Ecclesia

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Die Ecclesia (lat. „Kirche, Gemeinde“) oder Ekklesia (griech. ἐκκλησία, wörtlich: „die her[aus]gerufene [Versammlung]“, ursprünglich die Volksversammlung der altgriechischen Stadtstaaten) findet sich an manchen mittelalterlichen Kirchen als personifizierte Darstellung der christlichen Kirche, die im eigentlichen Sinn die durch das Pfingstfest mit der Ausgießung des Heiligen Geistes berufene Gemeinschaft der Christen ist und seitdem in ihrer Gesamtheit den mystischen Leib Christi (corpus Christi mysticum) bildet. Die Ekklesiologie dient der theologischen Reflexion über Wesen und Bedeutung der christlichen Gemeinde und ihrer Institutionalisierung in Form der Kirche.

Dargestellt wird die Ecclesia als eine schöne, stolze Frauenfigur. Meist trägt sie eine Krone, hält ein Kreuz als Zeichen für das Christentum und einen Kelch als Zeichen für den neuen Bund in ihren Händen. Ihr gegenüber steht die Synagoga (von griech. συναγωγή synagōgē „Versammlung“). Ebenfalls als Frauenfigur stellt sie die personifizierte Form der jüdischen Religion dar. Der Synagoga sind jedoch die Augen verbunden, gedeutet als Zeichen für ihre Blindheit hinsichtlich Jesu von Nazaret als Messias. Sie wird als schwache, geschlagene Frau gezeigt, die gegen die Ecclesia nicht bestehen kann. Die Figur der Ecclesia triumphiert über die Figur der Synagoga.

Diese beiden Figuren zeigen das mittelalterliche Verhältnis zwischen Christentum und Judentum, das von starker Abneigung der christlichen Kirche gegenüber dem Judentum geprägt war. Eine ähnliche mittelalterliche Deutung ist, dass Ecclesia das Evangelium und Synagoga das Gesetz darstellt. Sowohl ecclesia als auch synagoga bedeuten übersetzt „Versammlung“.

Aus anthroposophischer Sicht kommt die Seherin Verena Staël von Holstein zu folgender Betrachtung des Wesens der "Ecclesia" (also des verkörperten Geistes der katholischen Kirche): „Inzwischen sieht die Ecclesia aus wie ein Geier. Sie hat sich sehr gewandelt. Sie ist aber noch sehr mächtig, ein ganz großes Wesen. Dieses Wesen ist aber nicht mehr weiß. Es hat noch weiße Federn, aber es hat deutlich graue Züge inzwischen. Es sieht aus wie ein Geier und hat blutige Krallen. Es ist eine reale Gottheit.“ (Lit.: Flensburger Hefte Nr. 108, S. 109).

Die Ecclesia in der valentinianischen Gnosis

Im gnostischen System der Valentinianer ist ist die Ecclesia, mit der aber nicht die äußere irdische Kirche, sondern deren himmlisches Urbild gemeint ist, die weibliche Partnerin des Anthropos (griech. ἄνθρωπος, Mensch), des himmlischen Urmenschen. Beide gehören zu den acht höchsten Äonen, die aus der Gottheit emaniert wurden und gemeinsam die sogenannte «Achtheit» (griech. ογδοάς Ogdoas) bilden, die aus 4 männlich-weiblichen Paaren (Syzygien) besteht.

Literatur

  • Flensburger Hefte Nr. 108: Kultus: Ursprung - Gegenwart - Zukunft, Flensburger Hefte Vlg., Flensburg 2010
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