Die Geheimlehre

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Die Geheimlehre, die Synthesis von Wissenschaft, Religion und Philosophie, ist das Hauptwerk von Helena Blavatsky. Sie veröffentlichte es 1888 in London.

Die Geheimlehre beschäftigt sich mit der Entstehung der Welt und der Menschheit und setzt sich in diesem Zusammenhang mit den bestehenden Anschauungen von Wissenschaft, Religion und Philosophie auseinander. Es versucht den "Sündenfall" verstehbar zu machen, das nach diesem Ereignis stattgefundene aufzuzeigen und daraus folgend auf den "Sinn des Lebens", das "warum bin ich hier" hinzuleiten.

Die Geheimlehre ist in zwei Bände gegliedert. Der erste Band ist mit Kosmogenesis (= das Werden des Kosmos) betitelt, der zweite mit Anthropogenesis (= das Werden des Menschen). In der Geheimlehre wird erwähnt, das sie noch Band Drei und Vier zu veröffentlichen gedenke, die fast fertiggestellt seien. Nach Blavatskys Tod 1891 veröffentlichte Annie Besant 1897 in London einen umstrittenen Band Drei der Geheimlehre unter dem Titel Esoterik (im englischen Original: Occultism) - umstritten, da er auf aus dem Kontex genommenen Fragmenten und unvollständigen Notizen aus dem Nachlass von Frau Blavatsky beruht. Die amerikanische Ausgabe der Geheimlehre wurde jahrzehntelang nur mit den ersten beiden Bänden ausgeliefert. Seit der englischen dritten Auflage 1893, gibt es auch einen Indexband mit etwa 100.000 Verweisen, meist als vierter Band bezeichnet. Ins Deutsche wurde das Gesamtwerk (alle 4 Bände) erstmals 1899 von Robert Froebe, unter Mithilfe von Franz Hartmann, übersetzt, bis heute (2006) gibt es keine neuere Gesamtübersetzung. Dazu wurde eine auszugsweise Sonderausgabe in einem Band veröffentlicht (diese heißt Adyar Studienausgabe und wurde zusammengestellt und herausgegeben von Hank Troemel).

Geschichte

Blavatsky begann mit der Abfassung des Manuskriptes 1885 auf ihrer Schiffsreise von Chennai nach Neapel, weitere Teile schrieb sie in Torre del Greco, Würzburg, Kempten, Elberfeld, Ostende und London. Die Bearbeitung des Manuskriptes übernahmen mehrere Mitglieder der theosophischen Blavatsky Lodge, vor allem Archibald und Bertram Keightley und Mabel Collins. Nach Blavatskys Tod, am 8. Mai 1891, ging das Verlagsrecht am Werk auf Annie Besant über.

Die Geheimlehre gilt als eines der schwerstverständlichsten und kompliziertesten esoterischen Werke überhaupt. Zudem haben alleine die ersten beiden Bände ein Volumen von 1580 Seiten im groß-Oktav-Format (vollständige deutsche Ausgabe 1899), der dritte Band noch einmal 594 Seiten. Aus diesem Grund wurden eine Reihe von zum Teil stark gekürzten Fassungen herausgegeben, manchmal in einer recht freien Bearbeitung, welche die Lesbarkeit erleichtern sollte. Die Bandbreite dieser Ausgaben reichte von etwa 300 bis 800 Seiten. Praktisch jede dieser Kurzfassungen wurde bei ihrem Erscheinen mit Jubel als leicht verständliche Bereicherung aufgenommen, einige Zeit später aber wegen verschiedenster Abweichungen oder wesentlicher Auslassungen kritisiert.
Zur Erleichterung für den Laien brachten eine Reihe von namhaften Theosophen eine Unzahl an Einführungen in die Geheimlehre heraus. Die angestrebte Vereinfachung konnte darin naturgemäss nur in Ansätzen verwirklicht werden. Hervorzuheben sind hier Besants Die uralte Weisheit und Das Meer der Theosophie von William Quan Judge.
Eine hilfreiche Ergänzung stellten die Sitzungsprotokolle der Blavatsky Lodge, die Transactions of the Blavatsky Lodge, dar, die eine Reihe von Erläuterungen zur Geheimlehre enthalten.

