Bewusstseinszustände

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Die 7 Bewusstseinszustände (GA 89, S 201).

Sieben Bewusstseinszustände oder Bewusstseinsstufen (eng. stages of consciousness) soll nach Rudolf Steiner der Mensch im Zuge seiner Entwicklung nach und nach entfalten. Jede dieser Bewusstseinsstufen entspricht einer ganz bestimmten planetarischen Weltentwicklungsstufe, während der sich der Mensch diesen Bewusstseinsgrad erwerben soll. Damit sich ein neuer Bewusstseinszustand entwickeln und ausreifen kann, müssen zuvor 7 Lebenszustände durchlaufen werden.

Von den 7 Bewusstseinsstufen werden die ersten 3 rein subjektiv erlebt – es wird keine Trennung zwischen Innen- und Außenwelt erfahren, zwischen Ich und Nicht-Ich. Das heisst keineswegs, dass sich in diesen subjektiven Bewusstseinszuständen kein Bezug zur Aussenwelt finden würde - das ist nämlich sehr wohl für alle Stufen des Bewusstseins der Fall -, nur wird die Aussenwelt nicht als solche abgesondert erlebt.

Bis zum vierten Zustand wird das Bewusstsein stufenweise immer enger, aber zugleich auch heller, indem sich das geistige Weltenlicht zunehmend verdichtet. In der Mitte der 4. Stufe beginnt das Bewusstsein objektiv zu werden. Das so entstandene Ichbewusstsein wird dann durch die weiteren 3 höheren Bewusstseinsgrade mitgenommen, die zunehmend heller und weiter werden, weil das Licht des Ichbewusstseins immer stärker und weiter strahlt, bis es schließlich den ganzen Kosmos durchleuchtet. Die drei niederen Bewusstseinsstufen sind rein passiv empfangende, während die drei höheren aktiv schaffende sind.


Mineralisches Bewusstsein (Tieftrance- oder Todesbewusstsein, Allbewusstsein)

Das dumpfe All-Bewusstsein, das dem Physischen Leib eigen ist und durch das er den ganzen physischen Kosmos wahrnimmt und sich zum mehr oder weniger allseitig harmonisch ausgeformten Abbild desselben gestaltet. Es ist gleichsam ein dumpf bewusstes Darinnensein (Intuition) in den geistigen Formkräften die den ganzen physischen Kosmos bauen. Wie der physische Leib überhaupt grundsätzlich zu einem bestimmten Zeitpunkt sein kann, hängt von der jeweiligen kosmischen Konstellation ab. Die Fixsternwelt (Tierkreis) prägt die Gesamtgestalt, die Planetenkräfte differenzieren die verschiedenen Rassen. Das männliche Geschlecht hängt stärker mit der Sonne, das weibliche mehr mit den Mondenkräften zusammen. Aber auch die unmittelbare irdische physische Umgebung und vor allem die Physis der Mitmenschen, in deren Nähe der Mensch aufwächst, spielt eine bedeutende Rolle. Auf welchen kosmischen Wegen der Mensch zu einer neuen Inkarnation herabsteigt, hängt von seinem individuellen Schicksal ab und individualisiert die menschliche Gestalt von Inkarnation zu Inkarnation immer mehr. Vorallem in den ersten 7 Kindheitsjahren bewirkt dann diese unterbewusste Intuition die grundlegende Ausgestaltung des Physischen Leibes.

