Alkohol

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Wein ist ein Kulturprodukt, hergestellt aus dem vergorenen Saft der Weintraube

Der Alkohol (von الكحل al-kuhl, ursprünglich die Bezeichnung für sehr feines Antimonitpulver, das als Augenschminke benutzt wurde; dann eine allgemeine Bezeichnung für die „geistige Essenz“, die für die „irdene Essenz“ als Lösungsmittel dient. Erst Paracelsus benutzte alcool vini oder alcohol vini im heutigen eingeschränkteren Sinn für den „Weingeist“ (Ethanol). Früher war der Alkohol auch häufig als aqua ardens („brennendes Wasser“) oder aqua vitae („Lebenswasser“) bezeichnet worden.) hatte in der nachatlantischen Zeit die Mission, den menschlichen Leib von seinem Zusammenhang mit der geistigen Welt abzuschneiden und das alte atavistische Hellsehen und die Erkenntnis der Reinkarnation auszulöschen. Der Glaube an die geistige Welt sollte das unmittelbare Schauen ersetzen. Noah, der Führer der Menschheit in die nachatlantische Zeit, gilt nach der Überlieferung als der erste Weintrinker und in der Folge wurde der Wein immer mehr für den kultischen Gebrauch eingesetzt.

Ganz ohne Alkohol kann der Mensch nicht leben

Körpereigener Alkohol

"Wenn behauptet wird, daß der Mensch ganz ohne Alkohol leben kann, so stimmt das nicht. Der eine Mensch kann leben, ohne daß er Alkohol trinkt; das ist wahr. Aber er kann nicht ohne Alkohol leben. Denn wenn er eben keinen Alkohol trinkt, dann erzeugt sein eigener Körper in ihm die nötigen Mengen von Alkohol. Alle Stoffe, die der Mensch hat, werden nämlich in ihm selber erzeugt. Das, was der Mensch von außen aufnimmt, ist nämlich bloß zum Unterstützen, zur Anfeuerung da. In Wahrheit erzeugt der Mensch die Stoffe, die er braucht, aus dem Weltenall herein. Im Weltenraum sind alle Stoffe in ganz feiner Verteilung." (Lit.: GA 352, S. 31)

Der Alkohol als Brücke zum individuellen Ich

Durch den Alkohol sollte der einzelne Mensch auf sich selbst gestellt werden und sein individuelles Ich entwickeln.

"Auf der Hochzeit zu Kana wird das Wasser in Wein verwandelt. An diese Tatsache knüpft sich ein symbolischer universeller Sinn: Im religiösen Kultus soll das Wasseropfer zeitweise durch das Weinopfer ersetzt werden.

Es gab in der Geschichte der Menschheit eine Zeit, in welcher der Wein noch unbekannt war. Zur Zeit der Veden kannte man ihn kaum. Nun, solange die Menschen keine alkoholischen Getränke tranken, war die Vorstellung von vorhergehenden Daseinsstufen und von der Vielzahl von Erdenleben überall verbreitet, und niemand zweifelte daran. Seitdem die Menschheit Wein zu trinken begann, verdunkelte sich die Idee der Reinkarnation ganz schnell und verschwand schließlich aus dem allgemeinen Bewußtsein. Sie wurde nur bewahrt durch die Eingeweihten, die sich des Weingenusses enthielten. Denn der Alkohol hat auf den menschlichen Organismus eine besondere Wirkung, insbesondere auf den Ätherleib, in dem das Gedächtnis seinen Sitz hat. Der Alkohol verschleiert das Gedächtnis, verdunkelt es in seinen inneren Tiefen. Der Wein schafft Vergessenheit, sagt man. Dabei handelt es sich nicht um ein oberflächliches, momentanes Vergessen, sondern um ein tiefes und dauerndes Vergessen, um eine Verfinsterung der Gedächtniskraft im Ätherleib. Daher verloren die Menschen, als sie sich anschickten Wein zu trinken, nach und nach ihr ursprüngliches Gefühl für die Wiederverkörperung.

