Christlicher Schulungsweg

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Rembrandt Harmensz van Rijn, Die Auferweckung des Lazarus, um 1630

Der christliche Schulungsweg (auch christlich-gnostischer oder christlicher Einweihungsweg genannt) ist ein geistiger Schulungsweg, der sich auf das intensive gefühlsmäßige Nacherleben des Leidensweges Christi gründet, wie er namentlich im Johannesevangelium geschildert wird. Dadurch wird vor allem die Gemütsseele, also der auf das gesunde Wahrheitsempfinden ausgerichtete Teil der Verstandes- und Gemütsseele, reich ausgebildet. Da dieser Schulungsweg eine zeitweilige Absonderung von den äußeren Alltagsgeschäften fordert, ist er heute durch die Anforderungen unseres Bewusstseinsseelen-Zeitalters für viele Menschen nicht mehr gangbar. Für diese wurde der Rosenkreuzer-Schulungsweg inauguriert, an dem sich auch die anthroposophische Geistesschulung orientiert.

Das Johannes-Evangelium als Vorbild des christlichen Einweihungsweges

Das Johannes-Evangelium schildert in den Kapiteln 1-12 zunächst die Einweihungserlebnisse des Johannes auf dem Astralplan; ab dem 13. Kapitel werden die Erlebnisse des nach drei Tagen auferweckten Johannes-Lazarus in der devachanischen Welt berichtet. Die Szene der Fußwaschung, die gleich zu Beginn des 13. Kapitels geschildert wird, bezeichnet zugleich die erste Stufe des christlichen Einweihungswegs.

"Denjenigen, der das Christentum gestiftet hat, konnte man nicht ohne weiteres erkennen, wenn man nur den gewöhnlichen, auf das Sinnliche gerichteten Verstand hatte. Dazu gehörte das, was die christlichen Mystiker vielfach in so großen und schönen Worten zum Ausdruck gebracht haben. Das meinte auch Angelus Silesius, wenn er sagt:

Wird Christus tausendmal in Bethlehem geboren
Und nicht in dir: du bleibst noch ewiglich verloren.

Es gibt ein inneres Christus-Erlebnis, es gibt eine Möglichkeit, dasjenige zu erkennen, was uns äußerlich entgegentritt in den Ereignissen, die sich zwischen den Jahren 1 und 33 in Palästina abgespielt haben. Derjenige, der aus höheren Welten hereingekommen ist in diese Welt, muß wiederum aus einer höheren Welt verstanden werden. Und der ihn am tiefsten schildert, mußte sich erheben zu den beiden höheren Welten, die hier in Betracht kommen, zu der astralen und zu der devachanischen oder mentalen Welt. Diese Erhebung des Johannes, wenn wir sie so nennen dürfen, war die Erhebung in die zwei höheren Welten. Diese stellt uns das Johannes-Evangelium in seinen Mitteilungen dar.

Die ersten zwölf Kapitel des Johannes-Evangeliums enthalten die Erlebnisse des Johannes in der astralen Welt. Vom dreizehnten Kapitel ab sind es die Erlebnisse des Johannes in der devachanischen oder mentalen Welt, so daß sich derjenige, der das niedergeschrieben hat, von Christus sagt - die Worte sind ganz vergleichsweise zu nehmen -: Hier auf dieser Erde hat Er gelebt, hier hat Er aus Kräften heraus gewirkt, die göttlich sind, aus okkulten Kräften heraus. Er hat Kranke geheilt, Er hat alles, vom Sterben bis zum Auferstehen, durchgemacht. Diese Dinge mit dem bloßen Verstande zu begreifen, ist unmöglich. Hier auf der Erde gibt es keine Wissenschaft, keine Weisheit, durch die man verstehen kann, was da geschehen ist. Aber es gibt eine Möglichkeit, hinaufzusteigen in die höheren Welten. Da wird man die Weisheit finden, durch die man den, der hier auf der Erde gewandelt hat, verstehen kann. So erhob sich der Schreiber des Johannes-Evangeliums hinauf in die beiden höheren Welten und ließ sich einweihen. Es war eine Einweihung, und seine Einweihung schildert der Schreiber des Johannes-Evangeliums, die Einweihung in die astralische Welt und die Einweihung in die devachanische oder Mentalwelt." (Lit.: GA 094, S. 190f)

Die Vorbereitung

Meditation über die ersten fünf Sätze des Prologs des Johannesevangeliums

Die ausgedehnte Meditation über die ersten fünf Sätze des Prologs des Johannesevangeliums geht dem Einweihungsweg voran und vermag das geistige Auge für die Astralwelt zu öffnen:

1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. 2 Dasselbe war im Anfang bei Gott. 3 Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.

4 In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. 5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen. (Joh 1,1)

Dabei hat man sich den Meditationsinhalt möglichst bildhaft vorzustellen. Beispielsweise sollten die ersten beiden Sätze des Prologs so meditiert werden, dass man sich das Bild einer gewaltig großen Kugel aufbaut, innerhalb der alle Substanz in solcher Bewegung ist, dass sie sich formt und gestaltet nach der sinnvollen Bedeutung des sie durchklingenden «göttlichen Wortes». (Lit.: GA 267, S. 266)

"Johannes gibt nun auch dasjenige an, was ihn in einen solchen seelischen Zustand versetzt hat, was ihn hineingeführt hat in das Wahrnehmen auf dem astralischen Plan. Die Formel, die er als Meditationsformel gebraucht hat, steht am Anfang seines Evangeliums: «Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort. Dieses war im Urbeginne bei Gott. Alles ist durch dasselbe geworden, und außer durch dieses Wort ist nichts von dem Entstandenen geworden. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht schien in die Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht begriffen.»

In diesen fünf Sätzen liegen die ewigen Wahrheiten, die in der Seele des Johannes die großen Gesichte herauszaubern. Das ist die Meditationsformel. Derjenige, für den das Johannes-Evangelium geschrieben ist, darf es nicht nur lesen wie irgendein anderes Buch. Er muß die ersten fünf Sätze als Meditationsformel betrachten, dann lebt er Johannes nach, dann sucht er dasselbe zu erleben, was Johannes erlebt hat. Das ist der Weg, ihm nachzuleben, so ist es gemeint. Johannes sagt: Tut, was ich getan habe, lasset in euren Seelen die großen Sätze «Im Anfang war das Wort» und so weiter wirken, und ihr werdet bewahrheitet finden, was in meinen zwölf ersten Kapiteln gesagt ist.

Das ist etwas, was einzig und allein zum Verständnis des Johannes-Evangeliums beitragen kann. So ist es gemeint, und so soll es benutzt werden. Was nun das «Wort» bedeutet, das habe ich auch schon öfter erwähnt. Im Anfang - fassen wir das richtig, was das heißt. «Im Anfang» ist keine gute deutsche Übersetzung. Die Übersetzung müßte eigentlich lauten: Aus den Urkräften sproßte das Wort heraus. Das heißt es: da kam das Wort heraus, aus den Urkräften heraus. Im Anfang heißt also: aus den Urkräften heraus.

Wenn der Mensch in diesen Schlaf zustand kommt, dann ist er nicht mehr in der sinnlichen Welt. Er geht in eine seelische Welt hinein, und in dieser seelischen Welt erlebt er die Wahrheit über die sinnliche Welt. Da geht ihm die Wahrheit der sinnlichen Welt auf. Er geht aus den abgeleiteten Worten der sinnlichen Welt zu den Urkräften zurück und steigt zu den Worten der Wahrheit auf. Jede Wahrheit hat sieben Bedeutungen. Für den sich versenkenden Mystiker hat sie hier aber diese Bedeutung: Die Erkenntnis, das Wort, das da aufgeht, ist nicht etwas, was gestern und heute gilt, sondern dieses Wort ist ewig. Dieses Wort führt zu Gott, weil es bei Gott selbst immer war, weil es das Wesen selbst ist, das Gott in die Dinge hineingelegt hat.

