Erlösung

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Der Erlösung ist die Menschheit bedürftig, seit sie durch die luziferische Versuchung in den Sündenfall gerissen und dadurch mit der Erbsünde beladen wurde. Die Erlösung kann nur durch die Gnade des Christus erfolgen. Er ist der Erlöser, der sich durch das Mysterium von Golgatha mit der Erd- und Menschheitsentwicklung verbunden hat. Indem er die "Sünden der Welt" auf sich genommen hat, tilgt er durch diese weltumspannende Sündenvergebung die objektiven Folgen unserer Sünden, die sich dem Weltenkarma eingeschrieben haben. Ihre Spuren sind dann in der Akasha-Chronik nur mehr dem sichtbar, der sich mit dem Christus verbunden hat. Das enthebt den einzelnen Menschen allerdings keineswegs davon, die subjektiven Folgen seiner Taten, die sein individuelles Karma bilden, selbst auszugleichen. Letzteres hat der Anthroposophie wiederholt den Vorwurf eingetragen, sie erstrebe die Selbsterlösung des Menschen. Dieser Vorwurf beruht aber auf einem Missverständnis, denn bloße subjektive Selbsterlösung, die letzlich nur an den Egoismus des Menschen appeliert, wäre völlig wirkungslos ohne die objektive Erlösungstat des Christus.

"Diejenigen, die dem anthroposophischen Leben etwas äußerlich gegenüberstehen, und die namentlich vieles, was Inhalt der Anthroposophie ist, verwechseln mit dem, was ihnen in den verschiedenen theosophischen Anschauungen der Gegenwart entgegentritt, die prägen sehr leicht, ich möchte sagen, sehr leichtsinnig sogar, den Gegensatz aus: Die christliche Erlösungslehre sei die Erlösung durch den Christus Jesus, könne also eigentlich nur in der Beziehung des Menschen zum Christus Jesus gesucht werden, während die [theosophische] Erlösungslehre eigentlich eine Selbsterlösung voraussetze, weil der Mensch in den aufeinanderfolgenden Erdenleben dahin käme, alle mit seinem Karma in Zusammenhang stehenden Taten so zu vollführen, daß er aus einem sündigen Dasein [sich selbst] in das sündenlose Dasein hineinführe; es liege also eine Selbsterlösung vor.

Erlösung oder Selbsterlösung, das ist das aut-aut, das eben auftritt. Man glaubt, man könne die Anthroposophie einfach als unchristlich bezeichnen, weil man meint, sie müsse von einer Selbsterlösung des Menschen sprechen. Nun, die Sache liegt nicht so. Dieses aut-aut ist eigentlich für die Anthroposophie gar nicht so, wie man es annimmt, vorhanden." (Lit.: GA 343a, S. 334)

"Karma ist eine Angelegenheit der aufeinanderfolgenden Inkarnationen des Menschen. Dasjenige, was die karmische Gerechtigkeit bedeutet, muß mit dem Urteil gesehen werden, das unser irdisches Urteil ist. Dasjenige, was der Christus tut für die Menschheit, das muß mit einem Urteil gemessen werden, das anderen Welten als der Erdenwelt angehört. Und wenn das nicht so wäre? Wenn das nicht so wäre? Gedenken wir des Erdenendes einmal, gedenken wir der Zeit, wann die Menschen ihre irdischen Inkarnationen werden durchgemacht haben. Gewiß wird das eintreten, daß alles bezahlt sein muß bis auf den letzten Heller. Die menschlichen Seelen werden ihr Karma in einer gewissen Weise ausgeglichen haben müssen. Aber stellen wir uns einmal vor, daß alle Schuld bestehen geblieben wäre in der Erde, daß alle Schuld wirken würde in der Erde. Dann würden am Ende der Erdenzeit die Menschen ankommen mit ihrem ausgeglichenen Karma, aber die Erde wäre nicht bereit, sich zum Jupiter hinüberzuentwickeln und die ganze Erdenmenschheit wäre da ohne Wohnplatz, ohne die Möglichkeit, sich hinüberzuentwickeln zum Jupiter. Daß die ganze Erde sich mitentwickelt mit den Menschen, das ist die Folge der Tat des Christus. Alles dasjenige, was für die Erde sich anhäufen würde als Schuld, das würde die Erde in die Finsternis stoßen, und wir würden keinen Planeten haben zur Weiterentwickelung. Für uns selbst können wir im Karma sorgen, nicht aber für die ganze Menschheit und nicht für dasjenige, was in der Erdenevolution mit der ganzen Menschheitsevolution zusammenhängt.

So seien wir uns denn klar darüber, daß das Karma zwar nicht von uns genommen wird, wohl aber, daß getilgt werden unsere Schulden und Sünden für die Erdenentwickelung durch dasjenige, was eingetreten ist durch das Mysterium von Golgatha." (Lit.: GA 155, S. 185f)

"Der Mensch ist ein Glied der ganzen Welt, und der Mensch muß hingebungsvoll gegenüber der ganzen Welt denken. So muß er darüber denken, daß er zwar sich selbst für sich egoistisch erlösen kann durch das Karma, daß er aber nicht das ganze Erdensein miterlösen könnte. Da tritt der Christus ein. Und in dem Augenblick, wo wir uns entschließen, nicht nur an unser Ich zu denken, müssen wir an etwas anderes noch denken als an unser Ich. Aber an was müssen wir denken? An den Christus in mir, wie Paulus sagt. Dann sind wir eben mit ihm mit dem ganzen Erdensein verbunden, dann denken wir nicht an unsere Selbsterlösung, sondern wir sagen: Nicht ich und meine Selbsterlösung - nicht ich, sondern der Christus in mir und die Erdenerlösung!

Meine lieben Freunde! Man muß wahrhaftig eigentlich recht wenig christlichen Sinn haben, wenn man das Christentum so interpretiert, wie es viele machen, die da glauben, sich echte Christen nennen zu dürfen, und die andere, zum Beispiel anthroposophische Christen, verketzern. Man muß dazu wenig christlichen Sinn haben. Es darf ja vielleicht die Frage erlaubt sein: Ist es denn wirklich christlich, zu denken, daß ich alles tun darf und der Christus eigentlich nur in die Welt gekommen ist, um mir das alles abzunehmen, um mir meine Sünde zu vergeben, so daß ich mit meinem Karma, mit meiner Sünde nichts mehr zu tun habe? Ich glaube, es ist ein anderes Wort anwendbar auf eine solche Denkweise als das Wort «christlich»; vielleicht wäre das Wort «bequem» besser als das Wort «christlich». Bequem wäre es ja allerdings, wenn man bloß zu bereuen hätte, und ausgelöscht wäre dadurch für sein ganzes späteres Karma alles das, was man in der Welt verbrochen hat. Nein, aus dem Karma ist es nicht ausgelöscht, aber davon kann es ausgelöscht werden, wohin wir wegen der menschlichen Schwäche, durch die luziferische Verführung, nicht selbst dringen können: von der Erdenentwickelung. Und das tut der Christus. Dieses Leid wird uns genommen mit der Sündenerlösung: daß wir für ewige Zeiten der ganzen Erdenentwickelung eine objektive Schuld zugefügt haben." (Lit.: GA 155, S. 189f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Christus und die menschliche Seele, GA 155 (1994), ISBN 3-7274-1550-9 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken, II, GA 343a (1993), ISBN 3-7274-3430-9 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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