Graf Alessandro Cagliostro

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Alessandro Cagliostro

Graf Alessandro Cagliostro soll angeblich mit dem Sizilianer Giuseppe Balsamo identisch gewesen sein, was allerdings von Cagliostro stets entschieden bestritten wurde. Er war eine der geheimnisvollsten und umstrittensten Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts. Er war Alchemist und gilt als Begründer der Hochgrad-Maurerei.

In Rom wurde Cagliostro 1789 verhaftet und als Häretiker angeklagt und zum Tode verurteilt, aber das Urteil wurde in lebenslange Haft umgewandelt. Am 26. August 1795 starb Cagliostro in den Kerkern des Vatikan in San Leo.

Rudolf Steiner sagt über ihn:

"Der sogenannte Graf Cagliostro, in dem sich eine Individualität verborgen hat, welche nur den eingeweihtesten Okkultisten in ihrer wahren Eigenart bekannt ist, versuchte zunächst in London die Freimaurerei auf eine neue Stufe zu stellen. Denn sie war schon im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts ziemlich auf dem Standpunkte, auf dem ich sie charakterisiert habe. In London gelang es dazumal nicht. Er versuchte es dann in Rußland und auch im Haag. Überall mißlang es aus ganz bestimmten Gründen.

Dann aber gelang es ihm, in Lyon aus einer Reihe dort lebender Freimaurer eine Philaletenloge zu begründen mit okkultem Inhalt, und zwar die Loge, welche genannt wurde Loge zur «Triumphierenden Weisheit». Der Zweck dieser Loge ist von Cagliostro angegeben worden. Was Sie aber darüber lesen können, ist nichts anderes als etwas von unverständigen Leuten Geschriebenes. Dasjenige, was darüber gesagt werden kann, sind ja eigentlich auch nur Andeutungen. Es handelte sich bei Cagliostro um ein zweifaches: erstens um den Unterricht zum Zwecke der Herstellung des sogenannten Steines der Weisen; zweitens um die Eröffnung des Verständnisses für das mystische Fünfeck, für das mystische Pentagramm. Nun kann ich Ihnen nur andeutend sagen, was diese zwei Dinge zu bedeuten haben. Es kann viel gespottet werden darüber, aber sie sind nicht nur symbolisch zu nehmen, sondern beruhen auf Tatsachen.

Der Stein der Weisen hat einen bestimmten Zweck, der von Cagliostro angegeben wurde: er sollte das menschliche Leben auf 5527 Jahre verlängern. Das erscheint dem Freigeist lächerlich. Tatsächlich ist es aber möglich, durch besondere Schulung das Leben ins Unermeßliche zu verlängern dadurch, daß der Mensch lernt, nicht mehr in seinem physischen Körper zu leben. Derjenige, der sich aber vorstellen wollte, daß den Adepten kein Tod im gewöhnlichen Sinne des Wortes treffe, der würde sich etwas Falsches darunter vorstellen. Auch wer glaubt, daß ein Adept nicht von einem Ziegelstein getroffen und erschlagen werden kann, auch der würde sich etwas Falsches vorstellen. Das würde allerdings nur dann gewöhnlich eintreten, wenn der Adept es zuläßt. Nicht um den physischen Tod handelt es sich, sondern um Folgendes. Der physische Tod desjenigen, der für sich selbst den Stein der Weisen erkannt und ihn herauszusetzen verstanden hat, ist für ihn nur ein scheinbares Ereignis. Für die anderen Menschen ist er ein wirkliches Ereignis, das einen großen Abschnitt in seinem Leben bedeutet. Für den, der in der Weise, wie Cagüostro es mit seinen Schülern gewollt hat, es versteht, den Stein der Weisen zu benützen, ist der Tod nur ein scheinbares Ereignis. Er bildet nicht einmal einen besonders wichtigen Abschnitt im Leben; er ist nämlich etwas, was nur für die anderen da ist, die etwa den Adepten beobachten können, und die sagen, daß er stirbt. Er selbst stirbt aber in Wirklichkeit gar nicht. Die Sache ist vielmehr so, daß der Betreffende gelernt hat, überhaupt nicht in seinem physischen Körper zu leben; daß er gelernt hat, alle diejenigen Vorgänge, die im Momente des Todes im physischen Körper plötzlich vor sich gehen, nach und nach während seines Lebens vor sich gehen zu lassen. Es hat sich mit dem Körper des Betreffenden alles schon vollzogen, was sich sonst im Tode vollzieht. Dann ist der Tod nicht mehr möglich, denn der Betreffende hat längst gelernt, ohne den physischen Körper zu leben. Er legt den physischen Körper in ähnlicher Weise ab, wie man einen Regenmantel auszieht, und zieht einen neuen Körper an, wie man einen neuen Regenmantel anzieht.

