Aura

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Aurisches Ei

Die Aura (griech. αύρα áura „Hauch, Lufthauch, Morgenbrise“[1]; hebr. אוֹרָה, aura; verwandt mit אוֹר or „Licht“) des Menschen gibt ein Bild der übersinnlichen Wesensglieder des Menschen, wie sie der Hellseher erblicken kann. Als übersinnliche Wesensglieder gelten Ätherleib, Astralleib und Ich. Man kann dementsprechend eine Ätheraura, eine Astralaura und eine Ich-Aura unterscheiden, wobei meist die Astralaura am deutlichsten hervortritt. In der bildenden Kunst wird die Ganzkörper-Aura als Mandorla oder Aureole, die Kopfaura als Heiligenschein dargestellt. Ursprünglich waren in den alten Kulturen auch die Gewandformen als sinnlich sichtbarer Ausdruck der menschlichen Aura gestaltet.

Die Wahrnehmung der Aura

Die Astralaura des geistig entwickelten Menschen, nach C. W. Leadbeater: Man Visible and Invisible, 1902

Die theosophischen Schrifsteller Annie Besant und C. W. Leadbeater haben, bei allen Vorbehalten, die man sonst aus anthroposophischer Sicht gegen sie haben mag, im wesentlichen zutreffende, umfangreiche und reich illustrierte Darstellungen der menschlichen Aura gegeben, die weitgehend mit den Schilderungen Rudolf Steiners übereinstimmen. (Lit.: 1,2) Man muss sich aber stets vergängenwärtigen, dass es sich dabei um versinnlichte und damit mehr oder weniger symbolische Darstellungen übersinnlicher Erlebnisse handelt. Die „Farben“ und „Formen“ innerhalb der Aura an sich werden nicht so erlebt wie ihre Entsprechungen in der sinnlichen Welt; man kann sie nur vergleichsweise so beschreiben. Sie sind für den Kundigen nur ein Zeichen, das auf das eigentliche Erlebnis hindeutet, so wie etwa der geschriebene Buchstabe A auf den hörbaren Laut A verweist, diesem aber sonst ganz unähnlich ist. Und ebenso, wie der Buchstabe A geschrieben werden muss, um überhaupt da zu sein, so muss auch die Aura aktiv durch ein inneres malendes Schauen als Imagination tätig im Bewusstsein des Sehers erzeugt werden, obwohl ihre Wirklichkeit ganz eigenständig und unabhängig von diesem ist - ähnlich wie man Gehörtes durch Schriftzeichen wortgetreu sichtbar festhält.

„Es muß ausdrücklich betont werden, daß man, was hier als «Farben» bezeichnet wird, nicht so sieht, wie physische Augen die Farben sehen, sondern daß man durch die geistige Wahrnehmung Ähnliches empfindet, wie wenn man einen physischen Farbeneindruck hat. Geistig «blau» wahrnehmen heißt etwas empfinden oder erfühlen, was ähnlich dem ist, was man empfindet, wenn der Blick des physischen Auges auf der Farbe «Blau» ruht. Dies muß berücksichtigen, wer allmählich wirklich zu geistigen Wahrnehmungen aufsteigen will. Er erwartet sonst, im Geistigen nur eine Wiederholung des Physischen zu finden. Das müßte ihn auf das bitterste beirren.“ (Lit.:GA 10, S. 64f)

„In meiner «Theosophie» finden Sie, daß man das Seelische in Form einer Art Aura sieht. Sie wird in Farben beschrieben. Grobklotzige Menschen, die nicht weiter eingehen auf die Sachen, sondern selbst Bücher schreiben, die glauben, daß der Seher die Aura schildert, sie beschreibt, indem er die Meinung hat, daß da wirklich so ein Nebeldunst vor ihm ist. Was der Seher vor sich hat, ist ein geistiges Erlebnis. Wenn er sagt, die Aura ist blau, so sagt er, er hat ein seelisch-geistiges Erlebnis, das so ist, als wenn er blau sehen würde. Er schildert überhaupt alles das, was er in der geistigen Welt erlebt und was analog ist dem, was in der sinnlichen Welt an den Farben erlebt werden kann.“ (Lit.:GA 271, S. 185)

„Man wird nun finden, daß diejenigen Menschen, welche übersinnliche Beobachtungen machen können, dasjenige, was sie schauen, so beschreiben, daß sie sich der Ausdrücke bedienen, welche den sinnlichen Empfindungen entlehnt sind. So kann man den elementarischen Leib eines Wesens der Sinnenwelt, oder ein rein elementarisches Wesen so beschrieben finden, daß gesagt wird, es offenbare sich als in sich geschlossener, mannigfaltig gefärbter Lichtleib.Es blitze in Farben auf, glimmere oder leuchte und lasse bemerken, daß diese Farben- oder Lichterscheinung seine Lebensäußerung sei. Wovon der Beobachter da eigentlich spricht, ist durchaus unsichtbar, und er ist sich dessen bewußt, daß mit dem, was er wahrnimmt, das Licht- oder Farbenbild nichts anderes zu tun hat, als etwa die Schrift, in welcher eine Tatsache mitgeteilt wird, mit dieser Tatsache selbst. Dennoch hat man nicht etwa bloß ein Übersinnliches in willkürlicher Art durch sinnliche Empfindungsvorstellungen ausgedrückt; sondern man hat während der Beobachtung das Erlebnis wirklich gemacht, das einem Sinneseindruck ähnlich ist. Es kommt dies davon her, daß im übersinnlichen Erleben die Befreiung von dem sinnlichen Leibe keine vollkommene ist. Dieser lebt mit dem elementarischen Leibe doch noch mit und bringt das übersinnliche Erlebnis in eine sinnliche Form. Die Beschreibung, die man so gibt von einer elementarischen Wesenheit, ist dann tatsächlich so gehalten, daß sie sich wie eine visionäre, oder phantastische Zusammenstellung von Sinneseindrücken zeigt. Wenn die Beschreibung so gegeben wird, dann ist sie trotzdem die wahre Wiedergabe des Erlebten. Denn man hat geschaut, was man schildert. Der Fehler, der gemacht werden kann, liegt nicht darin, daß man das Bild als solches schildert. Es liegt ein Fehler erst dann vor, wenn man das Bild für die Wirklichkeit hält, und nicht dasjenige, auf was das Bild, als auf die ihm entsprechende Wirklichkeit, hindeutet.“ (Lit.:GA 16, S. 32f)

"Wieviel sich von dem, was wirklich ist, einem Wesen offenbart, das hängt von dessen Empfänglichkeit ab. Niemals darf somit der Mensch sagen: nur das sei wirklich, was er wahrnehmen kann. Es kann vieles wirklich sein, für dessen Wahrnehmung ihm die Organe fehlen. – Nun sind die Seelenwelt und das Geisterland ebenso wirklich, ja in einem viel höheren Sinne wirklich als die sinnliche Welt. Zwar kann kein sinnliches Auge Gefühle, Vorstellungen sehen; aber sie sind wirklich. Und wie der Mensch durch seine äußeren Sinne die körperliche Welt als Wahmehmung vor sich hat, so werden für seine geistigen Organe Gefühle, Triebe, Instinkte, Gedanken und so weiter zu Wahmehmungen. Genau wie durch das sinnliche Auge zum Beispiel räumliche Vorgänge als Farbenerscheinungen gesehen werden können, so können durch die inneren Sinne die genannten seelischen und geistigen Erscheinungen zu Wahrnehmungen werden, die den sinnlichen Farbenerscheinungen analog sind. Vollkommen verstehen, in welchem Sinne das gemeint ist, kann allerdings nur derjenige, welcher auf dem im nächsten Kapitel zu beschreibenden Erkenntnispfad gewandelt ist und sich dadurch seine inneren Sinne entwickelt hat. Für einen solchen werden in der ihn umgebenden Seelenwelt die Seelenerscheinungen und im geistigen Gebiet die geistigen Erscheinungen übersinnlich sichtbar. Gefühle, welche er an anderen Wesen erlebt, strahlen wie Lichterscheinungen für ihn von dem fühlenden Wesen aus; Gedanken, denen er seine Aufmerksamkeit zuwendet, durchfluten den geistigen Raum.
Veränderungen der Aura bei plötzlich ausbrechendem Zorn, nach A. Besant/C. W. Leadbeater, Thought Forms
Für ihn ist ein Gedanke eines Menschen, der sich auf einen andern Menschen bezieht, nicht etwas Unwahrnehmbares, sondern ein wahrnehmbarer Vorgang. Der Inhalt eines Gedankens lebt als solcher nur in der Seele des Denkenden; aber dieser Inhalt erregt Wirkungen in der Geistwelt. Diese sind für das Geistesauge der wahrnehmbare Vorgang. Als tatsächliche Wirklichkeit strömt der Gedanke von einer menschlichen Wesenheit aus und flutet der andern zu. Und die Art, wie dieser Gedanke auf den andern wirkt, wird erlebt als ein wahrnehmbarer Vorgang in der geistigen Welt. So ist für den, dessen geistige Sinne erschlossen sind, der physisch wahrnehmbare Mensch nur ein Teil des ganzen Menschen. Dieser physische Mensch wird der Mittelpunkt seelischer und geistiger Ausströmungen. Nur angedeutet kann die reich-mannigfaltige Welt werden, die sich vor dem «Seher» hier auftut. Ein menschlicher Gedanke, der sonst nur in dem Denkverständnisse des Zuhörenden lebt, tritt zum Beispiel als geistig wahrnehmbare Farbenerscheinung auf. Seine Farbe entspricht dem Charakter des Gedankens. Ein Gedanke, der aus einem sinnlichen Trieb des Menschen entspringt, hat eine andere Färbung als ein im Dienste der reinen Erkenntnis, der edlen Schönheit oder des ewig Guten gefaßter Gedanke. In roten Farbennuancen durchziehen Gedanken, welche dem sinnlichen Leben entspringen, die Seelenwelt. In schönem hellem Gelb erscheint ein Gedanke, durch den der Denker zu einer höheren Erkenntnis aufsteigt. In herrlichem Rosarot erstrahlt ein Gedanke, der aus hingebungsvoller Liebe stammt. Und wie dieser Inhalt eines Gedankens, so kommt auch dessen größere oder geringere Bestimmtheit in seiner übersinnlichen Erscheinungsform zum Ausdruck. Der präzise Gedanke des Denkers zeigt sich als ein Gebilde von bestimmten Umrissen; die verworrene Vorstellung tritt als ein verschwimmendes, wolkiges Gebilde auf.
Die Aura des Menschen bei einem plötzlich aufwallenden Affekt, nach C. W. Leadbeater: Man Visible and Invisible, 1902

Und die Seelen- und Geisteswesenheit des Menschen erscheint in dieser Art als übersinnlicher Teil an der ganzen menschlichen Wesenheit.

Die Astralaura des durchschnittlich entwickelten Menschen, nach C. W. Leadbeater, Man Visible and Invisible, 1902

Die dem «geistigen Auge» wahrnehmbaren Farbenwirkungen, die um den in seiner Betätigung wahrgenommenen physischen Menschen herumstrahlen und ihn wie eine Wolke (etwa in Eiform) einhüllen, sind eine menschliche Aura. Bei verschiedenen Menschen ist die Größe dieser Aura verschieden. Doch kann man sich – im Durchschnitt – etwa vorstellen, daß der ganze Mensch doppelt so lang und viermal so breit erscheint als der physische.

In der Aura fluten nun die verschiedensten Farbentöne. Und dieses Fluten ist ein getreues Bild des inneren menschlichen Lebens. So wechselnd wie dieses sind einzelne Farbentöne. Doch drücken sich gewisse bleibende Eigenschaften: Talente, Gewohnheiten, Charaktereigenschaften auch in bleibenden Grundfarbtönen aus." (Lit.: GA 9)

"Die Persönlichkeit ist dasjenige, was die drei Leiber - physischer Leib, Ätherleib und Astralleib - vom Ich durchstrahlt sein läßt. Das kann auch unklar, schattenhaft sein - und wenn dies der Fall ist, so ist der betreffende Mensch eine schwache Persönlichkeit.

Für den Hellseher ist dies durchaus erkennbar. Er sieht den Menschen von einer farbigen Aura umflossen, in der sich seine Stimmungen, Leidenschaften, Gefühle, Empfindungen in Farbströmungen und Farbwolken genau ausdrücken. Versetzen wir uns in die Zeit, in welcher die drei Wesensglieder erst bereit waren, das menschliche Ich aufzunehmen, so würden wir auch bei diesem noch nicht ganz Mensch gewordenen Wesen eine Aura finden. Es würden aber darin die gelben Strömungen fehlen, in denen die höhere Natur des Menschen zum Ausdruck gelangt. Starke Persönlichkeiten haben eine stark gelb strahlende Aura. Nun kann man eine starke Persönlichkeit sein, aber ohne Aktivität, man kann innerlich stark reagieren, ohne ein Tatenmensch zu sein. Dann zeigt die Aura gleichwohl viel Gelb. Ist man aber ein Tatenmensch und wirkt sich die Persönlichkeit in der Außenwelt aus, so geht das Gelb allmählich in ein strahlendes Rot über. Eine rot strahlende Aura ist die eines Tatenmenschen; sie muß aber strahlen.

Doch gibt es eine Klippe, wenn die Persönlichkeit zu Taten drängt. Das ist der Ehrgeiz, die Eitelkeit. Davon können besonders leicht starke Naturen befallen werden. Der Hellseher sieht dies in der Aura. Ohne den Ehrgeiz geht das Gelb unvermittelt in Rot über. Ist der Mensch jedoch ehrgeizig, so hat er viel Orange in der Aura. Diese Schwelle muß man überwinden, um zur objektiven Tat zu gelangen.

Schwache Persönlichkeiten sind solche, die mehr darauf gerichtet sind, daß man ihnen gibt, als daß sie geben und etwas tun. Da sehen Sie dann hauptsächlich blaue Farben, und wenn die Menschen besonders bequem sind, die Indigofarbe. Es bezieht sich dies mehr auf die innerliche Bequemlichkeit als auf die äußere.

Sie sehen, wie sich in der Aura des Menschen die starke oder schwache Persönlichkeit abspiegelt." (Lit.: GA 096, S. 322)

Astralform
Astralformen

"Sie wissen daß der Astralleib, in dem die inneren Triebe, Begierden und Leidenschaften des Menschen leben, für den Hellseher als Lichtleib sichtbar wird. In diesem Lichtleib erscheinen die mannigfaltigsten Figuren und Farben [Abbildung links]. Jede Leidenschaft, jeder Trieb hat eine bestimmte Farbe. Das alles, sogar die Grundstimmung prägt sich in diesem Lichtleib aus. Wenn Sie bei einem Menschen, der sehr nervös ist, den Lichtleib ansehen, so haben Sie denselben ganz geschwängert mit aufglitzernden und leuchtenden Punkten. Das alles glänzt auf und verschwindet und spielt in den verschiedensten Farben.

