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Drache

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Drache
Der Drache Ouroboros in dem alchemistischen Werk De Lapide Philosophico (herausgegeben von Lucas Jennis, 1625)

Der Drache (lat. draco, griech. drákon „Drache“), meist als echsenartiges Wesen mit Flughäuten dargestellt oder auch als schlangenartiger Lindwurm (ahd. lintSchlange“, ist in der Regel ein imaginatives Bild meist niederer astraler Urkräfte, die unter dem Einfluss der luziferischen oder ahrimanischen Widersachermächte stehen. Aufgrund der darin enthaltenen Ursprünglichkeit werden diese Kräfte gelegentlich aber auch positiv gedeutet ("Glücksdrache"), sind aber jedenfall mit dem wachen Selbstbewusstsein des Menschen nicht vereinbar.

Der Drache hat die verschiedenste Gestalt

"Als der Mond herausging, da stand der Mensch in bezug auf seine niedere Natur auf der Höhe etwa eines großen Molches. Das ist das, was die Bibel die Schlange nennt, was genannt ist Lindwurm oder Drache. Der Mensch hatte unten eine tierartige, häßliche Gestalt; oben aber waren die letzten Überreste einer Lichtgestalt, in welche die Kräfte der Sonne von außen flossen." (Lit.: GA 106, S. 90)

Die niedere Natur des Menschen, die als der kleine Hüter der Schwelle, den Menschen davor bewahrt, unreif in die geistige Welt einzutreten, erscheint meist in drachenartiger Gestalt:

"Indem sich nun in der lemurischen Zeit das damals reptilienartige menschliche Wesen aufrichtete, wurde eine nach vorn ganz offene Kopfbildung sichtbar, aus der eine feurige Wolke hervorquoll. Das hat Veranlassung gegeben zu der Erzählung vom Lindwurm, von dem Drachen. Der Hüter der Schwelle, die niedere Natur des Menschen, erscheint gewöhnlich auch in einer derartigen Gestalt." (Lit.: GA 093a, S. 141)

"Der Drache hat die verschiedenste Gestalt; der Drache hat alle möglichen Gestalten. Die von menschlichen Emotionen kommenden sind schädlich genug, aber die sind nicht so schädlich wie diejenige Gestalt, die der Drache von dem toten, von dem ertötenden Wissen der Gegenwart bekommt. Da wird der Drache ganz besonders scheußlich, und eigentlich möchte man sagen, das eigentliche Symbolum der heutigen höheren Lehranstalten müßte sein: ein dickes schwarzes Tuch, und das müßte im Grunde genommen in jedem Hörsaal irgendwo an der Wand hängen. Man wüßte, dahinter ist etwas, aber das darf keinem Menschen gezeigt werden, weil damit ein merkwürdiges Licht geworfen würde auf das, was da getrieben wird. Und hinter dem schwarzen Tuch müßte das Bild des Kampfes des Michael mit dem Drachen sein. Der Kampf mit der ertötenden Intellektualität." (Lit.: GA 302a, S. 145f)

"Der physische Leib ist ein Tempel, den die unteren Götter uns bauten, und was Fehlerhaftes und Schlechtes daran ist, das haben ganz allein wir getan. Und wenn wir dann uns, die Bewohner dieses Tempels, anschauen, so werden wir gewahr, daß wir, das heißt unser geistiges Teil, die Gestalt eines Drachen, eines Wurmes hat. Wie manchen, der sich einbildet, er lebe selbstlos, nur seinen Mitmenschen, sieht der Hellseher mit den weit vorgeschobenen Kiefern und der zurückliegenden Stirne des Wurmes an als Zeichen seines Egoismus. Diese Wurmgestalt hat unsere Seele noch, und damit wir sie nicht immer sehen, haben gute Götter den Hüter der Schwelle davorgesetzt. Nun sollen wir uns aber vornehmen, daß wir diesen Drachen verwandelt den oberen Göttern entgegen- und hinaufbringen. Das soll unsere unausgesetzte Arbeit sein. Wenn der alte Ägypter bei seiner Einweihung durch den Tempel schritt, durch die Reihen der Sphinxe, so sagte er sich, daß dieser Tempel das physische Abbild der vollkommenen Wohnung des Gottes sei und daß er diese Göttlichkeit zu erreichen habe, um würdig im Tempel seines Leibes zu wohnen." (Lit.: GA 266b, S. 328)