Es gibt aber noch ein anderes Verständnis, und das erwirbt man sich, wenn man jeden Tag immer wieder zurückkehrt zu dem bedeutsamen Wort: «Im Urbeginne war das Wort.» Wenn man anfängt, es nicht nur mit dem Verstande, sondern mit dem Herzen zu verstehen, so daß das Herz ganz eins wird mit diesem Wort, dann geht die Kraft auf, dann beginnt schon der Zustand, von dem Johannes spricht. Er schildert das mit großer Anschaulichkeit: «Alles ist durch dasselbe geworden, und außer durch dieses Wort ist nichts von dem Entstandenen geworden.»

Was finden wir in diesem Wort? Wir finden das Leben. Was erkennen wir durch das Leben? Durch das Licht? Ganz wörtlich müssen wir die religiösen Urkunden auffassen, wenn wir zu einer höheren Erkenntnis aufsteigen wollen. Wohin scheint das Licht, wenn der Mensch dazu kommt? In die Finsternis der Nacht. In diejenigen kommt es hinein, die schlafen. Es kommt in jeden hinein, der schläft. Aber die Finsternis hat es nicht begriffen- bis die Fähigkeit entstand, es auf dem astralen Plan wahrzunehmen. So ist auch der fünfte Satz wörtlich zu verstehen. Das astralische Licht scheint hinein in die Finsternis der Nacht, aber die Menschen sehen gewöhnlich nicht das Licht, sie müssen erst sehen lernen.

Da für den Schreiber des Johannes-Evangeliums dies alles Wirklichkeit wurde, ging ihm auch das Licht auf, wer der war, dessen Schüler und dessen Apostel er war. Hier auf Erden hat er ihn gesehen. Nun hat er ihn auf dem astralen Plane wieder entdeckt, und er hat erkannt, daß der, welcher auf Erden im Fleisch gewandelt ist, von dem, was in seinem eigenen tiefsten Inneren lebt, nur durch ein Etwas unterschieden war. In jedem einzelnen Menschen lebt ein Gottmensch. In ferner Zukunft wird dieser Gottmensch aus jedem einzelnen auferstehen. So wie der Mensch heute vor uns steht, ist er in seinem äußeren Ausdruck mehr oder weniger ein Abdruck des inneren göttlichen Menschen, und dieser innere göttliche Mensch arbeitet fortwährend an dem äußeren Menschen." (Lit.: GA 094, S. 194ff)

Vier zu erwerbende Tugenden

Vier Tugenden muss man zuvor erwerben, um den christlichen Einweihungsweg gehen zu können:

  1. Einfalt
  2. Kein Wohlgefallen an den religiösen Übungen
  3. Der Verzicht, irgendetwas seiner eigenen Tüchtigkeit zuzuschreiben
  4. Ergebenheit in das Schicksal.

"Vier Dinge sind entschieden notwendig, damit überhaupt der christliche Joga möglich sein kann. Das erste ist die Einfalt. Dies ist eine christliche Tugend. Man muß sich klarwerden, daß man im Leben in mannigfaltiger Weise solche Erfahrungen macht, durch die man seine Unbefangenheit verliert. Fast jeder Mensch ist befangen. Die einzigen unbefangenen Antworten auf Fragen sind die der Kinder. Aber sie sind auch töricht dabei, weil die Kinder noch nichts wissen. Man muß aber lernen, weise zu sein und unbefangen, kindhaft unbefangen mit der Erfahrung. Das nennt man im Christentum die Einfalt.

Die zweite Tugend, die man sich erwerben muß, besteht darin, daß man als christlicher Mystiker das abstreifen muß, was viele Menschen haben, nämlich das innere Wohlgefühl an religiösen Übungen. Man muß nicht mehr aus Eigenbefriedigung sich den Übungen hingeben, sondern weil es der Übungsweg erfordert. Alles Wohlgefühl an religiösen Übungen muß schweigen.

Die dritte Tugend ist noch schwieriger. Sie besteht darin, daß man absolut darauf verzichtet, irgend etwas seiner eigenen Tüchtigkeit zuzuschreiben. Man muß dagegen lernen, alles der göttlichen Kraft zuzuschreiben, dem Verdienste Gottes, der durch uns wirkt. Ohne das kann man nicht christlicher Mystiker werden.

Als vierte Tugend muß man die geduldige Ergebenheit in das erreichen, was den Menschen auch immer treffen mag. Alles Sorgen und Fürchten muß man ablegen, allem gegenüber gewappnet sein, dem Besten und dem Schlechtesten gegenüber.

Wenn man solche Tugenden nicht bis zu einem gewissen Grade ausgebildet hat, kann man nicht hoffen, christlicher Mystiker zu werden. Diese Vorbereitung befähigt, die sieben Stufen des christlichen mystischen Weges durchzumachen. (Lit.: GA 097, S. 23)

Die 7 Stufen des christlichen Schulungswegs

Der christliche Einweihungsweg umfaßt sieben Stufen, in deren jede man sich monatelang einleben muss, ehe man zur nächsten weiterschreiten kann:

  1. Fußwaschung - man entwickelt umfassende Dankbarkeit gegenüber den Naturreichen, die unter einem stehen. Alles Höhere verdankt sein Dasein dem niedrigen: Pflanze dem Stein, Tier der Pflanze, der höhere Mensch dem niedrigen. Schließlich entfaltet sich die Vision der Fußwaschung und die Füße fühlen sich wie von Wasser umspült.
  2. Geißelung - man entwickelt ein Gefühl der Duldsamkeit: Ich will in Geduld aufrecht ertragen alle Schmerzen und Leiden des Lebens; allmählich schaut man die Vision der Geißelung und spürt am ganzen Körper brennenden, juckenden Schmerz.
  3. Dornenkrönung - man entwickelt Starkmut und lernt ertragen, wie einem selbst das Heiligste mit Spott und Hohn übergossen wird; in der Vision sieht man sich selbst mit der Dornenkrone und empfinden einen stechenden äußeren Schmerz am Kopf.
  4. Kreuzigung - der eigene Körper wird als fremd empfunden, als Kreuz, das man zu tragen hat; man arbeitet so bis in den physischen Leib hinein, um diesen so lebendig zu machen, dass er eine Anziehungskraft zum Phantomleib des Christus entwickelt, der sich auf Golgatha bei der Auferstehung aus dem Grab erhoben hat. Am Körper zeigen sich die Wundmale (Stigmatisierung) von leichten Rötungen bis zu wirklich blutenden Wunden.
  5. Mystischer Tod - Ich will lernen zu leben in dem an mir, was nicht Leib ist, worüber der Tod keine Gewalt hat. Der Leib wird nun als Mutter und das verwandelte niedere Ich als Jünger erlebt, zu dem der Christus - als das höhere Ich in uns im Sinne des paulinischen Wortes: "Nicht ich, sondern der Christus in mir!" - sagt: "Siehe, das ist deine Mutter." Auch das Bild der Hochzeit zu Kana ist mit dieser Stufe verbunden (siehe unten). Von schwarzer Finsternis fühlt man sich umhüllt und dann plötzlich zerreißt der Vorhang, der die geistige Welt verhüllt, man begegnet dem Hüter der Schwelle, wird hellsichtig auf dem Astralplan und erlebt den Abstieg zur Hölle, wie er etwa im Nikodemus-Evangelium oder in Dantes Göttlicher Komödie angedeutet wird.
  6. Grablegung (und Auferstehung[1]) - man empfindet sich vereint mit der ganzen Erdennatur und zutiefst vereinigt mit dem Christus, der gesagt hat: "Die mein Brot essen, die treten mich mit Füßen."
  7. Himmelfahrt (Auferstehung[1]) - um diese Stufe zu erleben, muss man gelernt haben, ohne das Werkzeug des physischen Gehirns zu denken. Dieses Gefühl der Himmelfahrt folgt von selbst aus den vorigen; es gibt keine menschliche Worte, es auszusprechen. Sie bedeutet, indem man nun über den Astralplan hinauswächst, die vollständige bewusste Aufnahme in die eigentliche geistige Welt, das Devachan.