Wenn ein furchtbarer Affekt vorliegt, so finden Sie solche Strahlen [Abbildung rechts]:

Ein Mensch, der einen verhaltenen Groll hat, hat in sich Figuren wie Schlangen.

Es ist das aber schwer zu zeichnen, da es wie etwa der Blitz fortwährend in Bewegung ist. Innerlich ist also Zorn oder Groll oder Nervosität da, wenn die Seele innerlich zappelt. Was der Mensch da innerlich erlebt, ist sein Seelenzustand. Äußerlich wird dieser Seelenzustand für den Hellsehenden als Lichterscheinung sichtbar." (Lit.: GA 096, S. 130)

"Wenn wir heute einen Menschen betrachten, in dem ein scharf ausgebildetes Urteils- und Kombinationsvermögen vorhanden ist, wenn wir ihn heute hellseherisch betrachten, so finden wir einen starken Ausdruck und eine Spiegelung davon in einem grünen Glitzern und Glänzen des Astralleibes, der astralischen Aura. Das Kombinationsvermögen zeigt sich in grünen Farbeneinschlüssen der Aura, besonders bei denen, die einen scharfen, mathematischen Verstand haben. Die alten ägyptischen Eingeweihten haben den Gott, der den Menschen die Fähigkeit der Intelligenz einpflanzte, gesehen, und sie bildeten ihn ab und bemalten ihn grün, weil sie seine leuchtende Astral- und Äthergestalt grün schimmern sahen. Das ist heute noch die glitzernde aurische Farbe, wenn der Mensch in der Intelligenz sich bewegt. Und es könnte viel über diese Zusammenhänge studiert werden, wenn die Menschen diese wunderbare Realistik der ägyptischen Göttergestalten wirklich studieren wollten. Dadurch, daß diese Darstellungen der Göttergestalten so realistisch und keine willkürlichen sind, wirkten sie wie Zaubermittel; und derjenige, der tiefer sehen könnte, würde sehen, wie in den Farben dieser alten Gestalten Geheimnisse in hohem Maße vorhanden sind. Man könnte da tief hineinsehen in das Getriebe der Menschheitsentwickelung." (Lit.: GA 106, S. 147f)

Die Aura als „Eierschale“ des Menschen

„Der gewöhnliche Mensch ist wie das Hühnchen, das seine Eierschale für die wirkliche Welt halten würde. Wenn das Hühnchen innerhalb seiner Eierschale wahrnehmen könnte, dann würde es diese nicht klein, sondern sehr vergrößert sehen, ja so groß, wie wir unsere Welt schauen. Wie die ganze Welt würde es den Inhalt innerhalb der Schale ansehen. So sehen wir unsere Eierschale, das heißt unsere Aura, ausgebreitet um uns herum als das blaue Himmelsgewölbe. Durchbrechen wir unsere Schale, dann werden Sonne und Mond verfinstert, die Sterne fallen auf die Erde - an deren Stelle breitet sich die geistige Welt aus.

Die Menschen leben in ihrer Eierschale - ihrer Aura. Die Elohim haben uns unsere Aura gegeben, und durch den Sündenfall ist diese wie eine Schale um uns herum geworden, und wir sind darinnen wie das Hühnchen im Ei. Der Himmel und die Sterne sind unsere Begrenzung, und sie müssen wir durch unsere Seelenkraft durchbrechen, wie das Küken aus eigener Kraft die Schale durchbrechen muß. Dann gelangen wir in eine neue Welt, ebenso wiederum wie das Küken eine neue Welt vor sich hat, wenn es aus dem Ei gekrochen ist. Und da die Menschen eigentlich alle dieselbe Eierschale um sich haben, konnte auch eine Astronomie entstehen, wie wir sie haben, die die Himmelskörper sich am Himmelsgewölbe bewegen läßt.

Die Eierschale ist das: Ex Deo nascimur. Damit wir durch sie hindurchbrechen und auch etwas mitnehmen können in die geistige Welt hinein, müssen wir dasjenige mitbringen, was in unsere Schale von der Außenwelt - das heißt also von der geistigen Welt - hineindringt, was das Gemeinsame ist; das ist der Christus. Darum sprechen wir: In Christo morimur und hoffen, daß, wenn wir mit Christi Hilfe die Schalen durchbrochen haben, wir wiederum auferweckt werden: Per Spiritum Sanctum reviviscimus.“ (Lit.:GA 266c, S. 187)

Aura und Sinneswelt

Die durch die Sinne wahrgenommenen Sinnesqualitäten sind Ausdruck der höheren Welten. Die Wahrnehmung der Aura entspringt aus genau den gleichen Ursachen, nur werden die Eindrücke nicht sinnlich, sondern unmittelbar seelisch wahrgenommen.

Gerade die unvollkommensten Sinne, namentlich der Geschmacks- und Geruchsinn, reichen am höchsten in die geistige Welt hinauf, bringen diese aber nur sehr unvollkommen zum Ausdruck. In den durch den Sehsinn wahrgenommen Farben offenbart sich die höhere Astralwelt, während sich die niedere Astralwelt, die sich bereits mit der Ätherwelt überschneidet (→ Kamaloka), durch die Erlebnisse des Wärmesinns kundgibt. Der vollkommenste Sinn, der Gehörsinn, ist hingegen bereits ganz in der physischen Welt angekommen. Noch mehr gilt das für den Wortsinn.

Die Vollkommenheit der Sinnesorgane hängt mit ihrem Entwicklungsalter zusammen. Mit dem Gehörsinn trat der Mensch bereits in die alte Saturnentwicklung ein, während der sich dann auch der Wärmesinn ausbildete. Auf der alten Sonne erwarb sich der Mensch den Gesichtssinn, auf dem alten Mond den Geschmacksinn und der Geruchsinn entstand erst während der eigentlichen Erdentwicklung (Lit.:GA 96, S. 125ff).

„Das physische Auge erblickt um sich herum Lichter, Farben. Wie der Hellseher die Aura am astralischen Leib rot, blau, gelb und grün wahrnimmt, so sieht das physische Auge um sich herum Rot, Blau, Gelb und Grün. In beiden Fällen ist die Ursache genau die gleiche. Wie hinter dem Rot im Astralleib eine Begierde lebt, so steckt hinter dem Rot der Blume eine Begierde als das «Ding an sich». Eine in der Blume waltende Begierde ist das Rot in der Blume. Was der Gesichtssinn tut, wenn er diesen Punkt überschreitet, ist nicht anders, als wenn Sie einen Rock umkehren, ihn auf die andere Seite wenden. Während in der Aura sich des Menschen astrale Natur ausprägt, lebt hinter der ganzen Farben- und Lichtwelt, hinter der Welt des Gesichtssinnes, die äußere astrale Natur. Niemals gäbe es in der Welt Farben, wenn nicht die Dinge ganz und gar durchdrungen wären von astralen Wesenheiten. Was in der Welt als Farben erscheint, rührt von den Astralwesen her, die sich äußerlich durch die Farbe kundtun. Durch die Umwendung des Inneren nach außen geht die Wesenheit von dem höheren auf den niederen Plan herunter. Sie können das Folgende durch Meditation erreichen: Wenn Sie eine grüne Fläche, etwa ein Laubblatt, vor sich haben und jetzt aus sich herausgehen, um die Sache von der anderen Seite anzuschauen, dann würden Sie die astrale Wesenheit sehen, die hinter der grünen Farbe ist und die sich durch die grüne Farbe anzeigt. So müssen Sie sich vorstellen: Indem Sie in die Welt hinausschauen und diese Welt mit Farben überdeckt sehen, haben Sie hinter diesen Farben die astralischen Wesenheiten zu vermuten. Wie Sie aus Ihrem Inneren die Farben Ihrer Aura für den Hellseher erscheinen lassen, so ist die Farbendecke der Welt der Ausdruck für die kosmische Aura. Alles Farbige in der Welt ist eine umgewandte Aura. Könnten Sie Ihre Aura umwenden wie einen Rock, so würden Sie Ihre Aura auf der umgekehrten Seite ebenfalls physisch sichtbar sehen. Das gilt für den Gesichtssinn, und damit sehen Sie, daß der Gesichtssinn in inniger Beziehung zur astralischen Welt steht.

Wenn Sie den Gefühlssinn, den Wärmesinn nehmen, so steht dieser wiederum in einer universellen Beziehung zu den unteren Partien der Astral weit. Während der Gesichtssinn sich mehr in Relation zu den höheren Partien der Astralwelt befindet, steht der Gefühls- oder Wärmesinn wiederum in einer ebensolchen Beziehung zu den unteren Partien der Astralwelt, mehr mit dem Gebiete, in dem die astrale Welt schon in die Ätherwelt übergeht. Der Gehörsinn steht in unmittelbarer Beziehung zur physischen Welt, und das, was Sie als Gehörsinn wahrnehmen, sind Schwingungen der physischen Luft.

Das ist nun etwas, was ich Sie bitte, nur in der subtilsten Weise und richtig aufzufassen. Wollen Sie etwas sehen, so muß hinter der Farbe, die Sie erblicken, ein Astralwesen stehen. Auch hinter der Wärme, die Sie fühlen, muß ein Astralwesen stehen. Wollen Sie etwas hören, so sind Sie - weil der Gehörsinn der vollkommenste Sinn ist - vollständig in die physische Welt gekommen, und Sie können ein physisches Wesen hören. Erst im Worte ist die geistige Welt richtig heruntergestiegen bis zur physischen Welt. Wenn wir von oben anfangen, können wir daher sagen: Die Erscheinungen des Gehörsinnes liegen ganz auf dem physischen Plan, die der Wärme steigen schon höher, die des Gesichtssinnes sind auf dem astralen Plan, und die Erscheinungen, die wir durch die unvollkommensten Sinne wahrnehmen, gehören den höheren Partien der geistigen Welt an. Und das, was bis in die physische Welt herunterlangt, ist nur das Unvollkommenste. So ist dasjenige, was der Geruchssinn erfassen kann, was er herunterbringt in die physische Welt, das Unvollkommenste. Macht sich das selbständig, dann sondert es sich aus dem Weltengang, aus der Evolution heraus. Was sich im Geruchssinn kundtut, dürfte heute nur im innigen Zusammenhang mit den höchsten Welten auftreten. - Nehmen wir also diejenigen Wesenheiten, die sich einmal - gerade als auf der Erde der Geruchssinn angefangen hatte sich zu entwickeln - aus der Evolution herausgegliedert und sich selbständig gemacht haben. Das sind Wesen, die sich vorzugsweise durch den Geruchssinn bemerkbar machen. Daher ist es ein schöner Zug der Sage, daß die abgefallenen Engel für den Geruchssinn in unangenehmer Weise wahrnehmbar sind. Weil sie abgespalten sind in der Evolution, sind sie für den Geruchssinn wahrnehmbar.

Wenn man sich also fragt, was eigentlich jenseits der Haut liegt, welche die menschlichen Sinnesorgane einschließt, so muß man sich sagen: Da liegen tatsächlich die verschiedenen höheren Plane und deren Wesenheiten.“ (Lit.:GA 96, S. 130ff)

Der Übergang vom sinnlichen zum übersinnlichen Schauen

„In derartigen Bemühungen können wir noch weiter gehen, indem wir Menschen gegenüberstehen und dabei versuchen, auch das Äußere des Menschen als Illusion und Maja anzusehen. So versuche man zum Beispiel seine Gesichtsfarbe, seine Haar-, Augen- und Wangenfarbe in den Komplementärfarben zu empfinden, ebenso alles, was Erhöhung an ihm ist - Nase etc. - als Vertiefung und umgekehrt zu sehen. Dabei kommt man in die negative Form, diejenige, die als Hohlraum vom physischen Leib ausgespart ist und die das Geistige ausmacht. (Vergleiche «Theosophie»: Das Geisterland.) Dies ist auch der Anfang, um sich in die Aura des Menschen hineinzuleben. All diese Erlebnisse können nur gefühlt und empfunden werden. Gehen wir mit dem Intellekt daran, so kann man diese Art Übungen nur bis zur Umdrehung der Tatsachen vollziehen, oder man erlebt nur ein fortwährendes zurückgeworfenes Spiegeln der eigenen Gedanken, ohne in die geistige Wirklichkeit einzudringen. Hat ein Mensch zum Beispiel sehr rote Backen, so werden diese in der Komplementärfarbe als hellgrün empfunden werden müssen, ein Zeichen, daß er noch stark im vegetabilen Leben steht. Bei leichter Gesichtsröte breitet sich für das hellseherische Wahrnehmen ein bläulicher Schimmer über eine etwas dunklere grüne Tönung. So kann der Hellseher den Grad der Geistigkeit von demjenigen erkennen, der vor ihm steht.“ (Lit.:GA 266b, S. 234)

Die Farben der Aura

„Wenn man nun eintritt in die geistige Welt, so hat man Erlebnisse, die wahrhaftig keine Ekstase sind, so wenig Ekstase sind wie das Leben in den geometrischen Vorstellungen. Würde das Erleben nicht in vollem Wachbewußtsein da sein, so daß die Seelenverfassung genau so ist wie beim mathematischen Vorstellen, dann würde man nicht auf dem rechten Wege sein. Also man erlebt etwas, das ganz nach dem Muster des mathematischen Erlebens in der Seele ist, aber man erlebt eine reale geistige Welt. Und indem man diese reale geistige Welt erlebt, erlebt man zunächst nicht Farben, sondern diejenigen Erlebnisse, die wir innerlich an den sinnlichen Farben erleben. Man muß nun natürlich mit der entwickelten Seele so weit sein, daß man überhaupt auf diese Erlebnisse achtgibt.

Sehen Sie, zum geistigen Erleben gehört eine gewisse Geistesgegenwart. Also man muß dieses innere Erlebnis haben, das sonst an der Farbe erlebt wird. Dabei charakterisiert man dieses Erlebnis am besten dadurch, daß man sich an die Farbe erinnert, daß man die Farbe auch wirklich vor sich hat. So wie man, sagen wir, das Dreieck-Erlebnis dadurch hat, daß man das Dreieck innerlich zeichnet, so hat man dasjenige, was man innerlich erlebt, am besten vor sich, nicht indem man eine geometrische Figur zeichnet, sondern ein farbiges Bild malt. Dieses farbige Bild ist dann so adäquat dem seelischen Erlebnis, wie ein aufgemaltes Dreieck mit seinen 180 Grad und Winkeln mit dem Dreieck-Erlebnis identisch ist. Währenddem man wissen muß, daß es eine Art Versinnlichung ist, so ist das Erleben in Farben, wenn man es in Goethescher Ausdrucksweise ausspricht, übrigens auch eine übersinnlich- sinnliche Darstellung desjenigen, was in Wirklichkeit erlebt wird.

