Geist der Freiheit und Liebe

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Der Mensch ist dazu berufen, sich als Geist der Freiheit und Liebe als zehnte Hierarchie der Geistwelt einzugliedern.

"Im Geistigen ist es Ihnen ja klar, wie die Entwickelung geschieht: die Wesenheiten steigen zu höheren Stufen hinauf, und indem sie hinaufsteigen, müssen sie den alten Schauplatz, den alten Wohnplatz verlassen, der ihnen eine Weile dazu gedient hat, gewisse Fähigkeiten zu entwickeln, die sie sonst nicht hätten entwickeln können. Als im Laufe der Evolution jene Zeit heranrückte, die wir die alte lemurische Zeit nennen, da war der Mensch im Verlaufe seiner Gesamtentwickelung so weit, daß er alles, was durch Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung zu erlangen war, wiederholt hatte. Nun trat er auf in dem Wohnplatz unserer Erdenevolution, der sich zu seiner Weiterentwickelung eben erst gebildet hatte. Er entwickelte sich durch die lemurische und atlantische Zeit herein in unsere Zeit, und er wird sich in die Zukunft hinein entwickeln, so wie wir es kennen, fortschreitend von Inkarnation zu Inkarnation. Er wird aber nach einiger Zeit die Erde wiederum zu verlassen haben, weil sie ihm nichts mehr zu geben haben wird, weil sie ihm keine Entwickelungsmöghchkeiten mehr bieten wird.

Nun könnten Sie sich ja zunächst einmal vorstellen, daß unsere Erde sozusagen ein öder Schutthaufen würde, wenn der Mensch sie verläßt; Sie könnten es damit vergleichen, daß eine Stadt von der gesamten Bevölkerung verlassen wird. Sie wissen, wie eine solche Stadt nach kurzer Zeit schon aussieht, wie sie nach und nach zu einer Art von Erdhügel wird. Die Anschauung alter, vom Erdreich sozusagen aufgenommener Städte gibt ja ein hinlängliches Bild davon. So ist es in der Tat heute. Aber so wird es nicht mit der Zukunft der Erde sein. Dasjenige, was Sie führen kann zu einer Beantwortung der Frage, wie es mit der Zukunft unserer Erde sein wird, das kann die folgende Betrachtung geben: Was eigentlich bedeuten für die Erdenentwickelung Menschen, wie zum Beispiel Leonardo da Vinci, wie Raffael oder andere große Genien auf diesem oder jenem Gebiete? Was bedeutet es für die Erdenentwickelung, daß von Raffael oder Michelangelo jene wunderbaren Kunstwerke hervorgebracht worden sind, die da Tausende und aber Tausende von Menschen heute noch erfreuen? Aber vielleicht hat der eine oder andere von Ihnen, meine lieben Freunde, eine gewisse Wehmut empfunden beim Anblick des Abendmahles von Leonardo da Vinci, wenn er sich vor dem Bilde in Mailand fragen mußte, wie lange es mit dieser Wundertat des Leonardo da Vinci noch dauern wird. Denn man soll nicht vergessen, daß zum Beispiel Goethe auf seiner ersten italienischen Reise dieses Kunstwerk noch in seinem vollen Glanz hat sehen können und daß wir das jetzt nicht mehr in dem Maße können. Also seit dieser Zeit Goethes bis heute ist es mit diesem Kunstwerk dahin gekommen innerhalb der äußeren materiellen Welt, daß es diese wehmütige Empfindung hervorruft. Es wird eben für Leute, die so viel später nach uns leben wie wir nach Goethe, gar nicht mehr da sein. So ist es mit alledem, was Menschen auf der Erde schaffen und was in physischer Materie auf der Erde verkörpert ist. So ist es aber auch im Grunde genommen für die Erde selbst, ja auch mit den menschlichen Gedankenschöpfungen. Versetzen Sie sich einmal im Geiste in jene Zeit, wo die Menschen vergeistigt werden aufgestiegen sein in höhere Sphären. Gedanken im heutigen Sinne — ich will gar nicht sagen wissenschaftliche Gedanken, denn die werden nach dreihundert bis vierhundert Jahren schon keine Bedeutung mehr haben —, aber Gedanken der Menschen überhaupt, wie sie für die Erde eine Bedeutung jetzt haben, wie sie aus einem Gehirn hervorkommen, sie haben natürlich keine Bedeutung für die höheren Welten, sondern nur für die Erde. Aber der Mensch hat die Erde verlassen. Was ist mit alledem geworden, was die Menschen nun geschaffen haben im Verlaufe von Jahrhunderten und Jahrtausenden auf unserer Erde?

Was zunächst geistig in Betracht kommt, das ist natürlich die Evolution einer Individualität. Leonardo da Vinci ist höher gestiegen durch das, was er geleistet hat — das ist sein Höhersteigen. Wir aber fragen uns: Bedeuten die großen Gedanken, die großen Impulse, welche die gewaltigen Schöpfer einprägen dem Erdenstoffe, bedeuten sie für die Zukunft der Erde nichts? Wird die Zukunft die Erde zu Staub zerbröckeln und das, was der Mensch aus der Erde gemacht hat, wird das mit dem Erdendasein verschwinden? Sie bewundern den Kölner Dom. Gewiß wird nach einer verhältnismäßig kurzen Zeit nicht ein Stein mehr auf dem anderen liegen; aber daß einmal der Mensch diesen Gedanken des Kölner Domes in Stein ausgedrückt hat, bedeutet das nichts für die ganze Erde? Wir sehen also ab von demjenigen, was die Menschen mitnehmen aus der Erde, wir sehen auf die Erde selber. Sehen Sie, ein Planet wird in der Tat im Laufe seiner Entwickelung immer kleiner und kleiner, er zieht sich zusammen. Das ist so das Schicksal der Materie des Planeten; aber das ist nicht alles, das ist nur etwas, was sozusagen das physische Auge und physische Instrumente am Planeten betrachten können. Es gibt eine Entwickelung auch des Materiellen über diesen Punkt hinaus. Und jetzt wollen wir diese Entwickelung des Materiellen über diesen Punkt hinaus einmal ins Auge fassen, und ich komme auf das, wovon ich gesagt habe, daß es für einen Gegenwartsverstand schwer, vielleicht gar nicht begreiflich ist. Es ist nun so, daß die Erde sich fortwährend zusammenzieht. Dadurch drängt sich die Materie von allen Seiten nach dem Mittelpunkte. Und jetzt sage ich, selbstverständlich mit vollem Bewußtsein, daß es ein Gesetz von der Erhaltung der Kraft gibt, aber auch im vollen Bewußtsein der jedem Okkultisten bekannten Tatsachen: es drängt sich die Materie gegen den Mittelpunkt immer mehr und mehr zusammen, und das Eigenartige ist, daß die Materie im Mittelpunkte verschwindet.

