Faust II

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Titelblatt des 1831 vollendeten zweiten Teils der Tragödie

Faust, der Tragödie zweiter Teil, (kurz: Faust II) wurde von Johann Wolfgang von Goethe 1832 als Fortsetzung von Faust I veröffentlicht.

Goethe arbeitete mit Unterbrechungen über sechs Jahrzehnte am Fauststoff, den er bereits in seiner Kindheit kennengelernt hatte. Der Zweite Teil der Dichtung bildete die Hauptbeschäftigung seiner letzten Lebensjahre und erschien erst - posthum - 1832. Im Unterschied zum ersten Teil stehen vordergründig nicht mehr das Seelen- und Gefühlsleben des einzelnen Menschen im Mittelpunkt, sondern gesellschaftliche Phänomene wie Geschichte und Politik.

Inhalt

Das Stück besteht aus fünf Akten.

Erster Akt

Faust, ermüdet, unruhig Schlaf suchend, gebettet auf blumigen Rasen, wird von Ariel und seiner Elfenschar umschwebt, die seine aufgewühlte Seele im Tau aus Lethes Flut mit wohltuendem Vergessen besänft igen. Wie weggewischt erscheint eine zeitlang die Gretchentragödie des ersten Teils. So tief Faust auch in schwere Schuld verstrickt erscheint, so ist doch ein unverlierbarer höherer Teil seiner Seele rein und unschuldig geblieben in seinem unermüdlichen geistigen Streben. Tönend wird für Geistesohren schon der neue Tag geboren. Die Elfenschar zerstreut sich und Faust, erwachend zu einem vertieft en Lebensgefühl, sieht die Erdenwelt mit völlig neuen Augen an. Was prächtig sich an seine Sinne drängt, allem voran der strahlende Regenbogen, wird ihm zugleich zum Abglanz einer höheren Welt.

Die Szene wechselt in die Kaiserliche Pfalz, in den Th ronsaal. Der König, der unter Trompetenschall mit seinem Hofgesinde einzieht, wird vom Staatsrat schon dringend erwartet. Die Situation sei unhaltbar geworden, meint der Kanzler; Bürger, Ritter und Soldaten begehrten auf, die Staatskasse sei leer, überall mangle es an Gold. Mephisto, der die Rolle des Hofnarren übernommen hat, bietet dem Kaiser seine Hilfe an. Überall im Land vergraben seien doch die reichsten Schätze, die nur darauf warten gehoben zu werden. Und da das Land des Kaisers Eigentum sei, so könne er darüber frei verfügen. Der Hofastrologe warnt vor zu großer Eile, man solle erst das Karnevalsfest genießen und sich nachher weiter besinnen. Der Mummenschanz beginnt und der Knabe Lenker führt Faust herbei. Dieser, als Plutus verkleidet, zaubert einen vermeintlichen Goldschatz herbei; die Menge johlt. Die Nymphen begleiten den Kaiser, der in der Maske des großen Pan erscheint. Die Deputation der Gnomen umringt ihn und der Herold kommentiert das ganze Geschehen. Das Spektakel endet, als der Kaiser seinen Kostümbart an Fausts Feuerzauber entzündet und den ganzen Maskenzug in Brand steckt, den Plutus schließlich mit Magie löscht. Am folgenden Morgen wird dem Kaiser das mit Hilfe Fausts und Mephistos gedruckte Papiergeld präsentiert, das eine Hypothek auf die vergrabenen Schätze sein soll. Die Staatskrise scheint abgewendet.

Faust zieht Mephisto beiseite. Der Kaiser will nun unterhalten sein, „will Helena und Paris vor sich sehn; das Musterbild der Männer so der Frauen.“ Mephisto selbst kann wenig tun, denn „Teufels-Liebchen, wenn auch nicht zu schelten, können nicht für Heroinen gelten.“ Ungern entdeckt er höheres Geheimnis: er verweist Faust in das Reich der „Mütter“, ein Wort, bei dem Faust wie elektrisiert auff ährt. „Ins Unbetretene, nicht zu Betretende“ führt der Weg, warnt Mephisto, in eine rastlos bewegliche geistige Welt ohne feste Konturen, eine Welt die Mephisto verschlossen bleibt, die ihm als bloß wesenlose Leere erscheint. Doch Faust läßt sich nicht abhalten: „In deinem Nichts hoff ‘ ich das All zu fi nden.“ Mephisto drückt Faust noch einen Schlüssel in die Hand und ruft ihm nach: „Versinke denn! Ich könnt‘ auch sagen: steige! ‘s einerlei.“ Faust stampft und versinkt.