Wie bereits erwähnt, schrieb Blavatsky selbst in der Geheimlehre, dass den Bänden Eins und Zwei noch die Bände Drei und Vier folgen sollten. "Der dritte Band ist vollständig fertig, der vierte nahezu." (Froebe, Band I, Vorrede Seite XXIII) [1] Ein weiterer Hinweis findet sich am Ende des zweiten Bandes: "Bis daß der Schutt der Zeitalter aus den Gemütern der Theosophen, denen diese Blätter gewidmet sind, hinweggeräumt ist, ist es unmöglich, daß die mehr auf das Handeln gerichtete Lehre, die im dritten Bande enthalten ist, verstanden werden kann. Infolgedessen hängt es gänzlich von der Aufnahme ab, welche der erste und zweite Band in den Händen der Theosophen und Mystiker finden werden, ob der letzte Band jemals veröffentlicht werden wird." (Froebe, Band II, Seite 842) [1] Tatsächlich wurde keiner dieser Bände veröffentlicht, der von Besant später herausgegebene dritte Band bestand ja nur aus unzusammenhängenden Notizen und der heutige vierte ist der Indexband. Aus diesem Umstand kursieren bis heute Mutmaßungen dahingehend, dass Blavatsky sowohl den fertigen dritten, als auch den beinahe fertigen vierten Band vernichtet hat. Als Grund für dieses Tun wird einerseits angenommen, dass die oben erwähnte Aufnahme der ersten beiden Bände nicht ihren Vorstellungen entsprechend war. Andererseits, und dazu tendieren die meisten Vermutungen, wurde ihr die Veröffentlichung von den Meistern der Weisheit untersagt sowie auch die Vernichtung der Manuskripte angeordnet, da damals die Zeit für das offenbar werden dieser Texte noch nicht reif war. Naturgemäß sind für keine dieser Aussagen Belege vorhanden.

Eine praktische "Anleitung" für einen individuellen Einweihungsweg im täglichen Leben fehlt in der Geheimlehre. Wie oben erwähnt, schrieb Blavatsky "die mehr auf das Handeln gerichtete Lehre, die im dritten Bande enthalten ist".