Medial veranlagte Menschen sprechen vor allem aus diesem Bewusstseinszustand, wobei das Ichbewusstsein ganz ausgeschaltet ist, und schildern dann oft ganze Weltenketten. Alle Mineralien haben ein derartiges Bewusstsein – oder besser gesagt, sie sind ein derartiger Bewusstseinzustand. Das mineralische Bewusstsein ist eben kein bloß schemenhaftes, bildhaftes Seelenleben, sondern die Bewusstseinserlebnisse sind sozusagen real handgreiflich geworden. So gesehen ist unser Physischer Leib zugleich das mineralische Bewusstsein unseres Physischen Leibes. Die mineralischen Bewusstseinserlebnisse sind also ganz und gar nicht flüchtig vorübergehend, sondern äußerst beharrend. Was wir äußerlich als Materie erleben, sind im Grunde die aufeinandergetürmten Erlebnisse des ganzen Kosmos bis in die allerfernste Vergangenheit hin – und das heißt konkret, bis zum alten Saturn hin! Jedes Atom ist eigentlich ein winziges Archiv der ganzen Schöpfungsgeschichte (siehe meinen Aufsatz über Die dritte Kraft), und je weiter man in die Tiefen der Materie hineingräbt, desto weiter blickt man in längst vergangene kosmische Zustände hinein. Das Schwergewicht des Bewusstseins liegt hier auf dem Sein.

Das mineralische Bewusstsein entstand bereits auf der planetarischen Entwicklungsstufe des alten Saturns.

Schlaf-Bewusstsein (Tiefschlafbewusstsein, traumloses Bewusstsein)

Eine unterbewusste Inspiration, die uns die ganzen kosmischen Lebenskräfte erleben und in uns nachbilden lässt. Somnambule entwerfen aus diesem Bewusstseinszustand gerne Flechtmuster, Arabesken usw. Besonders erleben wir mit diesem Bewusstsein, das unserem Ätherleib angehört, die bildenden Kräfte der Landschaft mit, in der wir leben, aber auch die lebendige Kräfte der Muttersprache und des Volkes, in dem wir aufwachsen. Auch empfängt das soziale Leben von hier aus wesentliche Impulse. Sehr entscheidend wirken diese Impulse in der Zeit vom 7.-14. Lebensjahr.

Das Schlafbewusstsein wurde auf der alten Sonne entwickelt.

Traum-Bewusstsein (Bilder-Bewusstsein)

Eine unterbewusste Imagination, deren Träger der Astralleib ist und die uns alles Seelische erleben lässt. Aber auch Mineralisches und Lebendiges erscheinen hier als seelische Bilder. Dem unentwickelten Menschen erscheinen in seinen Träumen oft die Spiegelbilder seiner geheimen Leidenschaften und Begierden, die sich in entsprechenden Tiergestalten symbolisieren. Der Traum ist der große Symboliker; alles drückt sich in diesem Bewusstseinszustand in bildhaften Symbolen aus, die ursprünglich unmittelbar aus den frei flutenden Sinnesqualitäten gewoben waren, die die astrale Welt durchziehen. Heute kleidet sich das Traumbewusstsein meist in vielfach umgestaltete Erinnerungsbilder, die aus dem Tagesbewusstsein zurückgeblieben sind. Die seelischen Bilder des Traumbewusstseins sind wirklichkeitsgesättigter als die Erlebnisse des wachen Tagesbewusstsein, denn sie haben im Gegensatz zu diesen eine reale seelenumgestaltende Wirkung. Entscheidende Anregungen erfährt der Mensch aus diesem Bewusstseinszustand vom 14. – 21. Lebensjahr.

Das Traumbewusstsein entstand auf dem alten Mond.

Gegenstands-Bewusstsein (Selbstbewusstsein, Ich-Bewusstsein, Wachbewusstsein)

Von allen Bewusstseinszuständen ist dieser Zustand der engste und zugleich unwirklichste. Hier ist der Seinscharakter völlig zum unwirklichen, d.h. in keiner Weise mehr wirksamen Bild verblasst. Er ist aber zugleich der erste objektive Bewusstseinszustand, der uns die Welt von außen erleben lässt und zugleich das Selbstbewusstsein ermöglicht. Gerade aufgrund seines unwirklichen, kraftlosen Charakters kann der Mensch in diesem Zustand zur Freiheit gelangen.