Nun hatte aber der Glaube an die Wiederverkörperung und an das Karmagesetz einen mächtigen Einfluß nicht nur auf die Persönlichkeit, sondern auch auf ihr soziales Empfinden. Er ließ sie die Ungleichheit der menschlichen Lebensumstände hinnehmen. Wenn der unglückliche ägyptische Arbeiter an den Pyramiden arbeitete, wenn der Hindu der untersten Klasse an den gigantischen Tempeln im Herzen der Berge baute, sagte er sich, daß ein anderes Dasein ihn für die tapfer ertragene schwere Arbeit entschädigen würde, wenn er gut war; daß sein Meister schon durch ähnliche Prüfungen hindurchgegangen war; oder daß er später durch noch härtere Prüfungen hindurchgehen müsse, wenn er an der Gerechtigkeit zweifelte und übel gesinnt wäre.

Als aber das Christentum herannahte, sollte die Menschheit durch eine Epoche hindurchgehen, in der sie sich ganz auf ihre Erdenaufgabe einstellte. Sie sollte an der Verbesserung dieses Lebens wirken, an der Entwickelung des Intellekts, an der verstandesmäßigen wissenschaftlichen Erkenntnis der Natur. Das Bewußtsein von der Wiederverkörperung sollte demgemäß für zweitausend Jahre verlorengehen. Und das Mittel, das zu diesem Zweck angewendet wurde, war der Wein.

Das ist der tiefe Grund der Verehrung des Bacchus, des Gottes des Weines, der Trunkenheit. Es war dies die volkstümliche Form des Dionysos der alten Mysterien, der an sich einen ganz anderen Sinn hatte. Das ist auch der symbolische Sinn der Hochzeit zu Kana. Das Wasser spielt seine Rolle beim alten Opferdienst, der Wein beim neuen. Die Worte des Christus: « Selig, die nicht sehen und doch glauben», beziehen sich auf die neue Ära des Menschen, wo der Mensch, ganz seinen Erdenaufgaben hingegeben, weder die Erinnerung an frühere Inkarnationen noch die direkte Schau in die geistige Welt haben soll." (Lit.: GA 094, S. 50ff)

"Der Alkohol war die Brücke, die vom Gattungs-, vom Gruppen-Ich zum selbständigen, individuellen Ich hinüberführt. Niemals hätte der Mensch den Übergang vom Gruppen- zum Einzel-Ich gefunden ohne die stoffliche Wirkung des Alkohols. Dieser erzeugte das individuelle, persönliche Bewußtsein im Menschen. Wenn die Menschheit dieses Ziel erreicht haben wird, braucht sie den Alkohol nicht mehr, und dieser wird wieder aus der physischen Welt verschwinden. Sie sehen, alles, was geschieht, hat seine Bedeutung in der weisen Lenkung der Menschheitsentwickelung. Deshalb soll heute niemandem widersprochen werden, wenn er Alkohol trinkt, während andrerseits jene Menschen, die der übrigen Menschheit vorausgeeilt sind und ihre Entwickelung so weit gefördert haben, daß sie des Alkohols nicht mehr bedürfen, denselben auch meiden sollen. Christus erscheint, um der Menschheit Kräfte zu geben, damit im sechsten Zeitraum das höchste Ich-Bewußtsein erlangt werden kann. Er will die Menschen vorbereiten auf jene «Zeit, die noch nicht gekommen ist». Würde er es beim Wasseropfer gelassen haben, so würde es die Menschheit niemals zum individuellen Ich gebracht haben. Die Verwandlung des Wassers bedeutet die Erhebung des Menschen zum individuellen Wesen. Die Menschheit war in ihrem Entwickelungsgange an einem Punkt angelangt, wo sie des Weins bedurfte, daher verwandelt Christus das Wasser in Wein. Wenn die Zeit da sein wird, wo der Mensch keinen Wein mehr braucht, dann wird Christus den Wein wieder in Wasser zurückverwandeln." (Lit.: GA 100, S. 264ff)

