Farbspektrum

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Farbspektrum
Regenbogen über Suðuroy auf den Färöer Inseln.
Komplementärspektrum mit Pfirsichblüt in der Mitte.
Die Kantenspektren eines dunklen Streifens auf hellem Hintergrund vereinigen sich zum Komplementär-Spektrum (links).
Die Kantenspektren eines hellen Streifens auf dunklem Hintergrund ergeben das reguläre Newton-Spektrum (rechts).
Kantenspektren bei drei verschieden Breiten des Streifens:
links: dunkler Streifen → Komplementär-Spektrum,
rechts: heller Streifen → reguläres Newton-Spektrum

Das Farbspektrum oder Lichtspektrum, das sich am unmittelbarsten in dem optisch-atmosphärisches Phänomen des Regenbogens offenbart und alle Spektralfarben umfasst, zeigt sich als leuchtendes, schmales Farbband, in dem die sieben Regenbogenfarben spektral geordnet nach ihrer Farbqualität erscheinen, beginnend mit dunklem Violett, das sich dann über Indigo zu Blau aufhellt; in der Mitte des Farbbands erscheint Grün, das nach außen hin in Gelb, Orange und Rot übergeht. Die Farbzonen sind dabei nicht scharf voneinander abgegrenzt, sondern gehen kontinuierlich inneneinder über.

Die Entstehung des Farbspektrums lässt sich nach Goethes Farbenlehre aus dem Zusammenwirken von Licht und Finsternis erklären. Wird weißes Licht abgedunkelt, färbt es sich zunächst gelblich und geht bei weiterer Verdunklung über Orange in ein immer dunkleres Rot über. Wird umgekehrt die schwarz erscheinende Finsternis schrittweise erhellt, geht sie allmählich in ein dunkles Violett über, das sich nach und nach über Indigo zu Blau aufhellt. Grün entsteht sekundär aus der Mischung von Gelb und Blau.

Das kann man genau beobachten, wenn man einen schmalen weißen Streifen auf schwarzem Hintergrund durch ein quer davor gehaltenes Glasprisma betrachtet. Die Farben entstehen zunächst nur an den Kanten, wo Weiß in Schwarz bzw. Schwarz in Weiß übergeht. Von diesen Kantenspektren muss man ausgehen. An der einen Kante zeigen sich nur die gelbroten Farbtöne. Hier wird durch das Prisma das Bild des dunklen Hintergrunds über den weißen Streifen geschoben und dieser dadurch zu den gelben und roten Farbtönen abgedunkelt. Die roten Farben liegen dabei außen, die gelben innen. An der anderen Kante schiebt das Prisma das Bild des weißen Streifens über den schwarzen Hintergrund, der dadurch zu den violetten und blauen Farbtönen aufgehellt wird. Hier liegen die violetten Farben außen und die blauen innen. Grün zeigt sich zunächst noch nicht. Erst wenn man das Prisma in der Querrichtung so dreht, dass der weiße Streifen immer schmäler erscheint, mischt sich das Gelb der einen Kante mit dem Blau der anderen Kante, und dann erst ensteht das Grün.

Das reguläre Spektrum umfasst nicht alle Farben, die der Mensch wahrnehmen kann. Das zeigt sich sehr deutlich, wenn man den gerade beschriebenen Versuch abwandelt und einen schmalen schwarzen Streifen auf weißem Hintergrund durch das Prisma betrachtet. An den Kanten bilden sich wieder die gelbroten bzw. blauvioletten Farbsäume, aber diesmal in umgekehrter Reihenfolge. Die gelben bzw. blauen Farbtöne liegen jetzt außen und dadurch kann in der Mitte durch Mischung auch kein Grün entstehen, denn hier überlagern sich jetzt Rot und Violett. Dadurch entsteht ein intensives Pfirsichblüt. Das negative Spektrum, das Goethe-Spektrum, das auf dies Art entsteht, ist das Komplementärspektrum zum regulären Newton-Spektrum.

Erst beide Spektren zusammen bilden eine Ganzheit und decken den ganzen Farbraum ab, den der Mensch wahrnehmen kann.

"Sieht man die Grünheit der Natur, so ist das gewissermaßen etwas, was noch nicht so weit erstorben ist, was noch nicht so von der Vergangenheit ergriffen ist (siehe Zeichnung grün). Das aber, was nach der Zukunft hinweist, ist dasjenige, was aus dem Finstern, aus dem Dunkeln herauskommt. Da, wo das Grün zum Bläulichen abgestuft ist, da ist das, was sich in der Natur als das Zukünftige erweist (blau).

