus, alle diese Worte, die wir in den Evangelien finden, haben die denkbar tiefste Bedeutung. Und es war in der Tat diese Bedeutung gerade den mittelalterlichen und auch den nachmittelalterlichen wirklichen Alchimisten — nicht den Scharlatanen, von denen die Literatur erzählt — voll bekannt, und keiner sprach diese Zusammenhänge aus, ohne daß er im Herzen fühlte den Zusammenhang mit dem Christus.

So stellte sich denn heraus: Als der Christus Jesus gekreuzigt wurde, sein Leib an das Kreuz genagelt wurde — Sie merken, daß ich genau mit den Worten des Evangeliums hier spreche, aus dem einfachen Grunde, weil die wirklichen okkulten Forschungen tatsächlich hier die Worte des Evangeliums absolut bestätigen —, als dieser Leib des Jesus von Nazareth ans Kreuz geschlagen wurde, da war in der Tat das Phantom völlig intakt, bestand als die geistleibliche, aber nur übersinnlich sichtbare Form und war in einem viel loseren Zusammenhange mit dem materiellen Inhalt aus den Erdenelementen als bei irgendeinem Menschen. Aus dem einfachen Grunde, weil bei jedem andern Menschen eine Verbindung des Phantoms mit den Elementen eingetreten ist, die diese Elemente zusammenhält. Bei dem Christus Jesus war es in der Tat ganz anders. Es war so, wie, ich möchte sagen, nach dem Gesetz des Beharrungsvermögens gewisse materielle Teile noch zusammenhalten in der Form, die man ihnen gegeben hat und dann nach einiger Zeit zerfallen, so daß kaum von ihnen etwas sichtbar ist. So war es mit den materiellen Teilen des Leibes des Christus Jesus. Als er vom Kreuze herabgenommen wurde, waren sozusagen die Teile noch zusammenhaltend, aber sie waren in keiner Verbindung mit dem Phantom, weil das Phantom von ihnen völlig frei war. Als der Leib dann mit gewissen Substanzen versetzt wurde, die dann wieder auf diesen Leib ganz anders wirkten als auf einen andern Leib, der einbalsamiert wird, da geschah es, daß sich die materiellen Stoffe nach dem Begräbnis rasch verflüchtigten, rasch in die Elemente übergingen. Daher fanden die Jünger, die nachschauten, die Tücher, mit denen er zugedeckt war, — das Phantom aber, woran die Entwickelung des Ich hängt, das war aus dem Grabe auferstanden. Daß Maria von Magdala, die das frühere, von den Elementen der Erde durchsetzte Phantom nur kannte, in dem von aller Erdenschwere befreiten Phantom, das sie jetzt hellseherisch sah, nicht wiedererkennen konnte dieselbe Gestalt, das ist nicht zu verwundern. Sie kam ihr anders vor. Insbesondere müssen wir uns darüber klar sein, daß nur durch die Kraft des Beisammenseins der Jünger mit dem Christus alle Jünger und alle Menschen, von denen uns das erzählt wird, den Auferstandenen sehen konnten; denn er erschien im Geistleib, in dem Leibe, von dem Paulus sagt, daß er sich wie das Samenkorn vermehrt und übergeht in alle Menschen. Daß aber auch Paulus selbst überzeugt ist davon, daß nicht der von den irdischen Elementen durchsetzte Leib den andern Jüngern erschienen ist, sondern daß dasselbe, was ihm erschienen war, auch den andern Jüngern erschienen war, das sagt er an der Stelle:

«Ich habe es euch überliefert in erster Linie, wie ich es selbst überkommen habe: daß Christus gestorben ist um unserer Sünden willen, so daß die Schriften sich erfüllen mußten, und daß er begraben wurde, und daß er auferweckt wurde am dritten Tage, gemäß dem, was in den Schriften immerdar gestanden hat, und daß er erschienen ist dem Kephas [Simon Petrus], dann den Zwölf. Hernach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von welchen die meisten noch leben, etliche aber sind entschlafen. Hernach erschien er dem Jakobus, dann den sämtlichen Aposteln; zuletzt aber gleich allen als dem zu früh Geborenen erschien er auch mir.» (1. Korinther 15, 3—8)

Dem Paulus erschien der Christus durch das Ereignis von Damaskus. Und daß die Art, durch die er ihm erschien, gleichgestellt ist mit den Erscheinungen gegenüber den andern Jüngern, das bezeugt, daß der Christus dem Paulus in derselben Gestalt erschienen ist, wie den andern. Was aber war es, was Paulus überzeugte?