Kaiser und Hofstaat sind inzwischen eingezogen. Der Astrologe kommentiert das Geschehen, Mephisto bläst ein, eine Art Massensuggestion entsteht, durch die der ganze Hof Faust Vision miterleben kann, der in das grenzenlos ewige Reich der Mütter heraufsteigt und mit seinem Schlüssel die Weihrauchschale berührt, die auf einem glühenden Dreifuß ruht. Der Dunst senkt sich und der schöne Jüngling Paris tritt hervor, dann Helena. Faust ist fasziniert: „Du bist’s, der ich die Regung aller Kraft , den Inbegriff der Leidenschaft , dir Neigung, Lieb‘, Anbetung, Wahnsinn zolle.“ Als Paris nach der schönen Helena greift , sie zu entführen, fährt Faust aufgebracht dazwischen. Mit einer heft igen Explosion zerstiebt das ganze Schauspiel, Faust stürzt ohnmächtig zu Boden.

Zweiter Akt

Mephisto tritt herein und läßt seine Blicke über Faust alte Studierstube gleiten; hinten erblickt man Faust hingestreckt liegen: „Wen Helena paralysiert, der kommt so leicht nicht zu Verstande.“ Mephisto zieht die Glocke, der frischgebackene Baccalaureus eilt herbei, jener ehemalige Schüler, den Mephisto einst an der Nase herumgeführt hat, der sich aber nun seinem alten „Meister“ weit überlegen fühlt: „Hat einer dreißig Jahr vorüber, so ist er schon so gut wie tot. Am besten wär‘s euch zeitig totzuschlagen.“ Hochmütig entfernt er sich bald wieder.

Wagner macht sich in seinem Laboratorium gerade daran, in einer geheimnisvoll leuchtenden Phiole einen künstlichen Menschen herzustellen, den Homunculus: „Es leuchtet! seht! - Nun läßt sich wirklich hoff en, daß, wenn wir aus viel hundert Stoff en durch Mischung - denn auf Mischung kommt es an - den Menschenstoff gemächlich komponieren, in einen Kolben verlutieren und ihn gehörig kohobieren, so ist das Werk im stillen abgetan.“ Mit Mephistos Hilfe gelingt das Werk, ein nahezu körperloses, licht- und flammenartiges Männchen erscheint im Glas. Homunkulus, die Träume des paralysiert daliegenden Fausts in Gedanken lesend, sieht, wie diesem träumt, daß Zeus in Schwanengestalt sich Leda naht, zum göttlichen Vater der schönen Helena wird. Er weist Mephisto mit Faust zur klassischen Walpurgisnacht nach Griechenland. „Her Vetter ist nicht zu verachten“, meint Mephisto, „Am Ende hängen wir doch ab von Kreaturen, die wir machten.“

Erichtho, die düstere thessalische Hexe, rüstet sich auf den Pharsalischen Feldern zum „Schauderfeste dieser Nacht“, als sich ein leuchtender Ball herabsenkt - „Ich wittre Leben.“ Faust, Mephisto und Homunkulus schweben heran. Sie weicht, da es ihr nicht geziemen will „Lebendigem zu nahen, dem ich schädlich bin.“

Klassische Walpurgisnacht

Faust, den Boden berührend, fühlt sich wie durch ein Wunder nach Griechenland versetzt. Wird er hier Helena begegnen können? Auf getrennten Wegen beginnen die Gefährten die Gegend zu durchstreifen, die sich von mythologischen Gestalten erfüllt. Seltsam fremdartig empfindet Mephisto diese Welt am oberen Peneios, in der ihm Sphinxe begegnen, Greife, die mit den einäugigen Arimaspen um Gold ringen, Ameisen von der kolossalen Art die geschäftig umherrennen und Sirenen ihren Gesang anstimmen, bis endlich Faust, wundersam berührt von dieser Zauberwelt, herantritt und die Sphinxe anspricht: „Hat eins der Euren Helena gesehen?“ Sie wissen ihm nicht weiterzuhelfen, doch „von Chiron könntest du’s erfragen.“ Faust entfernt sich.