Damit ist natürlich auf so subtile Erlebnisse hingedeutet, daß man sie nicht ins Grobe ziehen darf, sondern wirklich auf sie eingehen muß. Dann wird man aber finden, daß in der Tat da ein Reales in Erscheinung getreten ist, indem man in Farben schildert. Das habe ich sehr präzise herauszugestalten versucht in den letzten Auflagen meiner grundlegenden Bücher. Man kann nicht anders, als das, was man erlebt, in solcher Art zu schildern, sonst würde man noch viel materialistischer werden und würde zu stark Farben der Aura des Menschen und Farben der übersinnlichen Welt symbolisch schildern. So aber verfährt man in der Schilderung so wie beim Mathematischen, indem sich wirklich das Farbenerlebnis und dasjenige, was innerliches Erlebnis ist, deckt. Dessen ist man sich immer bewußt, und es ist nichts irgendwie von Ekstase vorhanden.“ (Lit.:GA 291a, S. 194ff)

„Ein Gedanke, der aus einem sinnlichen Trieb des Menschen entspringt, hat eine andere Färbung als ein im Dienste der reinen Erkenntnis, der edlen Schönheit oder des ewig Guten gefaßter Gedanke. In roten Farbennuancen durchziehen Gedanken, welche dem sinnlichen Leben entspringen, die Seelenwelt. In schönem hellem Gelb erscheint ein Gedanke, durch den der Denker zu einer höheren Erkenntnis aufsteigt. In herrlichem Rosarot erstrahlt ein Gedanke, der aus hingebungsvoller Liebe stammt. Und wie dieser Inhalt eines Gedankens, so kommt auch dessen größere oder geringere Bestimmtheit in seiner übersinnlichen Erscheinungsform zum Ausdruck. Der präzise Gedanke des Denkers zeigt sich als ein Gebilde von bestimmten Umrissen; die verworrene Vorstellung tritt als ein verschwimmendes, wolkiges Gebilde auf.“ (Lit.:GA 9, S. 160f)

„Wie die physische Welt dem physischen Auge als Farbe erscheint, so erscheint die geistige Welt dem geistigen Auge in einer wunderbaren Farbenpracht, nur auf höherem Gebiete. Dieses zeigt eine ungeheure Beweglichkeit der Farbe. Den Menschen sehen wir umgeben von einem ovalen Lichtkörper, in dem er schwimmt, und der sich nicht ruhend ausnimmt, sondern wie fließend, strömend, der ausstrahlt und in einer gewissen Entfernung vom Menschen sich verliert. Im Devachanraum, der fortwährend in Bewegung erscheint, hat der Mensch in sich eine Grundfarbe. Bleibende Stimmung des Menschen, auch bleibende Charaktereigentümlichkeiten verraten sich in der Aura durch eine bleibende Farbentönung, gebildet von Wolken, welche sie wellenförmig durchströmen. Wir sehen, wie wellenförmige Ströme von unten nach oben die Aura durchziehen, sie wie Blitze durchzucken, wie die Aura blaurote, braunrote und schöne bläuliche Farben durchziehen. Wir sehen die mannigfaltigsten und verschiedensten Farben, die sich ändern nach den verschiedenen Anlässen. Gehen Sie in die Kirche und beobachten Sie die Auren der Andächtigen. Sie werden da ganz andere Farbentöne finden als in einer Versammlung, in welcher politische Leidenschaften oder menschlicher Egoismus sich geltend machen. Die Seelenstimmungen, welche die täglichen Bedürfnisse bringen, werden Sie ausströmen sehen in Gebilden von ziegelroter und karminroter Farbe, manchmal werden Sie eine dunklere Farbennuance haben. Und wenn Sie in eine Kirche gehen und die Andächtigen beobachten, dann werden Sie die blaue, indigofarbene, violette und rosenrote Farbe spielen sehen. Und untersuchen Sie die Aura eines Menschen, der in der Gedankenwelt lebt, kontemplativ über wissenschaftliche Probleme nachdenkt, dann werden Sie innerhalb seiner Aura aufglänzen sehen die Gedankengebilde, die den von keiner Leidenschaft durchzuckten Gedanken in der Aura widerspiegeln.

Wenn wir lernen, was sich in der Aura zeigt, so lesen wir auf der einen Seite, was an Stimmungen und Temperament im Menschen lebt und was sich in seinem Bewußtsein abspielt; auf der anderen Seite sehen wir alle Vorstellungen, von den alleralltäglichsten bis zu den höchsten, geistigsten, bis zu den Gefühlen der Gottesverehrung und des erhabensten Mitleides sich in der Aura abspiegeln. Anfangs können wir nichts sondieren, aber wir lernen dies allmählich und bemerken, daß in der Aura zwei streng voneinander verschiedene Gebilde sind. Da sind zunächst wolkenartige Gebilde mit unbestimmten Umrissen, die mehr von der Hautperipherie einströmen. Diese wolkenartigen Gebilde lernen wir sondern von den Erscheinungen, die mehr von Herz, Brust, Kopf ausgehen und die einen strahlenden Charakter haben. Diese Ausstrahlungen gehen immer von einem inneren Mittelpunkt aus. Wir lernen also zu unterscheiden die wolkenartigen Gebilde von denen, die einen strahlenden Charakter haben. Das Wolkenartige, das von Braun ins Dunkelorange herüberspielt, das kommt aus der Körperlichkeit, aus der niederen Natur des Menschen, aus den Leidenschaften und Trieben. So unterscheiden wir in der Aura den geistigen Teil von dem niederen, dem astralen Teil. Wir lernen verstehen die häufigsten Farben. Die Aura der heutigen Europäer hat meist grüne Farben, die oft ins Gelbe übergehen. Dieses Grün stellt den eigentlichen Verstandesteil, den Bewußtseinsteil dar; es bringt also die Grundstimmung des Seelenlebens der heutigen Europäer zum Ausdruck. Bei einem Menschen, der in Trance ist, machen Sie die merkwürdige Wahrnehmung, daß alle grünen Töne aus der Aura verschwinden. Wer also die Aura wahrzunehmen versteht, der wird es nicht schwer haben, zu unterscheiden einen Simulanten von einem wirklich in Trance Befindlichen. Ebenso könnte ein Arzt, der in einer Klinik mit Hypnose experimentiert - wir betrachten das als etwas Nicht-Statthaftes, aber es geschieht doch manchmal -, ganz genau unterscheiden, ob ihn die Versuchsperson betrügt oder ob sie wirklich im Zustande der Trance oder der Hypnose ist, wenn er das Verschwinden der grünen Farbe in der Aura beobachten kann. Es verschwinden die Grüntöne in der Aura auch bei einem Menschen, der in Ohnmacht ist, und ebenso verschwinden sie immer in der Aura eines Schlafenden.

Die Fähigkeit, die astrale Aura zu sehen, ist dasjenige, was sich beim Seher zuerst entwickelt. Verhältnismäßig sehr bald nimmt der Seher diese Kundgebung des Menschen wahr, und er lernt, die astrale Aura von der mentalen Aura zu unterscheiden. Die strahlende Aura ist aus der Devachanwelt; sie ist Geist und gehört zu dem, was über den Tod hinaus mit dem Menschen geht. Es ist das, was aus der wahren geistigen Heimat stammt. Was aus Bräunlichem ins Grünliche, in grünliche Töne herüberspielt, das gehört dem Vergänglichen an; der Mensch streift es ab mit der physischen Hülle oder im Kamaloka, um dann in die eigentliche geistige Welt einzugehen. Das ist eine höhere Art der Wahrnehmung, eine höhere Art von geistigem Sinn, wenn sich uns der Devachan-Sinn erschließt. Die devachanische Welt unterscheidet sich ganz wesentlich von der physischen Welt. Die physische Welt ist unbeweglich und tot, während die devachanische Welt von einer Vielgliedrigkeit und einer Leichtbeweglichkeit ohnegleichen ist. Es ist eine immer und immer in sich bewegliche Welt, die in einer fortwährenden Aktivität ist.“ (Lit.:GA 88, S. 111ff)

„Man kann zu der Vorstellung kommen, als ob dasjenige, was hier als «Farben» geschildert wird, vor der Seele so stände, wie eine physische Farbe vor dem Auge steht. Eine solche «seelische Farbe» wäre aber nichts als eine Halluzination. Mit Eindrücken, die «halluzinatorisch» sind, hat die Geisteswissenschaft nicht das geringste zu tun. Und sie sind jedenfalls in der hier vorliegenden Schilderung nicht gemeint. Man kommt zu einer richtigen Vorstellung, wenn man sich das Folgende gegenwärtig hält. Die Seele erlebt an einer physischen Farbe nicht nur den sinnliche Eindruck, sondern sie hat an ihr ein seelisches Erlebnis. Dieses seelische Erlebnis ist ein anderes, wenn die Seele - durch das Auge - eine gelbe, ein anderes, wenn sie eine blaue Fläche wahrnimmt. Man nenne dieses Erlebnis das «Leben in Gelb» oder das «Leben in Blau». Die Seele nun, welche den Erkenntnispfad betreten hat, hat ein gleiches «Erleben in Gelb» gegenüber den aktiven Seelenerlebnissen anderer Wesen: ein «Erleben in Blau» gegenüber den hingebungsvollen Seelenstimmungen. Das Wesentliche ist nicht, daß der «Seher» bei einer Vorstellung einer anderen Seele so «blau» sieht, wie er dies «blau» in der physischen Welt sieht, sondern daß er ein Erlebnis hat, das ihn berechtigt, die Vorstellung «blau» zu nennen, wie der physische Mensch einen Vorhang zum Beispiel «blau» nennt. Und weiter ist es wesentlich, daß der «Seher» sich bewußt ist, mit diesem seinem Erlebnis in einem leibfreien Erleben zu stehen, so daß er die Möglichkeit empfängt, von dem Werte und der Bedeutung des Seelenlebens in einer Welt zu sprechen, deren Wahrnehmung nicht durch den menschlichen Leib vermittelt ist. Wenn auch dieser Sinn der Darstellung durchaus berücksichtigt werden muß, so ist es für den «Seher» doch ganz selbstverständlich, von «Blau», «Gelb», «Grün» und so weiter in der «Aura» zu sprechen.

Sehr verschieden ist die Aura nach den verschiedenen Temperamenten und den Gemütsanlagen der Menschen; verschieden auch je nach den Graden der geistigen Entwickelung. Eine völlig andere Aura hat ein Mensch, der sich ganz seinen animalischen Trieben hingibt, als ein solcher, der viel in Gedanken lebt. Wesentlich unterscheidet sich die Aura einer religiös gestimmten Natur von einer solchen, die in den trivialen Erlebnissen des Tages aufgeht. Dazu kommt, daß alle wechselnden Stimmungen, alle Neigungen, Freuden und Schmerzen in der Aura ihren Ausdruck finden.

Man muß die Auren der verschiedenartigen Seelenerlebnisse miteinander vergleichen, um die Bedeutung der Farbentöne verstehen zu lernen. Man nehme zunächst Seelenerlebnisse, die von stark ausgeprägten Affekten durchsetzt sind. Sie lassen sich in zwei verschiedene Arten sondern, in solche, bei denen die Seele zu diesen Affekten vorzüglich durch die animalische Natur getrieben wird, und solche, welche eine raffiniertere Form annehmen, die sozusagen durch das Nachdenken stark beeinflußt werden. Bei der ersteren Art von Erlebnissen durchfluten vorzüglich braune und rötlich-gelbe Farbenströmungen aller Nuancen an bestimmten Stellen die Aura. Bei denen mit raffinierteren Affekten treten an denselben Stellen Töne von hellerem Rotgelb und Grün auf. Man kann bemerken, daß mit wachsender Intelligenz die grünen Töne immer häufiger werden. Sehr kluge Menschen, die aber ganz in der Befriedigung ihrer animalischen Triebe aufgehen, zeigen viel Grün in ihrer Aura. Doch wird dieses Grün immer einen stärkeren oder schwächeren Anflug von Braun oder Braunrot haben. Unintelligente Menschen zeigen einen großen Teil der Aura durchflutet von brandroten oder sogar dunkelblutroten Strömungen.

Wesentlich anders als bei solchen Affektzuständen ist die Aura bei der ruhigen, abwägenden, nachdenklichen Seelenstimmung. Die bräunlichen und rötlichen Töne treten zurück und verschiedene Nuancen des Grün treten hervor. Bei angestrengtem Denken zeigt die Aura einen wohltuenden grünen Grundton. So sehen vorzüglich jene Naturen aus, von denen man sagen kann, sie wissen sich in jede Lage des Lebens zu finden.

Die blauen Farbentöne treten bei den hingebungsvollen Seelenstimmungen auf. Je mehr der Mensch sein Selbst in den Dienst einer Sache stellt, desto bedeutender werden die blauen Nuancen. Zwei ganz verschiedenen Arten von Menschen begegnet man auch in dieser Beziehung. Es gibt Naturen, die nicht gewohnt sind, ihre Denkkraft zu entfalten, passive Seelen, die gewissermaßen nichts in den Strom der Weltereignisse zu werfen haben als ihr «gutes Gemüt». Ihre Aura glimmt in schönem Blau. So zeigt sich auch diejenige vieler hingebungsvoller, religiöser Naturen. Mitleidsvolle Seelen und solche, die sich gerne in einem Dasein voll Wohltun ausleben, haben eine ähnliche Aura. Sind solche Menschen außerdem intelligent, so wechseln grüne und blaue Strömungen, oder das Blau nimmt wohl auch selbst eine grünliche Nuance an. Es ist das Eigentümliche der aktiven Seelen im Gegensatz zu den passiven, daß sich ihr Blau von innen heraus mit hellen Farbentönen durchtränkt. Erfindungsreiche Naturen, solche, die fruchtbringende Gedanken haben, strahlen gleichsam von einem inneren Punkte heraus helle Farbentöne im höchsten Maße ist dies der Fall bei denjenigen Persönlichkeiten, die man «weise» nennt, und namentlich bei solchen, welche von fruchtbaren Ideen erfüllt sind. Überhaupt hat alles, was auf geistige Aktivität deutet, mehr die Gestalt von Strahlen, die sich von innen ausbreiten; während alles, was aus dem animalischen Leben stammt, die Form unregelmäßiger Wolken hat, welche die Aura durchfluten. Je nachdem die Vorstellungen, welche der Aktivität der Seele entspringen, sich in den Dienst der eigenen animalischen Triebe oder in einen solchen idealer, sachlicher Interessen stellen, zeigen die entsprechenden Auragebilde verschiedene Färbungen. Der erfinderische Kopf, der alle seine Gedanken zur Befriedigung seiner sinnlichen Leidenschaften verwendet, zeigt dunkelblaurote Nuancen; derjenige dagegen, welcher seine Gedanken selbstlos in ein sachliches Interesse stellt, hellrotblaue Farbtöne. Ein Leben im Geiste, gepaart mit edler Hingabe und Aufopferungsfähigkeit, läßt rosarote oder hellviolette Farben erkennen.