Blavatsky sagte selbst über ihr Werk

  • "Die Geheimlehre Seite um Seite durchzulesen wie ein anderes Buch [...] führt nur zu Verwirrung. Das erste, was man tun muß, ist sich einigermaßen einen Begriff von den "drei Grundthesen" zu machen, die im Proem [im Vorwort] gegeben werden. Dann sollte man die Wiederholung studieren - die numerierten Absätze in der Zusammenfassung im ersten Teil des ersten Bandes. Dann nehme man sich die Einleitenden Bemerkungen und den Schlußabschnitt des zweiten Bandes vor." (Hoskins, Seite 99f.) [2]
  • "[...] wer erwarte, aus der Geheimlehre ein zufriedenstellendes Bild von der Konstitution des Universums zu erhalten, werde von seinen Studien nur Verwirrung ernten. Die Geheimlehre ist nicht dazu bestimmt, eine solche endgültige Erklärung des Daseins zu geben, sondern nur dazu, ZUR WAHRHEIT HINZUFÜHREN. [...] Es ist mehr als nutzlos, [...] zu Personen zu gehen, die man für fortgeschrittene Studierende hält, und sie zu bitten, eine "Erklärung" der Geheimlehre zu geben. Sie können es nicht. Wenn sie es versuchen, ist alles, was sie geben können, eine Anzahl trockener exoterischer Auslegungen, die nicht im entferntesten der WAHRHEIT ähneln. Eine solche Auslegung anzunehmen bedeutet, uns an festen Vorstellungen zu verankern, aber die WAHRHEIT liegt jenseits jeglicher Vorstellungen, die wir formulieren oder ausdrücken können." (Hoskins, Seite 101) [2]
  • Auf eine Aussage hin, die das schwierige Erfassen der Geheimlehre beklagte, antwortete Blavatsky: "Theosophie [...] ist für Menschen, die denken können oder die sich zum Denken zwingen können, nicht für mentale Faulpelze." (Hoskins, Seite 103) [2]
  • "Man sollte kein Narr sein [...] und sich dadurch, daß man gleich am Anfang zu viel versucht, ins Irrenhaus bringen. [...] Die gewöhnliche intellektuelle Tätigkeit bewegt sich entlang wohlausgetretener Pfade im Gehirn [...]. Aber diese neue Art mentaler Anstrengung [das Lesen der Geheimlehre] erfordert etwas ganz anderes - das Aushauen "neuer Gehirnpfade", das Aneinanderreihen der kleinen Gehirn-Leben in einer anderen Ordnung. Wenn es unüberlegt erzwungen wird, kann es dem Gehirm ernsten physischen Schaden zufügen." (Hoskins, Seite 105) [2]
  • "Wer die Geheimlehre ernsthaft studiert, ist ein Jnana-Yogi, und dieser Yoga-Pfad ist der wahre Pfad für den westlichen Forscher. Um ihn mit Wegweisern auf diesem Pfad zu versehen, ist die Geheimlehre geschrieben worden. (Hoskins, Seite 106) [2]

Kommentare

  • Alice Bailey schrieb über die Geheimlehre: "In mancher Beziehung ist H. P. B.'s Buch «Die Geheimlehre» heute überlebt; diese Art, der Ewigen Weisheit näherzukommen, findet bei der modernen Generation wenig oder keinen Anklang. Aber denjenigen unter uns, die es wirklich durchstudierten und seine innere Bedeutung einigermassen verstehen lernten, gab es ein grundsätzliches Wertgefühl für die Wahrheit, wie es kein anderes Buch zu vermitteln scheint. [...] Keines meiner Bücher wäre möglich gewesen, wenn ich nicht vorher der «Geheimlehre» ein so gründliches Studium gewidmet hätte." [3]
  • Hans-Dieter Leuenberger schrieb über die Geheimlehre: Die Tabula Smaragdina des Hermes Trismegistos und die Geheimlehre von Helena Blavatsky können auch als zwei Säulen betrachtet werden, die Träger der westlichen Esoterik sind. Das bedeutet, daß das gesamte westliche esoterische Denken direkt oder indirekt auf eines dieser beiden Werke zurückgeführt werden kann. [4]
  • Bei der Aufarbeitung von Adolf Hitlers persönlicher Bibliothek, fanden US-amerikanische Historiker u.a. auch eine Ausgabe der Geheimlehre. Diese war mit zahlreichen handschriftlichen Randbemerkungen Hitlers versehen und damit Zeichen einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Werk. [5]
  • Albert Einstein sagte 1935 über die Geheimlehe: It’s a very strange book, and I’ve even told Prof. Heisenberg, my fellow physicist, to get a copy and keep it on his desk. I urged him to dip into it when he’s handicapped by some problem. The strangeness of this book may relax or possibly inspire him.... For instance, here is something she said which intrigued me, and I’m astonished how much in keeping it is with modern physics.... This is sufficient to show how absurd are the simultaneous admissions of the non-divisibility and elasticity of the atom. The atom is elastic, ergo, the atom is divisible, and must consist of particles, or of sub-atoms. And these sub-atoms? They are either non-elastic, and in such case they represent no dynamic importance, or, they are elastic also; and in that case, they, too, are subject to divisibility. And thus ad infinitum. But infinite divisibility of atoms resolves matter into simple centers of force, i.e., precludes the possibility of conceiving matter as an objective substance. There are many other significant statements of hers which I find interesting....[6]
    (Es ist ein sehr merkwürdiges Buch und ich habe gerade meinem Physikerkollegen Prof. Heisenberg gesagt, er soll sich um ein eigenes Exemplar bemühen um es auf seinem Schreibtisch bereit zu halten. Ich drängte ihn, einen Blick in das Buch zu werfen, wenn er durch irgendein Problem behindert wird. Die Eigenartigkeit dieses Buches kann ihn entspannen oder vielleicht anfeuern .... Beispielsweise sagte sie [Blavatsky] hier etwas, das mich faszinierte und ich war erstaunt, wieviel Übereinstimmung hier mit moderner Physik besteht .... Dies zeigt hinlänglich, wie absurd die simultanen Aufnahmen der Nichtteilbarkeit und der Elastizität des Atoms sind. Das Atom ist elastisch, also ist das Atom teilbar und muß aus Partikeln oder Sub-Atomen zusammengesetzt sein. Und diese Sub-Atome? Sie sind entweder nicht elastisch, und in einem solchen Fall stellen sie keinen dynamischen Wert dar, oder, sie sind auch elastisch; und in diesem Fall, sind sie überdies auch abhängig von Teilbarkeit. Und folglich endlos. Aber endlose Teilbarkeit der Atome löst den Gegenstand in einfache Wirkung auf den Schwerpunkt, d.h. es schließt die Möglichkeit des Begreifens der Angelegenheit als objektive Substanz aus. Es gibt viele weitere bedeutende Aussagen von ihr [Blavatsky], die ich interessant finde ....)

