Ecce homo

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Christus in der Rast; Marienkirchlein Strausberg, Landkreis Märkisch-Oderland; frühes 16. Jahrhundert (heute ausgestellt im Märkischen Museum Berlin)
Antonio Ciseri: Ecce homo – Sehet den Menschen (19. Jahrhundert)
Philippe de Champaigne, Ecce Homo (Christus in der Rast), 17. Jahrhundert (musée national de Port-Royal des Champs)
Jörg Breu der Ältere: Ecce homo (Schaustellung des Herrn), Melker Altar, 1502

Mit dem Ausspruch Ecce homo (lat. „Da! Der Mensch“ bzw. „Siehe, der Mensch“), wie er in der lateinischen Übersetzung des Johannesevangeliums in der Vulgata überliefert ist, präsentierte Pontius Pilatus den gegeißelten, blutüberströmten, in den purpurnen Königsmantel gehüllten und mit der Dornenkrone gekrönten Jesus Christus dem Volk. Im griechischen Urtext lauten diese Worte: Ἰδοὺ ὁ ἄνθρωπος (idoù ho ánthropos „Siehe, der Mensch“).

„1 Dann nahm nun Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln. 2 Und die Soldaten flochten eine Krone aus Dornen und setzten sie auf sein Haupt und warfen ihm ein Purpurgewand um; 3 und sie kamen zu ihm und sagten: Sei gegrüßt, König der Juden! Und sie gaben ihm Schläge ins Gesicht. 4 Und Pilatus ging wieder hinaus und spricht zu ihnen: Siehe, ich führe ihn zu euch heraus, damit ihr wisst, dass ich keinerlei Schuld an ihm finde. 5 Jesus nun ging hinaus und trug die Dornenkrone und das Purpurgewand. Und er spricht zu ihnen: Siehe, der Mensch! 6 Als ihn nun die Hohenpriester und die Diener sahen, schrien sie und sagten: Kreuzige, kreuzige ihn! Pilatus spricht zu ihnen: Nehmt ihr ihn hin und kreuzigt ihn! Denn ich finde keine Schuld an ihm. 7 Die Juden antworteten ihm: Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz muss er sterben, weil er sich selbst zu Gottes Sohn gemacht hat. 8 Als nun Pilatus dieses Wort hörte, fürchtete er sich noch mehr; 9 und er ging wieder hinein in das Prätorium und spricht zu Jesus: Woher bist du? Jesus aber gab ihm keine Antwort. 10 Da spricht Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich loszugeben, und Macht habe, dich zu kreuzigen? 11 Jesus antwortete: Du hättest keinerlei Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre; darum hat der, welcher mich dir überliefert hat, größere Sünde. 12 Daraufhin suchte Pilatus ihn loszugeben. Die Juden aber schrien und sagten: Wenn du diesen losgibst, bist du des Kaisers Freund nicht; jeder, der sich selbst zum König macht, widersetzt sich dem Kaiser. 13 Als nun Pilatus diese Worte hörte, führte er Jesus hinaus und setzte sich auf den Richterstuhl an einen Ort, genannt Steinpflaster, auf Hebräisch aber Gabbata. 14 Es war aber Rüsttag des Passah; es war um die sechste Stunde. Und er spricht zu den Juden: Siehe, euer König! 15 Sie aber schrien: Weg, weg! Kreuzige ihn! Pilatus spricht zu ihnen: Euren König soll ich kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. 16 Dann nun lieferte er ihn an sie aus, dass er gekreuzigt würde. Sie aber nahmen Jesus hin und führten ihn fort.“

Johannesevangelium: 19,5 ELB

In der christlichen Kunst ist diese Schaustellung Christi oder Schaustellung des Herrn ein häufig dargestelltes Motiv. Als Schmerzensmann (auch Erbärmdebild oder Miserikordienbild) werden Andachtsbilder bezeichnet, die den leidenden Jesus Christus mit sämtlichen Kreuzigungswunden und der Seitenwunde, aber lebend und nicht am Kreuz zeigen. Ein seit Ende des 14. Jahrhunderts verbreitetes, meist als Plastik gestaltetes Bildmotiv ist auch der Christus in der Rast (oder auch: Christus auf der Rast), der sitzend dargestellt wird, oft mit der typischen Klagegeste, bei der ein Arm auf dem Oberschenkel aufruht und das müde Haupt stützt.

Ecce homo lautet auch der Titel eines philosophischen Spätwerks von Friedrich Nietzsche.

Ecce homo

In dem Herzen
Webet Fühlen,

In dem Haupte
Leuchtet Denken,

In den Gliedern
Kraftet Wollen.

Webendes Leuchten,
Kraftendes Weben,
Leuchtendes Kräften:
Das ist - der Mensch.

         Rudolf Steiner
            für die Eurythmie
            Weihnachten 1919
(Lit.:GA 40, S. 140)

Siehe auch

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Wahrspruchworte, GA 40 (2005), ISBN 3-7274-0401-9 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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