Paulus war in einem gewissen Sinne schon ein Eingeweihter vor dem Ereignis von Damaskus. Aber es war eine Einweihung, die zusammengesetzt war aus dem althebräischen und dem griechischen Prinzip. Ein Eingeweihter war er, der bis dahin nur wußte, daß die, welche sich mit der geistigen Welt durch die Initiation verbunden haben, in ihrem Ätherleib unabhängig geworden sind von dem physischen Leib und in einer gewissen Weise denen, die dazu fähig sind, erscheinen können in ihrer reinsten Gestalt des Ätherleibes. Würde Paulus nur die Erscheinung eines reinen, von dem physischen Leibe unabhängigen Ätherleibes gehabt haben, so würde er anders gesprochen haben. Er würde gesagt haben, er hätte geschaut einen, der eingeweiht worden war und unabhängig von dem physischen Leibe mit der Erdentwickelung weiterlebt. Das würde für ihn auch nichts besonders Überraschendes gehabt haben. Das konnte es also nicht sein, was er vor Damaskus erlebt hat. Was er erlebt hat, war das, wovon er wußte, man kann es erst erleben, wenn die Schriften erfüllt sind: daß einmal in der geistigen Atmosphäre der Erde ein vollständiges menschliches Phantom, ein aus dem Grabe erstandener menschlicher Leib als übersinnliche Gestalt da sein werde. Das aber hatte er gesehen! Das war es, was ihm vor Damaskus erschien und ihn überzeugte: Er war da! Er ist auferstanden! Denn es ist das da, was nur von ihm kommen kann: es ist das Phantom da, was gesehen werden kann von allen menschlichen Individualitäten, die einen Zusammenhang suchen mit dem Christus! — Das war es, was ihn überzeugen konnte, daß der Christus schon da war, daß er nicht erst kommen werde, daß er wirklich in einem physischen Leibe war, und daß dieser physische Leib die eigentliche Urform des physischen Leibes herausgerettet hat zum Heile aller Menschen."

Indem sich der Phantomleib des Jesus Christus in der Folge vervielfältigt, können seine Formkräfte von jedem Menschen aufgenommen werden, der sich mit dem Christus verbindet. Dann werden sich die Phantomleiber der Menschen während des Erdenlebens auch nicht mehr mit den festen Aschebestandteilen, sondern nur mit den löslichen Salzbestandteilen verbinden. Das ist der Sinn des Christus-Wortes, das er an seine Jünger richtet, die auf diesem Weg vorangehen sollen: «Ihr seid das Salz der Erde!» So werden die zerstörten Phantomleiber der Menschen allmählich geheilt und nach und nach der Auferstehung teilhaftig.

"Am Ende der Erdenentwicklung wird die Kraft, die verloren gegangen ist durch den Sündenfall, die den Menschenleib auflöst, wiedergewonnen sein, wird durch die Kraft des Christus wieder zurückgegeben sein und die Menschenleiber werden dann wirklich in ihrer physischen Gestalt erscheinen." (Lit.: GA 175, S. 228)

Die Alchemisten deuten auf die Wiederherstellung der physischen Formgestalt des Menschen hin mit der Bereitung des Steins der Weisen.

Das Nikodemus-Evangelium

Das apokryphe Nikodemus-Evangelium, in dem sehr ausführlich die sog. Höllenfahrt Christi geschildert wird, berichtet, dass schon unmittelbar mit dem Christus auch andere auferstanden seien:

Da sprach Joseph: Was wundert ihr euch denn über die Auferweckung Jesu?
Nicht sie ist zum Verwundern, sondern vielmehr die Tatsache, daß er nicht allein erweckt wurde,
sondern daß er noch viele andere Tote erweckt hat, die sich vielen in Jerusalem gezeigt haben.
Und wenn ihr die anderen bis jetzt nicht kennt,
Symeon, der Jesus in seine Arme nahm, und seine zwei Söhne, die Jesus hat auferstehen lassen,
die sind euch doch inzwischen bekannt geworden.
Wir haben sie ja vor kurzem beerdigt.
Jetzt aber kann man ihre Gräber geöffnet und leer sehen,
sie selbst aber sind lebendig und halten sich in Arimathia auf.
Man entsandte also Leute, und diese fanden ihre Gräber geöffnet und leer.
Darauf sprach Joseph: Wir wollen nach Arimathia gehen und sie dort ausfindig machen.
(Nikodemus, XVII,1)

Auferstehung und Ätherleib

Der Auferstehungsleib kann auch als ein bis zur physischen Formgestalt verdichteter Ätherleib angesehen werden. Er trat hervor, nachdem der stoffliche Leib zu Staub zerfallen war.