Quellen

  1. 1,0 1,1 Robert Froebe (Übers.): Die Geheimlehre. Theosophisches Verlagshaus, Leipzig 1899. Reprint, Edition 3 Masques, Burgh-Haamstede 1998. ISBN 3-927837-59-8.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Ianthe H. Hoskins (Hrsg.): Grundlehren der esoterischen Philosophie. Adyar-Verlag, Graz 1981. ISBN 3-85005-067-X.
  3. Alice Bailey: Die unvollendete Autobiografie. http://laluni.helloyou.ws/netnews/bkgr/cab2700/file2743.html
  4. Hans-Dieter Leuenberger: Das ist Esoterik, Eine Einführung in esoterisches Denken und in die esoterische Sprache. Hermann Bauer, Freiburg 1991. ISBN 3-7626-0621-8. Seite 122
  5. Constance Cumbey: Die sanfte Verführung. Schulte und Gerth, Asslar 1987. ISBN 3-87739-390-X. Seite 140
  6. John Algeo, Theosophy and the Zeitgeist: http://www.austheos.org.au/topics/Algeo-Zeitgeist.htm

Literatur

  • Robert Froebe (Übers.): Die Geheimlehre. Theosophisches Verlagshaus, Leipzig 1899 (vollständige 4-bändige Ausgabe als Reprint bei: Edition 3 Masques, Burgh-Haamstede 1998. ISBN 3-927837-59-8)
  • Hank Troemel (Hrsg.): Die Geheimlehre. Nikol, Hamburg 2005. ISBN 3-937872-04-3 (neueste gekürzte Ausgabe)
  • Helena Petrovna Blavatsky: Secret Doctrine Commentary, Stanzas I-IV, Transactions of the Blavatsky Lodge. Theosophical University Press, Pasadena 1994, ISBN 9781557000286 (Erläuterungen zur Geheimlehre, aus Gesprächen zwischen Blavatsky und Mitgliedern der Blavatsky Lodge)
  • Ianthe H. Hoskins (Hrsg.): Grundlehren der esoterischen Philosophie. Adyar-Verlag, Graz 1981. ISBN 3-85005-067-X. (sehr kurzes grundlegendes Lehrbuch mit kommentierten Auszügen der wesentlichsten Teile der Geheimlehre)

Weblinks

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