Allein nicht nur die Grundverfassung der Seele, sondern auch vorübergehende Affekte, Stimmungen und andere innere Erlebnisse zeigen ihre Farbenflutungen in der Aura. Ein plötzlich ausbrechender heftiger Ärger erzeugt rote Flutungen; gekränktes Ehrgefühl, das sich in plötzlicher Aufwallung auslebt, kann man in dunkelgrünen Wolken erscheinen sehen. - Aber nicht allein in unregelmäßigen Wolkengebilden treten die Farbenerscheinungen auf, sondern auch in bestimmt begrenzten, regelmäßig gestalteten Figuren. Bemerkt man bei einem Menschen eine Anwandlung von Furcht, so sieht man diese zum Beispiel in der Aura von oben bis unten wie wellige Streifen in blauer Farbe, die einen blaurötlichen Schimmer haben. Bei einer Person, an der man bemerkt, wie sie mit Spannung auf ein gewisses Ereignis wartet, kann man fortwährend rotblaue Streifen radienartig von innen gegen außen hin die Aura durchziehen sehen. Für ein genaues geistiges Wahrnehmungsvermögen ist jede Empfindung, die der Mensch von außen empfängt, zu bemerken. Personen, die durch jeden äußeren Eindruck stark erregt werden, zeigen ein fortwährendes Aufflackern kleiner blaurötlicher Punkte und Fleckchen in der Aura. Bei Menschen, die nicht lebhaft empfinden, haben diese Fleckchen eine orangegelbe oder auch eine schöne gelbe Färbung. Sogenannte «Zerstreutheit» der Personen zeigt sich als bläuliche, ins Grünliche spielende Flecke vor mehr oder weniger wechselnder Form.“ (Lit.:GA 9, S. 161ff)

Die sinnlich-sittliche Wirkung der Farbe

Maßgeblich für das Verständnis der in der Aura wahrnehmbaren Farben ist auch das, was Goethe über die „sinnlich-sittliche Wirkung der Farbe “ in seiner 1810 veröffentlichten Schrift «Zur Farbenlehre» geschrieben hat. Goethe zeigt dort, wie jede Farbwahrnehmung von einem ganz charakteristischen, keineswegs zufälligen Gefühlsunterton begleitet ist, der zunächst nur sehr unterschwellig erlebt wird, aber durch gesteigerte Aufmerksamkeit deutlicher ins Bewusstsein gehoben werden kann. Er muss dazu aber von der rein persönlich bedingten und oftmals viel stärker hervortretenden Sympathie und Antipathie gesondert werden, die man für eine bestimmte Farbe empfindet. Das gelingt am besten, wenn man sich aus ganz bewusstem willentlichen Entschluss der reinen Farbwirkung aussetzt und alle anderen, störenden äußeren und inneren Einflüsse ausblendet. Obwohl dieser feine Unterton der äußerlich wahrgenommenen Farbe nur subjektiv innerlich seelisch durch den Beobachter erlebt werden kann, hängt er dennoch nicht von dessen persönlichen Eigenart ab und hat insofern zugleich einen objektiven Charakter. Bestimmte Farbzusammenstellungen erregen ganz bestimmte seelische Wirkungen. Umgekehrt korrespondieren aber auch bestimmte seelische Stimmungen mit entsprechenden Farbqualitäten, mit denen man dann die Aura beschreiben kann (Lit.:GA 73a, S. 254ff).

Entwicklung der Aura

„Den physischen Körper umgibt in einer Art Eiform die sogenannte Aura. Diese ist im ganzen immer größer als der physische Körper selbst. Sie ist am kleinsten bei dem unentwickelten Menschen, und sie ist umso größer, je entwickelter der Mensch ist, so daß die Aura eines hochentwickelten Menschen seine Länge um das Sechsfache überragen kann. Sie müssen sich vorstellen, daß Sie erst den ganzen Menschen bekommen, wenn Sie seine Höhe dreimal nach oben und dreimal nach unten auftragen würden. In dieser Aura haben wir dreierlei zu unterscheiden: Erstens den sogenannten Astralkörper. Das ist derjenige Körper, welcher objektiv für das Seherauge das enthält, was der Mensch sonst nur in sich spürt: seine Triebe, Begierden und Leidenschaften. Der Seher kann in dieser astralen Aura genau unterscheiden, ob der Mensch reine oder häßliche Leidenschaften hat wie Habsucht, Mitleid, Wohlwollen und dergleichen mehr. Dann, etwas größer, die mentale Aura. Sie enthält dasjenige, was wir subjektiv empfinden als unseren Intellekt, als unsere Verstandeskraft, die niedere Geisteskraft. Diese beiden Auren lösen sich nach dem Tode auf, ebenso wie der physische Körper sich auflöst. Die astrale Aura löst sich auf im Kamaloka, und die mentale Aura im unteren Devachan. Sie sind noch zu den vergänglichen Teilen des Menschen zu zählen. Die bleibende Wesenheit des Menschen ist objektiv sichtbar in der dritten Aura. Diese ist die Aura des Kausalkörpers, desjenigen Körpers also, der durch alle Inkarnationen hindurchgeht. Der KausalkÖrper ist bei unentwickelten Menschen, die nur wenig von dem Bleibenden verstehen, nur angedeutet. Wenn man die Auren eines unentwickelten Menschen betrachtet, so findet man nur wenig von dem Kausalkörper. Diejenigen Menschen, welche tieferen Wahrheiten nachgehen, entwickeln diese kausale Aura. Je mehr sich der Mensch entwickelt, desto mehr entwickelt sich diese kausale Aura. Es gliedert sich dann eine Art von Strahlensystem ein, so daß der höherentwickelte Mensch Strahlen aussendet, die in seiner kausalen Aura zu bemerken sind. Wenn wir die Aura eines Adepten haben, so ist sie viel größer als ein Haus, so daß der ganze Mensch unendlich viel größer erscheint als der physische Mensch für das physische Auge. Die kausale Aura, die wir beim Hochentwickelten sehen können, ist auch angedeutet bei Unentwickelten, und nicht etwa als ein kleines Körperchen, sondern auch groß, aber sie leuchtet noch nicht. Sie ist beim Unentwickelten ein schwach glimmendes Licht und wird immer leuchtender, je mehr sich der Mensch entwickelt. Strahlen kommen dadurch hinein, daß der Mensch immer mehr Inhalt bekommt. Je mehr der Mensch in sich das entwickelt, was bleibend ist, was wiedererscheinen wird, desto mehr hat er Leuchtkraft in sich. Es ist das objektiv Sichtbare dessen, was der Mensch von einer Inkarnation in die andere hinüberträgt.

Zunächst werde ich den Menschen mit seiner astralen Aura betrachten; wir können ihn in drei aufeinanderfolgenden Zuständen beobachten. Der erste Zustand wäre der, in welchem die eigentliche Vorstellungskraft noch sehr wenig entwickelt ist. Das ist der Fall bei der dritten Wurzelrasse und im Anfang der vierten, also von der Mitte der lemurischen bis zur ersten Hälfte der atlantischen Zeit. Die Lemurier und die ersten Atlantier haben nicht aus der Vorstellung, sondern rein aus dem Gedächtnis heraus gedacht. Erst in der vierten Wurzelrasse wurde nach und nach die Vorstellungskraft entwickelt; da änderte sich auch die Aura. In der dritten Wurzelrasse und in der ersten Hälfte der vierten entwickelte sich die astrale Aura so, daß sie den Körper des Menschen umgab. Sie war etwas größer als seine Haut, und sie war viel nebliger als nachher, sie war wie von dunklen Nebelmassen durchzogen, und durch die Leidenschaften der Menschen war sie viel heftiger und stürmischer. Nur die ersten Ansätze der mentalen Aura waren damals vorhanden. Die Entwicklung schritt fort bis in unsere jetzige Wurzelrasse, so daß heute ein gewisser Höhepunkt erreicht ist. Dies ist das zweite Stadium, in dem die mentale Aura bis zu einem gewissen Grade ausgebildet wird.

Das dritte Stadium ist das eines vorgeschrittenen Menschen, der das sogenannte astrale Sehvermögen entwickelt. Er ist imstande, diese Aura auch zu sehen. Er kann nicht nur dasjenige sehen, was in der physischen Welt vorhanden ist, sondern auch das, was in der astralen Welt vorhanden ist. Bei solchen Menschen sieht die astrale Aura etwas anders aus. Bei den atlantischen und nachatlantischen Menschen treten innerhalb der astralen Aura räderförmige Figuren auf. Solche Figuren sind in der Aura jedes heutigen Menschen; bei den Lemuriern waren sie noch kaum zu merken. Wenn beim heutigen Menschen diese «Räder» in Bewegung sind, so tritt das Sehen ein. Wenn sie ruhen, so ist das astrale Sehen aufgehoben. Das sind die drei Zustände.

Der physische Körper ist durchzogen vom Nervensystem. Jedes Nervenzentrum steht in Verbindung mit einem astralen Zentrum, so daß also zum Beispiel der Sehnerv umgeben, eingehüllt ist von einem astralen Sehnerv, von einer astralen Substanz, die zum Sehnerv dazugehört. Nun, wie kommt das Sehen zustande? Licht kommt in das Auge, geht durch den Nerv ins Gehirn. Aber da sieht man noch nichts; es ist immer noch ein Bewegungsvorgang nur physischer Art. Nun kommt der astrale Sehnerv in Schwingungen. Diese bewirken, daß das Bild erscheint, das man sieht. Ohne daß der Astralkörper in Tätigkeit versetzt wird, ist es unmöglich zu sehen. Ebenso ist es beim Denken. Der Astralkörper ist das eigentlich Tätige. Wenn Sie sich nun vorstellen, wie es beim Seher ist, dann sind es nicht Eindrücke, die durch das Ohr, durch das Auge kommen, sondern es sind Eindrücke, die durch seine astrale Organisation selbst, ohne Vermittlung des physischen Gehirns und des Nervenzentrums kommen. Das tritt auf, wenn die Chakrams, die Lotusblumen, in Bewegung kommen. Das bedeutet, daß der Astralkörper ein Organismus ist, der Sinnesorgane hat.

Wenn der Mensch im gewöhnlichen Zustand des Schlafens ist, so ist in der Regel der Astralkörper außerhalb des physischen Körpers. Je höher der Mensch entwickelt ist, desto weiter kann sich der Astralkörper entfernen. Die vollständige psychische Entwicklung besteht darin, daß man den Körper zurückläßt und im Astralen frei herumspaziert. Es gibt noch weitere Stadien. Der Astralkörper kann, während man schläft, die sonderbarsten Wanderungen machen, nur erinnern Sie sich nicht an diese nächtlichen Wanderungen. Sie können während der Nacht ein Bewußtsein davon haben, es aber nicht mitbringen in den Tag. Das höchste Stadium ist, wenn Sie sowohl im Schlafe als auch im physischen Leibe sich des astralen Bewußtseins bewußt sind. Sie können während der Nacht bekannte Menschen aufsuchen; sie werden aber nicht Erfahrungen von ähnlicher Art wie im Physischen machen können. Sie werden zum Beispiel nicht erfahren, was jetzt eine Person in Asien tut - das können Sie nicht erfahren. Wenn Sie aber von ihr etwas lernen wollen, so können Sie das, wenn Sie das in Ihr Tagesbewußtsein vollständig herübernehmen. Der Chela könnte nicht erfahren, ob ein Meister in Asien schreibt oder nicht schreibt oder ob und was er ißt und trinkt. Aber er kann unterrichtet werden im astralen Raum und das bewußt mitherübernehmen in das Tagesbewußtsein.“ (Lit.:GA 88, S. 234ff)

Die Kopfaura

Christus-Darstellung mit Kreuznimbus aus dem 6. Jahrhundert, Ausschnitt aus einem Mosaik in Sant'Apollinare Nuovo, Ravenna
Hauptartikel: Heiligenschein

Der Heiligenschein (lat. Nimbus) ist die bei geistig hochentwickelten Menschen hellsichtig wahrnehmbare Kopfaura. Gedankenaustrahlungen erscheinen als Strahlenkrone, wie man sie bei vielen Christus-Darstellungen, aber beispielsweise auch bei Helios oder Apollon findet.

Bei jedem Menschen steigt vom Herzen zum Kopf hin ein Strom ätherisierten Blutes auf und umspielt und umleuchtet die Zirbeldrüse. Diese durch die Ätherisation des Blutes vom Herzen aufsteigenden Ätherkräfte durchdringen das Gehirn und strahlen sogar über den Kopf hinaus aus; bei genügender Stärke erscheint das dem imaginativen Blick als Heiligenschein.

Nur durch diese Ätherkräfte sind wir überhaupt in der Lage, Gedanken zu fassen, die nicht völlig an die egoistischen Bedürfnisse des Organismus gebunden sind. Aristoteles hat das noch geahnt. Seit auf Golgatha das Blut des Christus vergossen wurde, kann sich die Christuskraft mit diesem Ätherstrom vereinigen. Zugleich steigen auch astrale Kräfte auf, die allerdings die Schädeldecke nicht durchdringen können, sondern sich hier stauen und verdichten. Sie ziehen aber äußere Astralkräfte heran, die sich wie eine astrale Kappe über den Schädel legen. Die innerlich aufsteigenden Astralkräfte, in denen Begierden, aber auch ungeheure Weisheit liegt, begegnen sich hier mit der äußeren astralen Weltweisheit.

Die drei Gattungen astraler Farberscheinungen

Man kann in der menschlichen Aura drei Gattungen astraler Farberscheinungen unterscheiden, die dem leiblichen, seelischen und geistigen Aspekt des Menschen entsprechen:

"Für ein höher ausgebildetes «geistiges Schauen» lassen sich innerhalb dieser den Menschen umflutenden und umstrahlenden «Aura» drei Gattungen von Farbenerscheinungen unterscheiden. Da sind zuerst solche Farben, die mehr oder weniger den Charakter der Undurchsichtigkeit und Stumpfheit tragen. Allerdings, wenn wir diese Farben mit denjenigen vergleichen, die unser physisches Auge sieht, dann erscheinen sie diesen gegenüber flüchtig und durchsichtig. Innerhalb der übersinnlichen Welt selbst aber machen sie den Raum, den sie erfüllen, vergleichsweise undurchsichtig; sie erfüllen ihn wie Nebelgebilde. – Eine zweite Gattung von Farben sind diejenigen, welche gleichsam ganz Licht sind. Sie durchhellen den Raum, den sie ausfüllen. Dieser wird durch sie selbst zum Lichtraum. – Ganz verschieden von diesen beiden ist die dritte Art der farbigen Erscheinungen. Diese haben nämlich einen strahlenden, funkelnden, glitzernden Charakter. Sie durchleuchten nicht bloß den Raum, den sie ausfüllen: sie durchglänzen und durchstrahlen ihn. Es ist etwas Tätiges, in sich Bewegliches in diesen Farben. Die anderen haben etwas in sich Ruhendes, Glanzloses. Diese dagegen erzeugen sich gleichsam fortwährend aus sich selbst. – Durch die beiden ersten Farbengattungen wird der Raum wie mit einer feinen Flüssigkeit ausgefüllt, die ruhig in ihm verharrt; durch die dritte wird er mit einem sich stets anfachenden Leben, mit nie ruhender Regsamkeit erfüllt.

