Deutsche Sektion der Theosophischen Gesellschaft

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Die Deutsche Sektion der Theosophischen Gesellschaft (DSdTG) war eine theosophische Organisation Anfang des 20. Jahrhunderts.

Gründung

Die DSdTG ging aus der Deutschen Theosophischen Gesellschaft hervor. Deren Mitglieder gründeten am 19. Oktober 1902, unter Anwesenheit von Annie Besant, der späteren Präsidentin der Adyar-Theosophischen Gesellschaft (Adyar-TG), welche die von Henry Steel Olcott unterzeichnete Stiftungsurkunde überbrachte, in Berlin die DSdTG. Die Gesellschaft war direkt der Zentrale in Adyar unterstellt und zählte zu diesem Zeitpunkt etwa 100 Mitglieder. Auf Vorschlag von Wilhelm von Hübbe-Schleiden, wurde Rudolf Steiner am 20. Oktober 1902 zum Generalsekretär gewählt. Seine spätere Frau Marie von Sievers wurde seine Sekretärin.

1904 wurde Rudolf Steiner auch zum Arch-Warden (Landesleiter) der Esoteric School ernannt, was Annie Besant am 10. Mai 1904 in einem Rundschreiben an alle Mitglieder der E.S. in Deutschland und Österreich-Ungarn bekanntgab:

„An alle Mitglieder der E.S. in Deutschland und Österreich.
Ich ernenne hiermit Dr. Rudolf Steiner zum Erzlenker [Landesleiter] der E.S. in Deutschland und Österreich, mit voller Berechtigung, als mein Repräsentant Versammlungen der Schule abzuhalten, Gruppen zu organisieren und Leiter zu ernennen und in direktem Einvernehmen mit mir selbst alles Notwendige für das Wohlergehen der Schule zu tun. Annie Besant.[1]“ (Lit.:GA 264, S. 25)

Differenzen in der Lehre

Steiner sollte die zu dieser Zeit hinduistisch gefärbten Doktrinen der indisch ausgerichteten Adyar-TG in Deutschland verbreiten, so die Vorstellungen Annie Besant's. Steiner suchte jedoch nach Übereinstimmungen der theosophischen Lehre mit abendländischen Traditionen und vor allem der deutschen Wissenschaft. Er drängte die indischen Formen immer weiter zurück und ersetzte sie durch deutsche Begriffe und abendländische Praxis. Vor allem hermetische, kabbalistische, neuplatonische und ab 1905 auch rosenkreuzerische Gedanken traten unter Steiner immer weiter in den Vordergrund der DSdTG. Diese Vorstellungen kamen wohl auch in den Lehren der Adyar-TG vor, stellten jedoch nur einen Teil des stark mit indischen Traditionen durchsetzten Adyar-Lehrgebäudes dar.

Bereits nach kurzer Zeit entstanden durch diese unterschiedlichen Auslegungen die ersten Spannungen, sowohl zwischen Steiner und Besant, als auch innerhalb der DSdTG selbst. In der DSdTG bildeten sich zwei Lager, der grösste Teil sympathisierte mit Steiner, ein kleinerer Rest scharte sich um den angesehenen Hübbe-Schleiden, der weiterhin Besant unterstützte. Ungeachtet dessen, setzte Steiner seinen einmal eingeschlagenen Weg fort, und ab etwa 1907 verwarf er die Doktrinen der Adyar-TG praktisch völlig zugunsten seiner Lehre. Als der am 11. Jänner 1911 von Besant proklamierte Messiaskult um Jiddu Krishnamurti und den Order of the Star in the East von Steiner abgelehnt wurde, vertiefte sich die Kluft noch weiter.