Ziel der Erdenentwicklung ist es, den Menschen zum wachen Selbstbewusstsein zu führen. Dieses kann nur dadurch entstehen, dass der Mensch während der Erdenentwicklung rhythmisch wechselnd in Zuständen größter Geistnähe und maximaler Geistferne lebt. Im großen Stil geschieht dies dadurch, dass der Mensch immer wieder die Tore von Geburt und Tod durchschreitet. Ohne immer wieder durch das «Stirb und werde!» zu gehen, könnte sich das Selbstbewusstsein nicht entwickeln. In gewissem Sinne ist die Tatsache, dass der Mensch fähig ist, sich seiner selbst bewusst zu werden, ein unumstößlicher Beweis dafür, dass die Individualität durch wiederholte Inkarnationen hindurchgeht – ohne Reinkarnation kann kein Selbstbewusstsein entstehen. Während des irdischen Lebens selbst wird das Ichbewusstsein dadurch immer wieder entfacht, dass der Mensch abwechselnd zum hellen Tagesbewusstsein erwacht, und dann wieder in die bewusstlose Tiefe des traumlosen Schlafes versinkt. Aber auch in das wache Tagesbewusstsein selbst, welches den Menschen heute in die allergrößte Geistferne rückt, mischen sich beständig scheinbar völlig bewusstlose Zustände, die uns wieder mit dem Geistigen verbinden: Am stärksten erwachen wir im Denken, und das Verstandesdenken führt uns auch zugleich am weitesten vom Geistigen weg. Den Willen verschlafen wir beinahe vollständig, denn wie er konkret unseren ganzen Organismus ergreift und in Bewegung setzt, davon erleben wir praktisch gar nichts; dafür verbindet uns der Wille aber immer wieder unbewusst mit dem Geistigen. Im Zuge der Menschheitsentwicklung ist der Unterschied zwischen dem Erdenleben und dem Leben nach dem Tod immer größer geworden. Ebenso haben sich Schlafen und Wachen immer deutlicher voneinander gesondert. Heute sind wir so weit, dass sich Denken, Fühlen und Wollen immer stärker voneinander trennen. Das wird künftig noch viel stärker werden. Durch den geistigen Schulungsweg wird diese Entwicklung in gewissem Sinne vorweggenommen.

Psychisches Bewusstsein (bewusstes Bilderbewusstsein, bewusste seelenbildende Imagination)

Der erste schöpferische Bewusstseinszustand, befähigt Seelisches zu erschaffen. Damit taucht das Bewusstsein wieder unmittelbar in die Wirklichkeit unter. Verwirklichen lässt sich dieser Zustand erst auf dem neuen Jupiter; was wir uns heute durch geistige Schulung an imaginativer Erkenntnis erringen können, ist ein bildhafter Vorgriff auf diesen Zustand. Das imaginative Bewusstsein entsteht, indem das wache Tagesbewusstsein bis in den Traumzustand hinein erhalten bleibt. Der Mensch erwacht dadurch in den tieferen Schichten seines Seelenlebens und lernt hier zu objektivieren: Wir lernen nun in unserem seelischen Erleben zwischen Eigenem und Fremden zu unterscheiden, d.h. wir begegnen nun anderen geistigen Wesenheiten, die ihre Wirkungen in unsere Seele hineinschicken. Dadurch eröffnet sich der imaginative Blick auf die astrale geistige Welt, die sich nun in Form imaginativer seelischer Bilder vor unserem inneren Auge entfaltet. Namentlich können wir durch diesen Bewusstseinszustand beurteilen, was uns nach dem Tod im Kamaloka erwartet. Wir lernen damit zugleich, unseren moralischen Wert objektiv zu beurteilen, was uns überhaupt erst eine wahrhafte Selbsterkenntnis ermöglicht. Ohne Imagination kann über das Rätsel des Guten und Bösen nicht wirklichkeitsgemäß gesprochen werden.

Vollkommen wird sich diese Bewusstseinstufe erst auf dem neuen Jupiter entwickeln können.

Überpsychisches Bewusstsein (bewusstes Schlafbewusstsein, Tonbewusstsein, bewusste lebensschaffende Inspiration)

Dieser schöpferische lebensschaffende Bewusstseinszustand wird erst auf der künftigen Venusverkörperung verwirklicht werden. Sein bildhafter Vorgriff, den wir uns heute durch geistige Schulung erwerben können, eröffnet uns den Blick für die über der Astralwelt stehende geistige Welt und insbesondere auf das geistige Leben zwischen Tod und neuer Geburt.