Um es ganz anschaulich zu machen: denken Sie sich, Sie hätten ein Stück Materie, das würde immer mehr und mehr in den Mittelpunkt hineingedrängt — im Mittelpunkt verschwindet es; es wird nicht nach der anderen Seite hinübergedrängt, es verschwindet tatsächlich im Mittelpunkt in nichts! So daß Sie sich vorstellen können, daß die ganze Erde einstmals, indem sich die materiellen Teile gegen den Mittelpunkt zusammendrängen, in den Mittelpunkt hinein verschwindet. Das ist aber nicht alles. In demselben Maße, wie das in den Mittelpunkt hinein verschwindet, in demselben Maße erscheint es im Umkreise. Da draußen tritt es wieder auf. An einer Stelle des Raumes verschwindet die Materie, und von außen tritt sie wieder auf. Alles, was in den Mittelpunkt hinein verschwindet, kommt vom Umkreise wiederum herein, wird herangezogen, und zwar so, daß hineingearbeitet ist jetzt in diese Materie alles das, was die Wesen, die auf dem Planeten gearbeitet haben, der Materie eingeprägt haben; natürlich nicht in seiner heutigen Form, aber in einer Form, wie sie ihm eben durch diese Umwandlung gegeben wird. Sie werden so den Kölner Dom, indem seine materiellen Teilchen in den Mittelpunkt hinein verschwinden, von der anderen Seite wieder ankommen sehen. Nichts, nichts geht verloren von dem, was gearbeitet wird auf einem Planeten, sondern es kommt wieder von der anderen Seite her.

Dasjenige, was da angekommen war im Beginne unserer Erdenentwickelung vor der Saturnentwickelung, das müßten wir auswärts setzen, außerhalb des Tierkreises. Die Urweltweisheit hat es genannt den Kristallhimmel, und in diesem Kristallhimmel waren deponiert die Taten der Wesen einer früheren Evolution. Sie bildeten sozusagen dasjenige, auf Grund dessen die neuen Wesenheiten zu schaffen begannen.

Wie gesagt, das ist für einen Gegenwartsverstand außerordentlich schwer zu fassen, weil der daran gewöhnt ist, nur das Materielle ms Auge zu fassen, weil er nicht gewohnt ist, einzusehen, daß an einer Stelle aus dem dreidimensionalen Raum das Materielle verschwinden kann und an einer anderen Stelle, nachdem es durch andere Dimensionen gegangen ist, wieder zurückkommt. Solange Sie mit Ihrem Vorstellen im dreidimensionalen Raum bleiben, können Sie das nicht fassen, denn das geht aus dem dreidimensionalen Raum heraus. Daher ist es nicht zu sehen, bis es von der anderen Seite in den dreidimensionalen Raum wieder hereinkommt. In der Zwischenzeit ist es eben in einer anderen Dimension. Das ist so eine Sache, die wir auch nunmehr fassen müssen, denn es hängen überhaupt die Dinge unserer Weltentstehung in der mannigfaltigsten Weise zusammen, und etwas, was an einem Orte ist, hängt zuweilen recht kompliziert mit etwas anderem zusammen, was sich an einem ganz anderen Orte im dreidimensionalen Räume befindet.

Wir haben gesagt, unsere Planetenbildung begann mit dem alten Saturn. So hat sie auch wirklich begonnen. Dann schritt sie weiter bis zum Jupiter. Als nun die ganze Schöpfung am Jupiter anging, da waren, wie Sie wissen, alle die Wesen des Umkreises auch dabei tätig. Aber geradeso wie die Wesen innerhalb der ganzen Verteilung des Planetensystems wirken und sich fortentwickeln, so auch die Wesen da draußen, die aus dem Umkreis hereinwirken. Wie also sich gewisse Wesenheiten von innen her zurückziehen, so ziehen sich auch von denen, die da draußen sind im Weltenraume, gewisse Wesenheiten zurück. Und geradeso wie zusammengedrängt worden ist der Jupiter, so wurde auch zusammengedrängt durch Wesenheiten, die sich zurückzogen, etwas, was mit unserer Entwickelung nichts zu tun hat, sondern was, mit sich zurückziehend Wesenheiten, zunächst der Uranus und, während der Marsentwickelung, der Neptun geworden ist. Die Namen Uranus und Neptun sind natürlich nicht mehr in der Weise gewählt, wie die Alten ihre Namen für die Sache passend gewählt haben, obwohl gerade im Namen Uranus noch ein Sinn ist. Er ist ja gegeben worden, als man noch eine kleine Ahnung hatte von der richtigen Namengebung, deshalb hat man dasjenige, was außerhalb unseres Kreises liegt, zusammengefaßt unter dem Namen Uranus.

Also wir sehen, daß die beiden Planeten, die unsere heutige Astronomie als völlig gleichbedeutend mit den anderen Planeten betrachtet, auf einem ganz anderen Boden stehen, daß sie im Grunde genommen mit dem Werden unserer Welt nichts Besonderes zu tun haben. Sie stellen gerade diejenigen Welten dar, die dadurch entstanden sind, daß Wesenheiten, die während der Saturnzeit noch etwas zu tun hatten mit uns, sich zurückgezogen haben und sich draußen Wohnsitze gebildet haben. Daraus werden Sie sich manche anderen Tatsachen noch ableiten können, zum Beispiel daß diese Planeten rückläufige Monde haben und anderes mehr.