Diese drei Farbengattungen sind nun in der menschlichen Aura nicht etwa durchaus nebeneinander gelagert; sie befinden sich nicht etwa ausschließlich in voneinander getrennten Raumteilen, sondern sie durchdringen einander in der mannigfaltigsten Art. Man kann an einem Orte der Aura alle drei Gattungen durcheinanderspielen sehen, wie man einen physischen Körper, zum Beispiel eine Glocke, zugleich sehen und hören kann. Dadurch wird die Aura zu einer außerordentlich komplizierten Erscheinung, denn man hat es, sozusagen, mit drei ineinander befindlichen, sich durchdringenden Auren zu tun. Aber man kann ins klare kommen, wenn man seine Aufmerksamkeit abwechselnd auf eine dieser drei Auren richtet. Man tut dann in der übersinnlichen Welt etwas Ähnliches, wie wenn man in der sinnlichen zum Beispiel – um sich ganz dem Eindruck eines Musikstückes hinzugeben – die Augen schließt. Der «Seher» hat gewissermaßen dreierlei Organe für die drei Farbengattungen. Und er kann, um ungestört zu beobachten, die eine oder andere Art von Organen den Eindrücken öffnen und die andern verschließen. Es kann bei einem «Seher» zunächst überhaupt nur die eine Art von Organen, die für die erste Gattung von Farben, entwickelt sein. Ein solcher kann nur die eine Aura sehen; die beiden anderen bleiben ihm unsichtbar. Ebenso kann jemand für die beiden ersten Arten eindrucksfähig sein, für die dritte nicht. – Die höhere Stufe der «Sehergabe» besteht dann darin, daß ein Mensch alle drei Auren beobachten und zum Zwecke des Studiums die Aufmerksamkeit abwechselnd auf die eine oder die andere lenken kann.

Die dreifache Aura ist der übersinnlich-sichtbare Ausdruck für die Wesenheit des Menschen. Die drei Glieder: Leib, Seele und Geist, kommen in ihr zum Ausdruck.

Die erste Aura ist ein Spiegelbild des Einflusses, den der Leib auf die Seele des Menschen übt; die zweite kennzeichnet das Eigenleben der Seele, das sich über das unmittelbar Sinnlichreizende erhoben hat, aber noch nicht dem Dienst des Ewigen gewidmet ist; die dritte spiegelt die Herrschaft, die der ewige Geist über den vergänglichen Menschen gewonnen hat. Wenn Beschreibungen der Aura gegeben werden – wie es hier geschehen ist –, so muß betont werden, daß diese Dinge nicht nur schwer zu beobachten, sondern vor allem schwierig zu beschreiben sind. Deshalb sollte niemand in solchen Darstellungen etwas anderes als eine Anregung erblicken.

Für den «Seher» drückt sich also die Eigentümlichkeit des Seelenlebens in der Beschaffenheit der Aura aus. Tritt ihm Seelenleben entgegen, das ganz den jeweiligen sinnlichen Trieben, Begierden und den augenblicklichen äußeren Reizen hingegeben ist, so sieht er die erste Aura in den schreiensten Farbentönen; die zweite dagegen ist nur schwach ausgebildet. Man sieht in ihr nur spärliche Farbenbildungen; die dritte aber ist kaum angedeutet. Da und dort nur zeigt sich ein glitzerndes Farbenfünkchen, darauf hindeutend, daß auch bei solcher Seelenstimmung in dem Menschen das Ewige als Anlage lebt, daß es aber durch die gekennzeichnete Wirkung des Sinnlichen zurückgedrängt wird. – Je mehr der Mensch seine Triebnatur von sich abstreift, desto unaufdringlicher wird der erste Teil der Aura. Der zweite Teil vergrößert sich dann immer mehr und mehr und erfüllt immer vollständiger mit seiner leuchtenden Kraft den Farbenkörper, innerhalb dessen der physische Mensch lebt. – Und je mehr der Mensch sich als «Diener des Ewigen» erweist, zeigt sich die wundersame dritte Aura, jener Teil, der Zeugnis liefert, inwiefern der Mensch ein Bürger der geistigen Welt ist. Denn das göttliche Selbst strahlt durch diesen Teil der menschlichen Aura in die irdische Welt herein. Insofern die Menschen diese Aura zeigen, sind sie Flammen, durch welche die Gottheit diese Welt erleuchtet. Sie zeigen durch diesen Aurateil, inwieweit sie nicht sich, sondern dem ewig Wahren, dem edel Schönen und Guten zu leben wissen: inwiefern sie ihrem engen Selbst abgerungen haben, sich hinzuopfern auf dem Altar des großen Weltwirkens.

So kommt in der Aura zum Ausdrucke, was der Mensch im Laufe seiner Verkörperungen aus sich gemacht hat." (Lit.: GA 9, S. 165ff)

Ätheraura, Astralaura und Ich-Aura

Im Herzen erfolgt eine Ätherisation des Blutes. Vom Herzen aus steigt ein Ätherstrom auf, durch den der Ätherleib erneuert wird. Zugleich geht von hier aus auch ein astraler Strom nach oben. Der ätherische Aurenteil geht bis zum Gehirn hinauf und strahlt sogar noch über den Kopf hinaus, während die Astralaura im Kopf aufgehalten wird und sich nur von außen eine Art astralische Kappe aus der äußeren Astralwelt darüberlegt. Das wird dann als Heiligenschein dem geistigen Auge sichtbar. Die Ich-Aura hingegen wird schon in der Herzgegend aufgehalten und begegnet hier einer geistigen Strömung, die aus dem Makrokosmos kommt und sich mit der von unten aufsteigenden Ich-Aura verschlingt.

Ätheraura

Der Ätherleib wird sichtbar, wenn man in der hellsichtigen Wahrnehmung den physischen Leib vollständig ausblenden kann. Er erscheint dann zunächst als zartes pfirsichblütfarbenes („Inkarnat“) Doppelbild des physischen Leibes.

„Der Vollständigkeit halber soll noch auf einen bisher nicht besprochenen Teil der Aura hingewiesen werden. Es ist derjenige, der dem Lebensleib entspricht. Er erfüllt ungefähr denselben Raum, den auch der physische Leib ausfüllt. Der Hellseher kann ihn nur beobachten, wenn er die Fähigkeit hat, sich den physischen Leib vollständig wegzudenken (abzusuggerieren). Dann erscheint der Lebensleib (Linga sharira) als ein vollständiges Doppelbild des physischen Leibes in einer Farbe, die an diejenige der Aprikosenblüten erinnert. In diesem Lebensleib ist ein fortwährendes Ein- und Ausströmen zu beobachten. Die im Universum enthaltene Lebenskraft strömt ein, wird verbraucht durch den Lebensprozeß und strömt wieder aus.“ (Lit.:GA 34, S. 136)

Pfirsichblüt ist allerdings nur der allgemeine farbliche Grundton des Ätherleibs. Einer genaueren Betrachtung zeigt er sich, namentlich in seinen unteren Partien, in vielfältigen bunten, flutenden Farben.

„Wenn Sie den Ätherleib nehmen und unmittelbar hellsichtig erforschen, so ist er ein wunderbares Gebilde ineinander flutender und schimmernder Farben. Was sind denn diese Farben, die im Ätherleib fluten? Ja, das sind die Kräfte, die am physischen Leibe bauen, die Kräfte, die nicht nur ihm Organe aufbauen, sondern auch wirken in dem, was während des Lebens von den Organen des physischen Leibes vollzogen wird. Aber die menschlichen Organe sind von verschiedener Bedeutung. Nehmen wir zwei solcher Organe wie die Eingeweide und das Gehirn. Die äußere Anatomie untersucht die Gewebe und alles, was in Betracht kommt, als gleichwertig. Das sind die Dinge aber nicht, sie sind ganz verschieden. Wenn wir das menschliche Gehirn anschauen, ist es als physisches Organ etwas Vollkommenes; das kommt davon her, daß im Gehirn jene Farbenfluten verarbeitet sind. Wenn wir den Ätherleib des menschlichen Gehirns anschauen, dann sehen wir ihn in verhältnismäßig blasser Farbe, denn die Farben sind dazu verwendet worden, den Bau des Gehirns hervorzubringen. Wenn wir die Eingeweide anschauen, so finden wir die flutenden Farben hellschimmernd wunderbar ineinanderfluten, denn die Eingeweide sind wirklich gröbere Organe, da muß noch nicht so viel von Geistigem verwendet werden, da bleiben die Kräfte noch zurück im Ätherleibe, da wird ein kleinerer Teil nur zum Ausbau verwendet. Daher ist der Ätherleib des Gehirns blaß, der Ätherleib der Gedärme aber von wunderbaren, flutenden Farben, schön.

Denken Sie nun, es kommt jemand, wie ich es geschildert habe, zum Hellsehen. Da kann zweierlei eintreten: Es kann ein Hellsehen eintreten dadurch, daß der Ätherleib des Gehirns gelockert wird, aber es kann auch eintreten ein Hellsehen dadurch, daß der Ätherleib der Eingeweide gelockert wird. Beim Hellsehen wird nun der Mensch oftmals sein eigenes Innere gewahr. Derjenige, der den Ätherleib des Gehirns herausbekommt, wird zunächst eine ziemlich blasse Welt vor sich haben; aber der, welcher den Ätherleib seiner Eingeweide herausbekommt, kann wunderbar flutende Farben in die Ätherwelt hinausspiegeln. Um nämlich das Blasse des Gehirnätherleibes mit den flutenden Farben des Kosmos in Berührung zu bringen, ist es nötig, daß wir die flutenden Farben von der ganzen Sphäre des Kosmos erst heranziehen. Um die flutenden Farben des Ätherleibes der Gedärme zu entwickeln, können wir sie aus uns herausstrahlen, und so kann ein ganz wunderbares Gebilde geschaut werden auf dem Wege des Hellsehens. Gewiß, es ist ein echtes hellsichtiges Gebilde, aber wenn man es untersucht, was ist es? Es ist nichts anderes als der eigene Verdauungsprozeß, es ist dasjenige, was der Ätherleib während des Verdauungsprozesses des Menschen tut; das projiziert sich in den Ätherraum hinaus.“ (Lit.:GA 174b, S. 72f)

„Wer eine gewisse Stufe des Hellsehens erreicht hat, der hat auch die Fähigkeit sich erworben, die starke Kraft errungen, seinen Geist so zu beherrschen, daß er in viel höherem Grade imstande ist, auf etwas seine Aufmerksamkeit zu lenken, oder sie davon abzulenken. Wenn Sie vom gewöhnlichen Menschen verlangen, seine Aufmerksamkeit so abzulenken, daß er sich sozusagen die physische Gestalt absuggerieren kann, so wird ihm das nur äußerst selten möglich sein; der Hellseher aber ist dazu durchaus imstande. Der Raum, in dem sonst der physische Leib ist, ist für den Hellseher dann ausgefüllt, durchglänzt von diesem Ätherleib oder Lebensleib. Derselbe hat annähernd die menschliche Gestalt an Kopf, Rumpf und Schultern. Je mehr er nach unten verläuft, desto weniger ähnlich ist er der menschlichen Gestalt. Beim Tier ist der Ätherleib sehr verschieden vom physischen Leib. Beim Pferd zum Beispiel ragt, wie Sie wissen, der Ätherkopf weit heraus. Und wenn Sie erst beim Elefanten den Ätherleib hellseherisch beobachten könnten, würden Sie erstaunt sein, welch riesigen Aufbau derselbe hat. Je mehr wir bei der Menschengestalt nach unten kommen, desto mehr ändert sich der Ätherleib gegenüber der physischen Form. Sonst aber entspricht sich in gewisser Beziehung Links und Rechts im physischen und im Ätherleibe. Etwas nach links liegt das physische Herz; das entsprechende Organ im Ätherkörper ist das Ätherherz, welches auf der rechten Seite liegt. Der größte Unterschied aber zwischen physischem und Ätherkörper ist der, daß der Ätherleib des Mannes weiblich ist und der der Frau männlich. Diese Tatsache ist sehr wichtig, und viele Rätsel der Menschennatur sind auf Grund dieses okkulten Forschungsergebnisses erklärlich. So ist also beim Menschen eine Art Entsprechung, beim Tier ein großer Unterschied zwischen diesem zweiten Glied der menschlichen Wesenheit und dem ersten.“ (Lit.:GA 109, S. 181f)

Astralaura

„Außer dem physischen Körper hat der Mensch den sogenannten Ätherleib, sichtbar für denjenigen, der das Äthersehen hat, ein getreues Doppelbild des gewöhnlichen physischen Körpers. Dann durchdringt diese beiden Körper ein Seelenleib, der sogenannte Astralleib. Dieser ragt über den physischen Leib hinaus; er ist etwas größer und hat die Form eines Ovals, eines Eies, da er über das Haupt etwas hinausragt und dort etwas schmäler ist. In ihm sind alle Leidenschaften, Gefühle, Begierden, welche vom physischen Leben bewirkt werden, als dunkle Wolkengebilde sichtbar. Je reiner er ist, desto mehr erinnert er an die Sterne. Er hat eine Farbe, die von Orange ins Gelb spielt. Also wenn Sie sich den physischen Leib wegdenken, so haben Sie eine Art längliche Kreisform, welche als Grundton die Orangefarbe hat, worin die verschiedenen Wolkengebilde flimmern. Die groteskesten Figuren kann man darin spielen sehen; es ist dies für den Seher sichtbar.“ (Lit.:GA 291a, S. 183)

„Die Bewegung im physischen Leib ist nicht zu vergleichen mit der außerordentlichen Beweglichkeit des Ätherleibes. Beim gesunden Menschen hat dieser die Farbe der Blüte des jungen Pfirsichbaumes. Es glänzt und glitzert alles an ihm in der eigentümlichen Nuance, in Rosenrot, Dunklem und Hellem bis zum Weiß-Leuchtenden; dabei hat der Ätherleib eine bestimmte Grenze, wenn dieselbe auch schwankend ist. Beim astralischen Leib ist das ganz anders. Der zeigt die mannigfaltigsten Farben und Formen, gleich einer Wolke, die dahinflutet in steter wechselnder Bewegung. Und das, was sich in der Wolke bildet, das drückt sich aus in den Gefühlen und Empfindungen, die der Mensch dem Menschen entgegenbringt. Sieht der Hellseher die bläulich-rote Farbe im Astralleib auftauchen, so sieht er gleichsam die Liebe strömen von Mensch zu Mensch, doch sieht er auch all die häßlichen Empfindungen, die von Mensch zu Mensch spielen. Und da die Seelentätigkeit des Menschen sich fortwährend ändert, so ändern sich auch fortwährend die Farben und Formen des astralischen Leibes, sie treten auf und schwingen ab in buntem Spiel und bilden ihre Einschlüsse.“ (Lit.:GA 109, S. 182f)