"Wir können die Prozesse verfolgen, durch welche der physische Leib vorbereitet wurde, ein Träger des selbstbewußten, des «Ich-bin»-begabten Menschen zu werden. Sogar in der Bibel wird uns das angedeutet: daß derjenige, der Stammvater wird in einer gewissen Beziehung in der nachatlantischen Zeit, daß Noah der erste Weintrinker ist, als erster die Wirkung des Alkohols erlebt. Da kommen wir auf ein Kapitel, das wirklich für manchen schockierend sein kann. Was in der nachatlantischen Zeit als ein besonderer Kultus hervortritt, ist der Dionysosdienst. Sie wissen alle, wie der Dionysoskult in Zusammenhang gebracht wird mit dem Wein. Dieser merkwürdige Stoff wird der Menschheit allerdings erst in der nachatlantischen Zeit zugeführt, und dieser Stoff wirkt auf die Menschheit. Sie wissen, jeder Stoff wirkt irgendwie auf die Menschen, und der Alkohol hat eine ganz bestimmte Wirkung auf den menschlichen Organismus. Er hatte nämlich eine Mission im Laufe der Menschheitsentwicke-lung; er hatte - so sonderbar das erscheint - die Aufgabe, sozusagen den menschlichen Leib so zu präparieren, daß dieser abgeschnitten wurde von dem Zusammenhang mit dem Göttlichen, damit das persönliche «Ich-bin» herauskommen konnte. Der Alkohol hat nämlich die Wirkung, daß er den Menschen abschneidet von dem Zusammenhang mit der geistigen Welt, in der der Mensch früher war. Diese Wirkung hat der Alkohol auch noch heute. Der Alkohol ist nicht umsonst in der Menschheit gewesen. Man wird in einer zukünftigen Menschheit im vollsten Sinne des Wortes sagen können, daß der Alkohol die Aufgabe hatte, den Menschen so weit in die Materie herunterzuziehen, damit der Mensch egoistisch wurde, und daß der Alkohol ihn dahin brachte, das Ich für sich zu beanspruchen und es nicht mehr in den Dienst des ganzen Volkes zu stellen. Also den entgegengesetzten Dienst, den die Gruppenseele der Menschheit geleistet hat, hat der Alkohol geleistet. Er hat den Menschen die Fähigkeit genommen, in höheren Welten sich mit einem Ganzen eins zu fühlen. Daher der Dionysoskult, der das Zusammenleben in einer Art äußeren Rausches pflegt. Ein Aufgehen in einem Ganzen, ohne zu schauen dieses Ganze. Die Entwickelung in der nachatlantischen Zeit ist deshalb mit dem Dionysoskult verbunden worden, weil dieser Kult ein Symbolum war für die Funktion und Mission des Alkohols. Jetzt, wo die Menschheit wiederum strebt, den Weg zurückzufinden, wo das Ich so weit entwickelt ist, daß der Mensch wieder den Anschluß rinden kann an die göttlich-geistigen Mächte, jetzt ist die Zeit gekommen, wo, anfangs sogar aus dem Unbewußten heraus, eine gewisse Reaktion gegen den Alkohol eintritt. Diese Reaktion tritt aus dem Grunde ein, weil viele Menschen heute schon fühlen, daß so etwas, was einmal eine besondere Bedeutung hatte, nicht ewig berechtigt ist.

