Christuskraft

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Die Christuskraft, die makrokosmische Kraft des Christus, die sich durch das Mysterium von Golgatha mit der Erde verbunden hat, ist kein Gegenstand des passiven Glaubens, sondern muss vom Menschen tätig ergriffen werden, wenn sie zur Wirkung kommen soll. So ist etwa die Unsterblichkeit der Seele keineswegs etwas, das dem Menschen von vornherein und unverlierbar geben ist, sondern etwas, das er sich aktiv erwerben und ebenso aktiv bewahren muss durch ein inneres Sich-Erarbeiten der Christuskraft.

"Der Mensch muß arbeiten an seiner Unsterblichkeit. Das ist dasjenige, was sich die meisten Menschen gern wegzaubern lassen mochten. Sie glauben, eine Erkenntnis kann einen nur etwas von dem lehren, was ja sowieso ist, kann einen höchstens lehren, der Mensch sei unsterblich. Es gibt solche, die sagen: Ja, hier lebe ich, wie eben das Leben hier es gibt; was nach dem Tode sein wird, das werde ich ja dann schon sehen.

Nichts wird er sehen, gar nichts wird er sehen! Denn das Argument ist ungefähr ebenso geistreich wie dasjenige der Anzengruberschen Persönlichkeit: So wahr ein Gott im Himmel ist, bin ich ein Atheist! - Von derselben Logik sind diese Dinge. Die Sache ist so, daß in bezug auf das Geistig-Seelische, indem wir es in unsere Erkenntnis hereinnehmen, wir den Geist reif machen, nach dem Tode nicht den entgegengesetzten Zustand von einem im Schwimmen Versinkenden, das heißt, von einem wesenlos Steigenden durchzumachen. Wir müssen arbeiten an unserer Wesenheit, damit sie in der richtigen Weise durch den Tod durchgehen kann. Und Aneignung geistiger Erkenntnis ist nicht bloß Aneignung einer abstrakten Erkenntnis, ist Durchdringung des Geistig-Seelischen des Menschen mit den Kräften, die den Tod besiegen.

Das ist im Grunde genommen in Wahrheit ja die christliche Lehre. Daher soll der Mensch nicht bloß, wie es ein neueres Bekenntnis durchaus will, den Glauben an Christus haben, sondern er soll das Pauluswort beherzigen: «Nicht ich, sondern der Christus in mir.» Die Kraft des Christus in mir, entwickelt muß sie werden wollen und ausgebildet muß sie werden! Der Glaube als solcher kann durchaus den Menschen nicht retten, sondern einzig und allein das innere Zusammenarbeiten mit dem Christus, das innere Sich-Erarbeiten der Christuskraft, die ja immer da ist, wenn man sie sich erarbeiten will, die aber erarbeitet werden muß. Initiative, Aktivität, das ist es, womit die Menschheit sich wird erfüllen müssen. Und einsehen wird sie müssen, daß der bloß passive Glaube den Menschen einfach zu leicht macht, so daß allmählich die Unsterblichkeit auf der Erde sterben würde. Das ist das Bestreben des Ahriman." (Lit.: GA 205, S. 186f)

Durch die Christus-Kraft werden die Imaginationen, die sich der Mensch aktiv und bewusst bildet, dem Kosmos einverwoben.

"Was der Mensch von der Kraft des bewußten Imaginierens erlebt, das wird zugleich Welt-Inhalt. Daß dies so sein kann, ist ein Ergebnis des Mysteriums von Golgatha. Christuskraft prägt die Menschen-Imagination dem Kosmos ein. Die Christuskraft, die mit der Erde verbunden ist. Solange sie nicht mit der Erde verbunden war, sondern von außen auf die Erde als Sonnenkraft wirkte, gingen alle Wachstums- und Lebens-Impuise in das Menschen-Innere. Der Mensch wurde durch sie aus dem Kosmos heraus gebildet und erhalten. Seit der Christus-Impuls mit der Erde lebt, wird der Mensch in seiner selbstbewußten Wesenheit dem Kosmos wieder zurückgegeben.