So haben wir also skizzenhaft das Werden unseres Sonnensystems überblickt und haben uns gefragt: Welche Stellung hat denn nun eigentlich der Mensch zu diesen Wesenheiten der höheren Hierarchien, die im Grunde genommen seine menschlichen Vorfahren waren? Wir können bei den höchsten, bei den Seraphim, Cherubim und Thronen, beginnen und werden gerade durch ihre Charakterisierung uns einen guten Begriff machen können vom Menschen. Wenn wir über die Seraphim hinaufgehen würden, würden wir in das Gebiet der göttlichen Trinität hineinkommen. Was ist es denn, was die Seraphim, Cherubim, Throne als etwas ganz Besonderes haben vor allen anderen Wesenheiten in der Welt? Sie haben, was man genannt hat den «unmittelbaren Anblick der Gottheit». Was der Mensch sich durch seine Entwickelung nach und nach suchen muß, das haben sie von allem Anbeginn an. Wir Menschen sagen: wir müssen von unserem heutigen Standpunkte ausgehen, um immer höhere Kräfte der Erkenntnis, des Willens und so weiter zu erlangen; dadurch werden wir immer näher und näher der Gottheit kommen, immer gegenwärtiger wird uns die Gottheit sein. Aber wir sagen uns: wir entwickeln uns zu etwas hinauf, was uns noch verschleiert ist, zur Gottheit hin. Das macht den Unterschied aus zwischen den Seraphim, Cherubim, Thronen und dem Menschen: daß vom Anbeginn unserer Entwickelung an diese höchsten Wesenheiten der geistigen Hierarchien unmittelbar herum sind um die göttliche Wesenheit, um die göttliche Trinität, daß sie den Anblick der Gottheit von Anbeginn an genießen. Wozu der Mensch sich entwickeln soll, das haben sie vom Anbeginn. So also ist es unendlich wichtig, zu wissen, daß diese Wesenheiten, wenn sie entstehen, Gott anschauen, daß sie, indem sie leben, immerfort Gott anschauen. Was sie nun tun, was sie vollbringen, sie tun es aus ihrer Gottesanschauung heraus, Gott tut es durch sie. Sie könnten gar nicht anders, es wäre ihnen unmöglich, jemals anders zu handeln, als sie es tun, denn die Gottesanschauung ist eine so starke Kraft, hat eine solche Wirkung auf sie, daß sie mit unmittelbarer Sicherheit und unmittelbarem Impulse dasjenige in Szene setzen, was die Gottheit ihnen aufträgt. So etwas wie Überlegen, wie Urteilen gibt es im Kreise dieser Wesenheiten nicht, es gibt da nur eine Anschauung der Befehle der Gottheit, um den unmittelbaren Impuls zu haben, das, was sie angeschaut haben, auch zu tun. Und dabei sehen sie die Gottheit in ihrer ursprünglichen, wahren Gestalt, so wie diese Gottheit ist. Sie selber aber sehen sich nur wie die Vollstrecker des göttlichen Willens, der göttlichen Weisheit an. So ist es bei der höchsten Hierarchie.

Wenn wir heruntergehen zu der nächsten Hierarchie, zu denjenigen Wesenheiten, die wir Herrschaften, Mächte und Gewalten nennen oder auch Geister der Weisheit, der Bewegung und der Form, so müssen wir sagen: sie haben den Anblick der Gottheit nicht mehr so unmittelbar; sie sehen den Gott nicht mehr in der unmittelbaren Gestalt, wie er ist, sondern in seinen Offenbarungen, in dem, wie er sich, wenn ich so sagen darf, durch sein Antlitz, durch seine Physiognomie, zeigt. Es ist ihnen natürlich unverkennbar, daß es die Gottheit ist; es ist ihnen ein unmittelbarer Impuls, den Offenbarungen der Gottheit zu folgen, wie bei den Seraphim, Cherubim und Thronen. Der Impuls ist nicht mehr so stark, aber er ist noch ein unmittelbarer. Es wäre unmöglich für die Seraphim, Cherubim und Throne, zu sagen, daß sie das nicht ausführen würden, was sie sehen als von der Gottheit vorgeschrieben; das wäre undenkbar wegen der Nähe, in der sie zur Gottheit stehen. Aber es wäre auch von diesen Herrschaften, Mächten und Gewalten in einer gewissen Weise ganz ausgeschlossen, daß sie etwas unternehmen würden, was die Gottheit selber nicht will.

Daher mußte, damit überhaupt die Weltentwickelung vorwärts schreiten kann, etwas ganz Besonderes eintreten. Wir kommen hier an ein Gebiet, welches immer schwer verständlich war für die Menschen, selbst für diejengen, die zu einem gewissen Grade der Mysterienweisheit vorgeschritten waren. Aber man hat es in den alten Mysterien verständlich zu machen gesucht durch das Folgende. Auf einer gewissen Stufe der Mysterien-Einweihung in den alten Mysterien wurde der Einzuweihende geführt vor feindliche Gewalten, die äußerlich grausam, schrecklich aussahen und die auch grauenhafte Taten vollbrachten vor den Augen des Einzuweihenden. Und diejenigen, die das vollbrachten, das waren keine anderen als maskierte Priester, maskierte Weise. Es hatten sich, um die nötigen Versuchungen herbeizuführen, Priester vermummen müssen in grauenvolle Dämonengestalten, in grauenvolle Wesenheiten, die Entsetzliches vollbrachten, scheußlichere Dinge vollbrachten, als jemals Menschen erfinden könnten. Was lag da zugrunde? Um dem Einzuweihenden zu zeigen, wie stark die Entwickelung abirren kann von dem geraden Wege, führte man ihm den Initiierten selber, den Priester, in der Maske des Übeltäters, in der Maske des Bösen vor. Er sollte die Illusion haben, daß Böses hier vor ihm stünde, und erst, wenn die Demaskierung eintrat, da sah er die Wahrheit. Da war die Illusion von ihm genommen, da sah er, daß es sich um eine Prüfung handelte. Um ihn stark zu machen und ihn zu wappnen gegen das Böse, wurde es ihm in seiner abschreckendsten Gestalt vorgeführt, vorgeführt gerade von den Priesterweisen, die natürlich in Wahrheit nicht abirrten. Das war nur eine Abspiegelung dessen, was in der kosmischen Entwickelung sich wirklich vollzogen hat.

