Friedrich Eckstein

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Friedrich Eckstein

Friedrich Eckstein (* 17. Februar 1861 in Perchtoldsdorf bei Wien; † 10. November 1939 in Wien) war ein österreichischer Polyhistor, Literat, Mäzen, Theosoph. Freund und zeitweiliger Mitarbeiter Sigmund Freuds. Er ist der Unbekannte, der in „das Unbehagen an der Kultur“ genannte Freund, der Freud über Yoga unterrichtete.

Leben und Werk

Eckstein wurde am 17. Februar 1861 in Perchtoldsdorf als eines von zehn Kindern von Albert Eckstein und Amalie Wehle geboren. Der Vater war Chemiker und Erfinder sowie Besitzer einer Pergamentfabrik. Die Familie zählte zum Großbürgertum und waren Angehörige der jüdischen Religion. [1]

Er hatte frühe Kontakte zu lebensreformerischen Kreisen (Vegetarismus). Friedrich Eckstein war seit 1898 mit Bertha Helene Diener (1874-1948) verheiratet. Sie führten im St.-Genois-Schlößl in Baden bei Wien einen Salon, in dem Peter Altenberg, Arthur Schnitzler, Karl Kraus und Adolf Loos, also „ganz Wien“ verkehrte. Schnitzler verwendete für sein Drama Das weite Land die Ecksteinvilla in Baden und den 1899 geborenen Percy Eckstein als Vorlage. 1904 wurde er von Bertha verlassen, welche sich nach ihrer Scheidung im Jahr 1909 unter dem Pseudonym Sir Galahad als Journalistin und Schriftstellerin einen Namen machte.

Bei literarischen Stammtischen (z.B. im Café Imperial, zweiter Saal, links) traf Eckstein Karl Kraus, Arthur Schnitzler, Felix Salten, Hugo Wolf, Hugo von Hofmannsthal, Franz Werfel, Rainer Maria Rilke, Robert Musil, Adolf Loos, Leo Trotzki und Anton Bruckner, dessen Schüler er zunächst und späterer Privatsekretär war.

Durch Franz Hartmann wurde er in die Theosophie eingeweiht und erhielt im Juni 1886 eine von Helena Petrovna Blavatsky persönlich unterzeichnete Stiftungsurkunde für die Wiener Loge der Theosophie. Damit gründete er 1887 die erste offizielle Loge der Theosophischen Gesellschaft in Österreich mit sich selbst als Präsidenten. [2] Eine Freundschaft mit Gustav Meyrink und Treffen mit dem jungen Rudolf Steiner und Henry Steel Olcott sind bezeugt. Rudolf Steiner schreibt über Eckstein:

"Von den Persönlichkeiten, die mir mit einer solchen Forderung bezüglich der Geist-Erkenntnis entgegentraten, will ich eine nennen, die innerhalb des Wiener Kreises der Frau Lang, den ich gekennzeichnet habe, sich bewegte, die ich aber auch in ändern Kreisen, in denen ich in Wien verkehrte, traf. Es ist Friedrich Eckstein, der ausgezeichnete Kenner jenes «alten Wissens». Friedrich Eckstein hat, solange ich mit ihm verkehrte, nicht viel geschrieben. Was er aber schrieb, war voll Geist. Aber niemand ahnt aus seinen Ausführungen zunächst den intimen Kenner alter Geist-Erkenntnis. Die wirkt im Hintergrunde seines geistigen Arbeitens. Eine sehr bedeutende Abhandlung habe ich, lange nachdem das Leben auch von diesem Freunde mich entfernt hatte, in einer Schriftensammlung gelesen über die böhmischen Brüder.

Friedrich Eckstein vertrat nun energisch die Meinung, man dürfe die esoterische Geist-Erkenntnis nicht wie das gewöhnliche Wissen öffentlich verbreiten. Er stand mit dieser Meinung nicht allein; sie war und ist die fast aller Kenner der «alten Weisheit». Inwiefern in der von H. P. Blavatsky begründeten «Theosophischen Gesellschaft» die als Regel von den Bewahrern «alter Weisheit» streng geltend gemachte Meinung durchbrochen wurde, davon werde ich später zu sprechen haben.