Es braucht niemand das, was jetzt gesagt worden ist über die Aufgabe des Alkohols in einer bestimmten Zeit, etwa als für den Alkohol gesprochen aufzufassen; sondern es geschah, um klarzumachen, daß diese Mission des Alkohols erfüllt ist und daß für die verschiedenen Zeiten sich eben Verschiedenes schickt. Aber es tauchte auch in derselben Epoche, wo die Menschheit durch den Alkohol am tiefsten in den Egoismus heruntergezogen worden ist, die stärkste Kraft auf, die dem Menschen den größten Impuls geben kann, um wieder den Zusammenschluß mit dem geistigen Ganzen zu finden. Auf der einen Seite mußte der Mensch bis zur tiefsten Stufe hinuntersteigen, um selbständig zu werden, auf der anderen Seite mußte dagegen die starke Kraft kommen, die wieder den Impuls geben konnte, um den Weg zum Ganzen zurückzufinden." (Lit.: GA 103, S. 91ff)

Bier, Wein und Weinbrand

Ein Glas Cognac

Die verschiedenen Arten alkoholischer Getränke wirken sehr unterschiedlich auf das Menschenwesen. Das Bier beeinflusst insbesondere das Vorderhirn und wirkt dämpfend auf das Denken. Der Wein belebt, in geringen Mengen genossen, das Gefühl, kann aber auch bei unmäßigem Genuss wüste Emotionen erregen. Der Wein beeinflusst vorwiegend die lateralen Gehirnlappen, insbesondere auch das Sprachzentrum. Weinbrand und andere alkoholische Brände beeinträchtigen die Tätigkeit des Kleinhirns und stören die Willenstätigkeit des Menschen.

Grundsätzlich wirkt der Alkohol in einer dem Ich gegenerischen Weise auf das Blut, wodurch der Mensch letztlich durch den Alkohol in seiner weiteren Ich-Entwicklung gehemmt wird. Das stellt keinen Widerspruch zu den oben gemachten Ausführungen dar. Der Alkohol trennt den Menschen von seinem höheren Ich, durch das er die Beziehung zur geistigen Welt pflegt, und wirft ihn auf sein niederes, dem Egoismus verhaftetes Ich zurück. Das ist die notwendige Vorbereitung der eigentlichen Ich-Entwicklung. Für die weitere Entfaltung des Ich und namentlich für jede ernsthafte Geistesschulung ist der Alkohol aber hinderlich:

"Auch das Verhältnis des Menschen zum Alkohol ist einer Veränderung unterworfen, wenn der Mensch sich innerlich lebendig, ernst mit Anthroposophie durchdringt. Der Alkohol nämlich ist ja etwas noch ganz Besonderes sozusagen in den Reichen der Natur. Er erweist sich nicht nur als eine Last-Erzeugung im menschlichen Organismus, sondern er erweist sich direkt als oppositionelle Gewalt im menschlichen Organismus erzeugend. Denn wenn wir die Pflanze betrachten, so bringt sie es in ihrer Organisation bis zu einem gewissen Punkt - mit Ausnahme der Weinrebe, die es über diesen Punkt hinausbringt. Was die übrigen Pflanzen sich einzig und allein aufsparen für den jungen Keim, alle die Triebkraft, die sonst nur für den jungen Keim aufgespart wird und nicht in das übrige der Pflanze sich ergießt, das ergießt sich bei der Weintraube auch in einer gewissen Weise in das Fruchtfleisch; so daß durch die sogenannte Gärung, durch die Verwandlung dessen, was sich da in die Weintraube hineinergießt, was in der Traube selbst zur höchsten Spannung gebracht worden ist, etwas erzeugt wird, was in der Tat innerhalb der Pflanze eine Gewalt hat, welche nur verglichen werden kann okkultistisch mit der Gewalt, die das Ich des Menschen über das Blut hat. Was also bei der Weinerzeugung entsteht, was bei der Alkoholerzeugung sich immer bildet, ist, daß in einem anderen Naturreich dasjenige erzeugt wird, was der Mensch erzeugen muß, wenn er von seinem Ich aus auf das Blut wirkt.