Ich-Aura

„Während der ätherische und astralische Aurenteil bis zum Gehirn heraufgeht und da der astralische Aurenteil aufgehalten wird, der ätherische wie als Korona heraustritt, sehen wir, daß der Ichteil des Menschen als innerliche Aura schon aufgehalten wird in der Herzgegend. Die eigentliche innere Ich-Aura wird schon in der Herzgegend aufgehalten, dringt nur bis in die Herzgegend herauf und verbindet sich mit einem der äußeren Aurenteile der entsprechenden makrokosmischen Aurenteile. Im Herzen verschlingen sich in der Tat zwei Elemente, das eine Element, welches aus dem Makrokosmos hereinkommt und welches mit der Ich-Aura zusammengeknüpft wird, die von unten herauf kommt, aber schon beim Herzen sich staut, schon beim Herzen aufgehalten wird. So wie die astralische Aura im Gehirn aufgehalten wird, so wird die Ich-Aura im Herzen aufgehalten und berührt sich dort mit einem äußeren Ich-Auren-Element. Daher kommt das eigentliche Ich-Bewußtsein des Menschen im Grunde genommen den Tatsachen nach nicht im Gehirn zustande. Was ich Ihnen gesagt habe für den alten atlantischen Menschen, daß sein Ich hineingezogen ist, das haben wir noch genauer vorzustellen als ein Hineinziehen des äußeren makrokosmischen Ich, das seit der alten atlantischen Zeit nun vorgedrungen ist bis zum Herzen, sich da verbunden hat mit einer anderen Ich-Strömung, die von unten heraufströmt und die im Herzen zusammenkommt, so daß wir im Herzen organisiert haben den Ort, wo durch das Werkzeug des Blutes das eigentliche Ich des Menschen, wie es in unserm Bewußtsein auftritt, zustande kommt.“ (Lit.: GA 129, S. 200f)

Die äußere makrokosmische Ich-Aura, die erst gegen Ende der atlantischen Zeit in den Menschen eingezogen ist, erscheint dem Hellseher als eine an der Nasenwurzel hinter der Stirne gelegene, etwas in die Länge gezogene eiförmige bläuliche Kugel.

"Wiederum drückt sich dies für den Seher in einer eigentümlichen Weise aus. Wenn er den Astralleib untersucht, ist alles in fortwährender Bewegung bis auf einen einzigen kleinen Raum; der bleibt, wie eine etwas in die Länge gezogene eiförmige bläuliche Kugel, etwas hinter der Stirne, bei der Nasenwurzel. Sie findet sich nur beim Menschen. Bei dem Gebildeten ist sie nicht mehr so wahrnehmbar wie bei dem Ungebildeten; am deutlichsten ist sie bei den in der Kultur tiefstehenden Wilden. An dieser Stelle ist in Wahrheit nichts, ein leerer Raum. Wie die Mitte der Flamme, die leer ist, durch den Lichtkranz blau erscheint, so erscheint auch diese dunkle leere Stelle blau, weil das aurische Licht ringsherum strahlt. Das ist der äußere Ausdruck für das Ich." (Lit.: GA 95, S. 17)

„Der Ich-Träger, das vierte Glied der menschlichen Wesenheit, ist gleich einer Art Ovalfigur, deren Ursprung bis hinein in das Vorderhirn zu verfolgen ist. Dort ist dieselbe für den Hellseher als eine bläulich- leuchtende Kugel sichtbar. Von der strömt aus in Ovalform, wie ein Raum-Ei, könnte man sagen, das in den Menschen hineinspielt, eine Art von Bläue. Wie ist dieser Ich-Träger zu sehen? Erst wenn der Hellseher imstande ist, sich auch den Astralleib des Menschen abzusuggerieren, erst dann vermag er den Ich-Träger wahrzunehmen. Die drei andern Leiber hat der Mensch mit den drei Reichen der Natur, dem Mineralreich, Pflanzen- und Tierreich gemeinsam. Durch den Ich-Träger aber unterscheidet er sich von diesen, dadurch ist er die Krone der Schöpfung.“ (Lit.:GA 109, S. 183)

Die Lotosblumen als geistige Wahrnehmungsorgane

Hauptartikel: Lotosblumen
Johann Georg Gichtel, Theosophia practica, 7 Tle., Leiden 1722, "Der gantz irdische natürliche finstere Mensch in Sternen und Elementen"
Der wiedergeborene Mensch In seiner Geburt in Christo, im Herzen, Welcher die Schlange ganz zermalmet, Johann Georg Gichtel: Theosophia Practica, Berlin/Leipzig 1736

Die Lotosblumen oder Chakren (von Sanskrit, m., चक्र, cakra, [ʧʌkɽʌ], wörtl: Rad, Diskus, Kreis) sind Organe des Astralleibs und als solche in der Astralaura geistig entsprechend entwickelter Menschen gut sichtbar. Es gibt ein System von sieben hauptsächlichen Chakren und daneben noch eine Reihe untergordneter Lotosblumen, beispielsweise in den Handflächen. Dem hellsichtigen Blick zeigen sich die Lotosblumen in kreisrunder, blütenartiger Form, was ihren Namen rechtfertigt. Nach Johann Georg Gichtel, einem Schüler Jakob Böhmes, stehen sie in Beziehung zu den Planetensphären. Beim heutigen Menschen stehen sie still, können aber durch geistige Schulung in Bewegung gesetzt werden. Beim fortgeschrittenen Geheimschüler drehen sie sich im Uhrzeigersinn und eröffnen ihm dadurch den Blick in die geistige Welt. Das moderne Hellsehen ist dabei mit strenger Gedankenkontrolle verbunden.

Beim Atlantier waren die Lotosblumen noch beweglich, beim Lemurier sogar sehr heftig bewegt, drehten sich aber gegen den Uhrzeigersinn. Das ist auch bei heutigen Medien mit atavistischem Hellsehen der Fall. Das Hellsehen der Medien ist allerdings ein unbewusstes, das keiner Gedankenkontrolle unterliegt (Lit.: GA 94, S. 173).

Die Aura im Wach- und Schlafzustand

Im Schlafzustand heben sich Ich und Astralleib teilweise aus den belebten physischen Leib heraus. Daducrh verändert sich auch der hellsichtige Eindruck, den man von der menschlichen Aura gewinnt. Die Gestalt und Struktur der Aura ist dabei sehr wesentlich vom geistigen Entwicklungsgrad des Menschen abhängig.

„Bei unentwickelten Menschen ist die Aura wolkenartig gebildet. Wenn der Mensch schläft, schwebt sie, weil der Astralleib sich vom physischen Leib trennt, über dem physischen Leibe. Sie ist dann sichtbar wie zwei ineinander geringelte Spiralen, wie Nebelringe. In dieser Weise schlingen sie sich ineinander, um in weitergehenden Spiralen ins Unbestimmte zu verschwinden. Solche zwei ineinander verschlungene Ringe bilden beim Schlafenden die Aura. Wenn der Mensch eine okkulte Entwickelung durchmacht, wird die Aura immer bestimmter. Die ins Weite gehenden Enden der Spiralen verschwinden, und es werden die beiden ineinandergefügten Spiralgebilde sich organisieren. Immer mehr und mehr werden sie ein bestimmtes, geschlossenes Gebilde werden, und sie zeigen dann ganz gewisse Organe, welche in dieser Aura auftreten, und die man Chakras nennt. Das sind die Sinnesorgane der Seele.“ (Lit.:GA 53, S. 199)

„Wenn dieser Astralleib aus dem physischen und Ätherleib heraus ist, dann beginnen sich Verbindungen zu bilden, gleichsam Strömungen von diesem Astralleib aus nach der kosmischen Umgebung. Wenn Sie des Morgens aus dem schlafenden Zustande wiederum zum wachenden zurückkehren, so haben Sie während des schlafenden Zustandes die stärkenden Kräfte gleichsam gesogen aus dem ganzen Kosmos. In einer gewissen Beziehung war Ihr Astralleib während der Nacht durch seine Strömungen eingegliedert dem ganzen umgebenden Kosmos. Er war in Verbindung mit all den planetarischen Wesenheiten, die zu unserer Erde gehören. Er sandte seine Strömungen nach Merkur, Mars, Jupiter und so weiter, und in diesen planetarischen Wesenheiten sind die stärkenden Kräfte, die in den Astralleib hineinsenden, was wir nötig haben, um bei unserer Rückkehr in den physischen und Ätherleib den Wachzustand fortführen zu können. Gleichsam ausgegossen und vergrößert zu einem Weltendasein ist unser Astralleib während der Nacht. Das hellseherische Bewußtsein sieht beim Einschlafen den Astralleib sich aus dem physischen Leib in gewisser Beziehung herausbegeben. Das ist freilich ein ungenauer Ausdruck. Wie in einer Spirale schlängelt sich der Astralleib aus dem physischen Leib heraus, wie eine spiralige Wolke schwebt er. Aber das, was man da sieht, ist nur der Anfang der Strömungen, die sich aus diesem astralischen Leib herausgliedern. Sie gehen tatsächlich in den Weltenraum hinaus und holen sich Kräfte, durchsaugen sich mit den Kräften der Planeten. Und wenn jemand Ihnen sagen wollte, daß der Astralleib das ist, was man mit grober Hellsichtigkeit als eine Wolke gleichsam in der Nähe des physischen Leibes schweben sieht, dann sagt er Ihnen gar nicht die Wahrheit, denn dieser Astralleib ist während der Nacht ausgegossen über unser ganzes Sonnensystem. Er ist während des schlafenden Zustandes sozusagen in Verbindung mit den planetarischen Wesenheiten. Darum sprechen wir auch von einem «astralischen» Leib. Alle übrigen Erklärungen für den Ausdruck astralischer Leib, der im Mittelalter geprägt worden ist, sind nicht richtig. Wir sprechen von Astralleib aus dem Grunde, weil er im schlafenden Zustande des Menschen in gewisser innerer Verbindung ist mit den Sternen, mit der astralischen Welt, weil er in ihr ruht, weil er ihre Kräfte in sich aufnimmt.“ (Lit.:GA 122, S. 146f)

„Wenn wir also den gewöhnlichen Wachzustand des Menschen ins Auge fassen, dann würden wir den aurischen Zusammenhang des Menschen etwa in der folgenden Weise zeichnen:

Zeichnung aus GA 141, S.77

der physische Leib die schärfere Linie; innerhalb der punktierten Linie der Ätherleib; was dichter schraffiert ist, ist der astraüsche Leib; und die Ich-Aura würde etwa so zu zeichnen sein, daß sie den ganzen Menschen durchdringt, aber ich zeichne sie als Strahlen, die ihn, ohne eigentliche Grenzen, nach oben und unten strahlenartig umgeben. Daneben werde ich nun zeichnen den Unterschied in der aurischen Zusammensetzung beim Schlafzustande eines Menschen, der etwa um die Mitternachtsstunde schlafen würde, beziehungsweise das aurische Bild desselben (siehe Zeichnung): physischer Leib und Ätherleib wie in der ersten Zeichnung; das dunkel Schraffierte wäre der Astralleib;

Zeichnung aus GA 141, S.78

dessen nach unten unbestimmte Fortsetzung würde sich herausheben, aber bliebe doch in einer vertikalen Lage. Die Ich-Aura würde ich dann strahlenförmig in der Weise zu zeichnen haben, wie man es hier sieht. In der Halsgegend ist die Ich-Aura unterbrochen und beginnt erst wieder in der Kopfgegend, aber so, daß sie strahlenförmig nach außen gerichtet ist und ins Unbestimmte nach oben geht, wenn der Mensch in der horizontalen Lage ist, aber nach aufwärts gerichtet ist, vom Kopf nach aufwärts. So daß im wesentlichen der Anblick der Aura des schlafenden Menschen so wäre, daß der Astralleib wesentlich verdichtet und dunkel ist - in der in der Zeichnung dunkel schraffierten Gegend -, in den oberen Teilen ist er dünner als am Tage. In der Halsgegend ist die Ich-Aura unterbrochen, unten ist sie wieder strahlenförmig und geht dann ins Unbestimmte fort.

Das Wesentliche ist, daß sich bei einem solchen Schlafzustande das, was man das aurische Bild des Ich nennen kann, in der Tat in zwei Teile gliedert. Während des Wachzustandes hängt die Ich-Aura wie ein Oval zusammen, trennt sich während eines solchen Schlafzustandes in der Mitte auseinander und besteht während des Schlafes aus zwei Stücken, von denen das eine durch eine Art von Schwere nach unten gedreht wird und sich nach unten ausbreitet, so daß man es nicht mit einer sich schließenden, sondern mit einer nach unten sich ausbreitenden Ich-Aura zu tun hat. Dieser Teil der Ich-Aura ergibt sich für das hellseherische Bewußtsein dem Anblick nach als ein wesentlich sehr dunkler Aurenteil, der dunkle Fäden hat, aber in starken, zum Beispiel dunkelrötlichen Nuancen tingiert ist. Was sich davon nach oben abtrennt, ist wieder so, daß es von der Kopfgegend aus schmal läuft, dann aber ins Unbestimmte sich ausbreitet, sozusagen oben in die Sternenwelt hin sich ausbreitet. In gleicher Weise in der Mitte auseinandergeteilt ist die astralische Aura nicht, so daß man von einer wirklichen Teilung derselben nicht sprechen kann, während die Ich- Aura, wenigstens für den Anblick, zerteilt wird.

So haben wir auch in diesem okkulten Anblick eine Art von bildhaftem Ausdruck dafür, daß der Mensch mit demjenigen, was ihn als Ich-Kräfte während des tagwachenden Zustandes durchdringt, hinausgeht in den Weltenraum, um den Anschluß zu gewinnen an die Sternenwelt, um die Kräfte aus der Sternenwelt sozusagen hereinzusaugen.