"Sie dürfen sich nicht vorstellen, daß dieser Leib, in dem der Christus wohnte, sagen wir anderthalb Jahre nach der Johannestaufe im Jordan, so war wie ein anderer Leib, sondern so, daß eine gewöhnliche Menschenseele ihn sofort hätte von sich fallen fühlen, weil er nur zusammengehalten werden konnte von der mächtigen makrokosmischen Christus-Wesenheit. Es war ein fortwährendes, langsames, durch drei Jahre dauerndes Dahinsterben. Und an der Grenze des Auseinanderfallens war dieser Leib angekommen, als das Mysterium von Golgatha eintrat. Dann war nur noch notwendig, daß diejenigen Männer, von denen uns erzählt wird, herankamen an diesen Leib mit ihren sonderbaren Dingen, die Spezereien genannt werden, und eine chemische Verbindung herstellten zwischen diesen eigentümlichen Stoffen und dem Leib des Jesus von Nazareth, in dem die makrokosmische Christus-Wesenheit drei Jahre gewohnt hatte, und ihn dann ins Grab senkten. Da brauchte es nur ein ganz Weniges, daß dieser Leib zu Staub zerfiel im Grabe, und daß der Christus-Geist sich umkleidete mit einem, man kann sagen, bis zur physischen Sichtbarkeit sich verdichtenden Ätherleib. So daß der auferstandene Christus umhüllt war mit einem bis zur physischen Sichtbarkeit verdichteten Ätherleib. So ging er herum und erschien denen, denen er erscheinen konnte. Er war nicht für alle sichtbar, weil es eigentlich nur ein verdichteter Ätherleib war, den der Christus nach der Auferstehung trug. Aber das, was ins Grab gelegt worden war, das zerfiel zu Staub. Und nach den neuesten okkulten Forschungen stellte sich in der Tat das ein, daß ein Erdbeben stattfand. Es war mir frappierend, nachdem ich aus okkulten Forschungen heraus gefunden hatte, daß ein Erdbeben stattgefunden hatte, im Matthäus-Evangelium dieses angedeutet zu finden. Es spaltete sich die Erde, der Staub des Leichnams fiel hinein und verband sich mit der ganzen Substanz der Erde. Durch das Durcheinanderrütteln infolge des Erdbebens wurden die Tücher so gerüttelt, wie man sie dort nach der Beschreibung des Johannes- Evangeliums beschrieben findet. Es ist das im Johannes-Evangelium wunderbar geschildert.

So haben wir okkult die Auferstehung zu begreifen und brauchen gar nicht in Widerspruch zu kommen mit den Evangelien. Denn ich habe schon oft darauf aufmerksam gemacht, daß Maria von Magdala den Christus nicht erkannte, als er ihr begegnete. Wo würde sich denn einer nicht getrauen, jemanden, den er vor ein paar Tagen noch gesehen hat, wiederzuerkennen, besonders wenn dies eine solche wichtige Persönlichkeit ist, wie es der Christus Jesus war? Wenn erzählt wird, daß Maria von Magdala ihn nicht erkannte, so mußte er ihr in einer anderen Gestalt entgegengetreten sein. Sie erkennt ihn erst, als sie sozusagen ihn sprechen hört. Da wird sie aufmerksam.

Und alle Einzelheiten in den Evangelien sind uns okkult ganz begreiflich.

Aber es könnte jemand sagen: Thomas wurde von dem Auferstandenen, der den Jüngern erschien, aufgefordert, mit seinen Händen in die Wundmale zu greifen. Da müßte man voraussetzen, daß diese noch dagewesen wären, daß Christus mit demselben Leib, der sich in Staub aufgelöst hat, zu den Jüngern gekommen wäre. Nein! Denken Sie sich, es hat jemand ein Wundmal: da zieht sich der Ätherleib besonders zusammen, bekommt eine Art Narbe. Und in dem besonders zusammengezogenen Ätherleib, dem entnommen sind die Bestandteile zu dem neuen Ätherleib, mit dem sich die Christus-Wesenheit umkleidete, da waren zur Sichtbarkeit gebracht diese Wundmale, waren besonders dichte Stellen, so daß auch der Thomas fühlen konnte, daß eine Realität da ist.