In der Zwischenzeit zwischen der Jupiter- und Marsentwickelung wurde, wenn ich mich trivial ausdrücken darf, eine Anzahl von Wesenheiten aus der Sphäre der Mächte abkommandiert; sie wurden so in den Entwickelungsgang hineingestellt, daß sie, statt die Entwickelung vorwärts zu führen, ihr Hemmnisse in den Weg rückten. Das ist es, was wir als den Streit am Himmel kennengelernt haben. Also es wurden hineingeworfen in die Entwickelung die Taten von, wenn wir so sagen dürfen, abkommandierten Mächten, denn es mußten sich die regierenden Weltenmächte der Hierarchien sagen: Niemals würde dasjenige entstehen können, was entstehen soll, wenn der Weg gerade fortginge. Es muß Größeres entstehen.

Denken Sie einmal, Sie haben einen Karren zu schieben. Dadurch, daß Sie ihn vorwärts schieben, entwickeln sich Ihre Kräfte in gewisser Weise. Wenn man den Karren nun belädt mit einem schweren Ballast, dann müssen Sie schwerer schieben, aber dafür entwickeln sich Ihre Kräfte stärker. Denken Sie sich, die Gottheit hätte die Weltenevolution gelassen, wie sie war, bis über den Jupiter hinaus: gewiß, die Menschen hätten sich gut entwickeln können; aber noch stärker konnte die Menschheit werden, wenn man ihr Entwickelungshemmnisse in den Weg legte. Zum Wohle der Menschheit mußte man gewisse Mächte abkommandieren. Diese Mächte wurden zunächst nicht böse, man braucht sie nicht als böse Mächte aufzufassen, sondern man kann sogar sagen, daß sie sich geopfert haben, indem sie sich der Entwickelung hemmend in den Weg stellten. Diese Mächte kann man daher nennen die Götter der Hindernisse, im umfassendsten Sinne des Wortes. Sie sind die Götter der Hemmnisse, der Hindernisse, die der Entwickelungsbahn in den Weg gelegt worden sind; und von jetzt ab war die Möglichkeit gegeben zu all dem, was in der Zukunft sich vollzog. Diese Mächte, die abkommandiert waren, waren an sich noch nicht böse, waren im Gegenteil die großen Förderer der Entwickelung, indem sie Sturm liefen gegen die normale Entwickelung. Aber sie waren die Erzeuger des Bösen; denn dadurch, daß sie Sturm liefen, dadurch entstand nach und nach das Böse.

Der Entwickelungsweg dieser «abkommandierten» Mächte gestaltete sich naturgemäß ganz anders als der ihrer Brüder. Ihr Wirken war ein ganz verschiedenes, und die Folge davon war, daß diese Mächte während der Mondenentwickelung in gewisser Beziehung die Verführer derjenigen Wesenheiten wurden, die wir die Engel nennen. Die Engel machen während der Mondenentwickelung ihre Menschheitsstufe durch. Es gab Engelmenschen auf dem Monde, die sozusagen es mitansahen, wie die Hemmnisse der Entwickelung wirkten, und die sich sagten: Wir könnten uns jetzt einlassen darauf, diese Hemmnisse zu besiegen, uns hineinzustürzen in den ganzen Strom der Mondenentwickelung, aber wir wollen es unterlassen, wollen nicht hinuntertauchen, wir wollen oben bei den guten Göttern bleiben. — Diese Engelwesen entrissen sich in einem bestimmten Zeitpunkte der Mondenentwickelung sozusagen den Mächten, die da unten die Hemmnisse hineinwarfen in die Mondenentwickelung. Dagegen gab es andere von den Engelmenschen auf dem Monde, die sagten sich: Denen folgen wir nicht; würden wir ihnen folgen, so würde ja die Entwickelung jetzt wieder umkehren, es würde ihr gar nichts Neues einverleibt werden. - Gerade dadurch, daß diese Hemmnisse da waren, wurde der Entwickelung vom Monde ab ja etwas Neues eingefügt. Diejenigen Wesenheiten, welche sich sagten: Ich will nichts zu tun haben mit dem, was da unten vorgeht, ich bleibe bei den Mächten, die nicht berührt sein wollen von allem Niederen, — die zogen sich aus der Mondenmasse heraus während der alten Monden-entwickelung und wurden Wesen von der Gefolgschaft alles dessen, was in der Sonne ist. Sie ließen sich nicht ein auf das, was in dem herausgeschleuderten Monde vorging, in dem eben die Hindernisse waren. Die ändern aber, die untertauchten, diese Wesenheiten mußten jetzt in alle ihre Körperlichkeit, in all das, was sie dem Monde entnahmen, aufnehmen, was an Hindernissen der Entwickelung vorhanden war; sie mußten sich sozusagen mehr verhärten, als es sonst der Fall gewesen wäre. Dichter wurden ihre körperlichen Hüllen, als sie es sonst geworden wären; sie hatten in ihrem Leibe die Konsequenz der Taten der Mächte. Aber die Taten der Mächte waren im göttlichen Weltenplan wohl begründet, das müssen wir uns immer vor Augen führen. Und eine weitere Folge war es, daß, als die Mondenentwicke-lung herüberging zur Erdenentwickelung, sich das Ganze in gewisser Weise wiederholte, daß diejenigen Wesenheiten, welche sich hineingestürzt hatten in die volle Flut der Mondenentwickelung, zurückblieben hinter denjenigen, die nichts davon hatten wissen wollen, und daß andere noch mehr zurückgeblieben waren, die angezogen wurden von der rückschreitenden Entwickelung.