Peneios regt sich, von Gewässern und Nymphen umgeben. Faust, der an den Fluß herantritt, vermeint menschenähnliche Laute zu vernehmen. Wunderbare Bilder entfalten sich vor ihm: „Sind’s Träume? Sind’s Erinnerungen?“ Wieder, wie in seinem ersten Traum, sieht er junge Frauengestalten, auch Schwäne kommen majestätisch herangeschwommen. Da erdröhnt der Boden von eiligen Huft ritten. Chiron, der in der Heilkunst wohlbewandte halbgöttliche Kentaur, naht und wird von Faust gebeten, ihn zu Helena zu führen. Doch dieser schickt ihn weiter zur Seherin Manto. Gemeinsam mit Faust macht sie sich auf den Weg in die Unterwelt, in Persephones Reich, aus dem Helena hervorgeholt werden soll: „Den lieb‘ ich, der Unmögliches begehrt.“

Mit heftigem Beben erschüttert Seismos die Erde. Die Sirenen flüchten, nur die Sphinxe harren unverrückbar aus. Schon sehen die gierigen Greife Gold in allen Ritzen glitzern, die Ameisen laufen geschäftig, es einzusammeln. Die Pygmäen rüsten sich zum Kampf gegen die Kraniche. Die Imsen müssen ihnen Metalle schaff en, die Daktyle Hölzer aufschichten, die Waff en sollen geschmiedet werden. Krächzend zerstreuen sich die Kraniche in den Lüften. Indessen streift Mephisto durch die Ebene, in der sich Geröll über Geröll türmt. Die vampirartigen, dürren und bleichgesichtigen Lamien drängen sich an ihn. „Absurd ist’s hier, absurd im Norden.“ Er stolpert weiter durch das frisch aufgeworfene Gestein: „Ein solch Gebirg in einer Nacht!“ Oreas ruft vom granitenen Naturfels her: „Herauf hier! Mein Gebirg ist alt.“ Homunkulus schwebt von Stell‘ zu Stelle „und möchte gern im besten Sinn entstehen.“ Zwei Philosophen ist er auf der Spur, die ihm vielleicht weiterhelfen können, sich zu verkörpern. Anaxagoras und Thales sind gerade ins Streitgespräch darüber vertieft , wie das neue Gebirge entstanden sein könnte. „Plutonisch grimmig Feuer, Äolischer Dünste Knallkraft , ungeheuer, durchbrach des flachen Bodens alte Kruste“, meint Anaxagoras. Thales setzt auf die sanfte lebendig bildende Kraft des Wassers. Da naht plötzlich eine schwarze Wolke von Kranichen heran, die mit scharfen Schnäbeln und Krallen auf das Pygmäenvolk niederstechen. Anaxagoras ruft die Dreinamig-Dreigestaltete an: „Diana, Luna, Hekate! Du Brusterweiternde, im Tiefsten Sinnige, du Ruhigscheinende, Gewaltsam-Innige.“ Sie zeigt sich seinem seherischen Blick, während Thales nichts bemerkt.

Während die Philosophen mit dem in seiner Phiole schwebenden Homunkulus verschwinden, naht Mephisto von der anderen Seite. Dryas weist ihn zu den Phorkyaden, die auch die Graien, die drei grauen Weiber genannt werden, Töchter von Phorkys und Keto und Schwestern der Gorgonen. Von Geburt an haben sie nur ein Auge und einen Zahn, die sie schwesterlich miteinander teilen. Mephisto drängt: „Euch dreien gnügt ein Auge, gnügt ein Zahn; da ging es wohl auch mythologisch an, in zwei die Wesenheit der drei zu fassen, der Dritten Bildnis mir zu überlassen ...“ und verwandelt sich selbst zur urhäßlichen Phorkyas, als die er in nächster Zeit erscheinen wird.

Der Mond verharrt im Zenit, die Sirenen lagern sich singend auf den Klippen der Felsenbuchten des Ägäischen Meeres, und Nereiden und Tritonen ziehen als Meerwunder heran. Sie sind auf dem Wege, die göttlichen Kabiren, die Meister alles Entstehens und Werdens, von Samothrake herbeizuholen.

Thales führt Homunkulus inzwischen zu Nereus, dem Vater der Nereiden.; vielleicht kann er Homunkulus zur körperlichen Existenz verhelfen. Doch Nereus, seine schönste Tochter Galatee erwartend, will nicht gestört werden und verweist sie auf Proteus, den ewig wandelbaren Gott, der in vielfältigsten Gestalten zu erscheinen vermag.