Nun ist derjenige Teil der Ich-Aura, der sich nach unten hin abschnürt und dunkel wird, mehr oder weniger wie undurchsichtig sich ausnimmt, während der nach oben gehende hell leuchtend und glänzend ist, in hellem Lichte erstrahlt, zugleich der, welcher am meisten dem Einfluß der ahrimanischen Gewalten ausgesetzt ist. Der angrenzende Teil der astralischen Aura ist am meisten den luziferischen Kräften ausgesetzt. Wir können daher sagen: Die Charakteristik, die man von einem gewissen Standpunkte aus mit Recht gibt, daß das Ich und der astralische Leib den Menschen verlassen, ist für die oberen Partien der Ich- und astralischen Aura absolut zutreffend. Für diejenigen Teile der Ich- und astralischen Aura, die mehr den unteren Teilen, besonders den unteren Teilen des Rumpfes der menschlichen Gestalt entsprechen, ist es nicht eigentlich richtig; sondern für diese Teile ist es sogar so, daß während des Schlafens die Aura des Ich und des Astralleibes mehr drinnen sind, mehr verbunden sind mit dem physischen Leibe und dem Ätherleibe, als es im Wachzustande der Fall ist, daß sie nach unten dichter, kompakter sind. Denn man sieht auch, wie beim Aufwachen das, was ich unten so stark gezeichnet habe, wieder herausgeht aus den unteren Teilen der menschlichen Wesenheit. Gerade wie der obere Teil beim Einschlafen herausgeht, so geht der untere Teil der Ich- und astralischen Aura beim Aufwachen in einer gewissen Weise heraus, und es bleibt nur eine Art von Stück von diesen beiden Auren drinnen, wie ich es in der ersten Figur gezeichnet habe.

Nun ist es eben so außerordentlich wichtig zu wissen, daß durch die Evolution unserer Erde, durch alle die Kräfte, die dabei mitgespielt haben und die Sie aus der «Geheimwissenschaft im Umriß» ersehen können, die Einrichtung getroffen ist, daß der Mensch dieses regere Arbeiten der unteren Aura während des Schlafes nicht mitmacht, das heißt dieses Arbeiten nicht als Zeuge mitmacht. Denn von diesen Teilen der unteren Ich-Aura und der unteren astralischen Aura werden die belebenden Kräfte angeregt, die der Mensch braucht, damit das wieder ausgebessert werden kann, was während des Wachzustandes abgenutzt ist. Die wiederherstellenden Kräfte müssen von diesen Teilen der Aura ausgehen. Daß sie nach aufwärts wirken und den ganzen Menschen wieder herstellen, das hängt dann davon ab, daß der nach oben hinausgehende Teil der Aura Anziehungskräfte entwickelt, die er aus der Sternenwelt hereinsaugt, und dadurch die Kräfte, die von unten kommen, anziehen kann, so daß sie regenerierend auf den Menschen wirken. Das ist der objektive Vorgang.

Nun gibt uns das Verständnis dieser Tatsache auch gewissermaßen das beste Verständnis für gewisse Mitteilungen, die der Mensch empfangt, wenn er die verschiedenen okkulten oder auf Okkultismus gebauten Urkunden verfolgt. Sie haben ja die, wie ich eben gesagt habe, von einem gewissen Gesichtspunkte aus durchaus gerechtfertigte Charakteristik immer gehört, daß der Schlaf darin besteht, daß der Mensch seinen physischen Leib und Ätherleib im Bette liegen läßt und mit seinem astralischen Leib und Ich herausgeht; was also für die oberen Partien der Ich- und astralischen Aura in einem gewissen Sinne durchaus richtig ist, namentlich für die Ich-Aura. Wenn Sie aber morgenländische Schriften verfolgen, dann finden Sie diese Charakteristik nicht, sondern gerade das Umgekehrte. Sie finden da charakterisiert, daß während des Schlafzustandes das, was sonst im menschlichen Bewußtsein lebt, sich tiefer in den Leib hineinzieht. Also Sie finden dort die umgekehrte Charakteristik des Schlafes. Und namentlich in gewissen Vedanta-Schriften können Sie die Sache so charakterisiert finden, daß dieses, von dem wir sagen, daß es sich aus dem physischen Leib und Ätherleib herauszieht, sich während des Schlafes tiefer in die physische und ätherische Leiblichkeit hineinsenkt, daß das, was das Sehen sonst bewirkt, sich in tiefere Partien des Auges hineinzieht, so daß das Sehen nicht mehr zustande kommen kann. Warum wird dieses in morgenländischen Schriften so charakterisiert? Das ist deshalb, weil der Morgenländer eben noch auf einem anderen Standpunkte steht. Er sieht durch seine Art von Hellsichtigkeit mehr das, was im Innern des Menschen vorgeht, was sich da im Innern abspielt. Er achtet weniger auf den Vorgang des Herausgehens der oberen Aura und mehr auf die Tatsache des Durchdrungenseins während des Schlafes mit der unteren Aura. Daher hat er von seinem Standpunkte aus selbstverständlich recht.“ (Lit.:GA 141, S. 77ff)

Planetarische Einflüsse auf die drei seelischen Wesensglieder im Wachen und Schlafen

Während des traumlosen Schlafes steht die Empfindungsseele unter dem überwiegenden Einfluss der Marssphäre. Im Traum wirkt die Jupitersphäre in der Verstandes- oder Gemütsseele. Überwiegt der Einfluss der Saturnsphäre auf die Bewusstseinsseele, wird der Mensch zum Schlafwandler.

„So können wir für den Schlafzustand drei deutlich zu unterscheidende Einflüsse auf den inneren Menschen, der von dem äußeren während des Schlafes getrennt ist, konstatieren. Diese drei Einflüsse, denen der Mensch ausgesetzt ist während des Schlafes, sind immer da, und die Geisteswissenschaft kann durch Mittel, die wir noch kennenlernen werden im Laufe der Vorträge, wirklich erforschen, daß sie bei jedem Menschen vorhanden sind. Nur überwiegt bei der weitaus größten Anzahl der Menschen der erste Einfluß so, daß sie doch den größten Teil ihrer Schlafenszeit in traumlosem ruhigem Schlaf verbringen. Dann tritt ja fast für alle Menschen der zweite Einfluß immerhin ab und zu ein, daß sich in ihr Schlafbewußtsein hereindrängt der Traumzustand. Aber diese beiden Zustände wirken für die weitaus meisten Menschen so stark, daß das Sprechen und Handeln aus dem Schlafe heraus zu den Seltenheiten gehört. Aber es ist auch der dritte Einfluß, der beim Nachtwandler auftritt, bei jedem Menschen vorhanden. Nur ist beim Schlafwandler der dritte Einfluß so stark, daß er die beiden anderen übertönt und die Herrschaft gewinnt über die beiden schwächeren Einflüsse, während bei den anderen Menschen eben die zwei anderen Einflüsse so stark sind, daß der dritte Einfluß gar nicht zur Geltung kommt und den Menschen nicht zu irgendwelchen Handlungen treibt. Aber vorhanden ist er bei jedem Menschen. Jeder Mensch ist dazu veranlagt, diesen drei Einflüssen zu unterliegen.

Diese drei Einflüsse hat man nun immer in dem Forschen der Geisteswissenschaft voneinander unterschieden, und wir müssen innerhalb des Seelenlebens des Menschen drei Gebiete annehmen, welche so sind, daß das eine Gebiet mehr dem einen, das zweite Gebiet mehr dem zweiten und das dritte mehr dem dritten Einfluß unterliegen kann. Die Seele des Menschen ist also ein dreigeteiltes Wesen, denn sie kann dreierlei Einflüssen unterliegen. Nun bezeichnet man denjenigen Teil der menschlichen Seele, welcher dem ersten charakterisierten Einfluß unterliegt, der überhaupt die menschliche Seele heraustreibt aus den Leibeshüllen, in der Geisteswissenschaft als die Empfindungsseele. Denjenigen Teil der Seele, auf welchen sich der Einfluß geltend macht, der an zweiter Stelle charakterisiert worden ist, der die Traumbilder hereindrängt in das menschliche Seelenleben während der Nacht, den bezeichnet man als Verstandes- oder Gemütsseele. Und denjenigen Teil der menschlichen Seele, der also für die meisten Menschen überhaupt seine eigenartige Natur im Schlafesleben gar nicht kundgibt, weil die beiden anderen Einflüsse überwiegen, bezeichnet man als Bewußtseinsseele. So haben wir während der Schlafenszeit des Menschen drei Einflüsse zu unterscheiden, und die drei Glieder des Seelenlebens, die diesen drei Einflüssen unterliegen, unterscheiden wir als Empfindungsseele, als Verstandes- oder Gemütsseele und als Bewußtseinsseele. Wenn also der Mensch durch die eine Macht, die wir geschildert haben, in den traumlosen ruhigen Schlaf versetzt wird, dann geschieht aus der Welt heraus, in die er eintritt, ein Einfluß auf seine Empfindungsseele. Wenn der Mensch seinen Schlaf durchsetzt erhält mit den Bildern der Traumwelt, dann geschieht ein Einfluß auf seine Verstandesoder Gemütsseele, und wenn er gar anfängt, in der Nacht zu sprechen oder aus dem Schlafe heraus zu handeln, dann geschieht ein Einfluß auf seine Bewußtseinsseele.“ (Lit.:GA 119, S. 64ff)

Zeichnung aus GA 119, S. 75

„Wir haben also drei Kräfte, die auf den Menschen während des Schlaf zustandes wirken. Diese drei Kräfte haben seit alten Zeiten in der Geisteswissenschaft ganz bestimmte Namen, und ich bitte Sie jetzt, bei diesen Namen nichts anderes zunächst zu denken, als was eben geschildert worden ist. Sie kennen diese Namen natürlich, aber ich bitte Sie, an gar nichts anderes zu denken als an Namen, die den betreffenden Kräften gegeben werden, die in der Nacht auf diese drei Teile der menschlichen Seele wirken. Denn in der Tat ist es so: Wenn Sie zurückgehen würden in alte Zeiten, so waren diese drei Namen diesen drei Kräften gegeben, und wenn diese jetzt gebraucht werden für andere Dinge, so sind sie nicht ursprünglich, sondern entlehnt. Ursprünglich sind diese Namen diesen drei Kräften gegeben. Diejenige Kraft, die auf die Empfindungsseele beim Einschlafen und Aufwachen wirkt, bezeichnete man mit einem Namen, welcher in alten Sprachen sich decken würde mit dem Worte Mars. (Während der folgenden Ausführungen werden der Zeichnung von Seite 69 die Namen Mars, Jupiter usw. hinzugefügt; siehe Zeichnung Seite 75.) Mars ist nichts anderes als ein Name für diejenige Kraft, die auf die Empfindungsseele wirkt, welche des Abends den Menschen heraustreibt aus seinen Leibeshüllen und des Morgens wiederum hineinschickt. Diejenige Kraft, welche wirkt auf die Verstandesoder Gemütsseele, nach dem Einschlafen und vor dem Aufwachen, sie ist jene Kraft, welche die Welt der Träume hineintreibt in die Verstandes- oder Gemütsseele -, diese Kraft führt den Namen, der sich decken würde mit dem Worte Jupiter. Und diejenige Kraft, welche in besonderen Verhältnissen den Menschen zum Nachtwandler machen würde, die also während des Schlafzustandes auf des Menschen Bewußtseinsseele wirkt, die trägt im Sinne der alten Geisteswissenschaft den Namen Saturn. So daß man also im Sinne der Geisteswissenschaft redet, wenn man sagen würde, Mars hat den Menschen eingeschläfert, Jupiter hat dem Menschen Träume in seinen Schlaf geschickt, und der dunkle finstere Saturn ist die Ursache, die den Menschen, der seinem Einflüsse nicht widerstehen kann, in seinem Schlafe aufrüttelt und zu unbewußten Handlungen treibt.“ (S. 69f)

„So haben wir also das menschliche Seelenleben verfolgt durch den Schlaf- und durch den Wachzustand. Wir haben gefunden, daß es in drei voneinander getrennte Glieder zerfällt, daß es dreierlei Einflüssen unterliegt. Wenn der Mensch in der Nacht hingegeben ist derjenigen Welt, die wir bezeichnen müssen als die geistige Welt, dann ist er hingegeben den Kräften, die in der Geisteswissenschaft bezeichnet werden als Mars-, Jupiter- und Saturnkräfte. Wenn er während des Tagwachens sein Seelenleben entfaltet durch die Empfindungsseele, durch die Verstandes- oder Gemütsseele und durch die Bewußtseinsseele, dann ist er hingegeben an diejenigen Kräfte, die bezeichnet werden in der Geisteswissenschaft als Venus-, Merkur- und Mondkräfte. Damit haben wir des Menschen täglichen Weg bezeichnet, den Weg, den er innerhalb von vierundzwanzig Stunden durchmißt.“ (S. 74f)

Die kindliche Aura

„Während das, was wir die «kindliche Aura» nennen, in den ersten Lebensjahren wie eine wunderbare, menschlich-übermenschliche Macht das Kind umschwebt - so umschwebt, daß diese kindliche Aura, der eigentliche höhere Teil des Menschen, überall seine Fortsetzung in die geistige Welt hinein hat -, dringt in jenem Zeitpunkt, bis zu welchem der Mensch sich zurückerinnern kann, diese Aura mehr in das Innere des Menschen hinein. Der Mensch kann sich, bis zu diesem Zeitpunkte zurück, als zusammenhängendes Ich empfinden, weil dasjenige, was früher an die höheren Welten angeschlossen war, dann in sein Ich hineingezogen ist. Von da ab stellt das Bewußtsein überall sich selber in Verbindung zu der Außenwelt.“ (Lit.:GA 15, S. 15)

„Der Hellseher sieht nun an dem Kinde, wie es in den allerersten Tagen und Wochen der Entwickelung umgeben ist von mächtig wirkenden Kräften, die dem zweiten Wesensteil des Menschen, dem Ätherleibe, angehören. Wir wissen, daß dieser beim heutigen Menschen etwa dieselbe Größe hat wie der physische Leib, beim Kinde aber noch sehr weit über den physischen Leib herausragt, besonders am Kopf, Und da ist nun auch dieses Arbeiten der Kräfte, das wie ein Lichtspiel sich ausnimmt für den Hellseher, besonders lebhaft. Es ist wunderbar anzusehen, wie gewisse Kräfte aus dem Körper von unten heraufschießen, wie es dann von oben herunterstrahlt, vom Genick, von allen Seiten her und da, wo sich die Haare wirbeln, in ein lebendiges Spiel der Kräfte ausstrahlt, zu einem astralisch-ätherischen Lichtspiel wird im Ätherleib des Kindes, das sich dann mit der Zeit immer mehr verliert. In diesem Lichtspiel liegen die Kräfte, die jene physischen Verbindungsglieder im Gehirn schaffen. Das Gehirn wird erst in der Zeit gestaltet, wenn das Kind schon geboren ist, und zwar aus einer geistigen Substanz heraus. Vierzig bis fünfzig Kräfteströme können Sie da zusammenarbeiten sehen - aus ihnen ist der Lichtkörper zusammengesetzt -, ein wunderbares Schauspiel, wenn Sie so das Kind in den ersten Lebenswochen beobachten. Allmählich dringt dieser Lichtkörper in das Gehirn des Kindes hinein, ist dann drinnen. Erst war der Ätherleib des Kindes draußen, er umgab den Kopf, war ganz primitiv; ihn umgab ein Lichtkörper, aus dem er Kräfte sammelte, und nun geht er allmählich in den Kopf des Kindes hinein, sitzt da drinnen als der komplizierte Ätherorganismus. Das ist das Wundervolle an der Entwickelung, daß alles Physische aus der geistigen Welt heraus konstruiert ist, aus dem Geistigen heraus gearbeitet ist, welches wir dann selbst aufnehmen. Das Seelische hat sich zuerst die Behausung ausgearbeitet, in der es dann wohnt.“ (Lit.:GA 109, S. 168f)

Die Aura von Mann und Frau

In der Aura des männlichen und weiblichen Organismus wirken Luzifer und Ahriman auf unterschiedliche Weise. Diese Unterschiede sind nicht durch das Ich und die Seele bedingt, sondern durch den unterschiedlichen Bau des physisch-ätherischen Leibes.