Friedrich Eckstein wollte, daß man als «Eingeweihter in altes Wissen» das, was man öffentlich vertritt, einkleidet mit der Kraft, die aus dieser «Einweihung» kommt, daß man aber dieses Exoterische streng scheide von dem Esoterischen, das im engsten Kreise bleiben solle, der es voll zu würdigen versteht.

Ich mußte mich, sollte ich eine öffentliche Tätigkeit für Geist-Erkenntnis entfalten, entschließen, mit dieser Tradition zu brechen. Ich sah mich vor die Bedingungen des geistigen Lebens der Gegenwart gestellt. Denen gegenüber sind Geheimhaltungen, wie sie in älteren Zeiten selbstverständlich waren, eine Unmöglichkeit. Wir leben in der Zeit, die Öffentlichkeit will, wo irgend ein Wissen auftritt. Und die Anschauung von der Geheimhaltung ist ein Anachronismus. Einzig und allein möglich ist, daß man Persönlichkeiten stufenweise mit der Geist-Erkenntnis bekannt macht und niemand zuläßt zu einer Stufe, auf der die höhern Teile des Wissens mitgeteilt werden, wenn er die niedrigeren noch nicht kennt. Das entspricht ja auch den Einrichtungen der niedern und höhern Schulen." (Lit.: GA 028, S. 284ff)

Ecksteins Schwester Emma ging als Irma in die Geschichte der Psychoanalyse ein. Sie hatte eine katastrophale Nasenoperation durch Freuds Freund Wilhelm Fließ hinter sich. Eine weitere Schwester von ihm, Therese Schlesinger, war eine bekannte Politikerin und Frauenrechtlerin.

Anekdoten

René Fülöp Miller über Friedrich Eckstein:

„In Wien, wo Literatur, Kunst, Musik, Philosophie und Geschäft in Kaffeehäusern ihr Heim hatten, war es nur natürlich, daß auch Mac Eck, die Weisheit in persona, an einem Café-Tisch thronte. In einer Ecke des Café Imperial saß er von Morgen bis Mitternacht. Er hatte einen Ziegenbart und einen mongolischen Augenausschnitt. Sein Alter war selbst seinen vertrautesten Freunden nicht bekannt... Julius, der alte Oberkellner, behauptete jedenfalls, er habe Mac Eck schon in der gleichen Ecke des Cafés vorgefunden, als er seine Laufbahn als Piccolo begann. Selbst unter den berühmtesten Wiener Berühmtheiten gab es keinen, der sich nicht gern an Mac Ecks Stammtisch eingefunden hätte. Hugo Wolf, J. Strauß, E. Blavatzky und A. Besant, Ferdinand Bruckner, Sigmund Freud, Adler und Trotzki – sie alle berieten sich mit ihm. Wenn Hugo von Hofmannsthal, Werfel und Rilke über ein Gedicht in Zweifel waren, so pilgerten sie zu Mac Eck. Architekten legten ihm ihre Baupläne, Mathematiker ihre Gleichungen, Physiker ihre Formeln, Komponisten ihre Partituren zur Begutachtung vor. Juristen und Psychoanalytiker besprachen ihre Fälle mit ihm. Schauspieler befragten ihn über ihre Rollen und Historiker über ihre Geschichtstheorien. Selbst der kaiserliche Hofzeremonienmeister erschien eines Tages, um Mac Eck über eine strittige Frage der spanischen Hofetiquette zu konsultieren. Mac Eck kannte sich in allen Gebieten aus. Wollte jemand die Haupt- und Nebenflüsse in Paraguay wissen, eine Auskunft über Neuthomismus, das erste romantische Gedicht oder die früheste Erwähnung der Zahnbürste, so wandte er sich an Mac Eck. Der Spötter Karl Kraus, der im Imperial am Nebentisch seinen Sitz aufgeschlagen hatte, wagte als einziger, sich über Mac Ecks Allwissen lustig zu machen. ‚Ich hatte heute nacht einen Alptraum‛, erzählte er einmal. ‚Ein Band Brockhaus stieg aus dem Regal herab, um in Mac Eck etwas nachzuschlagen.‛ Mac Eck, der sich in allen geistigen Dingen auskannte, wußte natürlich auch über alle praktischen Fragen Bescheid. Er konnte Kunsthändlern sagen, welcher Liebhaber sich für ein ganz bestimmes Bild aus der Frührenaissance interessieren würde; er sah auf den ersten Blick den Unterschied in der Webart von Brünner und englischen Stoffen, er konnte Buchhändlern den Wert von Erstausgaben angeben und wußte, wer in Europa was finanzieren würde.“