Spirituelles Bewusstsein (bewusstes Allbewusstsein, bewusste formgebende wesenschaffende Intuition)

Erst auf dem künftigen Vulkan wird sich dieser Bewusstseinszustand verwirklichen. Insofern wir heute durch die höhere Geistesschulung darauf bildhaft vorgreifen können, erhellt sich uns die geistige Sicht auf unsere vergangenen Erdenleben. Das Reinkarnationsgeschehen wird dadurch unmittelbar geistig anschaulich erfasst.

Diese sieben Bewusstseinsstufen sind für die menschliche Entwicklung zunächst relevant; das heißt aber nicht, dass damit alle möglichen Bewusstseinsarten schon ausgeschöpft sind. Tatsächlich weist Rudolf Steiner darauf hin, dass es in Wahrheit zwölf verschiedene Bewusstseinsebenen gibt:

"Die große Menschheitsentwickelung durch die sieben Bewußtseinsstufen hindurch vom Saturn bis zum Vulkan ist in einer der vorigen Schilderungen mit dem Gang durch das Leben zwischen Geburt und Tod, durch das Säuglingsalter, die Kindheit und so weiter bis zum Greisenalter verglichen worden. Man kann den Vergleich noch weiter ausdehnen. Wie bei der gegenwärtigen Menschheit sich die einzelnen Lebensalter nicht bloß folgen, sondern auch nebeneinander vorhanden sind, so ist es auch bei der Entfaltung der Bewußtseinsstufen. Der Greis, der reife Mann oder die reife Frau, der Jüngling und so weiter, sie wandeln nebeneinander. So waren auch auf dem Saturn nicht bloß die Menschenvorfahren als Wesen mit dem dumpfen Saturnbewußtsein vorhanden, sondern neben ihnen andere Wesen, welche die höheren Bewußtseinsstufen schon entwickelt hatten. Es gab also schon, als die Saturnentwickelung begann, Naturen mit Sonnenbewußtsein, andere mit Bilderbewußtsein (Mondbewußtsein), solche mit einem Bewußtsein, das dem gegenwärtigen Bewußtsein des Menschen gleicht, dann eine vierte Gattung mit selbstbewußtem (psychischem) Bilderbewußtsein, eine fünfte mit selbstbewußtem (überpsychischem) Gegenstandsbewußtsein, und eine sechste mit schöpferischem (spirituellem) Bewußtsein. Und auch damit ist die Reihe der Wesen noch nicht erschöpft. Nach der Vulkanstufe wird ja auch der Mensch sich noch weiter entwickeln und dann noch höhere Bewußtseinsstufen erklimmen. Wie das äußere Auge in nebelgraue Ferne, blickt das innere Auge des Sehers in Geisterweite auf noch fünf Bewußtseinsformen, von denen aber eine Beschreibung ganz unmöglich ist. Es kann also im ganzen von zwölf Bewußtseinsstufen die Rede sein.

Der Saturnmensch hatte also in seinem Umkreise elf andere Wesensarten neben sich. Die vier höchsten Arten haben auf Entwickelungsstufen ihre Aufgaben gehabt, welche dem Saturnleben noch vorangingen. Sie waren, als dieses Leben begann, bereits auf einer so hohen Stufe der eigenen Entwickelung angelangt, daß sich ihr weiteres Dasein in Welten nunmehr abspielte, die über die Menschenreiche hinausliegen. Von ihnen kann und braucht daher hier nicht gesprochen zu werden.

Die anderen Wesensarten jedoch - sieben außer dem Saturnmenschen - sind alle an der Entwickelung des Menschen beteiligt. Sie verhalten sich dabei als schöpferische Mächte ..." (Lit.: GA 11)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Aus der Akasha-Chronik, GA 11 (1904 - 1908), Kapitel Das Leben des Saturn
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