Der Kampf Michaels mit dem Drachen

Kampf des Erzengels Michael mit dem Drachen (Miniatur von Jean Fouquet aus seinem Stundenbuch des Étienne Chevalier, um 1450)

"Angeloi, Archangeloi, Archai - in ihren damaligen Formen, sie waren vor allen Dingen noch nicht zur Freiheit bestimmt in dem Sinne, wie wir heute beim Menschen von Freiheit sprechen. Der Wille dieser Wesen wurde nicht so erlebt, daß sie selber jenes eigentümliche Gefühl gehabt hätten, das wir aussprechen mit den Worten: Wir wollen willkürlich etwas. - Diese Wesen wollten nicht willkürlich etwas, sie wollten das, was als der göttliche Wille in ihre Wesenheit einfloß. Diese Wesenheiten hatten ihren Willen vollständig in dem göttlichen Willen beschlossen [...]

Da aber ... erhob sich unter diesen Geistern, deren kosmisches Schicksal es eigentlich war, im Willen der göttlichen Geister beschlossen zu sein, eine Anzahl von solchen Wesenheiten, die ihren Willen gewissermaßen abschnüren wollten von dem göttlichen Willen, die ihren Willen emanzipieren wollten vom göttlichen Willen. Es erhoben sich in einem übermenschlichen Hochmut Wesenheiten, die, bevor die Zeit dazu da war, in der die Freiheit reifen sollte, zu dieser Freiheit ihres Willens kommen wollten. Und als den Bedeutendsten, den Anführer dieser Wesenheiten dachte man sich dasjenige Wesen, das dann Gestalt bekommen hat in demDrachen, den Michael bekämpft, jener Michael, der oben geblieben ist im Reiche derjenigen Geister, die ihren Willen auch weiterhin orientieren wollten im Sinne des göttlich-geistigen Willens, der über ihnen steht.

Aus diesem Stehenbleiben im göttlich-geistigen Willen entstand bei Michael der Impuls, das Richtige zu tun mit demjenigen Wesen, das vorzeitig, wenn ich so sagen darf, zur Freiheit gegriffen hat. Denn die Gestalten, welche die Wesenheiten der Hierarchie der Archangeloi, Angeloi, Archai hatten, waren einfach nicht angemessen einem Wesen, das in der angedeuteten Art einen freien, von dem Göttlichen emanzipierten Willen haben sollte. Dazu sollte im Laufe der Entwickelung der Welt die Gestalt erst später entstehen, nämlich die menschliche Gestalt. Aber das alles wird in eine Zeit versetzt, in der im Zusammenhange des Kosmos die menschliche Gestalt noch nicht möglich war; auch die höheren tierischen Gestalten waren noch nicht möglich, nur jene niederen tierischen Gestalten, die ich vorhin charakterisiert habe. Und so mußte sozusagen eine kosmisch widerspruchsvolle Gestalt entstehen. In die mußte gewissermaßen der widersetzliche Geist gegossen werden. Es konnte nicht eine Tiergestalt sein, die erst später entstehen durfte, es konnte auch nicht eine der Tiergestalten sein, wie sie dazumal waren in der gewöhnlichen, sozusagen weichen Materie. Es konnte nur eine Tiergestalt sein, welche von den in der physischen Welt möglichen Tiergestalten abwich, aber doch wiederum, weil sie einen kosmischen Widerspruch darstellen sollte, tierähnlich wurde. Und die Gestalt, die einzig und allein aus dem heraus, was damals möglich war, geschaffen werden konnte, diese Gestalt ist die Gestalt des Drachen." (Lit.: GA 223, S. 91ff)