Der mystische Tod und die mystische Hochzeit

Julius Schnorr von Carolsfeld, Die Hochzeit zu Kana, 1820

Die mystische Vereinigung der Seele mit der astralen Welt, die man auf der fünften Einweihungsstufe nach drei Tagen erreicht, wird okkult Hochzeit genannt. Das Johannesevangelium weist darauf hin in den Schilderungen der Hochzeit zu Kana. Das Verhältnis des physischen Leibs zum Astralleib ist wie das von Mutter zu Sohn:

"Nun lesen Sie, wie dieser Vorgang bildlich, symbolisch im Johannes-Evangelium Kapitel 8, Verse 58 und 59, geschildert ist: «Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: ehe denn Abraham ward, bin ich. - Da hoben sie Steine auf, daß sie auf ihn würfen. Aber Jesus verbarg sich und ging zum Tempel hinaus, mitten durch sie hindurchstreichend», durch die Hindernisse. Damit endet das achte Kapitel. Das ist der Vorgang des Heraustretens des Astralleibes aus dem physischen Leibe. Gewöhnlich dauert solch ein Vorgang, ein letzter Akt, der zu diesem Heraustreten führt, um den Menschen völlig sehend zu machen, drei Tage. Wenn diese drei Tage um sind, dann erlangt der Mensch ein ebensolches Bewußtsein auf dem astralen Plan wie früher auf dem physischen Plan. Dann vereinigt er sich mit der höheren Welt.

Man nennt in der okkulten Sprache diese Vereinigung mit der höheren Welt die Hochzeit der Seele, die mit den Mächten der höheren Welt geschlossen ist. Wenn man herausgetreten ist aus dem physischen Leib, dann steht der physische Leib einem gegenüber wie dem Kinde, wenn es Bewußtsein haben könnte, bei der Geburt gegenüberstehen würde die Mutter, aus der es herausgeboren ist. So steht der physische Leib einem gegenüber, und es kann ganz gut der astralische Leib zum physischen Leibe sagen: Dies ist meine Mutter. Wenn er seine Hochzeit gefeiert hat, dann kann er das sagen, dann blickt er zurück auf die früher vorhanden gewesene Vereinigung. Nach drei Tagen kann das geschehen. So ist der okkulte Vorgang für den Astralplan. Kapitel 2, Vers 1, heißt es: «Und am dritten Tage ward eine Hochzeit zu Kana in Galiläa; und die Mutter Jesu war da.» Das ist der bildliche Ausdruck für das, was ich eben gesagt habe. Am dritten Tage geschah das. (Lit.: GA 094, S. 198)

Die Erkenntnis der Reinkarnation wird ausgeschlossen

Der christliche Einweihungsweg unterscheidet sich von allen anderen Wegen dadurch, dass innerhalb dieses Weges der Mensch nicht durch eigene Anschauung zur Erkenntnis von Reinkarnation und Karma kommen kann, aber es wird so bis in den physischen Leib hineingearbeitet, dass eine Anziehungskraft zu dem aus dem Grabe auferstandenen Phantomleib des Christus entwickelt wird. Es war durchaus notwendig, dass der Mensch wenigstens einmal eine Inkarnation durchlebte, in der er keine Kenntnisse der früheren Erdenleben hatte - und das gilt auch für den christlichen Eingeweihten:

"Damit der Mensch sich dachte, die eine Inkarnation sei die einzige, dazu war notwendig, daß etwas das Gehirn von der Erkenntnis von den höheren Prinzipien im Menschen, von Atma, Buddhi, Manas und von der Erkenntnis der Reinkarnation abschnitt. Dazu wurde den Menschen der Wein gegeben. Früher war bei allem Tempelkultus nur das Wasser gebraucht worden. Dann wurde der Gebrauch des Weines eingeführt, und sogar ein göttliches Wesen, Bacchus, Dionysos, war der Repräsentant des Weines. Der tiefsteingeweihte Jünger, Johannes, enthüllt in seinem Evangelium, was der Wein für die innere Entwickelung bedeutet. Bei der Hochzeit von Kana in Galiläa wird das Wasser in Wein verwandelt. Durch den Wein wurde der Mensch so zubereitet, daß er die Reinkarnation nicht mehr verstand. Damals wurde das Opferwasser in Wein verwandelt, und wir sind jetzt wieder dabei, den Wein in Wasser zu verwandeln. Wer hinaufkommen will in die höheren Gebiete des Daseins, der muß sich jeden Tropfens Alkohol enthalten. (Lit.: GA 097, S. 22)

Details des christlichen Einweihungsweges

"Wir wollen den rein christlichen Weg charakterisieren. Er ist der Methode nach in dem tiefsten christlichen Buche, das von den Vertretern der christlichen Theologie am wenigsten verstanden wird, im Johannes-Evangelium, vorgeschrieben, und dem Inhalte nach in der Apokalypse oder geheimen Offenbarung.

Das Johannes-Evangelium ist ein wunderbares Buch; man muß es leben, nicht bloß lesen. Man kann es leben, indem man sich darüber klar ist, daß das, was darinnen steht, Vorschriften sind für das innere Leben und daß man sie in der richtigen Weise beobachten muß. Der christliche Weg verlangt von seinem Zögling, daß er das Johannes-Evangeliums als ein Meditationsbuch ansieht. Eine Grundvoraussetzung, die bei der Rosenkreuzer-Schulung mehr oder weniger fortfällt, ist die, daß man den strengsten Glauben hat an die Persönlichkeit des Christus Jesus. Man muß wenigstens die Möglichkeit des Glaubens in sich tragen, daß diese höchste Individualität, dieser Führer der Feuergeister der Sonnenzeit, als Jesus von Nazareth physisch verkörpert war; daß das nicht nur «der schlichte Mann aus Nazareth» war, nicht eine Individualität ähnlich wie Sokrates, Plato oder Pythagoras. Man muß seine grundsätzliche Verschiedenheit von allen andern einsehen. Den Gottmenschen einzigartiger Natur muß man in ihm festhalten, wenn man eine rein christliche Schulung durchmachen will, sonst hat man nicht das richtige Grundgefühl, das weckend in der Seele auftritt. Dabei muß man wirklich glauben können an die ersten "Worte des Johannes-Evangeliums: «Im Anfang war der Logos, und der Logos war bei Gott, und ein Gott war der Logos» bis zu den Worten: «Und der Logos ward Fleisch und hat unter uns gewohnt.» Also derselbe Geist, der der Beherrscher der Feuergeister war, der mit der Umgestaltung der Erde verbunden war, den wir auch den Geist der Erde nennen, der hat wirklich unter uns gewohnt in einer fleischlichen Hülle, er war wirklich darinnen in einem physischen Leibe. Das muß man anerkennen. Kann man das nicht, dann mache man lieber eine andere Schulung durch. Wer aber in dieser Grundvoraussetzung sich die Worte des Johannes-Evangeliums bis zu der Stelle: «voller Hingabe und Wahrheit» jeden Morgen durch Wochen und Monate hindurch meditativ vor die Seele ruft, und zwar so, daß er sie nicht nur versteht, sondern daß er darin lebt, für den werden sie eine weckende Kraft für die Seele haben; denn dies sind nicht gewöhnliche Worte, sondern weckende Kräfte, die in der Seele andere Kräfte hervorrufen. Nur muß der Schüler die Geduld haben, sie immer wieder, jeden Tag, vor die Seele zu rufen. Dann werden die Kräfte, die die christliche Schulung braucht, durch Erweckung ganz bestimmter Gefühle wachgerufen. Der christliche Weg ist mehr ein innerlicher, während in der Rosenkreuzer-Schulung die Empfindungen an der Außenwelt entzündet werden.

