Damaskuserlebnis

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Das Damaskuserlebnis führte Paulus von Tarsus auf dem Weg nach Damaskus zur Begegnung mit dem auferstandenen Christus. Das überzeugte ihn, dass in Jesus von Nazareth tatsächlich der in der jüdischen Tradition erwartete Messias (griech. Χριστός Christós „der Gesalbte“) bereits auf Erden erschienen war. Paulus, der bis dahin aus "Eifer für das Gesetz" die Anhänger des Christus unerbittlich verfolgt hatte, wurde daraufhin zum Apostel Jesu Christi.

"Was war es denn, warum Paulus als Saulus die Christus-Anhänger verfolgte? Das war es, daß Paulus als Saulus in der alten hebräischen Einweihung erkennen gelernt hatte: der Christus lebt nur draußen im Kosmos, und diejenigen sind im Irrtum, die behaupten, der Christus lebe in der Erde. Als Paulus vor Damaskus die Erleuchtung hatte, da erfuhr er zuerst, daß er im Irrtum war, weil er nur dasjenige glaubte, was früher wahr gewesen ist. Aber was früher wahr gewesen ist, war jetzt anders geworden, was früher nur in der Sonne gewohnt hat, ist auf die Erde heruntergestiegen und lebt fortan in den Kräften der Erde. Und so war das Mysterium von Golgatha für diejenigen, die es zuerst den Menschen bekanntgaben, nicht ein Erdenereignis allein, sondern ein Weltenereignis; ein Weltenereignis, das in den ersten nachchristlichen Zeiten von den eigentlichen Initiierten in der folgenden Weise gelehrt wurde.

Sie wurden so tief eingeweiht, diese ersten christlichen Initiierten, daß sie wußten: Der Christus, der heute als das Wesen erscheint, das im Anfang der Zeitrechnung durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, der Christus ist aus noch weiteren Höhen zur Sonne heruntergestiegen, da hat ihn Zarathustra geschaut. Dann ist seine Kraft übergegangen in die Strahlen der Sonne, da wurde er von den ägyptischen Eingeweihten geschaut. Dann lebte seine Kraft in dem Umkreis der Erde, da haben ihn die griechischen Eingeweihten geschaut. Jetzt soll er so geschaut werden, wie er selber als ein Wesen mit dem Erdenleibe unter den Menschen gewandelt ist, jetzt soll er so geschaut werden, daß man seine richtige Gestalt erblickt in dem Auferstandenen, in demjenigen, der in der Erde darin ist, der das Geheimnis der Erde geschaut hat, der dieses Geheimnis nun allmählich in die Menschheitsentwickelung überfließen lassen kann." (Lit.: GA 211, S. 187)

In der Apostelgeschichte wird das Damaskus-Erlebnis des Paulus und seine unmittelbaren Folgen ausführlich beschrieben:

"1 Saulus wütete immer noch mit Drohung und Mord gegen die Jünger des Herrn. Er ging zum Hohenpriester 2 und erbat sich von ihm Briefe an die Synagogen in Damaskus, um die Anhänger des (neuen) Weges, Männer und Frauen, die er dort finde, zu fesseln und nach Jerusalem zu bringen. 3 Unterwegs aber, als er sich bereits Damaskus näherte, geschah es, dass ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte. 4 Er stürzte zu Boden und hörte, wie eine Stimme zu ihm sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? 5 Er antwortete: Wer bist du, Herr? Dieser sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst. 6 Steh auf und geh in die Stadt; dort wird dir gesagt werden, was du tun sollst. 7 Seine Begleiter standen sprachlos da; sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemand. 8 Saulus erhob sich vom Boden. Als er aber die Augen öffnete, sah er nichts. Sie nahmen ihn bei der Hand und führten ihn nach Damaskus hinein. 9 Und er war drei Tage blind und er aß nicht und trank nicht. 10 In Damaskus lebte ein Jünger namens Hananias. Zu ihm sagte der Herr in einer Vision: Hananias! Er antwortete: Hier bin ich, Herr. 11 Der Herr sagte zu ihm: Steh auf und geh zur sogenannten Geraden Straße und frag im Haus des Judas nach einem Mann namens Saulus aus Tarsus. Er betet gerade 12 und hat in einer Vision gesehen, wie ein Mann namens Hananias hereinkommt und ihm die Hände auflegt, damit er wieder sieht. 13 Hananias antwortete: Herr, ich habe von vielen gehört, wie viel Böses dieser Mann deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat. 14 Auch hier hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle zu verhaften, die deinen Namen anrufen. 15 Der Herr aber sprach zu ihm: Geh nur! Denn dieser Mann ist mein auserwähltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels tragen. 16 Ich werde ihm auch zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muss. 17 Da ging Hananias hin und trat in das Haus ein; er legte Saulus die Hände auf und sagte: Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Weg hierher erschienen ist; du sollst wieder sehen und mit dem Heiligen Geist erfüllt werden. 18 Sofort fiel es wie Schuppen von seinen Augen und er sah wieder; er stand auf und ließ sich taufen. 19 Und nachdem er etwas gegessen hatte, kam er wieder zu Kräften. Einige Tage blieb er bei den Jüngern in Damaskus; 20 und sogleich verkündete er Jesus in den Synagogen und sagte: Er ist der Sohn Gottes. 21 Alle, die es hörten, gerieten in Aufregung und sagten: Ist das nicht der Mann, der in Jerusalem alle vernichten wollte, die diesen Namen anrufen? Und ist er nicht auch hierher gekommen, um sie zu fesseln und vor die Hohenpriester zu führen? 22 Saulus aber trat um so kraftvoller auf und brachte die Juden in Damaskus in Verwirrung, weil er ihnen bewies, dass Jesus der Messias ist." Apg 9,1-22 EU

An zwei anderen Stellen der Apostelgeschichte (Apg 22,6-16 EU und Apg 26,12ff EU) wird das Damaskuserlebnis als Eigenbericht des Paulus geschildert. Die Begegnung mit dem Auferstandenen schildert Paulus auch mehrmals in seinen Briefen (Gal 1,15ff EU; Phi 3,7ff EU; 1_Kor 15,8f EU; 2_Kor 4,1.5f EU).

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Das Sonnenmysterium und das Mysterium von Tod und Auferstehung, GA 211 (1986), ISBN 3-7274-2110-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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