Der Drache in uns verschlingt die Elementarwesen der Natur

"... mannigfaltig, großartig und gewaltig sind die geistigen Wirkungen, die fortwährend von den Dingen der Natur an den Menschen herantreten, indem der Mensch seinen Weg durch die Natur nimmt. Derjenige, der in diese Dinge hineinschauen kann, sieht eigentlich fortdauernd, wie unendlich mannigfaltig und großartig alles das ist, was an den Menschen von allen Seiten durch die Elementargeistigkeit der Natur heranströmt. Und es strömt in ihn ein. Es ist dasjenige, was - ich habe es gestern im Sinne der äußeren Vorstellung auseinandergesetzt - aus dem Spiegel der äußeren Natur, die ein Spiegel des Göttlich-Geistigen ist, fortwährend dem Menschen als ein Geistiges entgegenströmt, das da ist als ein Übersinnliches, das über die Natur ergossen ist.

Aber nun ist - wir werden über diese Dinge im Sinne wirklicher anthroposophischer Vorstellung in den nächsten Tagen noch genauer zu sprechen haben - zunächst in dem Menschen diejenige Kraft enthalten, die ich gestern als die Kraft des Drachen beschrieben habe, die Michael bekämpft, des Drachen, mit dem Michael im Streit ist. Ich habe angedeutet, wie dieser Drache zwar eine tierähnliche Gestalt hat, aber eigentlich ein übersinnliches Wesen ist, wie er durch seine Widersetzlichkeit als übersinnliches Wesen in die Sinneswelt verstoßen ist und nun in ihr haust. Ich habe angedeutet, wie er nur im Menschen ist, weil die äußere Natur ihn nicht haben kann. Die äußere Natur in ihrer Unschuld, als ein Spiegel der göttlichen Geistigkeit, hat mit dem Drachen nichts zu tun. Ich habe gestern dargestellt, wie er in den Menschenwesenheiten sitzt. Dadurch aber, daß er ein solches Wesen ist, daß er ein Übersinnliches in der Sinneswelt ist, zieht er in demselben Augenblicke dasjenige an, was aus den Weiten der Natur an den Menschen als übersinnliches Elementarisches heranströmt, verbindet sich mit dem, und statt daß der Mensch durch seine Seelenhaftigkeit, durch sein Gemüt die Elementarwesen, sagen wir der Pflanzen, aus ihrer Verzauberung erlöst, verbindet er sie mit dem Drachen, läßt er sie in seiner niederen Natur mit dem Drachen untergehen. Denn alles in der Welt ist in der Strömung einer Entwickelung, nimmt die verschiedensten Wege der Entwickelung. Und jene Elementarwesen, die in den Mineralien, Pflanzen und Tieren leben, müssen zu höherem Dasein aufsteigen, als sie es haben können in den gegenwärtigen Mineralien, Pflanzen und Tieren. Das können sie nur, wenn sie durch den Menschen durchgehen. Der Mensch ist wahrhaftig auf der Erde nicht nur dazu da, daß er die äußere Kultur begründet. Der Mensch hat innerhalb der ganzen Weltenentwickelung ein kosmisches Ziel, und dieses kosmische Ziel hängt mit solchen Dingen zusammen, wie ich sie eben beschrieben habe: mit der Höherentwickelung jener Elementarwesen, die im irdischen Dasein auf einer niederen Stufe stehen, aber zu einer höheren Stufe bestimmt sind, und die, wenn der Mensch in ein bestimmtes Verhältnis zu ihnen kommt, und wenn das alles mit rechten Dingen zugeht, zu einer höheren Entwickelungsstufe kommen können.