Das alles hatte dazu geführt, daß während der Erdenentwickelung fortgeschrittene Engelmenschen vorhanden waren und zurückgebliebene. Die fortgeschritteneren Engelmenschen machten sich an den Menschen heran m der Zeit, als er in Lemurien reif wurde, den Keim des menschlichen Ich zu empfangen, und stellten es ihm frei sozusagen, jetzt schon hinaufzusteigen in die geistigen Welten und sich weiter nicht einzulassen in dasjenige, was seit dem Monde her hineingemischt worden war in den Gang der Weltenentwickelung. Und es waren diejenigen Wesen, die damals zurückgeblieben waren und die wir die luziferischen Wesenheiten nennen, die sich heranmachten an des Menschen Astralleib — an das Ich konnten sie ja nicht heran — und diesem Astralleib einimpften alle Folgen des Streites am Himmel. Während also, als die Mächte abkommandiert wurden zum Streit am Himmel, während sie da nur geschaffen wurden zu Göttern der Hindernisse, schlichen sich jetzt die Folgen ihrer Taten ein in den menschlichen Astralleib, und da bedeuten sie etwas anderes: da bedeuten sie die Möglichkeit zum Irrtum und die Möglichkeit des Bösen. Jetzt hatte der Mensch die Möglichkeit des Irrtums und die Möglichkeit des Bösen gegeben, damit aber zu gleicher Zeit die Möglichkeit, sich durch eigene Kraft über Irrtum und Böses zu erheben.

Bedenken Sie jetzt, daß solche Wesenheiten, wie die zur zweiten Hierarchie gehörigen Mächte, gar nicht aus eigener Kraft die Möglichkeit gehabt hätten, böse zu werden — sie mußten abkommandiert werden. Und erst die Wesenheiten der dritten Hierarchie, und zwar erst diejenigen, die dem Menschen am nächsten stehen, die Engel, die konnten sozusagen folgen oder nicht folgen den hemmenden Mächten. Die da nicht folgten, finden wir immer wieder dargestellt in Bildern, welche versinnlichen sollen die Siege, die im Himmel erfochten werden; die zum Ausdruck bringen sollen, was damals während der Mondenentwickelung geschah, als der Mensch fortschritt bis zur Einverleibung des Astralleibes, das heißt bis zur Mensch-Tierheit. Da entrangen sich ja diejenigen Engelwesen, die sozusagen gut geblieben waren, diesem Mondenwerden, entstiegen dem, was da unten auf dem Monde war. Und dieses Bild steht in mancherlei Gestalten vor der Seele des Menschen. Es ist das, was ursprünglich bedeutet Michaels Streit mit dem Drachen. Dieses Bild sehen Sie auch im Bilde des Mithras-Stieres, und da besonders anschaulich. Natürlich wollte man nicht damit sagen: Diese Engelwesenheiten haben sich entzogen ihrer Aufgabe, sondern man hat sie hingestellt als ein Ideal der Zukunft. Diese Wesenheiten, sagte man, sie haben vorgezogen den Aufstieg in die geistige Welt. Du bist hinuntergestiegen; mit dir sind hinuntergestiegen andere Wesenheiten, die den Mächten der Hindernisse gefolgt sind. Nun mußt du das verarbeiten, was du damit aufgenommen hast, und hinauftragen in die geistige Welt; du mußt sozusagen beim Wiederaufstieg ein solcher Michael, ein solcher Stierbesieger werden. — Denn ein jedes solches Symbolum ist in diesem zweifachen Sinne durchaus zu gebrauchen.

So sehen wir, daß in einer gewissen Beziehung erst dadurch, daß die Mächte abkommandiert wurden, dem Menschen die Möglichkeit gegeben wurde, aus sich selbst heraus das Ziel zu erreichen, das selbst die höchsten Seraphim nicht aus sich selbst erreichen können. Das ist das Wesentliche. Sie können gar nicht anders handeln, die Seraphim, Cherubim, Throne, als unmittelbar den Impulsen folgen, die die Gottheit gibt. Die Herrschaften, die ganze zweite Hierarchie kann auch nicht anders handeln. Von den Mächten war eine Anzahl abkommandiert; also auch diese Mächte, die sozusagen sich in den Weg der Entwickelung warfen, konnten nicht anders als den Befehlen der Gottheit folgen. Auch in dem, was man nennen könnte den Ursprung des Bösen, auch da vollziehen sie nur den Willen der Gottheit; indem sie sich zu Dienern des Bösen machen, vollziehen sie nur den Willen der Gottheit, die durch den Umweg des Bösen das starke Gute entwickeln will. Und steigen wir jetzt herunter zu denjenigen Wesenheiten, die wir die Gewalten nennen: durch sich selbst hätten sie das nicht erreichen können. Auch sie hätten nicht böse werden können durch sich selbst; auch nicht die Geister der Persönlichkeit, auch nicht die Feuergeister. Denn als diese auf der Sonne Menschen waren, da waren ja die Mächte noch nicht abkommandiert, da war überhaupt noch keine Möglichkeit vorhanden, böse zu werden. Die ersten, die die Möglichkeit hatten, böse zu werden, waren die Engel, denn diese Möglichkeit war erst von der Mondenentwickelung aus vorhanden. Da, von der Sonne zum Mond, hat der Streit am Himmel stattgefunden. Ein Teil der Engel hat nun diese Möglichkeit ausgeschlagen, hat sozusagen sich nicht verführen lassen durch die Kräfte, die in die Hemmnisse hineinführen sollten; die blieben bei der alten Natur. So daß wir bis zu den Engeln herab und noch in einem Teil der Engel solche Wesenheiten der geistigen Hierarchien vor uns haben, die unbedingt nicht anders können, als dem göttlichen Willen folgen, bei denen es keine Möglichkeit gibt, dem göttlichen Willen nicht zu folgen. Das ist das Wesentliche.