Giotto di Bondone (1267-1337), Cappella Scrovegni a Padova, Das Leben Christi, Fußwaschung

Der christliche Weg ist ein Weg durch Wachrufen von Gefühlen. Es sind sieben Stufen von Gefühlen, die wachgerufen werden müssen. Dazu kommen andere Übungen, die nur von Mensch zu Mensch gegeben werden und auf den einzelnen Charakter zugeschnitten sind. Unerläßlich ist es aber, das 13. Kapitel des Johannes-Evangeliums zu erleben, so zu erleben, wie ich es jetzt schildern will. Der Lehrer sagt zum Schüler: Du mußt ganz bestimmte Gefühle in dir ausbilden. Stelle dir vor: Die Pflanze wächst heraus aus dem Erdboden. Sie ist höher als der mineralische Erdboden, aus dem sie herauswächst, aber sie braucht ihn. Sie, das Höhere, könnte nicht sein ohne das Niedere. Und wenn die Pflanze denken könnte, so müßte sie zur Erde sagen: Zwar bin ich höher als du, doch ohne dich kann ich nicht sein — und dankbar müßte sie sich zu ihr hinneigen. Ebenso müßte es das Tier der Pflanze gegenüber tun, denn ohne Pflanze könnte es nicht sein, und ebenso der Mensch dem Tier gegenüber. Und wenn der Mensch höher gestiegen sein wird, dann muß er sich sagen: Niemals könnte ich auf meiner Stufe stehen ohne die niedere. Dankbar muß er sich neigen gegen sie, denn sie hat es ihm möglich gemacht, daß er bestehen kann. Kein Wesen auf der Welt könnte bestehen ohne das Niedere, dem es dankbar sein müßte. So auch konnte der Christus, das Höchste, nicht bestehen ohne die Zwölfe, und gewaltig ist das Gefühl des sich dankbar zu ihnen Hinneigens dargestellt im 13. Kapitel des Johannes-Evangeliums: Er, der Höchste, wäscht seinen Jüngern die Füße [Fußwaschung].

William-Adolphe Bouguereau (1825-1905) - Die Geißelung unseres Herrn Jesus Christus (1880)

Wenn man sich dies als Grundgefühl in der Menschenseele erwachend denkt, wenn der Schüler wochen- und monatelang in Betrachtungen und Kontemplationen lebt, die ihm dieses Grundgefühl in der Seele vertiefen, wie dankbar das Höhere herunterschauen soll zum Niederen, das es ihm möglich macht zu leben, dann erweckt man ein erstes Grundgefühl, und man hat es genügend durchkostet in dem Moment, wo gewisse Symptome auftreten: ein äußeres Symptom und eine innere Vision. Das äußere Symptom ist, daß der Mensch seine Füße wie von Wasser umspült fühlt; in einer inneren Vision sieht er sich selbst als Christus den Zwölfen die Füße waschen. Das ist die erste Stufe, die der Fußwaschung. Das ist nicht nur ein historisches Ereignis; ein jeder kann es erleben, das Ereignis des 13. Kapitels des Johannes-Evangeliums. Es ist ein äußerer symptomatischer Ausdruck dafür, daß der Mensch in seiner Gefühlswelt so weit hinaufgestiegen ist, um das erleben zu können, und er kann nicht in seiner Gefühlswelt so weit hinaufsteigen, ohne daß dieses Symptom auftritt.

Tizian, Dornenkrönung, 1542

Die zweite Stufe, die Geißelung, macht man durch, wenn man sich in folgendes vertieft: Wie wird es dir ergehen, wenn von allen Seiten die Schmerzen und Geißelhiebe des Lebens auf dich einstürmen? Aufrecht sollst du stehen, stärken sollst du dich gegen alles, was das Leben an Leiden bietet, und ertragen sollst du es. — Das ist das zweite Grundgefühl, das durchgemacht werden muß. Das äußere Gefühl dafür ist ein Jucken und Zucken an allen Stellen des äußeren Leibes, und ein mehr innerer Ausdruck ist eine Vision, in der man sich selbst gegeißelt sieht, zuerst im Traum, dann visionär.

Dann kommt das dritte, das ist die Dornenkrönung. Da muß man wochen- und monatelang die Empfindung durchmachen: Wie wird es dir ergehen, wenn du nicht nur die Leiden und Schmerzen des Lebens durchmachen sollst, sondern wenn sogar das Heiligste, deine geistige Wesenheit, dir mit Spott und Hohn übergossen wird? — Und wieder darf es kein Klagen sein, sondern klar muß es dem Schüler sein, daß er trotzdem aufrecht stehen muß. Seine innere Stärke-Entwickelung muß es ihm möglich machen, daß er trotz Hohn und Spott aufrecht steht. Was auch immer seine Seele zu vernichten droht, er steht aufrecht! Dann sieht er in einer inneren astralen Vision sich selbst mit der Dornenkrone und empfindet einen äußeren Schmerz am Kopfe. Das ist das Symptom, daß er weit genug in seiner Gefühlswelt vorgeschritten ist, um diese Erfahrungen machen zu dürfen.

Mattias Grünewald, Kreuzigung (Isenheimer Altar)

Das vierte ist die Kreuzigung. Da muß der Schüler wieder ein ganz bestimmtes Gefühl in sich entwickeln. Heute identifiziert der Mensch seinen Leib mit seinem Ich. Wer die christliche Einweihung durchmachen will, muß sich gewöhnen, seinen Leib so durch die Welt zu tragen, wie man einen fremden Gegenstand, etwa einen Tisch, trägt. Fremd muß ihm sein Leib werden. Wie ein Fremdes trägt er ihn zur Tür hinein, zur Tür hinaus. Wenn der Mensch in diesem Grundgefühl genügend weit vorgeschritten ist, zeigt sich ihm das, was man die Blutsprobe nennt. Gewisse Rötungen der Haut an bestimmten Stellen treten so auf, daß der Mensch die Wundmale Christi hervorrufen kann, an den Händen, den Füßen und an der rechten Seite der Brust. Wenn der Mensch durch die Wärme des Gefühls imstande ist, die Blutprobe in sich zu entwickeln, was das äußere Symptom ist, dann tritt auch das Innere, Astrale ein, daß der Mensch sich selbst gekreuzigt sieht.