Gerade diese Stelle ist im okkultistischen Sinn eine wunderbare Stelle. Dies widerspricht durchaus auch nicht dem, daß wir es mit einem durch die Christus-Kraft bis zur Sichtbarkeit verdichteten Ätherleib zu tun haben und daß dann auch die Emmaus-Szene eintreten kann. Wir finden sie im Evangelium so geschildert, daß nicht eine gewöhnliche Nahrungsaufnahme stattfindet, sondern eine Auflösung des Genossenen unmittelbar durch den Ätherleib, durch die Kräfte des Christus, ohne Mitwirkung des physischen Leibes." (Lit.: GA 130, S. 222f)

Indem die Menschen nach und nach auch der Auferstehung teilhaftig werden, wird auch ihr Ätherleib zunehmend in dieser Form konserviert.

"Das Geistige ist um uns herum, wie es um die Menschen des Altertums noch nicht geistig herum war. Der Ätherleib wird von der Seele abgetrennt als eine Art zweiter Leichnam, aber er wird durch den Christus- Impuls, der geblieben ist von dem Mysterium von Golgatha, in gewisser Weise doch konserviert, löst sich nicht rein auf, wird konserviert. Und wenn man - lassen Sie mich jetzt das Wort «Glaube» so brauchen, wie ich es definiert habe im Anfang der Vorträge - , wenn man den Glauben hat, Goethe ist als Ätherleib auferstanden, und sich dann an sein Studium macht, dann werden in einem selbst seine Begriffe und Vorstellungen lebendig, und man schildert ihn nicht so, wie er war, sondern wie er heute ist. Dann hat man den Begriff der Auferstehung ins Leben übertragen. Dann glaubt man an die Auferstehung... Wir mögen denken, was wir wollen - für unser Fühlen und Wollen gilt das nicht, was ich sage, aber für unser Denken und Vorstellen gilt es - , wir mögen denken, was wir wollen: solange wir im physischen Leibe sind, gibt es ein Hindernis dafür, daß die Vorstellungen sich in der richtigen Weise ausleben können. Möge Goethe noch so groß gewesen sein, seine Vorstellungen waren noch größer als er selber. Denn daß sie so groß haben werden können, wie sie waren, und nicht größer, daran war sein physischer Leib schuld. In dem Augenblick, wo sie sich vom physischen Leibe trennen konnten - ich meine jetzt die Vorstellungen, die im Ätherleibe in gewisser Weise weiterleben, nicht sein Fühlen und Wollen - und wo sie aufgenommen werden können von jemand, der sie in Liebe aufnimmt und weiterdenkt, da werden sie noch etwas anderes, da gewinnen sie ein neues Leben... Und wer in diesem Sinne sich an die Vergangenheit seelisch anlehnt, der lernt in sich selber erleben das Fortleben der Vergangenheit. Und dann ist es nur eine Frage der Zeit, daß der Augenblick eintritt, wo der Christus da ist, wo der Christus bei Ihnen ist...

Wenn Sie einmal das Erlebnis haben: Sie haben angeknüpft an irgendeinen Gedanken eines Menschen, der bereits durch den Tod gegangen ist, dessen physischer Leib der Erde einverleibt worden ist, und der Gedanke mit Ihnen weiterlebt, dann kommt eines Tages das über Sie, daß Sie sich sagen: So wie der Gedanke lebt, wie er in mir neuerdings lebendig ist, so ist er durch den Christus lebendig, und hat niemals so lebendig werden können, bevor der Christus auf der Erde war.