Inzwischen bringen die Nereiden und Tritonen die Kabiren heran, die Homunkulus aber nur als „irden-schlechte Töpfe“ erscheinen. Unbemerkt naht Proteus, erscheint bald als Riesenschildkröte, bald edel gestalten und ist erst zu fassen, als ihn Thales durch das geheimnisvolle Leuchten von Homunkulus Phiole anlockt. Gern will er dem wundersamen lichten Knaben helfen, zu entstehen. Als Proteus-Delphin trägt er ihn die Meereswogen, in denen sich Psyllen und Marsen tummeln und die Doriden auf Delphinen reiten. Schon naht Galatea auf ihrem Muschelthron, an dem Homunkulus zerschellt - es flammt und blitzt „und rings um ist alles vom Feuer umronnen“. Ein feuriges Wunder verklärt die Wellen: „So herrsche denn Eros, der alles begonnen!“

Dritter Akt

Vor dem Palaste des Menelas zu Sparta beklagt Helena, von Choretiden begleitet, das ungewisse Schicksal, das ihr Ehemann, der Spartanerkönig Menelas, für sie bestimmt hat. Von Troja kommend hatte er sie zur Vorbereitung eines Opfers zum Palast vorausgeschickt. Phorkyas-Mephistopheles erscheint an der Schwelle des Palastes, gibt vor, Helena sei selbst als Opfer bestimmt und weist ihr einen Fluchtweg: an des Eurotas Quellen sei eine unersteiglich feste Burg aufgetürmt worden, in die sie sich mit ihren Getreuen retten könne. Helena folgt Phorkas Rat, Nebel steigt auf und die Szenerie verwandelt sich zum inneren Burghof.

Als Burgherr tritt Faust heran und begrüßt feierlich die Angekommene. Lynkeus, der Turmwächter, steht gefesselt an seiner Seite. Er soll hingerichtet werden, da er Helenas Ankunft nicht rechtzeitig gemeldet hat. Helena fordert Gnade für ihn und Faust, betroff en von ihrer Großmut, legt ihr die Herrschaft über die Burg zu Füßen: „Was bleibt mir übrig, als mich selbst und alles ... dir anheimzugeben? Zu deinen Füßen laß mich, frei und treu, dich Herrin anerkennen.“ Doch sie beruft ihn als Mitregenten an ihre Seite. Kriegslärm verkündet das nahende Heer des Menelas. Faust befiehlt seine Fürsten zur Gegenwehr und zieht sich mit Helena nach Arkadien zurück.

Faust und Helena, die in einer weiträumigen unterirdischen Höhle weilen, werden nicht gesehen. Der Chor liegt schlafend verteilt umher. Phorkyas-Mephisto weckt sie. Ein reizendes, reinmelodisches Saitenspiel erklingt, und Euphorion, das gemeinsame Kind von Faust und Helena, springt lebenslustig aus der Höhle hervor. Der übermütige Knabe schlingt sich durch die Reihe der Choretiden, einzelne zum Tanz fordernd. Die wildeste von ihnen fasst er in den Arm, sie fl ammt auf und lodert in die Höhe.

Kriegslärm ertönt vom Meer her; dorthin zieht es nun Euphorion. Ikarus gleich wähnt er sich befl ügelt, wirft sich in die Lüft e, die Gewande tragen ihn einen Augenblick, sein Haupt strahlt - und der schöne Jüngling stürzt sich vor den Augen seiner Eltern zu Tode. Sein Körperliches verschwindet, eine Aureole steigt wie ein Komet zum Himmel; Kleid, Mantel und Lyra bleiben liegen. Aus der Tiefe erklingt seine flehende Stimme: „Laß mich im düstern Reich, Mutter, mich nicht allein!“ Helena umarmt Faust ein letztes Mal: „Zerrissen ist des Lebens wie der Liebe Band; bejammernd beide, sag‘ ich schmerzlich Lebewohl.“ Ihr Körperliches verschwindet, Kleid und Schleier bleiben in Fausts Arm zurück, lösen sich dann in Wolken auf, heben ihn in die Höhe und ziehen mit ihm vorüber. Der Chor verwandelt sich in eine Schar von Naturgeistern, und aus Phorkyas wird wieder Mephisto.

Vierter Akt

Wie eine Wolke lösen sich die vorangegangen Traumerlebnisse langsam von ihm ab und Faust fi ndet sich inmitten des Hochgebirges wieder. Frisch und gestärkt fühlt er Mut zu neuen Taten. Schon lange verdrießt ihn, wie das herrische Meer des flachen Ufers Breite bestürmt und zur Unfruchtbarkeit verurteilt. Hier will er kämpfen, Dämme aufrichten, und dem Meer fruchtbares Land abtrotzen.

