Emil Molt

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Emil Molt (* 14. April 1876 in Schwäbisch-Gmünd; † 16. Juni 1936 in Stuttgart), schwäbischer Unternehmer und Sozialreformer, Gründer der ersten Waldorfschule

Leben und Schaffen

Molts Vater starb früh. Die Schule hatte ihn gelangweilt, aber eine kaufmännische Lehre faszinierte den Halbwaisen und zog ihn an. Nach Wanderjahren und Militärdienst ging er nach Patras zu einem großen internationalen Handelshaus. 1899 kehrte er nach Stuttgart zurück, wo er Berta Heldmaier heiratete. 1906 gründete er die Waldorf Astoria Company m.b.H. Zigarettenfabrik, Hamburg-Stuttgart. Gespür und ästhetisch anspruchsvolle Reklame verhalfen der Firma bald zu internationalen Absatzmöglichkeiten und ermöglichten ihrem Chef Reisen in ihre Tabak-Anbaugebiete im Orient. Molt war von Jugend an mit Hermann Hesse befreundet und hatte durch diesen einen Zugang zur Philosophie bekommen. 1906 wurden er und seine Frau Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft, die für sie aber nur durch den Kreis um Rudolf Steiner (Carl Unger und Adolf Arenson) interessant war. Molt war am Zustandekommen des ersten Zweighauses in Stuttgart beteiligt und erlebte vor dem Ersten Weltkrieg eine glückliche, geistig anregende und wirtschaftlich erfolgreiche Zeit.

Die Waldorfschule

Ab 1918 im Johannesbauverein tätig, gaben er, seine Frau und Herbert Hahn 1919 den Arbeitern der Zigarettenfabrik allgemeinbildende Kurse. Schließlich wünschte sich Molt, wie die Arbeiter, auch für deren Kinder eine Schule, die den Ärmeren das bietet, was normalerweise nur den Vermögenden zuteil wird. Ihm und Rudolf Steiner ist es zu verdanken, dass bei der Schulbehörde die so große Freiheit in Fragen der Lehrinhalte und des Lehrplanes durchgesetzt werden konnte, welche die Waldorfschulen bis heute - neben anderem - so stark von anderen Schulen unterscheidet. Auch hat er bis zum Verbot der Waldorfschule 1938 dafür gesorgt, dass politischer Einfluss des Nationalsozialismus von ihr ferngehalten wurde.

Die Dreigliederung

Brüderlichkeit im Wirtschaftlichen setzte Molt um, indem er für seine Arbeiter zwei Erholungsheime erwarb. Seine Versuche, über eine Württembergische Industrietreuhand-Bank und eine erweiterte geschichtlich-politische Aufklärungsarbeit zur Kriegsschuldfrage noch stärker ins soziale Leben einzugreifen, blieben dagegen weniger erfolgreich. Für die Dreigliederung setzte er sich auch in Vorträgen ein.

Werke

  • Emil Molt: Entwurf meiner Lebensbeschreibung, Stuttgart 1972, Freies Geistesleben, ISBN 3-7725-0620-8

Literatur

Weblinks