Wir wissen ja, daß eine innige Beziehung besteht zwischen dem Ich und dem Blut. Sie kann schon äußerlich charakterisiert werden dadurch, daß wenn im Ich Scham empfunden wird, die Schamröte dem Menschen ins Gesicht steigt, wenn in dem Ich Furcht, Angst empfunden wird, der Mensch erblaßt. Diese Wirkung von dem Ich auf das Blut, die aber auch sonst vorhanden ist, die ist okkultistisch ganz ähnlich derjenigen Wirkung, welche entsteht, wenn der Pflanzenprozeß zurückgebildet wird, so daß das, was in dem Fruchtfleisch der Weintraube ist oder was überhaupt aus dem Pflanzlichen kommt, zum Alkohol umgebildet wird. Das Ich muß, wie gesagt, normal einen ganz ähnlichen Prozeß im Blut erzeugen — okkultistisch gesprochen, nicht chemisch —, wie erzeugt wird durch das gleichsam Rückgängigmachen des Organisationsprozesses, durch das bloße Chemischmachen des Organisationsprozesses, wenn Alkohol erzeugt wird. Die Folge davon ist, daß wir durch den Alkohol etwas in unseren Organismus einführen, was von der anderen Seite her so wirkt, wie das Ich auf das Blut wirkt. Das heißt, wir haben ein Gegen-Ich in dem Alkohol in uns aufgenommen, ein Ich, das direkt ein Kämpfer ist gegen die Taten unseres geistigen Ich. Von der anderen Seite her wird auf das Blut gerade so gewirkt durch den Alkohol, wie von dem Ich auf das Blut gewirkt wird. So daß wir also einen inneren Krieg entfesseln und im Grunde alles das, was von dem Ich ausgeht, zur Machtlosigkeit verdammen, wenn wir ihm einen Gegenkämpfer entgegenstellen im Alkohol. Dies ist der okkulte Tatbestand. Derjenige, welcher keinen Alkohol trinkt, sichert sich die freie Möglichkeit, von seinem Ich aus auf das Blut zu wirken; derjenige, der Alkohol trinkt, der macht es gerade so wie jemand, der eine Wand einreißen will und nach der einen Seite schlägt, gleichzeitig aber auf der anderen Seite Leute aufstellt, die ihm entgegenschlagen. Ganz genau so wird durch den Genuß des Alkohols eliminiert die Tätigkeit des Ich auf das Blut.

Daher empfindet derjenige, welcher Anthroposophie zu seinem Lebenselement macht, die Arbeit des Alkohols im Blute als direkten Kampf gegen sein Ich, und es ist daher nur natürlich, daß eine wirkliche geistige Entwicklung nur leicht vor sich gehen kann, wenn man ihr nicht diese Widerlage schafft. Wir sehen gerade aus diesem Beispiel, wie das, was ja sonst auch vorhanden ist, durch das veränderte Gleichgewicht, welches eintritt im physischen Leib, für den Esoteriker oder Anthroposophen wahrnehmbar wird." (Lit.: GA 145, S. 20f)

„Ja, mit dem Kognak ist es so, daß in dem Kognak selber etwas als ein Pflanzengift wirkt, und das schaltet den astralischen Leib ganz aus. Und dann wirkt der Ätherleib besonders stark, wenn der Mensch Kognak trinkt. Bei allen Schnäpsen wirkt der Ätherleib besonders stark. Der Mensch fühlt sich wohlig, weil er das Bewußtsein ausschaltet und ganz Pflanze wird. Er senkt sich ganz ins Pflanzenhafte ein, wenn er Schnäpse trinkt, und dabei fühlt er sich wohl, geradeso wie sich der Mensch sonst im Schlaf wohlfühlt. Im Schlaf aber hat er nicht das Bewußtsein vom Wohlsein. Wenn der Mensch nämlich im Schlaf sich wohlfühlen kann, dann fühlt er sich wohl, weil er die Tätigkeit des Fleisches dabei wahrnehmen kann. Aber im gewöhnlichen, wenn die Menschen schlafen, so wissen sie ja nichts von ihrem Wohlsein. Wenn sie aber Kognak trinken, dann wissen sie von ihrem Wohlsein, und dann sind sie doch ein bißchen wach, aber auf der andern Seite schläft ihr Unterleib, und da fühlen sie sich bei diesem schlafenden Unterleib, während der Kopf wach ist, unendlich wohl. Es ist also tatsächlich das Schnäpsetrinken eine Beförderung des tierisch-pflanzlichen Wohlseins beim Menschen.“ (Lit.:GA 352, S. 41)