Und nun kommen wir zu zwei Kategorien von Wesenheiten: Erstens denjenigen Engeln, die sich hineingestürzt haben in das, was die Mächte während des Streites am Himmel angerichtet haben. Das waren solche Wesenheiten, die wir eben wegen ihrer weiteren Taten die luziferischen Wesenheiten nennen. Diese Wesenheiten haben sich dann herangemacht an den menschlichen Astralleib während der Erdenentwickelung und dem Menschen die Möglichkeit des Bösen gegeben, aber damit auch die Möglichkeit, aus eigener freier Kraft sich zu entwickeln. So daß wir innerhalb der ganzen Stufenfolge der Hierarchien nur bei einem Teil der Engel und beim Menschen die Möglichkeit der Freiheit haben. Sozusagen mitten in der Reihe der Engel beginnt die Möglichkeit der Freiheit; im Menschen ist sie aber doch erst in der richtigen Weise ausgebildet. Als der Mensch die Erde betrat, hat er allerdings zunächst verfallen müssen der großen Gewalt der luziferischen Geister. Sie durchdrangen den Astralleib des Menschen mit ihren Kräften, und das Ich wurde dadurch einbezogen in diese Kräfte; so daß wir während der lemurischen und atlantischen Entwickelung, und auch nachher noch, das Ich wie in einer Wolke haben, wie in eine Wolke gehüllt, die herbeigeführt worden ist durch die Einflüsse Luzifers. Der Mensch ist nur dadurch bewahrt worden vor der Überwältigung durch die ihn herabziehenden Kräfte, daß frühere Wesenheiten ihn überschattet haben, daß die Engel, die oben geblieben waren, und die Erzengel oben, in besonderen Individuen sich verkörpert und ihn geführt haben. Und das geschah bis in jene Zeit hinein, wo etwas ganz Besonderes eintrat, wo eine Wesenheit, welche bis dahin nur verbunden war mit dem Sonnendasein, so weit gekommen war, daß sie jetzt nicht nur, wie frühere Wesenheiten der höheren Welten, in den physischen Leib, Ätherleib und Astralleib des Menschen hineintreten konnte, sondern daß sie eindringen konnte in den Menschen bis in das Ich.

Erinnern Sie sich, wie ich dargestellt habe, daß in vorherigen Zeiten höhere Wesenheiten heruntergestiegen sind und beseelt haben den menschlichen physischen Leib, den Ätherleib und den Astralleib. Jetzt trat in einer besonderen Zeit, die dazu berufen war, ein Individuum auf, welches aufnahm in sich die höchste Wesenheit, die zunächst mit unserem Sonnendasein verbunden war und die bis in das Ich inspirierend einwirkte, bis in alle Kräfte des Ich hinein.

Das Ich findet seinen Ausdruck im Blut. Geradeso wie das Blut als materieller Stoff der Ausdruck des Ich, so ist die Blutwärme, das Blutfeuer, sozusagen der zurückgebliebene Rest des alten Saturnfeuers, der Ausdruck des Ich in den Elementen. In Zweierlei mußte sich dieses Wesen physisch zum Ausdruck bringen: zuerst in dem Feuer. Es kündigte sich im Feuer an dem Moses: im brennenden Dornbusch und in dem Blitz auf dem Sinai; denn es ist dieselbe Wesenheit, die in das menschliche Ich dann einziehen konnte, die zu Moses sprach aus dem brennenden Dornbusch, aus dem Blitz und Donner auf dem Sinai. Und sie bereitet ihr Kommen vor und erscheint dann in einem Blut-tragenden Leibe, in dem Jesus von Nazareth: damit zieht die Sonnenwesenheit in ein irdisches Individuum ein. Dadurch, daß das Ich sich immer mehr und mehr durchdringen und durchtränken wird mit der Kraft, die damals eingedrungen ist in das Ich, dadurch wird dieses Ich die Fähigkeit erlangen, immer mehr aus eigener Kraft sich zu erheben über all die Einflüsse, die dieses Ich herunterziehen können. Denn dieses Wesen, das bis in das Ich vordringt, das ist anderer Art als die anderen Wesenheiten, die früher herniedergestiegen sind auf die Erde und welche den physischen Leib, den Ätherleib und den Astralleib beseelt haben.

Nehmen wir die alten heiligen Rishis. In ihrem Ätherleib war, wie wir gesehen haben, der Geist einer höheren Wesenheit, denn sie hatten diesen Ätherleib geerbt von großen atlantischen Vorfahren, in denen diese höhere Wesenheit war. Das war auf sie übertragen; sie konnten mit ihrem Astralleib und Ich dem gar nicht folgen, was aus der Inspiration des Ätherleibes hervorging. Und so geschah es von Epoche zu Epoche. Die Menschen wurden inspiriert. Es war immer etwas wie eine Gewalt in ihnen, wenn sie inspiriert wurden; es war etwas, was sie mit Gewalt gefangen nahm. Von dem, was des Menschen Geschick war — sich selbst überlassen zu sein —, von dem wurde er etwas hinweggezogen, um besser werden zu können: er wurde inspiriert mit einer besseren Wesenheit. So war es bei allen Religionsstiftern: es wurde ihnen einverleibt eine Wesenheit, die noch erhaben war über den Streit am Himmel, so daß sie nicht vollständig sich überlassen waren. In dem Christus erschien eine Wesenheit ganz anderer Natur, eine Wesenheit, die zunächst einmal gar nichts, aber auch gar nichts tat, um durch irgendeinen Zwang die Menschen zu sich herüberzubringen. Und das ist das Wesentliche. Wenn Sie die ganze Ausbreitung des Christentums nehmen, so wird sie Ihnen ein lebendiger Beweis dafür sein, daß der Christus eigentlich in seinem Leben nicht das getan hat, was geschehen ist zur Ausbreitung des Christentums. Sehen Sie die Religionsstifter der Vorzeit an. Sie sind die großen Menschheitslehrer, sie lehren von einer bestimmten Zeit ihrer Entwickelung an, und ihre Lehren wirken in überwältigender Weise auf die Menschen. Sehen Sie den Christus an. Wirkt er im Grunde genommen durch seine Lehren? Derjenige versteht ihn eben nicht, der da glaubt, in den Lehren sei die Hauptsache. Der Christus wirkte gar nicht zunächst durch seine Lehren, sondern durch das, was er getan hat. Und die größte Tat des Christus war diejenige, die mit dem Tode endete, war der Tod. Das ist das Wesentliche, daß der Christus durch eine Tat wirkte, bei deren Verbreitung in der Welt er gar nicht mehr physisch dabei sein sollte. Das ist der große Unterschied zwischen der Wirkung des Christus und der anderer Religionsstifter. Dieser Unterschied wird fast noch gar nicht verstanden, aber er ist das Wesentliche.