Es gibt eben einen Weg zu dem Mysterium von Golgatha, der innerlich gegangen werden kann. Aber man muß vor allen Dingen von der sogenannten objektiven Geschichte, die ja deshalb ganz subjektiv ist, weil sie an der äußeren Oberfläche nur klebt, weil sie den Geist gerade tilgt, man muß von der sogenannten objektiven Geschichte Abschied nehmen. Denn sehen Sie, es sind viele Goethe-Biographien geschrieben worden. Diese Goethe-Biographien, die geschrieben worden sind, die gehen sehr häufig darauf aus, möglichst treu das Leben Goethes darzustellen. Jedesmal, wenn man das tut, ertötet man etwas in sich; unbedingt: man ertötet etwas in sich. Denn der Gedanke ist so, wie er dazumal war bei Goethe, durch den Tod gegangen und lebt anders weiter. So im Geiste das Christentum erfassen, darauf kommt es an." (Lit.: GA 175, S. 330ff)

In eben dieser Weise dürfen auch die Gedanken Rudolf Steiners, deren Schatten er durch sein Werk hinterlassen hat, nicht als totes überliefertes Gut aufgenommen und konserviert werden, sondern müssen als etwas sich beständig lebendig Weiterentwickelndes in unserer Seele leben. Die durch die Texte überlieferten und letztlich toten Gedanken können und sollen uns nur helfen, das Seelenorgan auszubilden, mit dem wir unmittelbar die gegenwärtigen lebendigen Gedanken erfassen. Nur auf diese Weise ist lebendige und für das Leben fruchtbare Anthroposophie in unserer Zeit möglich.

Die Wirkung der Auferstehungskraft in der irdischen Natur

Ohne die unermüdliche Tätigkeit der Natur-Elementarwesen würde es die ganze irdische Natur nicht geben. Die Elementarwesen stehen mit den äußeren Naturreichen, den Reichen der Mineralien, Pflanzen, Tiere und Menschen in enger wechselseitiger Beziehung. Die Pflanze tötet das Licht nicht, das sie aufnimmt. Sie kann daher die sinnlichen Wirkungen des Lichts nicht erleben. Aber sie verwandelt den kosmischen Lichtäther in lebendig schaffende Elementarwesen, in Luftgeister (Sylphen). Tiere hingegen töten wie der Mensch den Lichtäther, aber nicht den Klangäther – und sie verwandeln ihn dadurch zu Wassergeistern (Undinen). Der Mensch verwandelt den Lebensäther, den er nicht töten kann, zu Erdgeistern (Gnome), die er beständig von sich ausstrahlt. Die Gnome, die eng verbunden mit dem Erdelement sind, haben als oberstes Wesensglied einen physischen Leib. Darunter haben sie drei weitere Wesensglieder, die in das dritte, zweite und erste Elementarreich hinunterreichen. Durch die Wirkung dieser drei unteren Wesensglieder ist der physische Leib der Gnome für gewöhnlich nicht sinnlich sichtbar. Nur unter dem hohen Druck der Erdentiefen nehmen sie so etwas wie physische Materialität an. Wird dieser Druck gelöst, zerstiebt diese physische Materialität sehr schnell.

Die Beziehung des Menschen zu den Erdgeistern, die er hervorbringt, ist von grundlegender Bedeutung für das zentrale Motiv des Ostergeschehen, die Auferstehungsfrage. In diesem Erdgeist-Element ist all das enthalten, was wir an moralischen, intellektuellen und ästhetischen Qualitäten im Erdenleben erworben haben, aber auch alles das, was wir an objektiver Schuld und Sünde nach dem Tod in der Erdenwelt zurücklassen. Wenn wir auch in späteren Erdenleben durch das Schicksalsgeschehen alle subjektive Schuld aus unserer Seele tilgen, so bliebe diese objektive Schuld dennoch für immer in der Welt zurück, würde sie nicht der Christus auf sich nehmen. Das ist der Sinn der Sündenvergebung durch den Christus, wenn es heißt, er habe die Sünden der Welt auf sich genommen. Er nimmt dadurch aber auch all das auf sich, was wir an Todeskräften diesen phantomartigen Wesen, die wir beständig ausstrahlen, einverweben.

Im Lauf der Entwicklung sind die phantomartigen Ausstrahlungen, mit denen wir das Erdgeist-Element erfüllen, immer dichter und todverwandter geworden. Diese Gestalten bilden aber die strukturelle Grundlage des künftigen Jupiter, der nächsten Verkörperung unserer Erde. Durch sie tragen wir die Früchte der wiederholten Erdenleben in das künftige Jupiter-Dasein hinüber. Ohne Hilfe des Christus könnte daraus nur ein toter Jupiter geboren werden. Vor allem könnte der Mensch auf dem Jupiter kein geeignetes leibliches Gefäß für seine weitere individuelle Entwicklung finden. Er könnte die verhärteten Leiber nur von außen als Gruppenseele dirigieren. Die Menschenseelen würden dann zwar sehr geistig sein, aber luziferisch geistig! Die Menschenseele würde ein Raub Luzifers, während der Leib den ahrimanischen Todesmächten verfällt. Damit dies nicht geschieht, sammelt der Christus all die phantomartigen Reste unserer irdischen Inkarnationen und durchströmt sie mit Leben – und dadurch wird die Auferstehung des Leibes und die Auferstehung der Erde in neuer Form möglich.

