Fama Fraternitatis

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Originalausgabe der Fama Fraternitatis, 1614.

"Im Jahre 1614 erschien die sogenannte «Fama Fraternitatis» und ein Jahr später die sogenannte «Confessio» - zwei Bücher, über die von gelehrter Seite viel gestritten worden ist.(...) Alles, was in die Literatur übergegangen ist, was geschrieben und gedruckt worden ist, sind einzelne Bruchstücke, einzelne verlorene, durch Verrat an die Öffentlichkeit gekommene Dinge, die ungenau und in vielfacher Weise durch Charlatanerie, Schwindel, Unverstand und Dummheit verkehrt worden sind. Die wahre, echte Rosenkreuzerei ist, seitdem sie besteht, stets nur Gegenstand mündlicher Mitteilung an solche gewesen, welche sich eidlich zur Geheimhaltung verpflichten mußten. Daher ist auch nichts Erhebliches in die öffentliche Literatur übergegangen."[1]

Die Fama Fraternitatis erschien 1614 ohne Autorenangabe. Sie ist ein kurzer Abriss der Lebensgeschichte des legendären Fraters C.R., der versucht, sein im Nahen Osten und in Afrika gesammeltes Wissen in Europa weiterzugeben, aber an der Borniertheit der europäischen Gelehrten scheitert. Es wird dabei angenommen, dass sich hinter dem Kürzel C.R. der in der Chymischen Hochzeit genannte Christian Rosencreutz verbirgt. Dieser – so die Gründerlegende – beruft nach seiner Reise eine eigene geheime Bruderschaft, um die besonderen Kenntnisse zu bewahren, die Frater C.R. auf seiner Reise angesammelt hat. Die Mitglieder der Bruderschaft verteilen sich in Europa. In der Zentrale dieser Gesellschaft findet die dritte Generation nach Rosencreutz im Jahre 1604 den Leichnam des Gründers.

Die Schilderung der Entdeckung des Leichnams von Frater C. R. beruht auf der Erzählung des verborgenen Grabes des Hermes Trismegistos und damit der Wiederentdeckung der Tabula Smaragdina "Verba Secretorum Hermetis, quae scripta erant in Tabula Smaragdi, inter manus eius inventa, in obscuro antro, in quo humatum corpus eius repertum est. – Die Worte der Geheimnisse des Hermes, die in die Smaragdtafel graviert waren (wörtl.: ...welche auf die S. geschrieben waren), wurden zwischen seinen Händen gefunden, in einer verborgenen Höhle, die seinen menschlichen Körper wieder zum Vorschein brachte." (Zitat Satz 1 der Tabula Smaragdina).

Die Fama Fraternitatis ist eingebettet in eine anonyme Schrift mit dem Titel Allgemeine und General Reformation der ganzen weiten Welt. Beneben der Fama Fraternitatis. Der erste Teil, die Reformation, ist eine satirische Fabel, die die Generalreformation, wie sie im Umkreis von Johann Valentin Andreae behandelt wurde, zum Thema hat. Tatsächlich wurde sie nur unverändert aus den bereits 1612 erschienenen Ragguagli di Parnasso des Traiano Boccalini übernommen. Trotzdem lässt sich nach aktueller Forschung belegen, dass sich die Autorenschaft bzw. der Tübinger Kreis um Andreae bis hin zum Universitätsprofessor Christoph Besold erstreckt. Bereits um 1604 war eine vorgefertigte Handschrift zur Fama Fraternitatis im Umlauf. Andreae war zu diesem Zeitpunkt seit 1601 Student an der Universität Tübingen. Die Rolle Besolds war dadurch bestimmt, dass er einen großen Einfluss auf Andreae ausübte. Es wird angenommen, dass Besold auch Kontakte zu Anhängern Simon Studions pflegte. Simon Studion war selbst Absolvent der Universität Tübingen und verfasste zu jener Zeit unter anderem die Naometria, die 1604 veröffentlicht wurde – zeitgleich mit der in der Fama beschriebenen Graböffnung. In der Naometria wurden ebenfalls Ideen einer angestrebten geistigen Reformation und Umwälzung der Gesellschaft dargelegt. Studion nutzt dazu in seinem Werk die Symbole Kreuz und Rose und erwähnt eine Gesellschaft mit Namen Militia Crucifera Evangelica. Von manchen wird diese Gesellschaft als Vorläufer der späteren Rosenkreuzerbruderschaft angesehen, die sich zum Schutze und der Reinheit des christlichen Glaubens formierte. Um die Entstehung der Fama zu verstehen, muss man beachten, dass zur damaligen Zeit ein ungeheurer Reformationswille von der Bevölkerung ausging. Man richtete sich seit Luther wieder vermehrt gegen den Klerus und versuchte möglicherweise, einen Bund gegen die katholische Societas Jesu, auch Jesuiten-Orden genannt, aufzubauen.

Literatur

  1. Johann Valentin Andreae: Die Bruderschaft der Rosenkreuzer. Esoterische Texte (Diederichs Gelbe Reihe; 53). Diederichs, München 1995, ISBN 3-424-00793-5 (hrsg. von Gerhard Wehr)
  2. Peter Selg: Rudolf Steiner und Christian Rosenkreutz, Vlg. des Ita Wegman Instituts, Arlesheim 2011 (Im Anhang befindet sich eine Neuübertragung der Fama fraternitatis durch Johannes Wilhelm Gädeke)

Anmerkungen

  1. Rudolf Steiner, Die Erkenntnis des Übersinnlichen in unserer Zeit und deren Bedeutung für das heutige Leben, Rudolf Steiner Verlag, Dornach, 1983, Seite 176f

Kritische Weblinks

  1. Fama Fraternitatis
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