Unterschiedliche Wirkung von Alkohol und Opium

Schlafmohn, Papaver somniferum, aus dessen Milch Opium gewonnen werden kann.

„Aber wenn nun der Mensch den Mohnsaft, das Opium zu sich nimmt, dann spürt er diese Süßigkeit; denn eigentlich ist er so im Leib, wie wenn er schlafen würde, und ist zugleich wach. Dadurch kann er die Süßigkeit genießen, und dadurch fühlt er diese Süßigkeit und fühlt sich ungeheuer wohl darinnen. Es ist, wie wenn sein ganzer Leib mit Zucker durchdrungen wäre, mit einem ganz besonderen Zucker, durch und durch mit Süßigkeit. Aber zugleich ist sein astralischer Leib frei vom physischen Leib, und dadurch nimmt er, wenn auch nicht deutlich, allerlei wahr. Er hat nicht gewöhnliche Träume, sondern er nimmt die geistige Welt wahr. Er macht große Reisen durch die geistige Welt durch. Das gefällt ihm. Dadurch wird er hinaufgehoben, wie Sie sagen, in die geistige Welt. Beim Alkoholtrinken hingegen wird sein physischer Leib ganz in Anspruch genommen, bis ins Blut hinein. Da wird sein astralischer Leib nicht frei. Da wird alles noch mehr vom physischen Leib in Anspruch genommen. Daher wird der Mensch, wenn er Alkohol trinkt, eben ganz vom physischen Leib in Anspruch genommen, viel mehr als er sonst in Anspruch genommen wird. Das ist eben der Unterschied. Beim Opium wird das Geistig-Seelische frei, genießt erstens den physischen Leib in seiner Süßigkeit, zweitens aber macht es Reisen, wobei es zwar etwas ungeordnet, aber immerhin in die geistige Welt hineinkommt. Und die Orientalen haben vieles von dem, was sie in nicht richtiger Weise, aber doch von der geistigen Welt beschreiben, vom Opiumgenuß, Haschisch und dergleichen.“ (Lit.:GA 352, S. 153)

Wirkung des Alkohols auf Kinder

„Der Alkohol wird im menschlichen Organismus deshalb gebildet, damit wir nicht immer innerlich zerfallen. Der Leib würde sich ja auflösen, wie er sich als Leichnam auflöst, wenn nicht Alkohol und alkoholähnliche Stoffe entwickelt würden. Das ist natürlich so. Nun müssen wir aber fragen: Auf welche von diesen Leibern wirkt denn der Alkohol eigentlich? Sehen Sie, auf den physischen Leib wirkt ja der Alkohol außerordentlich gut zunächst, wenn er in mäßiger Weise getrunken wird, denn dann kann sich der Mensch, wenn er selber zuwenig Alkohol erzeugt, ein gutes Erhaltungsmittel im Alkohol beilegen, und dem physischen Leib schadet der Alkohol eigentlich gar nicht. Auf den physischen Leib wirkt der Alkohol im Grunde genommen gar nicht schlimm ein. Wenn der Alkohol - das bedenken die Leute zu wenig - dem physischen Leib schaden würde, dann würde es um den Weinstock schlecht stehen, denn der Weinstock hat ja auch einen physischen Leib. Der Weinstock ist nun ganz besoffen - das ist er doch, weil er lauter Alkohol in sich hat -, aber sein physischer Leib leidet gar nicht darunter. Nun ja, aber der Ätherleib, der leidet auch nicht unter dem Alkohol. Es ist nur der astralische Leib, der beim Erwachsenen unter dem Alkohol leidet. Beim Kind ist es deshalb so schädlich, wie ich gleich erwähnen werde, weil da noch etwas anderes geschieht. Aber beim Erwachsenen wirkt der Alkohol auf den astralischen Leib wiederum ein, geradeso wie das Arsenik, und namentlich auf das Ich selber. Und das Ich lebt in der Blutzirkulation. So daß der Alkohol auf die Blutzirkulation ungeheuer stark einwirkt.