Der Mensch ist aus einem Weltenwesen ein Erdenwesen geworden; er ist dazu veranlagt, wieder ein Weltenwesen zu werden, nachdem er als Erdenwesen er selbst geworden ist." (Lit.: GA 026, S. 215f)

Die Christus-Kraft kann sich nur mit den kindlich gebliebenen Kräften in uns verbinden, die noch nicht vom luziferischen Einfluss verdorben sind:

"Der Mensch ist ein zweifaches Wesen. Was er bisher aber an Bewußtsein entwickelt hat, das ist ganz von dem Früheren durchdrungen, von den luziferischen Kräften. Nur das, worinnen Unbewußtes im Menschen waltet, ist dasjenige, was sozusagen wie ein letzter Rest aus der Entwickelung durch Saturn, Sonne und Mond, als noch keine luziferischen Kräfte vorhanden waren, heute als jungfräuliches Teil in den Menschen hineinströmt; aber das kann sich nicht mit dem Menschen verbinden ohne das, was der Mensch durch das Christus-Prinzip in sich ausbilden kann. So wie der Mensch heute vor uns steht, ist er zunächst ein Ergebnis der Vererbung, ein Zusammenfluß dessen, was aus den Keimen heraus stammt. Indem er so heranwächst, ist er von vornherein eine Zweiheit. Nur ist diese Zweiheit schon von luziferischen Kräften durchdrungen. Solange aber der Mensch noch nicht von Selbstbewußtsein durchleuchtet ist, solange er aus seinem eigenen Ich heraus noch nicht zwischen Gut und Böse voll unterscheiden kann, solange zeigt er uns durch den Schleier des Späteren hindurch seine frühere, seine ursprüngliche Natur. Nur das, was an dem heutigen Menschen kindlich ist, hat noch einen letzten Rest jener Wesenheit, die der Mensch gehabt hat, bevor er dem Einfluß der luziferischen Wesenheiten unterlegen ist.

Daher haben wir jetzt den Menschen so vor uns, daß wir einen «kindlichen» Teil und einen «erwachsenen» Teil haben. Der erwachsene Teil ist der von den luziferischen Kräften durchdrungene, aber er macht seinen Einfluß geltend von der allerersten Keimanlage an. Die luziferischen Kräfte durchdringen auch schon das Kind, so daß im gewöhnlichen Leben nicht das zum Vorschein kommen kann, was schon früher, vor dem luziferischen Einfluß, in den Menschen hineinversenkt worden ist. Das muß die Christus-Kraft wieder aufwecken. Die Christus- Kraft muß sich mit dem verbinden, was die besten Kräfte der kindlichen Natur im Menschen sind. Sie darf nicht an die Fähigkeiten anknüpfen, die der Mensch verdorben hat, an das, was aus der aus dem bloßen Intellekt geborenen Weisheit herstammt, sondern sie muß an das anknüpfen, was aus den alten Zeiten der kindlichen Natur geblieben ist." (Lit.: GA 114, S. 207f)

Weil der Christus eine makrososmische Wesenheit ist, die das vierte makrokosmische Prinzip - das makrokosmische Ich - entwickelt hat, wirkt er nicht bloß als Lehrer der Menschheit, sondern unmittelbar als kosmische Kraft.

"Es muß darauf hingewiesen werden, daß dieser Christus-Impuls reales Leben ist, das auf die Menschheit einströmt, daß Christus der Welt keine Lehre, keine Theorie gebracht hat, sondern den Impuls eines neuen Lebens. Fassen wir das einmal ernstlich ins Auge.

Der Mensch hat sich seit der Saturnzeit durch die Sonnen- und Mondenzeit in seinem physischen, ätherischen und astralen Leib entwickelt. Das Ich konnte erst auf der Erde in die genügend vorbereiteten Körper eintreten und sich dort weiter entfalten unter den fördernden Einflüssen des Christus-Impulses, weil Christus makrokosmisch das ist, was unser Ich mikrokosmisch ist und für uns Menschen bedeutet. Die vier Prinzipien des Makrokosmos stehen in vielfacher Beziehung zu unseren vier unteren Prinzipien, einschließlich des bedeutendsten derselben, des Ich. In unserer Zeitepoche leuchten auch schon die höheren menschlichen Prinzipien in unsere Entwickelung hinein. Lebensgeist, Geistselbst und Geistesmensch werden aus den höheren geistigen Welten durch die makrokosmischen Prinzipien in uns entwickelt, aber nicht durch das vierte makrokosmische Prinzip, sondern dadurch, daß Wesenheiten, die selbst für sich keine makrokosmische, sondern nur eine mikrokosmische Bedeutung haben, in der Menschheit förmlich als Lehrer wirken, da sie schon um eines oder mehrere Prinzipien weitergeschritten sind als die Menschen selbst. Dagegen ist Christus eine makrokosmische Wesenheit, die auf der vierten Stufe ihrer makrokosmischen Entwickelung steht, wie der Mensch mikrokosmisch auf der vierten Stufe.

