Empirismus

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Der Empirismus (griech. εμπειρισμός, von der Empirie, lateinisch experientia - die Erfahrung) ist eine erkenntnistheoretische Richtung, die alle Erkenntnis aus der Erfahrung im weitesten Sinn ableiten will. Eine besondere, aber wesentlich eingeschränkte Form des Empirismus ist der Sensualismus, nach dem alle Erkenntnis auf der sinnlichen Wahrnehmung beruht. Der Empirismus lässt darüber hinaus auch Erfahrungen zu, die aus nicht sinnlichen Quellen, etwa von Messgeräten, stammen.

Im weitesten Sinn kann auch die auf systematischer hellsichtiger Beobachtung beruhende anthroposophische Geisteswissenschaft zum Empirismus gerechnet werden, insofern auch für sie das Erfahrungsprinzip gilt. Allerdings werden nach der anthroposophischen Erkenntnislehre Begriffe nicht aus sinnlichen Wahrnehmungen abstrahiert, sondern als ( ideale) Universalien intuiert und mit Wahrnnehmungen, ob sinnlicher oder übersinnlicher Art, verbunden. Rudolf Steiner bezeichnet in seinem philosophischen Grundwerk "Die Philosophie der Freiheit" das Ergebnis anthroposophischer Forschung als "Seelische Beobachtungsresultate nach naturwissenschaftlicher Methode" (so der Untertitel). Diese Auffassung, daß alle Wirkllichkeitserkenntnis empirisch begründet sein muß, steht im Gegensatz zu allen Versuchen, schlußfolgernd oder spekulativ zu metaphysischen oder theologischen Wahrheiten, ausgehend von dogmatischen oder für plausibel geltenden Grundannahmen, zu gelangen, (in der Tradition des Rationalismus).

Zwölf Weltanschauungen und sieben Weltanschauungsstimmungen.

Der Empirismus ist auch eine der sieben grundlegenden Weltanschauungsstimmungen, die Rudolf Steiner unterschieden und den sieben Planetensphären zugeordnet hat, wobei der Empirismus der Sonnensphäre entspricht.

"Eine besondere Seelenstimmung ist diese, welche nun gar nicht geneigt ist, viel nachzudenken oder nachzusinnen, ob nun hinter den Erscheinungen dieses oder jenes noch ist, wie es zum Beispiel die gnostische Stimmung tut oder wie es die logische oder die voluntaristische Stimmung tut, sondern die einfach sagt: Ich will das, was mir in der Welt entgegentritt, was sich mir zeigt, was sich mir äußerlich offenbart, meiner Weltanschauung eingliedern. Das kann man wieder auf allen Gebieten, das heißt durch alle Geistes-Sternbilder durch. Man kann es als Materialist machen, daß man nur das nimmt, was einem äußerlich entgegentritt; man kann es auch als Spirituaüst machen. Man bemüht sich nicht, einen besonderen Zusammenhang hinter den Erscheinungen zu suchen, sondern man läßt die Dinge an sich herankommen und wartet, was sich einem darbietet. Solche Seelenstimmung kann man Empirismus nennen. Empirismus heißt eine Seelenstimmung, welche die Erfahrung, wie sie sich darbietet, einfach hinnimmt. Durch alle zwölf Geistes-Sternbilder hindurch kann man Empirist sein, Erfahrungsweltanschauungs-Mensch. Empirismus ist die vierte Seelenstimmung, die durch alle zwölf Geistes-Sternbilder durchgehen kann." (Lit.: GA 151, S. 54)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Philosophie der Freiheit: Grundzüge einer modernen Weltanschauung. Seelische Beobachtungsresultate nach naturwissenschaftlicher Methode. Rudolf Steiner Verlag 2011 (9. Auflage) ISBN 372746271X
  2. Rudolf Steiner: Der menschliche und der kosmische Gedanke, GA 151 (1990), ISBN 3-7274-1510-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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