Avatar

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Ein Avatar (Sanskrit, m., अवतार, avatāra, wörtl.: "Abstieg", von ava- "hinab" und tṝ "überqueren") ist eine übermenschliche geistige Wesenheit, die sich zum Wohle der Menschheit völlig selbstlos ein- oder mehrmals in einem menschlichen Leib inkorporiert, ohne daraus Früchte für seine eigene Entwicklung zu ziehen. Einzelne oder mehrere Wesensglieder des Menschen, die von einem Avatar beseelt werden, können nach dessen Tod vervielfältig und auf spätere Menschen übertragen werden - in vorchristlicher Zeit in der Regel aber nur auf blutsverwandte Menschen. So war Sem, der Sohn Noahs, in seinem Ätherleib von einem Avatar durchdrungen. Dadurch konnte den Nachkommen Sems, den Semiten, vervielfältigte Abbilder dieses Ätherleibs einverleibt werden. Der Ätherleib des Sem wurde aufbewahrt und auf Melchisedek, den großen Sonnen-Eingeweihten der Atlantis, übertragen, damit er seine Mission, die Initiation Abrahams, erfüllen konnte.

Christus ist der größte Avatar, der als einziger alle Wesensglieder eines Menschen, des Jesus, bis zum physischen Leib herunter durchdringen konnte, so dass man hier von einer vollständigen Inkarnation, sonst aber nur von einer Inkorporation sprechen kann. Die vervielfältigten Abbilder der Wesensglieder des durchchristeten Jesus spielten eine große Rolle bei der Entfaltung des Christentums. Die Blutsverwandtschaft hatte für die Übertragung dieser durchchristeten Wesensglieder auf spätere Menschen keine Bedeutung mehr.

"Solange des Menschen Ich, das seinen physischen Ausdruck im Blute hat, nicht ergriffen war von einem auf der Erde befindlichen Impuls, so lange konnten die Religionen nicht lehren das, was man die Kraft der Selbsterlösung des menschlichen Ichs nennt. So wird uns geschildert, wie die großen geistigen Wesen, die großen Avatare, heruntersteigen und sich von Zeit zu Zeit verkörpern in menschlichen Leibern, wenn die Menschen Hilfe brauchen. Es sind Wesen, die nicht zu ihrer eigenen Entwickelung in einen Menschenkörper hinunterzusteigen brauchen, denn sie hatten ihre Menschheitsentwickelung in einem früheren Weltenzyklus vollendet. Sie steigen herunter, weil sie den Menschen helfen wollen. So steigt von Zeit zu Zeit, wenn die Menschheit Hilfe braucht, der große Gott Vishnu herab ins irdische Dasein. Eine der Verkörperungen des Vishnu, Krishna, spricht von sich selber, deutlich sagend, was eines Avatares Wesenheit ist. Er spricht selbst aus, was er ist, in dem göttlichen Liede, in der Bhagavad Gita. In ihr haben wir die herrlichen Worte, die der Krishna, in dem Vishnu als Avatar lebt, von sich selber ausspricht: «Ich bin der Schöpfung Geist, ihr Anfang, ihre Mitte, ihr Ende; ich bin unter den Sternen die Sonne, unter den Elementen das Feuer, unter den Wassern das Weltenmeer, unter den Schlangen die ewige Schlange. Ich bin der Weltengrund.»

Man kann nicht schöner, herrlicher die allwaltende Göttlichkeit verkünden, als es geschehen ist in diesen Worten. Die Gottheit, die Moses sieht im Elemente des Feuers, die nicht nur als makrokosmische Gottheit die Welt durchwebt und durchwallt, ist auch im Innern des Menschen zu finden. Darum lebt die Krishna-Wesenheit in allem, was Menschenantlitz trägt, als großes Ideal, zu dem sich der Menschenkeim von innen heraus entwickelt. Und wenn, wie es die Weisheit des Altertums anstrebte, des Menschen Atem spiritualisiert werden kann durch den Impuls, den wir in uns aufnehmen aus dem Mysterium von Golgatha, haben wir das Prinzip der Erlösung durch das, was in uns selber lebt. Alle Avatare haben die Menschheit erlöst durch Kraft von oben, durch das, was sie aus geistigen Höhen auf die Erde herunterstrahlen ließen. Der Avatar Christus aber hat die Menschheit erlöst durch dasjenige, was er aus den Kräften der Menschheit selber genommen hat, und er hat uns gezeigt, wie die Kräfte der Erlösung, die Kräfte zur Besiegung der Materie durch den Geist in uns selber gefunden werden können." (Lit.: GA 109, S. 100f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Menschenkunde, GA 107 (1973), Fünfzehnter Vortrag, Berlin, 15. Februar 1909
  2. Rudolf Steiner: Das Prinzip der spirituellen Ökonomie im Zusammenhang mit Wiederverkörperungsfragen, GA 109/111 (1965)