Sie können alle Lehren des Christentums verfolgen, alles, was als Lehre im Christentum gepredigt wird, und können jede christliche Lehre in einem anderen Religionssystem auch finden. Das ist gar nicht in Abrede zu stellen. Sie können sagen: Alles Wesentliche der christlichen Lehren ist in anderen Systemen enthalten. Aber hat das Christentum gewirkt durch den Inhalt seiner Lehren? Derjenige, der zunächst das Wesentliche zur Ausbreitung des Christentums getan hat, hat der sich auf die Lehren gestützt? Sehen Sie ihn an, den Apostel Paulus! Hat er sich durch das, was in den Evangelien steht, von einem Saulus zu einem Paulus machen lassen? Er verfolgt die Anhänger des Christus Jesus. Solange verfolgt er sie, bis ihm derjenige, der am Kreuz gestorben ist, aus den Wolken erschien, bis er, Paulus, die eigene, persönliche okkulte Erfahrung hatte, daß der Christus lebt. Die Wirkung des Todes, die Wirkung der Tat, das war der Impuls für den Paulus, und darauf kommt es an. Andere Rehgionssysteme wirken durch ihre Lehren, und ihre Lehren sind dieselben wie auch im Christentum; im Christentum handelt es sich aber nicht um die Lehren, sondern um das, was geschehen ist, um die Tat. Und diese Tat ist eine solche, daß sie auf keinen Menschen anders wirkt, als wenn er sich selbst dazu entschließt, sie auf sich wirken zu lassen, das heißt, wenn sie mit dem absolut freien Charakter seines individuellen Ich vereinbar ist. Denn nicht genügt es, daß der Christus anwesend wird im menschlichen Astralleib, sondern der Christus muß, wenn er wirklich verstanden werden soll, im menschlichen Ich anwesend werden. Und das Ich muß sich frei entschließen, den Christus aufzunehmen. Das ist es, worauf es ankommt. Aber gerade dadurch nimmt dieses menschliche Ich, wenn es sich mit dem Christus verbindet, eine Realität in sich auf, eine göttliche Kraft, nicht bloß eine Lehre. Daher kann hundertmal bewiesen werden, daß alle Lehren des Christentums schon zu finden sind da oder dort; aber darauf kommt es nicht an, sondern darauf, daß das Wesentliche im Christentum die Tat ist, die nur durch eine freiwillige Erhebung in die höheren Welten zum eigenen Besitz werden kann. Dadurch also nimmt der Mensch die Christus-Kraft auf, daß er sie freiwillig aufnimmt, und keiner kann sie aufnehmen, der sie nicht freiwillig aufnimmt. Dies ist aber dem Menschen nur dadurch möglich geworden, daß der Christus auf der Erde Mensch geworden ist, daß er berufen war, auf der Erde Mensch zu werden.

In einer anderen Lage sind die abgefallenen Engel, die als luziferische sich herübergelebt haben auf die Erde. Die hätten ja auf dem Monde eigentlich Mensch werden sollen. Sie sind zurückgeblieben in ihrer Entwickelung, sie können daher in den Astralleib hinein; an das Ich können sie zunächst nicht heran. Nun sind sie in einer sonderbaren Lage, in einer Lage, die wir uns eigentlich nur graphisch darstellen können, wenn das auch pedantisch aussieht. Nehmen wir einmal an — wenn wir von Ätherleib und physischem Leib absehen —, des Menschen Astralleib wäre während derlemurischen Entwickelung dieser Kreis, sein Ich wäre ein Einschluß in diesem Astralleib; das Ich hat sich allmählich in den Astralleib hineinbegeben. Was geschieht nun? Während der lemurischen Entwickelung schleichen sich die luziferischen Mächte überall in den astralischen Leib des Menschen ein und durchdringen ihn mit demjenigen, was ihre Taten sind, was bei ihm aber sich als niedere Leidenschaften darstellt. Dasjenige, wodurch er dem Irrtum und Bösen verfallen kann, das sitzt im Astralleib; die luziferischen Geister haben es ihm eingespritzt. Hätten sie es ihm nicht eingespritzt, so würde er niemals die Möglichkeit des Irrtums und des Bösen haben, er würde hin aufgehoben werden, wo er sein Ich empfängt, unberührt von allen hemmenden Einflüssen. Das geht so fort, nur beschützen die großen Führer die Menschen davor, so weit das notwendig ist, zu tief hinunterzusinken.


Nun tritt das Ereignis des Christus ein. Nehmen wir einen Menschen, der freiwillig den Christus in sich aufnimmt, — das Christentum ist erst im Anfange, aber nehmen wir das Ideal: des Menschen Ich hätte freiwillig die Christus-Kraft in sich einfließen lassen. Wenn dieses Ich so weit ist, daß es sich mit dem Christus durchdrungen hat, dann strahlt die Christus-Kraft auch in den Astralleib hinein. In denselben Astralleib strahlt die Christus-Kraft von innen hinein, in den vorher hineingespritzt haben ihre Taten die luziferischen Mächte. Und was geschieht nun in der Zukunft? Dadurch, daß wir mit Hilfe und nur mit Hilfe des Christus alle diejenigen Eigenschaften des Menschen, die von Luzifer kommen, auslöschen, dadurch befreien wir als Menschen nach und nach die luziferischen Mächte mit. Und es wird eine Zeit kommen, wo die luziferischen Mächte, welche während der Mondenentwickelung zum Heile der menschlichen Freiheit heruntersinken mußten in eine gewisse niedere Entwickelung und auf der Erde nicht Gelegenheit hatten, selber die Christus-Kraft zu erleben, wo diese durch den Menschen werden die Christus-Kraft erleben und erlöst werden. Der Mensch wird Luzifer erlösen, wenn er die Christus-Kraft in der entsprechenden Weise aufnimmt. Und dadurch wird der Mensch wiederum stärker, als er sonst geworden wäre. Denn denken Sie, der Mensch hätte nicht die luziferischen Kräfte bekommen: dann würde die Christus-Kraft ausstrahlen, aber sie träfe nicht auf die Hindernisse der luziferischen Kräfte, und der Mensch würde unmöglich im Guten, im Wahren, in der Weisheit so weit kommen können, wie er kommen kann, wenn er diese widerstrebenden Kräfte zu besiegen hat.