So muß man also makrokosmische und mikrokosmische Prinzipien auseinanderhalten, aber sich darüber klar sein, daß die makrokosmischen ersten vier Prinzipien die mikrokosmischen Prinzipien höherer Art natürlich sämtlich in sich enthalten. Die mikrokosmischen Wesenheiten wirken also als Lehrer und suchen den Menschen vorwärts zu treiben durch ihre Lehre. Christus dagegen, der als makrokosmische Realität wirkt, ist kein Lehrer wie die andern Lehrer, sondern er hat sich mit der Erde als eine Realität, als Kraft, als Leben verbunden." (Lit.: GA 130, S. 150f)

"In vorchristlicher Zeit waltete im Menschen das Jehovaprinzip, das ihm seine Form verlieh, und das Luziferprinzip, das ihn individualisierte. Er war geteilt zwischen dem Gehorsam gegenüber dem Gesetz und der Auflehnung des Individuums. Doch das Christusprinzip kam, um zwischen den beiden das Gleichgewicht herzustellen, indem es lehrte, im Inneren des Individuums selbst das Gesetz zu finden, das zuerst von außen gegeben worden war. Das erklärt Paulus, der von der Freiheit und von der Liebe das christliche Prinzip recht eigentlich ableitet: das Gesetz hat den alten Bund regiert wie die Liebe den neuen. - Wir finden also beim Menschen drei Prinzipien, die untrennbar und zu seiner Entwickelung notwendig sind: Jehova, Luzifer, Christus.

Aber Christus Jesus ist nicht bloß ein unbestimmtes Prinzip in der Welt. Er ist ein Wesen, das nur einmal, in einem geschichtlich bestimmten Moment erschienen ist. In menschlicher Gestalt hat er durch sein Wort und Leben einen Zustand der Vollendung enthüllt, den alle Menschen am Ende der Zeiten durch ihren eigenen freien Willen erreichen werden. Er ist erschienen auf dem Höhepunkt einer furchtbaren Krise, als die herabsteigende Entwickelungslinie der Menschheit im Begriffe war, ihren tiefsten Punkt in der Materialisierung zu erreichen.

Sollte das Christus-Prinzip in den Menschen zur Erweckung kommen, war es notwendig, daß es auf der Erde in einem Menschen zur Erscheinung kam und daß der Christus gelebt hat. Das Karma und der Christus sind der Inbegriff der ganzen Evolution. Das Karma ist das Gesetz von Ursache und Wirkung in der geistigen Welt; es ist die Spirale der Entwickelung. Die Christus-Kraft schaltet sich in die Entwickelung dieser karmischen Linie als richtunggebende Achse ein. Diese Kraft findet sich seit der Ankunft des Christus auf der Erde im Grunde jeder menschlichen Seele. Aber wenn man im Karma nichts anderes sieht als eine dem Menschen auferlegte Notwendigkeit, sein Unrecht wieder gutzumachen und seine Irrtümer abzubüßen durch eine unversöhnliche Gerechtigkeit, die von einer Verkörperung zur anderen wirkt, so unterstützt man den gelegentlichen Einwand, daß das Karmagesetz die Erlöserrolle des Christus aufhebe. In Wirklichkeit ist das Karma auf der einen Seite eine Erlösung des Menschen durch sich selbst, durch sein eigenes Bemühen, durch seinen stufenweisen Aufstieg zur Freiheit im Laufe der Wiederverkörperungen, und anderseits dasjenige, was den Menschen dem Christus annähert. Denn die Christus-Kraft ist der Grundimpuls, der den Menschen in Freiheit zur Umwandlung des unversöhnlichen Gesetzes führt, und die Quelle dieses Impulses ist die Person und das Beispiel des Christus Jesus. Nicht mehr ist es nötig, im Karma ein Verhängnis zu sehen; vielmehr ist es als das notwendige Mittel zu verstehen, um die höchste Freiheit, das Leben in Christus, zu erreichen - eine Freiheit, die man nicht erreicht, indem man der Ordnung der Dinge mißtraut, sondern indem man sie begreift. Das Karma hebt weder die Gnade noch den Christus auf, es findet sie im Gegenteil der ganzen Evolution zugeordnet." (Lit.: GA 094, S. 115f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Anthroposophische Leitsätze, GA 26 (1998), ISBN 3-7274-0260-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Kosmogonie, GA 94 (2001), ISBN 3-7274-0940-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Das Lukas-Evangelium, GA 114 (2001), ISBN 3-7274-1140-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Das esoterische Christentum und die geistige Führung der Menschheit, GA 130 (1995), ISBN 3-7274-1300-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Menschenwerden, Weltenseele und Weltengeist – Erster Teil, GA 205 (1987), ISBN 3-7274-2050-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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