Peter Paul Rubens, Die Auferstehung Christi

Das fünfte ist der mystische Tod. Der Mensch schwingt sich immer mehr und mehr hinauf zu der Empfindung: Ich gehöre in die ganze Welt hinein. Ich bin so wenig ein selbständiges Wesen wie der Finger an meiner Hand. — Eingebettet fühlt er sich in die ganze übrige Welt, wie zu ihr gehörig. Dann erlebt er, als ob alles um ihn herum sich verdüstere, als ob eine schwarze Finsternis ihn einhülle, wie ein Vorhang, der sich um ihn verdichtet. Während dieser Zeit lernt der christlich Einzuweihende alles Leid und alle Schmerzen, alles Böse und alles Unheil, das der Kreatur anhaftet, kennen. Das ist das Hinabsteigen in die Hölle; das muß jeder erleben. Dann tritt etwas ein, wie wenn der Vorhang risse, und der Mensch sieht dann hinein in die geistigen Welten. Das nennt man das Zerreißen des Vorhangs.

Das sechste ist die Grablegung und Auferstehung. Wenn der Mensch so weit ist, muß er sagen können: Ich habe mich schon daran gewöhnt, meinen Leib als ein Fremdes anzusehen, aber jetzt betrachte ich alles auf der Welt als mir so nahestehend wie meinen eigenen Leib, der ja nur aus diesen Stoffen genommen ist. Eine jede Blume, ein jeder Stein steht mir so nahe wie mein Leib. — Dann ist der Mensch in dem Erdenplaneten begraben. Notwendig verbunden ist diese Stufe mit einem neuen Leben, mit dem Sich-vereinigt-Fühlen mit der tiefsten Seele des Planeten, mit der Christus-Seele, die da sagt: Die mein Brot essen, die treten mich mit Füßen.

Das siebente, die Himmelfahrt, läßt sich nicht beschreiben. Man muß eine Seele haben, die nicht mehr darauf angewiesen ist, durch das Instrument des Gehirns zu denken. Um das zu empfinden, was der Betreffende als das, was man Himmelfahrt nennt, durchmacht, muß man eine Seele haben, die dieses Gefühl erleben kann.

Das Durchgehen durch demütig hingebungsvolle Zustände stellt das Wesen der christlichen Einweihung dar. Wer sie so ernsthaftig durchgeht, der erlebt seine Auferstehung in den geistigen Welten. Nicht jeder kann das heute durchführen. Daher ist es notwendig, daß eine andere Methode besteht, die zu den höheren "Welten hinaufführt. Das ist die rosenkreuzerische Methode." (Lit.: GA 99, S. 152)

Ähnlich schildert Rudolf Steiner den christlichen Einweihungsweg in seinen Vorträgen über das Johannesevangelium:

„Diese Einweihungsmethode arbeitet ausschließlich mit dem Gefühle, und zwar werde ich Ihnen sieben Gefühlserlebnisse anzugeben haben, sieben Gefühlsstufen, durch deren Durchleben der astralische Leib wirklich so beeinflußt wird, daß er seine Organe während der Nacht entwickelt. Wollen wir uns einmal klarmachen, wie der christliche Schüler leben muß, damit er diese Stufen durchmacht.

Die erste Stufe ist das, was man nennt die «Fußwaschung ». Da wird dem Schüler von dem Lehrer gesagt: Sieh dir an die Pflanze. Sie wurzelt im Boden; der mineralische Boden ist ein niedrigeres Wesen als die Pflanze. Wenn sich die Pflanze ihr Wesen vorhalten könnte, müßte sie zum Boden sagen: Zwar bin ich das höhere Wesen, aber ohne daß du bist, könnte ich nicht bestehen; denn aus dir, Boden, ziehe ich meine Nahrung zum größten Teile. Und könnte die Pflanze das in Gefühle umsetzen, so müßte sie sich herunterneigen zum Steine und sagen: Zu dir neige ich mich, du niedrigeres Wesen, Stein, denn dir verdanke ich mein Dasein. - Und wenn wir zum Tier hinaufsteigen, so müßte in ähnlicher Weise das Tier sich zur Pflanze verhalten und sagen: Zwar bin ich höher als die Pflanze, aber dem niederen Reiche verdanke ich mein Dasein. - Und wenn wir in dieser Weise weiter hinaufsteigen und zum Menschen kommen, so müßte jeder, der etwas höher steht auf der sozialen Stufenleiter, sich zu der niedrigeren Stufe herunterneigen und sagen: Der niedrigeren Stufe verdanke ich mein Dasein! - Und so geht das hinauf bis zu dem Christus Jesus. Die Zwölf, die ihn umgeben, sind eine Stufe niedriger als er; aber wie die Pflanze sich aus dem Stein herausentwickelt, so wächst der Christus Jesus heraus aus den Zwölfen. Er neigt sich herunter zu den Zwölfen und sagt: Euch verdanke ich mein Dasein.

Wenn der Lehrer dem Schüler das erklärt hatte, dann sagte er ihm: Wochenlang mußt du dich diesem kosmischen Gefühle hingeben, wie das Höhere sich dem Niederen neigen muß; und wenn du das gründlich in dir ausgebildet hast, dann erlebst du ein inneres und ein äußeres Symptom. - Diese sind aber nicht das Wesentliche, sondern zeigen nur an, daß der Betreflende genügend geübt hatte. Wenn so der physische Leib genug beeinflußt war von der Seele, zeigte sich ihm dies in dem äußeren Symptom, daß er ein Gefühl hatte, wie wenn Wasser seine Füße umspülte. Das ist ganz reales Gefühl. Und ein anderes reales Gefühl ist, daß er in einer gewaltigen Vision im Astralen wie vor sich hat die Fußwaschung, das Herunterneigen des höheren Selbstes zu dem niederen Selbste. Da erlebt der Mensch im Astralen das, was man im Johannes-Evangelium als historische Tatsache geschildert findet.

Die zweite Stufe besteht darin, daß dem Schüler gesagt wird: Du mußt in dir noch ein anderes Gefühl entwickeln. Du mußt dir vorstellen, wie es wäre, wenn alle möglichen Schmerzen und Leiden der Welt herantreten an dich, - empfinden, wie es wäre, wenn du ausgesetzt wärest dem Ansturm aller möglichen Hindernisse, und du mußt dich in das Gefühl versetzen, daß du aufrecht stehen mußt, wenn auch alles Elend der Welt an dich herankommt! Dann gibt es, wenn der Schüler das genügend geübt hat, wieder zwei Symptome: Das eine ist ein Gefühl, wie wenn er geschlagen würde von allen Seiten, und als zweites hat er in einer astralen Vision die «Geißelung» vor sich. - Ich erzähle etwas, was Hunderte von Menschen erlebt haben, wodurch sie die Fähigkeit erlangt haben, hinaufzusteigen in die geistigen Welten.

Als Drittes hatte der Schüler sich vorzustellen, daß das Heiligste, was er hat, wofür er mit dem ganzen Ich eintritt, mit Spott und Hohn übergössen wird. Da mußte er sich sagen: Ich muß, was auch kommen mag, aufrecht stehen und für das, was mir heilig ist, eintreten! - Wenn er sich darin eingelebt hatte, hatte er etwas wie Stiche im Kopf, und als astrale Vision erlebte er die «Dornenkrönung». Wieder muß gesagt werden: Nicht auf die Symptome kommt es an, aber sie treten ein als Folge der Übungen. Und es wird auch dafür gesorgt, daß von Suggestion und Autosuggestion gar nicht die Rede sein kann. Das Vierte ist das, daß dem Schüler sein Leib, den er hat, in seinem Gefühl so fremd werden muß wie ein äußerer Gegenstand, zum Beispiel ein Stück Holz, und daß er nicht zu seinem Leibe «Ich» sagt. Das muß ihm so zum Gefühl werden, daß er sagt: Ich trage meinen Leib mit mir herum, wie ich meinen Rock mit mir herumtrage! Er verbindet sein Ich nicht mehr mit seinem Leibe. Dann tritt etwas ein, was man nennt die «Blutsprobe». Was in vielen Fällen ein krankhafter Zustand sein kann, ist in diesem Falle, weil alles Krankhafte ausgeschaltet sein muß, eine Folge der Meditation. An den Füßen, an den Händen und an der rechten Seite der Brust zeigen sich die sogenannten Blutsmale; und als inneres Symptom sieht er in einer astralen Vision die «Kreuzigung».

