Deckenmalerei

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Die Deckenmalerei war ein wesentlicher Bestandteil der künstlerischen Ausgestaltung der beiden Kuppelräume des ersten Goetheanums. Die beiden unterschiedlich grossen Kuppelräume, von denen der kleinere als Bühne und der grössere als Zuschauerraum gedacht war, zeigten unterschiedliche, aber sinnvoll aufeinander abgestimmte Motive.

"Das Lebendige unseres Baues kommt dadurch zum Ausdruck, daß gewissermaßen die eine Kuppel in der andern ihr Bewußtseinsspiegelbild hat, daß sich die beiden Kuppeln ineinander spiegeln, wie sich dasjenige, was von den Menschen in der Außenwelt vorhanden ist, durch die Organe des Menschen spiegelt. Und wenn wir, ich möchte sagen, die Durchdringung wieder aufheben, die Kuppelmotive auseinandernehmen, dann nähern wir uns mehr einem ahrimanischen Prinzip. Würden wir sie noch mehr nähern oder ganz ineinander drängen, würden wir sie so bauen, daß wir die eine in die andere hineinstellen, so würden wir uns in dem Bau dem luziferischen Prinzipe nähern." (Lit.: GA 275, S 151f)

Als das erste Goetheanum in der Silvesternacht 1922/23 niederbrannte, ging auch die Deckenmalerei verloren. Die Abbildungen zeigen eine Rekonstruktion dieser Malerei von Urs Schwendener nach den ursprünglichen Entwürfen Rudolf Steiners.

"Der dritte Teil sind die Malereien, mit denen die Kuppel ausgemalt ist. Auch diese Malereien sind in ihren Motiven unserer geisteswissenschaftlichen Weltanschauung entnommen. Man wird dort malerisch zum Ausdruck gebracht finden, was Inhalt unserer Weltanschauung ist, wenigstens über einen gewissen großen makrokosmischen Zeitraum hin. Hier haben Sie, wenn ich so sagen mag, den physischen Teil der Sache; denn in der Malerei kann man aus gewissen inneren Gründen - das auszuführen würde heute zu weit gehen - nur unmittelbar darstellen, was man eben darstellen will. Die Farbe muß selbst ausdrücken, was sie ausdrücken soll; ebenso die Linienführung. Da ist also durch den Inhalt ganz allein der Versuch gemacht, ins Makrokosmische hinauszukommen, die Kuppelwandgrenzen zu überwinden. Also durch den Inhalt gelangt man da hinaus. Es ist alles hineingemalt, was eigentlich dem Makrokosmos angehört. Dadurch ist physisch unmittelbar vor dem Auge, was gemeint ist. Wir haben versucht, die Leuchtkraft, die zum Malen dieser Motive notwendig war, dadurch hervorzubringen, daß wir Farben aus reinen Pflanzenstoffen herzustellen versuchten, die ihre bestimmte Leuchtkraft haben. Es ist dabei natürlich nicht alles so gelungen, wie es hätte gelingen können, wenn nicht der Krieg dazwischengekommen wäre. Es ist aber auch das nur ein Anfang. Natürlich mußte die ganze Art der Malerei entsprechend unserer Auffassung sein. Wir haben es ja, indem wir den geistigen Inhalt der Welt gemalt haben, nicht mit Gestalten zu tun, die man sich von einer Lichtquelle aus beleuchtet denkt, sondern mit selbstleuchtenden Gestalten. Also es ist eine ganz andere Art in der malerischen Auffassung, die da hineingebracht werden mußte. Wenn man zum Beispiel die Aura eines Menschen malt, so malt man sie ja nicht so, wie man eine physische Gestalt malt. Eine physische Gestalt malt man so, daß man Licht und Schatten so verteilt, wie die Lichtquelle das Objekt beleuchtet. Bei der Aura dagegen hat man es mit einem selbstleuchtenden Objekt zu tun. Dadurch ist der Charakter der Malerei ein ganz anderer." (Lit.: GA 181/III, S 42f)

Die Hauptmotive der grossen und der kleinen Kuppel

Die Deckenmalerei der kleinen Kuppel des ersten Goetheanums.

Die Deckenmalerei der kleinen Kuppel des ersten Goetheanums zeigte im Osten ein Bild des Christus als Menschheitsrepräsentanten, zu seinen Füßen Ahriman und überschwebt von Luzifer. Von hier ausgehend waren die nördliche und die südliche Kuppelhälfte spiegelbildlich mit den selben Motiven versehen, welche die Repräsentanten verschiedener Kulturepochen und deren Inspiratoren zeigten. Die Deckenmalerei der grossen Kuppel brachte eine Vielzahl von Motiven aus der Geistesgeschichte der Menschheit zur Anschauung.

"So wahr wir in uns tragen niederes, gewöhnliches Selbst und höheres Selbst, und sie doch wieder eins sind, so wahr muß unser Bau ein Doppelbau werden. Dadurch drückt er aus in seiner Form – nicht in symbolischer Weise, sondern in der Form selbst – die zwei Naturen des Menschen. Und indem man sich bei geöffnetem Vorhang im Bau fühlen wird, wird man ein Abbild des Menschen, nicht nur wie er im alltäglichen Leben ist, sondern des ganzen Menschen erfühlen. Und indem das der Fall ist, was gesagt worden ist, daß die Formen etwas wie eine Bewegung ausdrücken von Westen nach Osten, ist der Gang des gewöhnlichen Selbst zum höheren Selbst unmittelbar in der Form ausgedrückt." (Lit.: GA 286, S83)

Details

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Erdensterben und Weltenleben. Anthroposophische Lebensgaben. Bewußtseins-Notwendigkeiten für Gegenwart und Zukunft, GA 181 (1991), Sechzehnter Vortrag, Berlin, 3. Juli 1918
  2. Rudolf Steiner: Kunst im Lichte der Mysterienweisheit, GA 275 (1990)
  3. Rudolf Steiner: Wege zu einem neuen Baustil, GA 286 (1982)
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