Ahriman stellt sich dieser Entwicklung entgegen. Er möchte den Menschen überhaupt nicht auf den neuen Jupiter hinübergehen lassen, sondern ihn für immer an das Erdendasein fesseln. Er möchte dazu die vom Menschen ausgestrahlten phantomartigen Elementarwesen mit menschlichen Seelen erfüllen, so dass diese schon jetzt keine regelrechten irdischen Inkarnationen mehr durchmachen könnten. Der Mensch würde dadurch von seiner künftigen Entwicklung völlig abgeschnitten und in das Reich Ahrimans übergehen. Aus eigener Kraft allein könnte der Mensch das nicht verhindern; nur die Christuskraft in uns kann diese ahrimanische Macht überwinden.

Die kosmische Bedeutung der Auferstehungskraft

Die Verstofflichung der Erde und ihre Wiedervergeistigung

Die Wirkung der Auferstehungskraft reicht aber noch weit über das Erdendasein und auch über das künftige Jupiterdasein hinaus. Sie hat kosmische Bedeutung.

Während der Erdenverkörperung verdichtete sich das Physische, das auf dem alten Saturn als bloße physische Wärme begonnen hatte, bis zum kristallinen festen mineralischen Zustand. Wie beim physichen Leib des Menschen ist auch bei den Kristallen, die das feste Erdelement bilden, zweierlei zu unterscheiden: die gestaltgebende Formkraft und die Stofferfüllung. Durch die Wirkung der Widersacher in der Natur ist die Verstofflichung der Erde immer weiter fortgeschritten. Die materieerfüllten Kristalle sind ein erstarrtes materielles Abbild der sich durch die 7 Stufen der Weltentwicklung entfaltenden Schöpferkraft - daher unterscheidet man 7 phänomenologische Kristallsysteme. Hier ist der schöpferische Geist in der äußeren physischen Form erstorben. Nur dadurch ist aber auch die Möglichkeit gegeben, dass der Mensch sein freies Ich entwickeln kann.

Damit die Entwicklung der Erde weiterschreitet und sich als künftiger Jupiter verkörpern kann, muss dieser Verstofflichung aber entgegengewirkt werden, denn was ihr anheim fällt, droht endgültig in das Reich Ahrimans überzugehen. Die Wiedervergeistigung des Stofflichen kann nicht mehr unmittelbar durch die ursprünglichen Schöpferkräfte selbst geschehen, sondern nur mehr indirekt, indem diese Schöpferkraft durch das menschliche Ich, und von da aus durch alle Wesensglieder bis in die physische Welt einfließt. Was der Mensch an geistigen Kräften durch sein Ich aufnimmt und bis in die geistige Formgestalt seines physischen Leibs hineinträgt, das wird mit dem Tode, wenn der Leichnam abgelegt wird, der Erdensphäre einverwoben, und das wirkt der Verstofflichung der Erde entgegen und sichert die künftige Entwicklung. Das kann aber nur dadurch geschehen, dass sich der Mensch mit der Auferstehungskraft des Christus durchdringt. Damit wird der Keim dazu gelegt, dass die Erde einmal in den Sonnenrang, und später in den Tierkreisrang aufsteigen kann. Die Auferstehung hat damit nicht nur individuelle, sondern zugleich auch Weltbedeutung.

