Diktat

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"Achtet darauf, meine lieben Schwestern und Brüder, wie in mantrischen Sprüchen alles innerlich sicher und bedeutungsvoll geformt ist. Hier [beim ersten Spruch] ist: «Ich verlasse», «Ich fühle», «Ich will»; das Ich spricht in der Antwort. Im zweiten Spruche spricht das Ich nicht mehr so egozentrisch, sondern es sagt «Mein Leben»: «Mein Leben verlöscht», «Mein Leben zerschmilzt», «Mein Leben befestigt ». Es wird durchaus sachgemäß mit dem Hineingehen in alle Realität gesprochen, wenn richtig im Geistigen gesprochen wird. Jene Lässigkeit im Formulieren von Sätzen, die dem Menschen eigen ist im physischen Gebiete, darf nicht hinein fortgesetzt werden ins Geistgebiet. Im Geistgebiet muß exakt und genau gesprochen werden. Ihr müßt ja auch bedenken, meine lieben Freunde, daß das durchaus einer Realität entspricht, daß diese esoterische Schule eingesetzt ist nicht von Menschenwillen, sondern von der geistigen Welt, wie es gesagt worden ist im Anfang, daß alles dasjenige, was hier vorkommt in der esoterischen Schule des Goetheanums, durchaus nur durch meinen Mund gesprochen wird, aber Diktat der geistigen Welt ist. Das muß so sein in jeder zu Recht bestehenden esoterischen Schule, auch in der Gegenwart und in der nächsten Zukunft, wie es in den uralt heiligen Mysterien der Fall war. Und diese esoterische Schule ist die wirkliche Michael-Schule, ist die Institution derjenigen geistigen Wesenheiten, die unmittelbar die Inspiration des kosmischen Willens Michaels haben." (Lit.: (GA 270b, S. 090, Hervorh. n. Orig.)

Somit kann Rudolf Steiner u.U. Mediumismus unterstellt werden, es handelt sich aber hier um etwas ganz anderes, natürliches, denn, wie Rudolf Steiner einmal sagte ist gewissermaßen jeder Mensch ein Medium:

"Nun können wir mit den Vorstellungen, die wir auf diese Weise gewonnen haben, charakterisieren, was eigentlich ein medialer Mensch ist. Wir müssen natürlich unterscheiden zwischen einem medialen Menschen im allerweitesten Sinne und zwischen dem, was man im eigentlichen Sinne des Wortes ein Medium nennt. Denn im Grunde genommen, meine verehrten Anwesenden, sind wir alle Medien, wenn man den Ausdruck Medium im weitesten Sinne nimmt. Wir sind zum Beispiel seelisch-geistige Menschen, bevor wir heruntersteigen in die irdische Welt und das Leben vollbringen zwischen Geburt und Tod. Dasjenige, was wir in der geistigen Welt sind, das ist verkörpert in dem, was wir hier in der physischen Welt sind. In der physischen Welt sind wir ein Medium für unseren eigenen Geist. Also wenn man das Wort Medium im allerweitesten Sinne nimmt, so würde man jedes Wesen irgendwie als Medium bezeichnen können. Das ist nicht gemeint, wenn man im gewöhnlichen Sinne von einem medialen Menschen spricht. Ein medialer Mensch in unserer Welt, die wir zwischen Geburt und Tod durchleben, ist derjenige Mensch, welcher gewisse Gehirnpartien so entwickelt hat, daß sie aus seiner Gesamtwesenheit ausgeschaltet werden können. So daß also zu gewissen Zeiten bei einem Medium gerade diejenigen Gehirnpartien nicht als Grundlage für die Ich-Tätigkeit da sind, die diese Ich-Tätigkeit besonders unterstützen. Wenn wir so recht zu uns Ich sagen, wenn wir unser Ich so recht ins Bewußtsein hereinbringen, dann ist immer diese Bewußtseinsentwickelung, diese Ich-Entwickelung gestützt auf ganz besondere Gehirnteile. Diese Gehirnteile werden ausgeschaltet bei demjenigen, der ein Medium ist. Dadurch bekommen gewisse Wesenheiten von der Art, wie ich sie jetzt eben charakterisiert habe, Appetit, statt des Menschen-Ich in diese Gehirnteile hineinzukriechen. Und ein solches Medium wird dann der Träger derjenigen Wesenheiten, die eigentlich die Zivilisation in die Zukunft hinübertragen sollten. Also wenn sie irgendwo ein Gehirn erhaschen, diese Wesen, das nicht von seinem Ich bewohnt ist zu einer gewissen Zeit, dann bekommen diese Wesen ungeheuren Appetit, in dieses Gehirn unterzutauchen. Und wenn ein Medium in Trance ist, wie man sagt, wenn also das Gehirn ausgeschaltet ist, dann kriecht solch ein Wesen, das unter ahrimanischem Einflusse steht und die Zivilisation in zukünftige Zeiten hinübertragen sollte, in das Gehirn hinein, und ein solcher Mensch ist dann in dieser Zeit statt eines Menschen-Ich der Träger eines elementarischen Wesens, das im Kosmos seine Pflicht versäumt. Fassen Sie diesen Ausdruck nur ganz wörtlich auf: das im Kosmos seine Pflicht versäumt. Die Pflicht eines solchen Wesens im Kosmos ist, zu sehen, wie die Menschen schreiben. Sie schreiben mit denjenigen Kräften, die in diesen Gehirnpartien, von denen ich eben jetzt spreche, verankert sind. Statt daß diese Wesen bloß zuschauen, wie sie es sonst immer machen müssen, geben sie acht, wo irgendwo ein mediales Gehirn ist, das ausgeschaltet werden kann. Dann kriechen sie herein und tragen dasjenige, was sie schon an Schreibkunst entwickelt haben durch Zuschauen, in die gegenwärtige Menschenwelt herein. So daß also solche Wesenheiten etwas, was sie eigentlich ihrer Aufgabe gemäß in die Zukunft hineintragen sollen, mit Hilfe von medialen Menschen in die Gegenwart hereinprojizieren. Darauf beruht der Mediumismus, daß undeutlich dasjenige, was in der Zukunft als Fähigkeiten ausgebildet werden soll, schon in der Gegenwart in einer chaotischen Weise ausgebildet wird. Daher das Prophetische des medialen Wesens, daher das Faszinierende. Es ist in der Tat etwas, was vollkommener arbeitet als der Mensch in der Gegenwart. Aber es ist hereingetragen durch Wesen in der Art, wie ich es Ihnen vorhin charakterisiert habe." (Lit.: (GA 243, S. 163f.)

Man kann den Unterschied hinsichtlich des Diktierens vielleicht dahin fassen, daß das "Diktat der geistigen Welt" nichts anderes als das Diktat der Wahrheit ist, während bei einem Medium im engeren Sinn das Diktat jedenfalls nicht sicher oder prüfbar der Wahrheit entspricht (Wahrheit als Kriterium ist nicht relevant, sondern die Autorität des diktierenden Wesens). Zu dem herabgedämpften Bewußtsein beim Empfang solcher Medien kommt, daß sie sich über die Quelle der Botschaft nicht sicher sein können, daß ihnen vorgegaukelt werden kann, ein gutes Wesen spreche zu ihnen, während in Wirklichkeit ein ahrimanisches Wesen diktiert. Mediale Mitteilungen solcher Art, auch wenn sie der Aussage nach wahr sein mögen, und eine bestmögliche sprachliche Umsetzung haben, können niemals Geisteswissenschaft sein. Wissenschaft ist nur möglich bei wacher Beteiligung des Ichs mit seinen Möglichkeiten auf Wahrheitsprüfung.

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