Ein für September 1911 geplanter theosophischer Kongress in Genua, den Steiner als Bühne für seine Lehre zu nutzen beabsichtigte, wurde von Besant, die dies verhindern wollte, abgesagt. Am 16. Dezember 1911 gründete Steiner mit seinen Anhängern auf der Generalversammlung der DSdTG den "Bund für anthroposophische Arbeit". Dieser war organisatorisch innerhalb der DSdTG angesiedelt und diente als Sammelpunkt der Steiner'schen Anhänger in der Gesellschaft. Ab September 1912 fanden geheime Treffen im Rahmen des "Bundes für anthroposophische Arbeit", mit dem Ziel der Trennung von Besant, statt. Der Vorstand der DSdTG forderte schliesslich am 8. Dezember 1912, im Sinne Steiner's, alle Mitglieder auf, aus dem "Order of the Star of the East" auszutreten, ansonsten sie aus der Gesellschaft ausgeschlossen würden. Da diesem Orden von vornherein nur Teile der Besant-Anhänger rund um Hübbe-Schleiden beigetreten waren, kam dies einem Ausschluss der Besant-Anhänger gleich. Daran anschliessend wurde am 11. Dezember 1912 Annie Besant in einem Telegramm zum Rücktritt aufgefordert. Daraufhin schloss diese, in einem mit 14. Jänner 1913 datierten Brief, die DSdTG aus der Adyar-TG aus, indem sie die Stiftungsurkunde zurückzog. Das Schreiben traf am 7. März 1913 in Berlin ein, damit war die de facto Trennung auch de jure vollzogen.

Trennung und Neugründung

Unter Federführung Steiners, kam es am 28. Dezember 1912 zur Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft, am 2. und 3. Februar 1913 fand die konstituierende Generalversammlung in Berlin statt und dieses Datum wurde seitdem als offizieller Gründungstag beibehalten. Der grösste Teil der Mitglieder der DSdTG, rund 2400, ging mit Steiner zur Anthroposophischen Gesellschaft über. Wilhelm von Hübbe-Schleiden blieb Besant und damit der Adyar-TG treu, und diese autorisierte ihn durch eine neue Stiftungsurkunde zur Neugründung der DSdTG, welche nun streng den Doktrinen der Adyar-TG folgte. Die hervorragendsten Mitglieder waren jedoch mit Steiner gegangen, die neue Gesellschaft zählte nur mehr rund 320 Personen und kam nicht mehr richtig in Schwung.

Nachdem Hübbe-Schleiden anfangs provisorisch als Generalsekretär der neuen DSdTG fungierte, wurde im Mai 1913 Johannes Ludovicus Mathieu Lauweriks als ordentlicher Generalsekretär gewählt, Hübbe-Schleiden blieb jedoch die wichtigste Galionsfigur der verkleinerten Gesellschaft. Bereits 1914 kam es wegen Ausbruch des 1. Weltkrieges zu deutsch-nationalen Protesten gegen den Holländer Lauweriks und dieser musste das Generalsekretariat an Sixtus von Kapff, einen deutschen Nervenazt, abgeben. Nachdem Annie Besant Deutschland für den Ausbruch des Krieges verantwortlich gemacht hatte, häuften sich die Austritte aus der ohnehin durch die kriegsbedingten Ausfälle geschrumpften DSdTG. Mit Hübbe-Schleidens Tod, am 17. Mai 1916, zerfiel dann auch die DSdTG.

Literatur

  • Klatt, Norbert: Theosophie und Anthroposophie, neue Aspekte zu ihrer Geschichte aus dem Nachlass von Wilhelm Hübbe-Schleiden (1846 - 1916) mit einer Auswahl von 81 Briefen; Klatt, Göttingen 1993; ISBN 3-928312-02-2
  • Wachsmuth, Guenther: Rudolf Steiners Erdenleben und Wirken, von der Jahrhundertwende bis zum Tode, Die Geburt der Geisteswissenschaft, Eine Biographie; Verlag am Goetheanum, Dornach 1964
  • Wehr, Gerhard: Rudolf Steiner, Leben, Erkenntnis, Kulturimpuls; Diogenes, Zürich 1993; ISBN 3-257-22615-2
  • Rudolf Steiner: Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 1904 bis 1914, GA 264 (1987), ISBN 3-7274-2650-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Im englischen Original: To all members of the E.S. in Germany and Austria.
    I hereby appoint Dr. Rudolf Steiner as Arch-Warden of the E.S. in Germany and the Austrian Empire, with füll authority, as my representative, to call meetings of the school, to organise groups and appoint Wardens, and to do all eise necessary for the welfare of the school, remaining in direct communication with myself. Annie Besant.


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