Auferstehungsleib und künftiger Jupiterzustand

"Jede Menschenseele lebt in aufeinanderfolgenden Inkarnationen. Nehmen wir eine Inkarnation: bestimmte Reste bleiben da, wir haben sie geschildert. Nehmen wir die nächste Inkarnation: bestimmte Reste bleiben da, wir haben sie geschildert; weitere Inkarnationen: bestimmte Reste bleiben da, und so weiter bis zum Ende der Erdenzeiten. Die einzelnen Inkarnationen lassen ihre Reste zurück bis zum Ende der Erdenzeiten. Sind diese Reste durchchristet, so drücken sie, pressen sie sich zusammen. Dadurch aber, daß sich das Dünne zusammenpreßt, wird es dicht — auch Geistiges wird dicht — und unsere sämtlichen Erden- Inkarnationen, sie sind zu einem Geistesleib vereinigt. Der gehört uns, den brauchen wir, indem wir zum Jupiter hinüber uns entwickeln, denn er ist der Ausgangspunkt unserer Verkörperung auf dem Jupiter. Wir werden dastehen mit unserer Seele am Ende der Erdenzeit — mag sie mit ihrem Karma wie immer stehen —, wir werden dastehen vor unseren vom Christus gesammelten Erdenresten und werden uns mit ihnen zu vereinigen haben, um mit ihnen gemeinschaftlich zum Jupiter hinüberzugehen.

Auferstehen werden wir im Leibe, in dem aus den einzelnen Inkarnationen verdichteten Erdenleibe. Wahrhaftig, meine lieben Freunde, mit tief bewegtem Herzen spreche ich es hier aus: Auferstehen werden wir im Leibe!" (Lit.: GA 155, S. 205f)

Aufsteigende und absteigende geistige Kräfte

Das Septagramm als Symbol des mystischen Lammes

Einerseits trägt der Mensch die Früchte seiner geistigen Entwicklung, die er seiner geistigen physischen Formgestalt eingeprägt hat, als durchchristete heilende Arznei mit dem Tode in die Erdensphäre hinein. Anderseits steigt sein Ich nach dem Tod in die geistigen kosmischen Sphären auf, so dass diesen die menschliche Schöpferkraft einverwoben wird. Das heißt aber nichts anderes, als dass damit der schöpferischen Tierkreiswelt menschliche Geisteskräfte zugeführt werden. Heute überwiegen bereits die vom Menschen derart aufsteigenden geistigen Kräfte gegenüber den aus der Tierkreisregion niedersteigenden. In der Mitte der Atlantis (Ursemiten) hielten sich aufsteigende und absteigende Kräfte noch die Waage (Sternbild Waage). Jetzt können wir bereits von 7 aufsteigenden (Waage bis Widder) und 5 absteigenden Tierkreisregionen (Fische bis Skorpion) sprechen. Künftig werden auch diese Kräfte, die dem unteren Menschen unterhalb der Zwerchfellregion entsprechen, in aufsteigende Kräfte verwandelt werden müssen.

Das Lamm Gottes

Der Christus leitet unsere Entwicklung durch die ganzen 7 Stufen der Planetenkette. Seine Kräfte wirken aus der Tierkreisregion des Widders, und daher wurde er als das Lamm Gottes bezeichnet. Wenn der Mensch sich soweit entwickelt hat, dass er alle heute noch absteigenden Kräfte bis zur untersten Region der Fische durchchristet hat, dann wird er von da aus zu den Widderkräften durchbrechen und dann, am Ende der ganzen Planetenkette, wird sich im vollen Sinn das Wort des Paulus erfüllen: Nicht ich, sondern der Christus in mir! Der Mensch wird dann ein vollkommenes waches Bewusstsein für die gesamte geistige Form der physischen Welt erlangt haben – und damit hat sich die Auferstehung vollendet.

Literatur

  1. Emil Bock: Das Evangelium, Urachhaus Verlag, Stuttgart 1984
  2. Homer: Ilias und Odyssee, Deutsch von Johann Heinrich Voss, Rheingauer Verlagsgesellschaft, Eltville am Rhein, 1980, S 651
  3. Pierre Teilhard de Chardin: Das Herz der Materie, Walter Verlag, Olten 1990
  4. Rudolf Steiner: Die Welträtsel und die Anthroposophie, GA 54 (1983), ISBN 3-7274-0540-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Das esoterische Christentum und die geistige Führung der Menschheit, GA 130 (1995), ISBN 3-7274-1300-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  6. Rudolf Steiner: Von Jesus zu Christus, GA 131 (1988) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  7. Rudolf Steiner: Die Welt der Sinne und die Welt des Geistes, GA 134 (1990) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  8. Rudolf Steiner: Christus und die menschliche Seele, GA 155 (1994), ISBN 3-7274-1550-9 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  9. Rudolf Steiner: Bausteine zu einer Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha, GA 175 (1996) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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