Nun, einen kleinen Begriff werden Sie sich wohl daraus bilden können. Das ist der eine Unterricht, den Caligostro überlieferte - der Stein der Weisen -, der den physischen Tod zu einer Bedeutungslosigkeit herabsinken läßt.

Das zweite war die Erkenntnis des Pentagramms. Das ist die Fähigkeit, die fünf Körper des Menschen voneinander zu unterscheiden. Wenn jemand sagt: Physischer Körper, Ätherkörper, Astralkörper, Kama-Manas-Körper, Kausalkörper, so sind das bloß Worte oder, wenn es hoch kommt, abstrakte Begriffe. Damit ist aber noch nichts getan. Der Mensch, der heute lebt, kennt in der Regel kaum den physischen Körper; erst derjenige, der das Pentagramm kennt, lernt die fünf Körper kennen. Einen Körper erkennt man nicht, wenn man in ihm lebt, sondern erst dann, wenn man ihn als Objekt hat. Das ist dasjenige, was einen Durchschnittsmenschen unterscheidet von dem, der durch eine solche Schule gegangen ist, daß für ihn die fünf Körper Objekte geworden sind. Der gewöhnliche Mensch lebt ja auch in diesen fünf Körpern. Aber er lebt darinnen, er kann nicht heraustreten und sie anschauen. Höchstens seinen physischen Körper kann er anschauen, wenn er an seinem Leibe heruntersieht oder ihn im Spiegel sich beschaut. Die Schüler Cagliostros würden, wenn sie richtig seine Methode befolgt hätten, dazu gekommen sein, wozu einzelne Rosenkreuzer gekommen sind, die im Grunde genommen in einer Schule waren, die dieselbe Tendenz hatte. Sie waren in einer Schule der großen europäischen Adepten, die dahin führte, daß die fünf Körper Wirklichkeiten wurden, nicht bloß Begriffe blieben. Das nennt man das «Pentagramm-Kennen» und «Moralische Wiedergeburt».

Ich will nicht sagen, daß die Schüler des Cagliostro es nicht zu etwas gebracht haben. Sie haben es im allgemeinen dahin gebracht, den Astralleib zu begreifen. Cagliostro war äußerst geschickt, ihnen eine Anschauung vom Astralleib beizubringen. Lange bevor die Katastrophe über ihn hereinbrach, war es ihm gelungen, außer der Schule in Lyon auch Schulen in Paris, Belgien und Petersburg und einigen anderen Orten Europas zu errichten, aus denen später wenigstens einigermaßen solche Leute hervorgegangen sind, die den Grundstock abgegeben haben für diejenigen, welche es bis zum 18., 19., 20. Grade der Hochgradmaurerei gebracht haben. So hat immerhin der Graf Cagliostro, bevor er in den Kerkern von Rom sein Leben beendigen mußte, einen bedeutenden Einfluß auf die okkulte Maurerei in Europa genommen. Die Welt sollte über Cagliostro im Grunde genommen gar nicht urteilen. Ich deutete schon an, daß es im allgemeinen so ist, wenn die Leute über Cagliostro sprechen, wie wenn der afrikanische Hottentotte von der Einrichtung der Hochbahn spricht, weil es nicht einzusehen ist, in welchem Verhältnis die äußeren, scheinbar unmoralischen Taten zu den Weltereignissen standen." (Lit.: GA 93, S 104ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Tempellegende und die Goldene Legende, GA 93 (1982), Berlin, 16. Dezember 1904
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
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