Tafel 10 aus GA 202, S 80

Dagegen da, wo wir gewiesen werden in die Vergangenheit, wo dasjenige liegt, was reift, was die Dinge zum Blühen bringt, da ist die Wärme (rot), wo das Licht sich nicht nur aufhellt, sondern wo es sich innerlich durchdringt mit Kraft, wo es in die Wärme übergeht. Nun müßte man das Ganze eigentlich so zeichnen, daß man sagt: Man hat das Grüne, die Pflanzenwelt - so würde Goethe empfinden, wenn er es auch noch nicht in Geisteswissenschaft oder Geheimwissenschaft umgesetzt hat -, daran anknüpfend die Finsternis, wo sich das Grüne bläulich abstuft. Das sich Aufhellende, von Wärme Erfüllende aber, das würde sich wiederum anschließen nach der oberen Seite hin. Da steht man aber selbst als Mensch, da hat man als Mensch innerlich das, was man in der grünen Pflanzenwelt äußerlich hat, da ist man innerlich als menschlicher Ätherleib, wie ich oftmals gesagt habe, pfirsichblütfarbig. Das ist auch die Farbe, die hier erscheint, wenn das Blau in das Rote übergreift. Das ist man aber selber. So daß man eigentlich, wenn man in die farbige Welt hinaussieht, sagen kann: Man steht selber in dem Pfirsichblütigen drinnen, hat gegenüber das Grün.

Tafel 10 aus GA 202, S 81

Das bietet sich einem dann objektiv in der Pflanzenwelt dar. Man hat auf der einen Seite das Bläuliche, Finstere, auf der anderen Seite das Helle, Rötlich-Gelbliche. Aber weil man in dem Pfirsichblütigen drinnen ist, weil man da drinnen lebt, kann man das zunächst im gewöhnlichen Leben ebensowenig wahrnehmen, wie man den Gedanken als Licht wahrnimmt. Was man erlebt, das nimmt man nicht wahr, deshalb läßt man da das Pfirsichblüt aus und sieht nur auf das Rot hin, das man auf der einen Seite erweitert, und nach dem Blau hin, das man nach der anderen Seite erweitert; und so erscheint einem solch ein Regenbogenspektrum. Das ist aber nur eine Täuschung. Das wirkliche Spektrum würde man bekommen, wenn man dieses Farbenband kreisförmig biegen würde. Man biegt es in der Tat gerade, weil man als Mensch in dem Pfirsichblütigen drinnensteht, und so übersieht man nur von Blau bis zu Rot und von Rot bis zu Blau durch das Grün die farbige Welt. In dem Augenblicke, wo man diesen Aspekt haben würde, würde jeder Regenbogen als Kreis erscheinen, als in sich gebogener Kreis, als Rolle mit Kreisdurchschnitt." (Lit.: GA 202, S. 80ff)

"Wenn man nur mit einiger Imagination nach dem Regenbogen hinschaut, da sieht man Elementarwesen, die am Regenbogen sehr tätig sind. Diese Elementarwesen zeigen sehr merkwürdige Erscheinungen. Hier (bei Rot und Gelb) sieht man fortwährend aus dem Regenbogen herauskommen gewisse Elementarwesen. Die bewegen sich dann so herüber. In dem Augenblicke, wo sie ankommen an dem unteren Ende des Grüns, werden sie angezogen. Man sieht sie hier verschwinden (bei Grün und Blau). Auf der anderen Seite kommen sie wieder heraus. Der ganze Regenbogen zeigt für den, der ihn mit Imagination anschaut, ein Herausströmen des Geistigen, ein Verschwinden des Geistigen. Er zeigt tatsächlich etwas wie eine geistige Walze, wunderbar. Und zu gleicher Zeit bemerkt man an diesen geistigen Wesenheiten, daß, indem sie da herauskommen, sie mit einer großen Furcht herauskommen, indem sie da hineingehen, gehen sie mit einem ganz unbesieglichen Mut hinein. Wenn man nach dem Rotgelb hinschaut, da strömt Furcht aus, wenn man nach dem Blauviolett hinschaut, bekommt man das Gefühl: Da lebt ja alles wie Mut, wie Courage." (Lit.: GA 233a, S. 21)

Tafel 2

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Brücke zwischen der Weltgeistigkeit und dem Physische des Menschen, GA 202 (1993), ISBN 3-7274-2020-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Mysterienstätten des Mittelalters, GA 233a (1991), ISBN 3-7274-2335-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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