Bei Kindern ist es deshalb schlimm, weil der Alkohol schon in sich einen astralischen Leib enthält. Die Pflanze hat nur einen Ätherleib, aber der Alkohol, der im Weinstock ist, hat schon einen astralischen Leib. Der wirkt so wie dasjenige, was im Blute brodelt. Kann man das nicht verstehen? Nicht wahr, das kann man doch verstehen: Der wirkt schon wie dasjenige, was im Blute brodelt. Und daher kommt es, daß das Kind, wenn es früh Alkohol trinkt, eigentlich einen astralischen Leib kriegt, den es erst mit dem vierzehnten, fünfzehnten Jahre ganz ausgebildet kriegen soll; und es hat ihn nicht in seiner Gewalt. Daher ist der Alkohol für das Kind ganz besonders schädlich, weil das Kind unter dem Einfluß des Alkohols gleich einen astralischen Leib kriegt.

Daraus aber ersehen Sie, daß der Alkohol eigentlich so richtig in dem Seelischen, in dem Geistigen des Menschen wirkt. Da wirkt er. Da zerstört er die Atmung, die Blutzirkulation, die ja vom Geistig-Seelischen ausgehen. Da wirkt der Alkohol hinein.“ (Lit.:GA 352, S. 130f)

Alkoholgehalt von Lebensmitteln

In Lebensmitteln kann natürlicher oder auch künstlich zugesetzter Alkohol (nicht immer kennzeichnungspflichtig) enthalten sein. Obstsaft darf bis zu 0,38% Alkohol enhalten, mit Ausnahme des Traubensaftes, der sogar 1% enthalten darf. Dabei ist fraglich, ob diese Grenzwerte auch immer eingehalten werden. Kefir kann bis zu 2% Alkohol enthalten. Brot enthält bis zu 0,3% Alkohol.

Die Einnahme von 1L Traubensaft mit 1% Alkoholgehalt entspricht der Einnahme von 0,2L Bier mit 5% Alkoholgehalt oder 0,1L Wein mit 10% Alkoholgehalt. Das Trinken von 2L Apfelsaft mit der zulässigen Menge von 0,38 Prozent entspricht der Einahme von 0,15L (das ist die Hälfte eines kleinen Bieres) von 5%.

Abgesehen von den zulässigen Grenzwerten bei den Säften ist generell bei Getränken (außer Bier) die Kennzeichnung des Alkoholgehalts erst ab 1,2 % vorgeschrieben. Ein süßes Dosen-Mixgetränk kann also 1,2 % Alkohol enthalten, ohne daß das drauf stehen muß. Zudem führt der Zuckergehalt dazu, daß man den enhaltenen Alkohol beim Trinken eventuell nicht bemerkt.[1]

Durch den Wein wird die Erkenntnis der Reinkarnation unterdrückt

Der Wein hat auf den Menschen ein ganz besondere Wirkung, durch die er nicht aus eigener Anschauung zur Erkenntnis von Reinkarnation und Karma kommen kann. Zugleich wird der physischen Leib dadurch so präpariert, dass er eine gewisse Anziehungskraft zu dem aus dem Grabe auferstandenen Phantomleib des Christus entwickelt. Diese Wirkung wird durch den christlichen Schulungsweg noch wesentlich verstärkt. Es war durchaus notwendig, dass der Mensch wenigstens einmal eine Inkarnation durchlebte, in der er keine Kenntnisse der früheren Erdenleben hatte - und das gilt auch für den christlichen Eingeweihten:

"Damit der Mensch sich dachte, die eine Inkarnation sei die einzige, dazu war notwendig, daß etwas das Gehirn von der Erkenntnis von den höheren Prinzipien im Menschen, von Atma, Buddhi, Manas und von der Erkenntnis der Reinkarnation abschnitt. Dazu wurde den Menschen der Wein gegeben. Früher war bei allem Tempelkultus nur das Wasser gebraucht worden. Dann wurde der Gebrauch des Weines eingeführt, und sogar ein göttliches Wesen, Bacchus, Dionysos, war der Repräsentant des Weines. Der tiefsteingeweihte Jünger, Johannes, enthüllt in seinem Evangelium, was der Wein für die innere Entwickelung bedeutet. Bei der Hochzeit von Kana in Galiläa wird das Wasser in Wein verwandelt. Durch den Wein wurde der Mensch so zubereitet, daß er die Reinkarnation nicht mehr verstand. Damals wurde das Opferwasser in Wein verwandelt, und wir sind jetzt wieder dabei, den Wein in Wasser zu verwandeln. Wer hinaufkommen will in die höheren Gebiete des Daseins, der muß sich jeden Tropfens Alkohol enthalten. (Lit.: GA 097, S. 22)

Der Alkohol als bedeutendes Hindernis auf dem spirituellen Weg

Wer auf dem anthroposophischen Schulungsweg fortschreiten will, dem kann nur geraten werden, sich des Alkoholkonsums völlig zu enthalten. Denn der Alkohol, auch nur gelegentlich in geringer Menge genossen (gemeint sind z.B. ein Glas Bier oder ein Glas Wein), unterdrückt die Wandlung der Wesensglieder des Menschen zu Manas, Buddhi und Atma.[2]

"Ganz genau so wird durch den Genuß des Alkohols eliminiert die Tätigkeit des Ich auf das Blut. Daher empfindet derjenige, welcher Anthroposophie zu seinem Lebenselemente macht, die Arbeit des Alkohols im Blute als direkten Kampf gegen sein Ich, und es ist daher nur natürlich, daß eine wirkliche geistige Entwicklung nur leicht vor sich gehen kann, wenn man ihr nicht diese Widerlage schafft." (Lit.: GA 145, S. 21)

Einzelnachweise

  1. Verordnung über die Kennzeichnung von Lebensmitteln (Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung - LMKV)[1]
  2. Vgl. http://www.pelagius.de/index.php?id=41

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Kosmogonie, GA 94 (1979), Paris, 31. Mai 1906 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Das christliche Mysterium, GA 97 (1998) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Menschheits-Entwicklung und Christus-Erkenntnis, GA 100 (1981), Basel, 25. November 1907 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Das Johannes-Evangelium, GA 103 (1981), Fünfter Vortrag, Hamburg, 23. Mai 1908 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Welche Bedeutung hat die okkulte Entwicklung des Menschen für seine Hüllen und sein Selbst?, GA 145 (1986), Erster Vortrag, Den Haag, 20. März 1913 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  6. Rudolf Steiner: Natur und Mensch in geisteswissenschaftlicher Betrachtung, GA 352 (1981), ISBN 3-7274-3520-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  7. Ralph Melas Große: Nüchtern bin ich schüchtern. Hintergründe und Gefahren des Alkoholkonsums, Gesundheit aktiv e.V., Bad Liebenzell 2011
  8. Adolf Baumann: ABC der Anthroposophie. Ein Wörterbuch für jedermann, Hallwag Vlg., Bern/Stuttgart 1986, S. 7 - 8
  9. Klaus D. Neumann, Wolfgang Weirauch u.a.: Kulturvergiftung Alkohol. Flensburger Hefte; Auflage: 2., veränd. Aufl. (1991), ISBN 3926841346
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