Nur kurz können wir die fünfte, sechste und siebente Gefühlsstufe schildern.

Die fünfte Stufe besteht in dem, was man nennt den «mystischen Tod». Durch die Gefühle, die man den Schüler auf dieser Stufe erleben läßt, erlebt er etwas, was sich ihm so darstellt, als ob sich in einem Augenblick vor alles physisch Sichtbare ein schwarzer Vorhang stellt und als ob alles verschwände. Dieser Moment ist noch durch etwas anderes wichtig, was man erlebt haben muß, wenn man wirklich zur christlichen Einweihung im wahren Sinne des Wortes dringen will. Man erlebt dann, daß man hinuntertauchen kann in die Urgründe des Bösen, des Schmerzes, des Kummers und Leides. Und alles, was an Bösem auf dem Grunde der Menschenseele lebt, kann man auskosten, wenn man hinuntersteigt in die Hölle. Das ist das «Niedersteigen in die Hölle». Hat man das erlebt, dann ist es, wie wenn der schwarze Vorhang zerreißt - und man sieht hinein in die geistige Welt.

Das Sechste ist das, was man die «Grablegung und Auferstehung» nennt. Das ist die Stufe, wo der Schüler sich eins fühlt mit dem ganzen Erdenleib; wie hineingelegt und zusammengehörig mit dem ganzen Erdenplaneten fühlt er sich. Sein Leben hat sich erweitert zu planetarischem Leben.

Das siebente Gefühl kann man mit Worten nicht schildern. Nur der könnte es schildern, der imstande wäre, zu denken ohne das Instrument des physischen Gehirnes; und für das gibt es keine Sprache, weil unsere Sprache nur Bezeichnungen hat für den physischen Plan. Daher kann nur hingewiesen werden auf diese Stufe. Sie übersteigt alles, wovon sich der Mensch sonst eine Vorstellung macht. Man nennt sie die «Himmelfahrt» oder die völlige Aufnahme in die geistige Welt.

Da schließt die Skala der Gefühle ab, in die sich der Schüler während des Tagwachens in völliger innerer Sammlung versetzen muß. Wenn sich der Schüler diesen Erlebnissen hingegeben hat, dann wirken sie so stark auf den Astralleib, daß sich in der Nacht die inneren Wahrnehmungsorgane ausbilden, sich plastisch gestalten. - In der Rosenkreuzer- Einweihung wird nicht diese siebengliedrige Gefühlsskala durchgemacht, aber es ist dieselbe Wirkung da, die wir eben besprochen haben.“ (Lit.:GA 103, S. 190ff)

Der christliche Einweihungsweg und die neun Schichten des Erdinneren

Rudolf Steiner hat darauf hingewiesen, dass sich die ersten 7 Schichten des Erdinneren dem geistigen Blick eröffnen, wenn man die 7 Stufen des christlichen Einweihungsweges durchschreitet, durch den man alles das erkennen kann, was mit den Verfehlungen der Empfindungsseele und der Verstandesseele zusammenhängt. Damit korrespondieren die 7 oberen Schichten des Erdinneren. Nicht erreicht man auf diesem Weg das eigentlich Böse, das mit der Bewusstseinsseele zusammenhängt. Dazu sind zwei weitere Schritte nötig. Auf der siebten Stufe kann man allerdings auch bis zu einem gewissen Grad in die achte Schicht eindringen, die von Steiner auch als Zersplitterer bzw. als die Kainsschicht bezeichnet wird, in der alle moralischen Qualitäten in ihr Gegenteil verkehrt werden. Erst durch die Bewusstseinsseele kann der Mensch aus eigenem Entschluss böse werden – bis dahin ist er Opfer der luziferischen und ahrimanischen Verführer. Im Ausgleich dazu wird der Mensch aber auch erst durch die Bewusstseinsseele fähig, selbsttätig Moral zu schaffen. Rudolf Steiner hat mit seinem in der Philosophie der Freiheit geprägten Begriff der moralischen Intuition darauf hingewiesen. Erst mit dem Bewusstseinsseelenzeitalter, in dem wir heute stehen, eröffnet sich dem Menschen die zweifache Perspektive: entweder Ahriman in sich aufzunehmen – wodurch es zur Inkarnation Ahrimans kommt - und sich ganz mit der Erdenschlacke zu verbinden – oder das Ich mit dem Christus zu erfüllen im Sinne des Paulus-Wortes "Nicht ich, sondern der Christus in mir!"

Dante hat in seiner Göttlichen Komödie in den 34 Gesängen des Inferno auf poetische Weise eine ausführliche imaginative Schilderung der neun Kreise der Hölle gegeben, die den neun Schichten des Erdinneren entsprechen.

Die Schichten des Unterirdischen, der Unterwelt, entsprechen in gewisser Weise auch den höheren, überirdischen Welten. Die neun Schichten des Erdinneren sind natürlich – abgesehen bis zu einem gewissen Grad von der obersten Schicht – nicht als physische Strukturen aufzufassen, sondern stellen seelische bzw. geistige Schichtungen unserer Erde dar.

Die sieben Stufen, die im christlichen Schulungsweg bildhaft, aber bis hin zu körperlich sichtbaren Folgen durchgemacht werden, hat der Christus ganz real in seinem Erdenleben durchlitten und sich dadurch schrittweise mit der ganzen Erde bis in ihre innersten Tiefen verbunden. Er vollendet dadurch seinen Abstieg aus den höheren Welten herab in die Erdensphäre, die dadurch durchchristet wird. Mit dieser durchchristeten Erde verbindet sich der Mensch nach und nach, wenn er den christlichen Schulungsweg geht.

 
Höhere Welten (überirdisch)
Erdinneres (unterirdisch)
Schulungsweg
1
physisch-ätherische Welt
      Physische Welt
      Ätherwelt
 
 
Fußwaschung
2
Geißelung
3
Astralwelt
Dornenkrönung
 
4
Rupa-Devachan
     Kontinentalgebiet
     Urbilder des Lebendigen
     Urbilder des Seelischen
     Urbildliche Gedanken
 
 
Kreuzigung
5
Wucherndes Leben (Fruchterde)
Mystischer Tod
6
Feuererde (Wille und Empfindung)
Grablegung
7
 
Auferstehung, Himmelfahrt
 
8
Arupa-Devachan
     Keimpunkte des Seelischen
     Keimpunkte des Lebendigen
     Keimpunkte des Physischen
 
9


"Heute möchte ich noch über die christliche Einweihung und über das Erdinnere sprechen. Zu berücksichtigen ist dabei, daß die christliche Einweihung von allen durchgemacht wurde, die das Christentum aus einer okkulten Tiefe heraus lehren sollten, zum Beispiel auch von den Priestern der ersten christlichen Jahrhunderte. Diese Einweihungen haben sich noch lange erhalten, sind aber allmählich etwas verändert worden, und nur in bestimmten engen Kreisen wurden diese strengen Übungen noch durchgemacht. Man glaube nicht, daß die Strenge dieser Übungen jedem zugemutet werden kann, aber wer sich ihnen unterwirft, wird auch zu einer hohen Stufe der Erkenntnis auf christlichem Wege gelangen. Christus ist in dieser Hinsicht gleichsam der Urguru für alle christlichen Schüler auf diesem Wege. Angelus Silesius sagt einmal:

Wird Christus tausendmal in Bethlehem geboren
Und nicht in dir: du bleibst noch ewiglich verloren.