Frau

„Also nehmen wir noch einmal den weiblichen Organismus. Er strahlt aus gewissermaßen eine luziferische Aura. Aber dadurch, daß er sie ausstrahlt, schiebt er zurück den Lebens- oder Tonäther, dadurch bildet sich um den weiblichen Organismus herum eine Art ahrimanische Aura, so daß dann der weibliche Organismus in der Mitte die luziferische Aura hat, weiter draußen die ahrimanische. Aber dieser weibliche Organismus kann jetzt, wenn er nicht so untätig ist, daß er bei seinem Schauen der eigenen Aura stehenbleibt, sich weiterentwickeln. Und das ist gerade das, worauf es ankommt, daß man nicht in ungesunder Weise bei den erstgebildeten Imaginationen bleibt, sondern daß man gerade alles Willensmäßige mächtig anwendet, um durchzudringen durch diese Imaginationen. Denn man muß zuletzt es so weit bringen, daß einem nicht die eigene Aura erscheint, sondern daß zurückgespiegelt gleichsam von einer Spiegelplatte, die jetzt eine ahrimanische Aura ist, das erscheint. Man darf nicht in die eigene Aura hineinschauen, sondern man muß von der äußeren Aura zurückgespiegelt das haben, was in der eigenen Aura ist. Dadurch sehen Sie, ist es für den weiblichen Organismus so, daß er das Luziferische vom Ahrimanischen zurückgespiegelt erhält und dadurch neutralisiert, dadurch gerade ins Gleichgewicht gebracht wird. Dadurch ist es nun weder ahrimanisch noch luziferisch, aber es wird entweiblicht, es wird allgemein-menschlich. Wirklich, es wird allgemein-menschlich.

Ich bitte Sie nur, das so recht zu fühlen, wie der Mensch wirklich, indem er ins Geistige aufsteigt, dadurch daß er, sei es der luziferischen, sei es der ahrimanischen Gewalt der eigenen Aura entgeht, gerade ins Luziferische oder Ahrimanische nicht hineinschaut, sondern das eine sich spiegeln läßt und dadurch es zurückempfängt, asexuell, ohne daß es männlich oder weiblich ist. Das Weibliche wird neutralisiert zum Männlichen am Ahrimanischen, das Männnliche wird neutralisiert zum Weiblichen am Luziferischen. Denn ebenso, wie sich die weiblich-luziferische Aura umgibt mit der ahrimanischen Aura, so umgibt sich die männlich-ahrimanische Aura mit der luziferischen Aura, und es strahlt sich da ebenso dasjenige zurück, was man in sich hat wie bei der weiblichen. Man sieht es als Spiegelbild.“ (Lit.:GA 272, S. 187f)

Mann

„Wenn wir den männlichen Organismus ins Auge fassen, so hat in seine Aura hinein Ahriman seine Kraft, aber jetzt in den Ton- und Lebensäther gewoben. Und wie es bei der Frau vorzugsweise der Wärmeäther ist, so ist es beim Manne vorzugsweise der Lebensäther. Bei der Frau ist es vorzugsweise der Wärmeäther, in dem Luzifer wirkt, und beim Manne der Lebensäther, in dem Ahriman wirkt. Wenn der Mann nun aus seinem Bewußtsein herauskommt, wenn der Zusammenhalt, der sich in ihm als Ich-Bewußtsein ausdrückt, herabgedämpft wird, wenn eine Art passiver Zustand bei dem Manne eintritt, dann ist es so, daß man wiederum sehen kann, wie die Aura sich um ihn geltend macht, die Aura, in der Ahriman seine Gewalt darinnen hat.

Aber es ist jetzt eine Aura, die vorzugsweise Lebensäther und Tonäther in sich enthält. Da ist vibrierender Ton drinnen, so daß man eigentlich diese Aura des Mannes nicht so unmittelbar imaginativ sieht. Es ist keine imaginative Aura, sondern es ist etwas von vibrierendem geistigem Ton, das den Mann umgibt. Das alles hat zu tun mit der Gestalt, nicht mit der Seele natürlich; das hat mit dem Manne zu tun, insofern er physisch ist. So daß derjenige, der diese Gestalt von außen betrachtet, sehen kann: der Mensch strahlt - kann man jetzt sagen - Intuitionen aus. Das sind dieselben Intuitionen, aus denen eigentlich seine Gestalt gebildet worden ist, durch die er da ist als der Mann in der Welt. Da tönt es von lebendig-vibrierendem Ton um einen herum. Daher ist beim Manne eine andere Gefahr vorhanden, wenn das Bewußtsein zur Passivität herabgedämpft wird, die Gefahr, diese eigene Aura nur zu hören, innerlich zu hören. Der Mann muß besonders achtgeben, daß er nicht sich gehen läßt, wenn er diese eigene Aura geistig hört, denn da hört er den in ihm waltenden Ahriman. Denn der muß da sein.

Sie sehen jetzt, wie auf der Erde nicht das Männliche und Weibliche in der Menschheit wäre, wenn nicht Luzifer und Ahriman gewirkt hätten. Ich möchte wissen, wie die Frau dem Luzifer entfliehen könnte, wie der Mann dem Ahriman entfliehen könnte! Die Predigt: man soll ihnen entfliehen, diesen Gewalten - ich habe es oft betont -, ist ganz töricht, denn sie gehören zu dem, was in der Evolution lebt, nachdem die Evolution schon einmal so ist, wie sie ist.“ (Lit.:GA 272, S. 184f)

Der Aura-Begriff bei Walter Benjamin

Nichts gibt vielleicht von der echten Aura einen so richtigen Begriff wie die späten Bilder van Goghs, wo an allen Dingen [...] die Aura mitgemalt ist. Vincent van Gogh: Weizenfeld mit Gewitterhimmel, 1890

Der deutsche Philosoph und Kulturkritiker Walter Benjamin (1892-1940) hat einen eigenen Aura-Begriff geprägt, mit dem er sich nachdrücklich von den Theosophen abgrenzte. Erstmals schrieb er über seine „Mitteilungen über das Wesen der Aura“ im März 1930 in den „Erfahrungsprotokollen zum Haschischgebrauch. Benjamin sah in der Aura ein sowohl in der gesamten, nicht nur beseelten Natur und auch in der Kunst zu findendes Phänomen, das er ausführlich in seinem 1935 erschienenen Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ beschrieben und kurz als „sonderbares Gespinst aus Raum und Zeit: einmalige Erscheinung einer Ferne, so nah sie sein mag“[2] definiert hat.

„Erstens erscheint die echte Aura an allen Dingen. Nicht nur an bestimmten, wie die Leute sich einbilden. Zweitens ändert sich die Aura durchaus und von Grund auf mit jeder Bewegung, die das Ding macht, dessen Aura sie ist. Drittens kann die echte Aura auf keine Weise als der geleckte spiritualistische Strahlenzauber gedacht werden, als den die vulgären mytischen Bücher sie abbilden und beschreiben. Vielmehr ist das Auszeichnende der echten Aura: das Ornament, eine ornamentale Umzirkung, in der das Ding oder Wesen fest wie in einem Futeral eingesenkt liegt. Nichts gibt vielleicht von der echten Aura einen so richtigen Begriff wie die späten Bilder van Goghs, wo an allen Dingen - so könnte man diese Bilder beschreiben - die Aura mitgemalt ist.“

Walter Benjamin: Autobiographische Schriften, 1930 [3]

Heute, so meint, Benjamin, findet durch die technische Reproduktion der Kunstwerke, indem dadurch ihr Hier und Jetzt entwertet wird, eine „Zertrümmerung der Aura“ statt.

„Diese veränderten Umstände mögen im übrigen den Bestand des Kunstwerks unangetastet lassen - sie entwerten auf alle Fälle sein Hier und Jetzt. Wenn das auch keineswegs vom Kunstwerk allein gilt sondern entsprechend zum Beispiel von einer Landschaft, die im Film am Beschauer vorbeizieht, so wird durch diesen Vorgang am Kunstwerk doch ein empfindlichster Kern berührt, den so ein Gegenstand der Natur nicht aufweist. Das ist seine Echtheit. Die Echtheit einer Sache ist der Inbegriff alles von Ursprung her an ihr Tradierbaren, von ihrer materiellen Dauer bis zu ihrer geschichtlichen Zeugenschaft. Da die letztere auf der ersteren fundiert ist, so gerät in der Reproduktion, wo die erstere sich dem Menschen entzogen hat, auch die letztere: die historische Zeugenschaft der Sache ins Wanken. Freilich nur diese; was aber dergestalt ins Wanken gerät, das ist die Autorität der Sache, ihr traditionelles Gewicht. Man kann diese Merkmale im Begriff der Aurazusammenfassen und sagen: Was im Zeitalter der technischen Reproduzier-:barkeit des Kunstwerks verkümmert, das ist seine Aura. Dieser Vorgang ist symptomatisch; seine Bedeutung weist über den Bereich der Kunst weit hinaus. Die Reproduktionstechnik, so läßt sich allgemein formulieren, löst das Reproduzierte aus dem Bereiche der Tradition ab. Indem sie die Reproduktion vervielfältigt, setzt sie an die Stelle seines eihmaligen Vorkommens sein massenweises. Und indem sie der Reproduktion erlaubt, dem Beschauer in seiner jeweiligen Situation entgegenzukommen, aktualisiert sie das Reproduzierte. Diese beiden Prozesse seiner technischen Reproduzierbarkeit führen zu einer gewaltigen Erschütterung des Tradierten - einer Erschütterung der Tradition, die die Kehrseite der gegenwärtigen Krise und Erneuerung der Menschheit ist. Sie stehen im engsten Zusammenhang mit den Massenbewegungen . unserer Tage. Ihr gewaltigster Agent ist der Film. Seine gesellschaftliche Bedeutung ist auch in ihrer positivsten Gestalt, und gerade in ihr, nicht ohne diese seine destruktive, seine kathartische Seite denkbar: die Liquidierung des Traditionswertes am Kulturerbe. Diese Erscheinung ist an den großen historischen Filmen von Kleopatra und Ben Hur bis zu Fridericus und zu Napoleon am handgreiflichsten [...]

Was ist eigentlich Aura? Ein sonderbares Gespinst aus Raum und Zeit: einmalige Erscheinung einer Ferne, so nah sie sein mag. An einem Sommernachmittag ruhend einem Gebirgszug am Horizont oder einem Zweig folgen, der seinen Schatten auf den Ruhenden wirft - das heißt die Aura dieser Berge, dieses Zweiges atmen. An der Hand dieser Definition ist es ein Leichtes, die besondere gesellschaftliche Bedingtheit des gegenwärtigen Verfalls der Aura einzusehen. Er beruht auf zwei Umständen, welche beide mit der zunehmenden Ausbreitung und Intensität der Massenbewegungen auf das Engste zusammenhängen. Die Dinge sich »näherzubringen« ist nämlich ein genau so leidenschaftliches Anliegen der gegenwärtigen Massen wie es ihre Tendenz einer überwindung des Einmaligen jeder Gegebenheit durch deren Reproduzierbarkeit darstellt. Tagtäglich macht sich unabweisbarer das Bedürfnis geltend, des Gegenstands aus nächster Nähe im Bild, vielmehr im Abbild, in der Reproduktion habhaft zu werden. Und unverkennbar unterscheidet sich die Reproduktion, wie illustrierte Zeitung und Wochenschau sie in Bereitschaft halten, vom Bilde. Einmaligkeit und Dauer sind in diesem so eng verschränkt, wie Flüchtigkeit und Wiederholbarkeit in jener.“

Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, S. 438ff

Siehe auch

Anmerkungen

  1. In der griechischen Mythologie ist Aura die Göttin der Morgenbrise.
  2. Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1991, S. 440
  3. Walter Benjamin: Fragmente gemischten Inhalts. Autobiographische Schriften (1930); in: derselbe: Gesammelte Schriften Band VI, Frankfurt am Main 1985, S. 588

Literatur

  1. A. Besant u. C. W. Leadbeater, Thought Forms
  2. C. W. Leadbeater: Man Visible and Invisible, The Theosophical Publishing House, London 1902
  3. Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-518-28531-9
  4. Rudolf Steiner: Theosophie. Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung, GA 9 (1904), Kapitel VI. Von den Gedankenformen und der menschlichen Aura) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?, GA 10 (1993), ISBN 3-7274-0100-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  6. Rudolf Steiner: Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit, GA 15 (1987), ISBN 3-7274-0150-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  7. Rudolf Steiner: Ein Weg zur Selbsterkenntnis des Menschen, GA 16 (2004), ISBN 3-7274-0160-5; zusammen mit GA 17 in Tb 602, ISBN 978-3-7274-6021-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  8. Rudolf Steiner: Ursprung und Ziel des Menschen, GA 53 (1981), ISBN 3-7274-0532-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  9. Rudolf Steiner: Fachwissenschaften und Anthroposophie, GA 73a (2005), ISBN 3-7274-0735-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  10. Rudolf Steiner: Über die astrale Welt und das Devachan, GA 88 (1999), ISBN 3-7274-0880-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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  13. Rudolf Steiner: Ägyptische Mythen und Mysterien, GA 106 (1992), ISBN 3-7274-1060-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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  20. Rudolf Steiner: Aus den Inhalten der esoterischen Stunden, Band II: 1910 – 1912, GA 266/2 (1996), ISBN 3-7274-2662-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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  22. Rudolf Steiner: Kunst und Kunsterkenntnis, GA 271 (1985), ISBN 3-7274-2712-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  23. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Erläuterungen zu Goethes «Faust», Band I: Faust, der strebende Mensch , GA 272 (1981), ISBN 3-7274-2720-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  24. Rudolf Steiner: Farbenerkenntnis, GA 291a (1990), ISBN 3-7274-2915-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  25. Rudolf Steiner: Die Aura des Menschen. In: Diane von Weltzien (Hrsg): Das große Praxisbuch der Aura- und Chakra-Arbeit, Goldmann TB, München 1993, S. 109 - 123
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Weblinks

  1. C. W. Leadbeater: Man Visible and Invisible
  2. A. Besant/C. W. Leadbeater, Thought Forms
  3. Rudolf Steiner: Theosophie