Es war nun in der Tat in den alten Zeiten der instinktiven Menschenentwickelung, da die Menschen in ihrem Gemüt als Erleben hatten das Seelisch-Geistige, und da ihnen das Geistig-Seelische ebenso ein Selbstverständliches war wie das Natürliche, so, daß in der Tat die Weltenentwickelung vorrückte, indem gewissermaßen die Strömung des Daseins durch den Menschen in einer regelrechten Weise durchging. Aber gerade in der Epoche, die jetzt ihren Abschluß finden muß, die jetzt zu einer höheren Geistigkeit vorrücken muß, ist es so gewesen, daß Unzähliges von Elementarwesenhaftigkeit innerhalb des Menschen dem Drachen ausgeliefert worden ist. Denn es ist gerade das die Wesenhaftigkeit dieses Drachen, daß er dürstet und hungert nach diesen Elementarwesen; er möchte überall herumschleichen, er möchte alle Pflanzen und Mineralien abschlecken, um in sich die Elementarwesen der Natur aufsaugen zu können. Denn mit denen will er sich verbinden, mit denen will er sein eigenes Dasein durchdringen. In der außermenschlichen Natur kann er das nicht, er kann es nur in der innermenschlichen Natur. Er kann es nur in der menschlichen Natur, weil dort für ihn eine Möglichkeit des Daseins ist. Und wenn das so fortginge, dann wäre die Erde dem Verfall anheimgegeben, dann würde unbedingt der Drache, von dem ich gestern gesprochen habe, im irdischen Dasein siegen." (Lit.: GA 223, S. 113ff)

Der Drache als alchemistisches Symbol

Der grüne Drache wird überwältigt und fixiert und damit die Bereitung des Steins der Weisen eingeleitet.

Der Drache ist auch ein von den Alchemisten häufig verwendetes Bild, z.B. der grüne oder rote Drache, wodurch bestimmte Läuterungsgrade der Materie ausgedrückt werden.

Tannin

Tannin (hebr. תַּנִּין Drache, Seeungeheuer) werden im hebräischen Tanach schlangen- bzw. drachenähnliche, urzeitliche Meeresungeheuer genannt, die von den Elohim am fünften Schöpfungstag geschaffen wurden.

„Und Gott schuf die großen Seeungeheuer und alle sich regenden lebenden Wesen, von denen das Wasser wimmelt, nach ihrer Art, und alle geflügelten Vögel, nach ihrer Art. Und Gott sah, dass es gut war.“

(1 Mos 1,21 ELB)

Sie gelten in der Bibel als Sinnbild des Bösen und wurden später, ähnlich wie Leviathan, von JHWH zerschmettert.

Teli, der Drache der Welt

Teli (hebr. תלי, geringelt?), der Drache der Welt, ist nach dem Sefer Jetzira, dem älteste eigenständig überlieferte Werk der Kabbala, der oberste Regent der geschaffenen Welt, der Tierkreis und das Herz sind ihm untergeordnet.

„Der Drache in der Welt ist wie ein König auf seinem Thron. Der Sternbilderkreis im Jahr ist wie ein König im Reich. Das Herz im Menschen ist wie ein König im Krieg.“

Sefer Jetzira 6,6

Long, der Drache in der chinesischen Mythologie

Lóng, der chinesische Drache, ist das wohl bekannteste Fabelwesen Chinas, wenn nicht des gesamten ostasiatischen Kulturkreises.

Das in der Mythologie Chinas sehr oft vorkommende Wesen ist, im Gegensatz zu den europäischen Drachen, eher mit einer Gottheit als mit einem (böswilligen) Dämon zu vergleichen. Der Drache, oder besser gesagt, die verschiedenen lokalen Drachengottheiten (in Flüssen, Seen, Buchten, einer Legende nach sogar in Brunnen) werden auch noch heute, besonders in ländlichen Gegenden, angebetet, um beispielsweise Regen zu erbitten. Allerdings waren nicht alle Drachen gutartig. Gefürchtet war u.a. der schwarze Drache der Flut, der für Überschwemmungen und Stürme verantwortlich war.

Siehe auch

Literatur

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