Der Narr im Frack, in: Der Monat (4) 1952, S. 401f

Friedrich Torberg hat die folgende Begebenheit über Eckstein erzählt:

„…der Polyhistor Eckstein war der berühmteste der Stammgäste des Café Imperial… Autor einer leider verschollenen Monographie mit dem schönen Titel ‚Der Weltgeist an der Orgel‘, enorm belesen und enorm gebildet, stand der alte Eckstein im Ruf, einfach alles zu wissen. Es gab keine Frage, die er nicht unverzüglich beantworten konnte, ja manchmal nahm er die Antwort ahnungsvoll und kenntnisreich vorweg, ohne die Frage ab­zuwarten. Man raunte sich zu, daß der große Brockhaus, wenn er etwas nicht wußte, heimlich aufstand und im alten Eckstein nachsah. Als einmal die ‚Presse‘ eine Meldung brachte, in der von einem neuen Werk des Dichters Kun-Han-Su die Rede war, konnte der alte Eckstein seinen fragenden Jüngern sofort mit genauen Auskünften über das Schaffen dieses bedeutenden chinesischen Lyrikers aufwarten, der als einziger versuchte, eine unter den letzten Kaisern der Ming-Dynastie zur Hochblüte gelangte Versform wieder zu beleben. Zwar stellte sich am nächsten Tag heraus, daß es sich bei Kun-Han-Su lediglich um einen Übermittlungsfehler von Knut Hamsun handelte, aber der alte Eckstein hatte wieder einmal alles gewußt, und man respektierte ihn so sehr, daß man geneigt war, auch weiterhin an die Existenz eines chinesischen Lyrikers namens Kun-Han-Su zu glauben.“

Die Tante Jolesch oder Der Untergang des Abendlandes in Anekdoten, München 1975, S. 202

Anmerkungen

  1. Schlesinger Therese, geb. Eckstein: http://www.univie.ac.at/biografiA/daten/text/bio/Schlesinger_Therese.htm
  2. On Edward Bulwer-Lytton: http://www.foundationwebsite.org/OnBulwerLytton.htm

Werke

  • Alte, unnennbare Tage, Erinnerungen aus siebzig Lehr- und Wanderjahren. (Autobiographie) Reichner, Wien 1936. Wiener Journal Zeitschriften-Verlag, Wien 1988, ISBN 3-900379-25-4.
  • Ältere Theorien des Unbewußten. In: Almanach des Internationalen Psychoanalytischen Verlages 11, Wien 1936.
  • Das Unbewußte, die Vererbung und das Gedächtnis im Lichte der mathematischen Wissenschaft. In: Almanach des Internationalen Psychoanalytischen Verlages 5, Wien 1930.
  • Die Flucht in das Unendlich kleine, Eine Leibniz-Studie. Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Wien 1932.
  • Erinnerungen an Anton Bruckner. Universal-Edition, Wien 1924.
  • Erlebnisse mit Mathematikern und Zauberern. In: Wiener Tagblatt vom 6. April 1935, Nr. 9. (Über seinen verstorbenen Freund Oskar Simony)
  • Weitere psychoanalytische Publikationen in der von A.J. Storfer herausgegebenen Zeitschrift „Die Psychoanalytische Bewegung“. Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Wien.

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Mein Lebensgang, GA 28 (2000)
  2. Robin Schmidt: Rudolf Steiner und die Anfänge der Theosophie, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2010, S. 85 - 92 und S. 98 - 101


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Weblinks

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