Averroës

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Averroës (Ausschnitt eines Gemäldes von Andrea Bonaiuto; 14. Jhd.)

Averroës, ابن رشد, Abu Al-Walid Muhammad Ibn Ahmad Ibn Rushd (* 1126 in Córdoba; † 1198; auch Averroes oder Averrhoës oder einfach Ibn Rushd) war ein spanisch-arabischer Philosoph, Arzt (Hofarzt der berberischen Dynastie der Almohaden von Marokko) und Mystiker (siehe auch Sufismus).

Werk

Averroes ist (zusammen mit Avicenna) die Bewahrung des Gedankengutes und zahlreicher Schriften der antiken Philosophie zu verdanken. Er verfasste eine medizinische Enzyklopädie und fast zu jedem Werk des Aristoteles einen Kommentar. In der christlichen Scholastik des Mittelalters, auf die er großen Einfluss ausübte, wurde er deshalb schlicht als "der Kommentator" bezeichnet, so wie Aristoteles nur „Der Philosoph“ genannt wurde.

Jacob Anatoli übersetzte um 1200 seine Werke aus dem Arabischen ins Hebräische. Von der islamischen Orthodoxie werden seine Werke bis heute strikt abgelehnt.

Philosophie

Siehe auch: Averroismus

Ibn Rushd sah in der Logik die einzige Möglichkeit des Menschen glücklich zu werden. Die Logik des Aristoteles lieferte für ihn die Möglichkeit, aus den Daten der Sinne zur Erkenntnis der Wahrheit zu kommen.

Die Formen werden seiner Ansicht nach nicht von außen an die Materie herangetragen, sondern sind in der ewig existierenden Materie bereits enthalten und entfalten sich nach und nach im Laufe des Entwicklungsprozesses.

Averroës leugnete die Unsterblichkeit der menschlichen Geist-Seele. Unsterblich erschien ihm nur der überpersönliche Geist. So seien etwa Platon und Sokrates sterblich, unsterblich aber sei die Philosophie. Dieser Ansicht traten die christlichen Scholastiker, allen voran Thomas von Aquin, entschieden entgegen.

Die Philosophie erschien ihm grundsätzlich als die gegenüber der Religion höhere und reinere Wahrheit. Letztere gebe die Wahrheit nur in bildlicher Einkleidung für die unverständige Menge.

"Bei Averroes findet man die Ansicht, daß das Vorhandensein einer besonderen Gedankenwelt in der Persönlichkeit des Menschen ein Irrtum sei. Es gibt nur eine einige Gedankenwelt in dem göttlichen Urwesen. Wie sich ein Licht in vielen Spiegeln abbilden kann, so offenbart sich die eine Gedankenwelt in den vielen Menschen. Es findet zwar während des menschlichen Erdenlebens eine Fortbildung der Gedankenwelt statt; doch ist diese in Wahrheit nur ein Vorgang in dem geistigen einigenden Urgründe. Stirbt der Mensch, so hört einfach die individuelle Offenbarung durch ihn auf. Sein Gedankenleben ist nur mehr in dem einen Gedankenleben vorhanden." (Lit.: GA 018, S. 89f)

"Und es bestand ja der große Streit im Mittelalter zwischen den führenden Persönlichkeiten des Dominikanerordens und denjenigen, die sich in der FortSetzung des asiatischen Alexandrinismus nach Spanien hinübergezogen hatten, wie in Averroes und den Seinigen, eigentlich darinnen, daß Averroes und die Seinigen, also die mohammedanischen Nach-Aristoteliker, sagten: Intelligenz ist etwas Allgemeines. Sie sprachen nur von einer Pan-Intelligenz, nicht von einer einzelnen menschlichen Intelligenz. Es war das, was einzelne menschliche Intelligenz ist, für Averroes nur eine Art Spiegelung im einzelnen Menschenkopfe von dem, was aber in Realität nur allgemein vorhanden ist.

Tafel 6

Denken Sie sich einmal, jemand hat einen Spiegel, der so ist (siehe Zeichnung), und ich könnte statt dieser neun Teile des Spiegels auch hundert und tausend und Millionen Teile herzeichnen natürlich. Hier wäre ein Gegenstand, der sich spiegelt. So war es für Averroes, der von Thomas von Aquino ganz lebhaft bekämpft wurde: Der Verstand, die Intelligenz war für ihn in der Tradition an die alte Michaelzeit eine Pan-Intelligenz, eine Intelligenz, die nur eine war; die einzelnen menschlichen Köpfe spiegelten das, so daß, wenn der menschliche Kopf nicht mehr wirkte, es keine individuelle Intelligenz gab. Was war denn also tatsächlich eigentlich der Fall?

Ja, sehen Sie, das, was Averroes sich vorstellte, das war richtig bis zum Ende der Alexanderzeit, das war einfach eine kosmisch-menschliche Tatsache bis zum Ende der Alexanderzeit; er hat es festgehalten. Die Dominikaner haben die Evolution der Menschheit aufgenommen, sie haben gesagt: So ist es nicht! - Sie hätten natürlich auch sagen können: Es war einmal so, doch es ist heute nicht mehr so! - Aber das haben sie nicht getan; sie nahmen nur den Tatbestand, der eben im 13. Jahrhundert war, der dann besonders stark kam im 14., 15. Jahrhundert. Sie sagten: Jetzt hat jeder seinen eigenen Verstand. - Das war eben dasjenige, was da eintrat." (Lit.: GA 237, S. 121ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Rätsel der Philosophie in ihrer Geschichte als Umriß dargestellt, GA 18 (1985), ISBN 3-7274-0180-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge. Dritter Band, GA 237 (1991), ISBN 3-7274-2370-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Weblinks

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