Emanation

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Emanation (lat. Ausfluss), die Hingabe des eigenen göttlichen Wesens, bedeutet die mit Notwendigkeit und nicht durch einen willentlichen Schöpfungsprozess erfolgende stufenweise Ausströmung alles Seinenden aus der einen höchsten Gottheit, dem Ur-Einen, die aber selbst dabei unverändert in ihrer absoluten Vollkommenheit bleibt, weshalb die Emanation auch an sich zeitlos und immerwährend ohne Anfang und Ende erfolgt. Sie gehört der Region der Dauer an, in der die linear fortschreitende Zeit keine Rolle spielt. So entsteht die Vielheit aus der Ur-Einheit nicht durch einen Entwicklungsprozess, sondern besteht in ihrem jeweiligen Verhältnis zum Ur-Einen. Die Wesen, die dem emanierenden Zentrum entströmen, erscheinen dabei immer unvollkommener, immer schlechter, je weiter sie von ihrem Ursprung entfernen sind und bilden dadurch die Quelle des Bösen.

Die vor allem im Neuplatonismus ausformulierte Emanationslehre hat ihre Wurzeln in älteren orientalischen Anschauungen und wurde von den gnostischen Sekten des Christentums und auch in die Kabbala übernommen.

„Der Emanationismus ist insbesondere dasjenige, was auf dem Umwege durch die Gnosis im Abendlande bekanntgeworden ist. So wie er im Abendlande bekanntgeworden ist - die Literatur, die zugrunde liegt, ist ja zum größten Teile vernichtet worden -, so ist dieser Emanationismus schon eine Art von Zerrbild; und weil im Grunde genommen auf katholischer Seite nur das Zerrbild gekannt wird, so entsteht das große Mißverständnis. Denn was man da kennt als Emanationslehre, als Hervorgehen des einen Äon aus dem andern Äon, wo immer der weniger vollkommene oder der weniger hohe Äon aus dem vollkommeneren Äon hervorgeht, das, was gewöhnlich äußerlich-exoterisch als die Gnosis geschildert wird, ist eigentlich schon eine korrumpierte Sache. Das weist zurück auf eine Weltanschauung, die ganz anderer Natur war, und die insbesondere für die alten Zeiten, in denen noch die geistigen Lehrer aus dem Übersinnlichen selbst die Menschen gelehrt haben, möglich war; es weist zurück der Emanationismus, der eben, wie gesagt, schon eine Korruption ist, zurück auf eine Wissenschaft, die eben in alter Form sich bezog auf die Region der Dauer, auf das Obere. Und für dieses Obere kann man in einer gewissen Weise den Emanationismus verteidigen, nicht in der Form, wie man ihn korrumpiert kennt, sondern in der Form, wo eigentlich innerhalb der Emanationslehre nur von einer Perspektive in der Zeit, nicht von einer eigentlichen Entwickelung gesprochen wird. Wo aber, eben weil von einer eigentlichen Entwickelung nicht gesprochen wird, auch nicht von einem Hervorgehen aus dem Nichts gesprochen werden konnte, denn das wäre ja auch eine Entwickelung, wenn auch eine Entwickelung am radikal extremen Punkt, da kann nicht davon gesprochen werden, daß eins aus dem andern hervorgeht, aber so, wie wir - indem wir heute über die Region der Dauer gesprochen haben - auch nicht gesprochen haben von einem Hervorgehen, sondern von einem Wechselverhältnis in den Wesen, denen eben die Dauer eignet.“ (Lit.:GA 184, S. 139f)

Nach Rudolf Steiner erscheint der Emanationismus gerechtfertig, wenn man ihn auf die seelisch-geistige Welt bezieht, während es ein recht verstandener Kreationismus mit dem Leiblich-Seelischen zu tun hat:

„Die Forderung, die heute ergeht an die Menschen, ist diese: Dasjenige, was gemeint war im Emanationismus, im richtigen Lichte zu sehen und es anzuwenden auf die geistig-seelische Welt; dasjenige, was im wahren, nicht im korrumpierten Kreationismus vorgestellt wird, im richtigen Lichte zu sehen und es anzuwenden nicht auf die Schöpfer, sondern auf die Schöpfung, auf das Leiblich-Seelische. In der Anerkennung der Dualität, in dem Durchschauen der Dualität, nicht in dem nebulosen Vermischen des dualistisch Orientierten, liegt die Errettung, die Erlösung der Weltanschauung, richtig zu sehen die Region der Dauer, und richtig zu sehen die Region der Vergänglichkeit, und sie auseinanderhalten zu können. Dann kann man sagen: Beschaue ich die Wirklichkeit, die vor mir steht, so ist sie ein Abglanz, aber zu gleicher Zeit eine Auswirkung, ein Abglanz, indem sie der Region der Vergänglichkeit angehört, von der Evolution beherrscht ist; eine Auswirkung, indem sie der Region der Dauer angehört und von dem beherrscht wird, was man eben bekommt, wenn man in richtiger Weise das sieht, was wir heute für das geistig-seelische Leben charakterisiert haben. Derjenige, der richtig spricht, der sagt nicht, der Kreationismus ist richtig und die Emanation ist falsch, oder die Emanation ist richtig und der Kreationismus ist falsch, sondern der weiß, daß beides notwendige Faktoren sind, um das Volleben zu begreifen. Die Überwindung des Dualismus kann nicht in der Theorie herbeigeführt werden, sondern nur im Leben selber.“ (Lit.:GA 184, S. 141)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Polarität von Dauer und Entwickelung im Menschenleben. Die kosmische Vorgeschichte der Menschheit., GA 184 (2002), ISBN 3-7274-1840-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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