Existenzphilosophie

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Søren Kierkegaard um 1840
Signatur Søren Kierkegaards

Die Existenzphilosophie (von lat. existentia - Bestehen, Dasein), die erstmals 1929 von dem deutschen Philosophen Fritz Heinemann mit diesem Namen bezeichnet wurde[1], und als deren eigentliche Begründer Søren Kierkegaard, aber auch Friedrich Nietzsche gelten, stellt die - im weitesten Sinn gefasste - Existenz, die im konkreten irdischen Dasein verkörperte menschliche Individualität, in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen. Die Erkenntnis der eigenen und einmaligen Bestimmung ist nach Kierkegaard das höchste Gut des Menschen. Jeder Mensch müsse seine eigene Wahrheit finden, eine Idee, für die er leben und sterbe könne und danach in freier Wahl seine Existenz bestimme. Für moralische Entscheidungen gäbe es keine allgemein gültige, rational fassbare Grundlage, doch solle der Mensch in seiner freien Existenzwahl im Sinne eines vollkommen individualisierten Christentums wieder zum Glauben und zu Gott und damit zur Stufe des Ethischen zurückfinden. Nietzsche fasste die Existenzwahl noch radikaler auf und forderte die «Umwertung aller Werte», wonach jeder individuelle Mensch über das, was als ihm als sittlich gelten solle, völlig autonom selbst zu entscheiden habe. Anders als Kierkegaard lehnte er die jüdisch-christlichen Moralvorstellungen als bloße „Sklavenmoral“ entschieden ab.

Die französische Ausformung der Existenzphilosophie, die in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg nachhaltig von Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Albert Camus und Gabriel Marcel geprägt wurde, wird Existentialismus genannt. Sartres wohl bekannteste, zentrale existentialistische Aussage lautet: „Die Existenz geht der Essenz voraus“[2]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Fritz Heinemann: Neue Wege der Philosophie. Geist, Leben, Existenz, 1929
  2. Jean-Paul Sartre: Der Existentialismus ist ein Humanismus, 1946