Déjà-vu

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Als Déjà-vu ([deʒaˈvy] frz. schon gesehen, Déjà-entendu [deʒaɑ̃tɑ̃ˈdy] frz. schon gehört oder Déjà-vécu [deʒaveˈky] (frz. schon gelebt) wird ein Erlebnis genannt, das einem das sichere Gefühl verleiht, eine bestimmte, an sich völlig neue Situation schon einmal ganz genau so gesehen, gehört oder geträumt zu haben. Déjà-vu-Erfahrungen können spontan auftreten, besonders im Zustand der Erschöpfung oder induziert durch Alkohol oder Halluzinogene.

Déjà-vu-Erfahrungen werden heute meist nur als psychologische oder neuronale Phänomene gedeutet, die eine Erinnerungstäuschung (Fausse reconnaissance, [fos ʀəkɔnɛˈsɑ̃s] frz. falsches Wiedererkennen) hervorrufen. Tatsächlich treten solche Erlebnisse aber deshalb auf, weil wir schon vorher geistig-seelisch mit dem in Verbindung stehen, was wir später sinnlich wahrnehmen. Allerdings überstrahlt die sinnliche Wahrnehmung meist das Déjà-vu-Erlebnis so sehr, dass uns dieses nur in seltenen Fällen bewusst wird.

"Ich habe schon im öffentlichen Vortrage gesagt, daß wir in bezug auf unsere Gefühle und unseren Willen fortwährend schlafen und träumen, auch im wachen Leben. Wenn wir so die Welt auf uns wirken lassen, gehen fortwährend unsere Eindrücke und Vorstellungen vor sich; aber darunter träumen wir über alle Dinge, und dieses Traumleben ist viel reicher, als wir meinen. Es wird nur überstrahlt von dem bewußten Vorstellen, wie ein schwaches Licht von einem starken überstrahlt wird. - Sie können gleichsam experimentierend sich über solche Verhältnisse eine Aufklärung verschaffen, wenn Sie auf verschiedene Intimitäten des Lebens achtgeben. Versuchen Sie zum Beispiel folgendes Experiment in sich selbst zu machen: Denken Sie sich, Sie liegen auf einem Ruhebette und wachen auf. Natürlich gibt der Mensch dann nicht auf sich acht, weil gleich hinterher die Welt allerlei Eindrücke auf ihn macht. Aber es kann vorkommen, daß er noch ein wenig ruhig bleibt, wenn er aufwacht. Da kann er dann bemerken, daß er eigentlich schon wahrgenommen hat, bevor er aufwachte. Das kann er besonders dann beobachten, wenn jemand an die Tür geklopft hat und nicht wieder klopfte. Das kann er konstatieren, aber indem er aufwacht, weiß er: Da ist etwas geschehen. Es wird aus der Gesamtsituation klar.

Wenn der Mensch so etwas beobachtet, wird er nicht mehr weit sein von der Anerkennung dessen, was die Geisteswissenschaft zu konstatieren hat: daß wir in einem viel weiteren Umfange wahrnehmend zu unserer Umgebung stehen, als das bewußte Wahrnehmen ist. Es ist einfach richtig, wenn Sie auf der Straße gehen, einem Menschen begegnen, der eben um die Ecke gekommen ist und den Sie deshalb nicht haben sehen können: Sie werden das Gefühl haben, daß Sie ihn doch schon vorher gesehen haben, Sie werden in unzähligen Fällen das Gefühl haben können, daß Sie etwas schon gesehen haben, bevor es wirklich geschehen ist. - Es ist wahr: Wir stehen schon vorher in seelisch-geistiger Verbindung mit dem, was wir nachher wahrnehmen. Es ist durchaus so, nur daß wir übertäubt werden von der nachherigen sinnlichen Wahrnehmung und wirklich nicht auf das achten, was in den Intimitäten des Seelenlebens vor sich geht." (Lit.: GA 181, S 117)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Erdensterben und Weltenleben. Anthroposophische Lebensgaben. Bewußtseins-Notwendigkeiten für Gegenwart und Zukunft, GA 181 (1991)
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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