Kriegerische Musik ertönt von Ferne, das Kaiserreich ist in Gefahr. Der falsche Reichtum, der dem Kaiser durch die Erfi ndung des Papiergeldes zuteil wurde, hat ihn leichtsinnig und verschwenderisch gemacht und das Reich ins Chaos gestürzt. Ein Gegenkaiser wurde ausgerufen. Nur mit Fausts Hilfe und durch Mephistos Zauberkraft kann er sich halten und seine Gegner bezwingen. Zum Dank erhält Faust jenen unfruchtbaren Küstenstreifen als Lehen, den er sich für seinen neuen Tatendrang ausersehen hat.

Fünfter Akt

Um nichts in der Welt wollen Philemon und Baucis ihr ärmliches Hüttchen aufgeben, das inmitten von Fausts Herrschaft sgebiet liegt. Faust, mittlerweile im höchsten Alter, ist über diesen Schandfl eck, der sein großes Werk verunziert, zutiefst entrüstet: „Die Alten droben sollten weichen, die Linden wünscht‘ ich mir zum Sitz.“ Mephisto erfüllt nur allzu gründlich seinen Wunsch: die Hütte wird niedergebrannt und die Alten kommen in der Flammenhölle um. Faust, erschüttert von dem unbesonnen wilden Streich, fühlt imaginativ vier graue Weiber, heranschweben und wie von ferne zeigt sich der Tod. Drei der grauen Schatten, Mangel, Schuld und Not, sieht er wieder gehen; die Sorge bleibt, haucht ihn gespenstisch an, und Faust erblindet: „Die Nacht scheint tiefer tief hereinzudringen, allein im Innern leuchtet helles Licht.“ Begierig, sein großes Werk zu vollenden, ruft er Mephisto herbei. Ein Sumpf zieht noch am Gebirge hin und soll schleunigst trockengelegt werden. Unermüdlich zu streben ist für Faust der Weisheit letzter Schluß: „Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß.“ Euphorisch bäumt sich Faust angesichts des fast vollendeten Lebensziels auf: „Zum Augenblicke dürft ‘ ich sagen: Verweile doch, du bist so schön! Es kann die Spur von meinen Erdentagen nicht in Äonen untergehn.“ Dann sinkt er tot zurück – die letzte Bedingung des teufl ischen Pakts, die ihn für immer in Mephistos Arme treiben soll, hat sich erfüllt. Lemuren, die schon längst Fausts Grab geschaufelt haben, schleichen sich heran, begleitet von den Dickteufeln vom kurzen, graden Horne und den Dürrteufeln vom langen, krummen Horne. Mephisto fühlt sich seiner Sache sicher, als auf einmal Himmlische Heerscharen von oben herabschweben. Mephisto kann sich der Rosen, die sie streuen kaum erwehren. Immer neue Engel schweben heran und baden Mephisto im seligen Liebeselement, das ihn wie Feuer brennt und ehe er sich’s versieht, erheben sich andere Engelscharen, Fausts Unsterbliches nach oben entführend. Bergschluchten eröff nen sich, „Waldung, sie schwankt heran, Felsen, sie lasten dran.“ Heilige Anachoreten sind an den Hängen verteilt, umschwebt vom Chor seliger Knaben. Fausts Unsterbliches, nun Doktor Marianus genannt, fühlt sich ins geistige Reich erhoben.

Gerettet ist das edle Glied
Der Geisterwelt vom Bösen,
Wer immer strebend sich bemüht,
Den können wir erlösen.
Und hat an ihm die Liebe gar
Von oben teilgenommen,
Begegnet ihm die selige Schar
Mit herzlichem Willkommen.

Frauen ziehen dort vorbei, Heilige Büßerinnen, darunter Gretchens unsterbliche Seele, die sich liebevoll verzeihend Fausts Unsterblichem zuneigt. Alle schweben sie der Mater Gloriosa zu, dem höchsten Bild edelster menschlicher Seelenkräfte, und vereinen sich zum finalen Chorus Mysticus:

Alles Vergängliche
Ist nur ein Gleichnis;
Das Unzulängliche,
Hier wird‘s Ereignis;
Das Unbeschreibliche,
Hier ist‘s getan;
Das Ewig-Weibliche
Zieht uns hinan.

Literatur

Inszenierungen

Vertonungen

Weblinks