So etwas entstammt inneren Erlebnissen. Ähnlich auch im Johannes-Evangelium, wo es heißt: «Aber Jesus ging zum Tempel hinaus.» Das ist ein astralisches Erlebnis und bedeutet das Heraustreten des Astralleibes aus dem physischen. Ein Ersatz für den strengen Guru des Orients ist in der christlichen Einweihung die Forderung der christlichen Demut, des Sich-Fügens nicht unter einen einzelnen Menschen, sondern unter den Christus Jesus.

Die erste Stufe ist die Fußwaschung. Man kommt zu ihr, indem man monatelang in folgenden Vorstellungen zu leben versucht: Die Pflanze kann nicht leben ohne das unter ihr stehende Mineralreich. Könnte sie sprechen, sie müßte sagen: Du Steinreich, du bist zwar niedriger als ich, aber dir verdanke ich mein höheres Dasein. Und wenn der Mensch sich im Leben umsieht, so muß er sich eingestehen: Habe ich es im Geistigen weit gebracht, so müssen dafür andere für mich arbeiten. Wir müssen uns deshalb in Demut und Dankbarkeit zu denen hinunterneigen, die unter uns stehen. «Wer da will der Erste sein, der wird der Letzte sein im Himmelreich», lautet ein Wort des Evangeliums. Diese Übung führt schließlich zum inneren Bilde der Fußwaschung. Christus wäscht den Aposteln die Füße, um ihnen den Tribut seines Dankes darzubringen. Wer in diesen Demutsvorstellungen lebt, der merkt, daß ihm in Form eines Astraltraumes das Bild der Fußwaschung erscheint. Dadurch wird das im Johannes-Evangelium Geschilderte zum Eigenerlebnis.

Dann kann man zur zweiten Stufe übergehen. Der Schüler muß im Leben unbedingt alle Leiden und alle Hindernisse aufrecht ertragen lernen und ruhig bleiben, auch wenn alles auf ihn einstürmt. Und wieder tritt dann im Traume auf dem astralen Plane ein Bild auf, das der Geißelung. Nicht nur schaut der Schüler das Bild, sondern er fühlt am ganzen Körper brennende Schmerzen, sogar an den Nägeln und an den Haaren.

Wenn dies sich eingestellt hat, geht man zur dritten Stufe über. Hier muß der Schüler nicht nur Schmerzen ertragen, sondern er muß in die Lage kommen, daß er Hohn und Spott ruhig über sich ergehen läßt. Als Traumerlebnis zeigt sich die Dornenkrönung mit einem eigentümlichen, vorübergehenden Kopfschmerz.

Zur vierten Stufe zu gelangen ist sehr schwer. Der Geheimschüler muß ein Gefühl dafür ausbilden, daß der eigene Leib für ihn genau denselben Wert hat wie die Dinge um ihn herum, er muß ihn als etwas Fremdes betrachten lernen, er muß dazu gelangen, zu empfinden: Nicht ich gehe hin, sondern ich trage meinen Leib dahin. Der Schüler lebt dann nicht mehr in seinem Leibe, sondern er trägt ihn wie einen Gegenstand, wie das Kreuzesholz. Diese Übungen führen zu der Vision, daß sich der Schüler selbst gekreuzigt sieht. Und äußerlich sogar offenbart sich diese Einweihungsstufe, indem sich die sogenannten Blutsmale einstellen. Der Schüler erhält dann, entsprechend den Wundmalen der Kreuzigung, an den betreffenden Stellen seines Leibes richtige Stigmata, die sich vorübergehend zeigen können. Diese inneren und äußeren Erlebnisse stellen sich ein nach entsprechender Versenkung.

Die fünfte Stufe ist der mystische Tod. Jetzt wird der Schüler auf dem Astralplan wirklich hellsehend. Das andere waren Symptome des Anfangs. Der Schüler macht einen Augenblick ein Erlebnis durch, wie wenn alles verschwinden würde, wie wenn er dem Nichts gegenüberstünde. Diese Finsternis ist das Gegenbild der allgemeinen Finsternis, die bei Christi Tod über das ganze Land hereinbrach. Dann spaltet sich die Finsternis; das ist das Zerreißen des Vorhanges im Tempel und das Durchgehen Christi durch die Hölle. Auch das wird auf dieser Stufe durchgemacht. Wer nicht bis dahin vordringt, weiß noch nicht wirklich, was das Böse ist. Der Schüler der fünften Stufe steigt hinunter in diese Tiefen des Daseins. Das ist das Hinabsteigen in die Hölle.

Mit der sechsten Stufe, der Grablegung, empfindet er die gesamte Erde als seinen Leib, und seinen eigenen Leib als ein Stück von ihr. Er wird mit dem ganzen Erdenplaneten eine Einheit. Der Schüler ist dann wie hineingelegt in den ganzen Erdenplaneten, zugedeckt und darin begraben, er wird selbst nun eins mit dem planetarischen Geist.

Die siebente Stufe, die Auferstehung, kann nicht weiter geschildert werden, denn alles, was sie an Größe und Erhabenheit bedeutet, kann keine Seele, die mit ihrem Denken noch an das Gehirn gebunden ist, begreifen. Macht der Geheimschüler diese sieben Stufen durch, dann wird das Christentum in ihm lebendig. Er erlebt das Johannes-Evangelium als Wirklichkeit.

Zum Abschluß soll noch von der Gestaltung des Inneren der Erde gesprochen werden. Diese Erforschung des Erdinnern hängt nämlich mit den christlichen Einweihungsstufen zusammen. Man kann gerade durch die christliche Einweihung einen wahren Begriff von den inneren Zuständen der Erde bekommen.

Vom okkulten Standpunkt aus besteht ein Zusammenhang zwischen Menschenleben, Erdschichten, Erdbeben und Vulkanausbrüchen und so weiter. Es stehen noch gewaltige Veränderungen in dieser Richtung bevor. Die Ansicht der Naturwissenschaft, das Erdinnere sei glutflüssig, ist nicht richtig. Die bestimmte Substanz, die Sie aus der äußeren Anschauung kennen, weil Sie darauf treten, das ist die äußerste, physisch-substantielle Schicht der Erde. Man nennt sie die mineralische Erde. Die Naturwissenschaft kommt nicht einmal bis zur Mitte dieser Schicht. Jedes Erlebnis der christlichen Einweihung führt nun zum Eindringen in eine bestimmte Schicht des Erdinnern. Der dritte Einweihungsgrad läßt zum Beispiel ein Eindringen in die dritte, der siebente in die siebente Schicht zu und so weiter.

Was in der zweiten Schicht ist, läßt sich mit keinem chemischen Stoff der obersten Schicht vergleichen, das ist schon eine ganz andere Materie. Die physische Wärme nimmt nur in der ersten Schicht zu. Die Substanz der zweiten Schicht hat Eigenschaften, die bewirken, daß, wenn etwas Lebendes damit in Verbindung gebracht würde, dieses Leben in dieser Substanz sofort getötet werden würde. Jede Pflanze würde in ihr sofort mineralisch, das Leben würde aus ihr herausgetrieben. Man nennt diese Schicht auch die lebenzerstörende.

Die dritte Schicht ist eine Substanz, welche die seelische Empfindung in ihr Gegenteil umwandelt. Sie verwandelt Freude in Schmerz, und Schmerz in Lust. Sie reagiert auf die Gefühle der Lebewesen, sie hat als Materie diese Eigenschaft und heißt die Empfindungsschicht.

Die vierte Schicht entspricht in gewissem Sinn dem ersten Gebiet des Devachan, denn auch dort erscheinen die physischen Dinge in ihrem Negativ. Im Devachan ist es so, daß anstelle des physischen Dinges eine Art von Aura da ist, ein Negativ, ein Hohlraum-Lichtbild, in welchem drinnen nichts zu sehen ist, und das von innen heraus einen gewissen Ton von sich gibt. Die vierte Schicht des Erdinnern hingegen ist substantiell das, was den Erdendingen Form gibt. Es sind dort gleichsam die umgekehrten Formen; es läßt sich das vergleichen mit Petschaft und Siegelabdruck. Diese vierte Schicht wird deshalb die Formschicht genannt.

Die fünfte Schicht ist voll wuchernden Lebens. Hier ist das Leben nicht in die Form eingeschränkt.

Die sechste Schicht, die Wasserschicht, ist substantiell eindrucksfähig und besteht ganz aus Wille und Empfindung. Sie antwortet auf Willensimpulse, sie schreit gleichsam, wenn sie gepreßt wird. Weil dieses innere Leben mit dem Feuer zu vergleichen ist, nennt man diese Schicht die Feuererde.

Die siebente Erdschicht wird dann in der siebenten Einweihungsstufe erreicht. Wie das Auge auf gewisse Einwirkungen Gegenwirkungen in sich hervorbringt, so ist es auch in der siebenten Schicht. Ihre Substanz verwandelt alle Eigenschaften in ihr Gegenteil, indem sie sie umkehrt. Deshalb heißt diese Schicht «der Erdenreflektor».

Die achte Schicht, die ebenfalls auf der siebenten Einweihungsstufe wahrnehmbar wird, hat nicht bloß irgendwelche physische Eigenschaften, sondern auch moralische, sie verwandelt alle moralischen Eigenschaften, welche die Menschen entwickeln, in ihr Gegenteil. Alles, was auf Erden verbunden ist, das wird dort getrennt und zerstreut. Alle moralischen Gefühle, wie Liebe, Mitleid, sind dort in ihr Gegenteil verwandelt, in Härte, Brutalität und so weiter. Man nennt diese Schicht den Zersplitterer.

Die neunte Schicht ist das Erdgehirn. Dort wirkt das Böse magisch. Schwarzmagische Kunst steht damit in Verbindung. Der weiße Pfad wird dort schwarz.

Es ist viel schwieriger, das Erdinnere zu erforschen, als den Astral- und Devachanplan. Diese Erforschung gehört wirklich zum Allerschwierigsten. Was Sinnett in seinem Buch: «Esoterischer Buddhismus» über das Erdinnere sagt, ist nicht richtig. Statt daß er selbst als Hellseher forschte, gebrauchte er ein Medium. Nur in der eigentlichen Rosenkreuzerschule vermag man vom Erdinnern zu sprechen. Und in den besten Zeiten des Christentums hat man das Erdinnere ähnlich betrachtet. Die nordischen Mysterien, die Trotten- und Druidenmysterien haben auch ziemlich ausführlich davon gesprochen. In poetischer Weise spricht auch Dante in seiner «Göttlichen Komödie» vom neunteiligen Erdinnern. Die achte Schicht finden Sie dort als Kainsschicht, weil durch Kain das Böse, das Zersplitternde in die Welt gekommen ist." (Lit.: GA 094, S. 177ff)

Seelenübungen zur christlich-gnostischen Einweihung

I. Morgens früh, gleich nach dem Erwachen, wenn noch keine anderen Eindrücke durch die Seele gezogen sind, sucht man das Bewußtsein ganz frei zu machen von allen Erinnerungen an das alltägliche Leben, man sucht die Aufmerksamkeit abzulenken von allen äußeren Wahrnehmungen. Dann, wenn man diese innere Stille errungen hat, läßt man allein in der Seele leben:

Die fünf ersten Verse des Johannesevangeliums.


II. Dann folgt in den ersten vierzehn Tagen jeden Tag der Versuch, sich sein eigenes ganzes vergangenes Leben vor die Seele zu führen, um sich auf diese Weise ganz selbst kennen zu lernen.

Nach diesen vierzehn Tagen macht man das ganze Johannesevangelium durch, so daß man 7 Tage lang jeden Tag ganz in einem Kapitel lebt.

Also in den ersten 7 Tagen: 1. Kap. von Satz 6 bis zu Ende
" " zweiten 7 Tagen: 2. Kap. u.s.w.

Ist man am 13. Kapitel angekommen, dann versucht man bei der

Fußwaschung das Gefühl zu durchleben, wie ein jedes höhere Wesen sein Dasein den niederen verdankt, zu ihnen sich in Demut also neigen muß.

Geißelung das Gefühl, daß man aufrecht stehen könne den Geißelungen des Lebens gegenüber, d. h. allen Leiden und Schmerzen gegenüber.

Dornenkrönung das Gefühl, daß man aufrecht stehen muß, selbst allem Hohn und Spott gegenüber.

Kreuzigung das Gefühl, daß einem der eigene Leib etwas fremdes ist, das man trägt und an das man von außen gebunden ist.

Mystischer Tod: Man erlebt den Vorhang, der noch die geistige Welt verdeckt, aber dann auch wie er zerreißt und man in die geistige Welt hineinblickt. Dabei lernt man die Gründe des Bösen schauen und der Übel: Hinabsteigen in die Hölle.

Grablegung: Man fühlt sich Eins mit allen Wesen der Erde, mit der Erde selbst. Man ist in diese versenkt.

Auferstehung: Kann nur erlebt werden, weil die Worte der gewöhnlichen Sprache nicht ausreichen, dies zu schildern.

III. Dann ruft man sich die Gestalt des Christus Jesus vor die Seele und geht über zu der Vorstellung, in die man sich lange versenkt:

Ich, in Deinem Geiste.

Abends: Rückblick auf das ganze Tagesleben.


I und III sind an allen Tagen gleich; nur II wechselt nach je 7 Tagen, wie beschrieben ist.

Nach Vollendung des Turnus II beginnt man wieder von vorne und so immer fort.

Nach längerer Zeit kann man die bei Beschreibung der christlichen Entwickelung angegebenen inneren und äußeren Symptome erleben:

Äußerlich:

Man fühlt die Füße wie von Wasser umgeben.

Man verspürt brennendes etc. Gefühl auf der ganzen Haut.

Die Wundmalstellen röten sich während der Meditation.

Innerlich:

Man erlebt die Vision, als ob man selbst die Fußwaschung vollzöge.

Man sieht sich gegeißelt.

Man sieht sich mit der Dornenkrone.

Man sieht sich gekreuzigt.

(Lit.: GA 267, S. 262ff)

Sihe auch

Anmerkungen

  1. 1,0 1,1 In manchen Vorträgen wird die Auferstehung nicht als 6., sondern als 7. Stufe genannt, wobei dann die Himmelfahrt nicht erwähnt wird.

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Kosmogonie, GA 94 (2001) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Das christliche Mysterium, GA 97 (1998) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Die Theosophie des Rosenkreuzers, GA 99 (1985) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Das Johannes-Evangelium, GA 103 (1995), ISBN 3-7274-1030-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Seelenübungen, GA 267 (2001) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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