So haben wir im Menschen ein Glied unserer Hierarchien, von dem wir sehen, daß es sich sehr wohl von den anderen Gliedern unterscheidet. Wir sehen, daß der Mensch anders dasteht als die Seraphim, Cherubim, Throne, als die Herrschaften, Mächte und Gewalten, auch noch als die Geister der Persönlichkeit und als die Feuergeister, als ein Teil der Engel. Er kann sich sagen, wenn er der Zukunft entgegenblickt: Ich bin berufen, in meinem tiefsten Innern selbst das alles zu suchen, was mir die Impulse des Handelns gibt — nicht aus dem Anschauen der Gottheit, wie die Seraphim, sondern aus dem tiefsten Innern heraus. Und der Christus ist ein Gott, welcher nicht so wirkt, daß seine Impulse unbedingt befolgt werden müssen, sondern nur, wenn man sie einsieht, nur in Freiheit. Er ist daher der Gott, der niemals diese individuelle, freie Entwickelung des Ich nach dieser oder jener Richtung hemmen kann. Der Christus konnte sagen im allerhöchsten Sinne: Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen. — Und diejenigen Wesenheiten der nächsten Hierarchie, die die Möglichkeit hatten, Böses zu tun, die luziferischen Wesenheiten, sie werden wiederum durch die Kraft des Menschen erlöst, befreit. Damit sehen wir auch, wie tatsächlich die Weltentwickelung nicht einfach sich wiederholt, sondern daß Neues eintritt. Denn solch eine Menschheit, wie der Mensch sie erlebt, war eben noch nicht da, nicht bei den Engeln, nicht bei den Erzengeln, nicht bei den Urkräften. Eine völlig neue Mission hat der Mensch in der Welt zu erfüllen, eine Mission, die wir eben jetzt charakterisiert haben. Und zu dieser Mission ist er heruntergestiegen in die irdische Welt. Und als ein freier Helfer ist ihm der Christus in der Welt erstanden, nicht als ein Gott, der von oben wirkt, sondern als ein Erstgeborener unter vielen.

So verstehen wir erst die ganze Würde und Bedeutung des Menschen innerhalb der Glieder unserer Hierarchien, und wir sagen uns, wenn wir zu der Herrlichkeit und zu der Größe der höheren Hierarchien hinaufschauen: Sind sie auch so groß, so weise, so gut, daß sie niemals von dem rechten Pfade abirren können, so ist doch die große Mission des Menschen, daß er die Freiheit in die Welt bringen soll und mit der Freiheit erst dasjenige, was man im wahren Sinne des Wortes Liebe nennt. Denn ohne die Freiheit ist Liebe unmöglich. Ein Wesen, welches unbedingt einem Impuls folgen muß, folgt ihm eben; ein Wesen, das auch anders handeln kann, für dieses gibt es nur eine Kraft, um zu folgen: die Liebe. Freiheit und Liebe sind zwei Pole, die zusammengehören. Sollte daher in unserem Kosmos die Liebe einziehen, so konnte das nur geschehen durch die Freiheit, das heißt durch Luzifer und seinen Besieger, und zu gleicher Zeit durch des Menschen Erlöser, durch den Christus. Daher ist die Erde der Kosmos der Liebe und Freiheit, und es ist das Wesentliche, daß wir, ohne den Menschen zur Unbescheidenheit zu verführen, die Hierarchien aufzählen lernen in der Art, wie sie innerhalb unserer abendländischen Esoterik immer und immer aufgezählt worden sind. Seraphim, Cherubim, Throne, sie folgen den unmittelbaren Impulsen unter dem Anschauen der Gottheit; Herrschaften, Mächte und Gewalten, sie sind noch so gebunden an die höheren Mächte, daß sie abkommandiert werden müssen, damit die Entwickelung zum Menschen vorwärtsschreiten kann. Auch noch Erzengel und Geister der Persönlichkeit können nicht fehlen, können also nicht durch freien Willen heruntersinken in ein Böses. Deshalb nannte man die Geister der unmittelbar höheren Hierarchie Boten und Erzboten, um anzudeuten, daß sie nicht ihre eigenen Aufträge, sondern daß sie die Aufträge ausführen derjenigen, die über ihnen stehen. Im Menschen wird aber eine Hierarchie heranreifen, die die eigenen Aufträge ausführt. Durch die Jupiter-, Venus- und Vulkanentwickelung hindurch wird der Mensch heranreifen zum Ausführer seiner eigenen Impulse. Wenn er auch heute noch nicht so weit ist, er wird dazu heranreifen.

So also dürfen wir sagen: Welches sind die Hierarchien ? Wir fangen an: Seraphim, Cherubim, Throne; die Herrschaften, die ihre Herrschaft ausüben, indem sie nur dadurch herrschen, daß sie in dem Sinn, wie ihnen die Impulse von den Göttern gegeben werden, wirken. Dann kommen die Mächte; die führen ihre Macht eben nur dadurch, daß sie sie von oben erhalten; ebenso die Gewalten. Sollen sie böse werden, so müssen sie das nach göttlichem Ratschluß werden. Wir kommen zu den Geistern der Persönlichkeit, zu den Erzboten und Boten und sind heruntergestiegen bis unmittelbar heran zum Menschen. Und wie wird vom Menschen zu sagen sein, wenn wir ihn einreihen in die Hierarchien? Nach den Erzengeln und Engeln, den Erzboten und Boten, wird anzureihen sein der Reihe der Hierarchien der Geist der Freiheit oder der Geist der Liebe, und das ist, von oben angefangen, die zehnte der Hierarchien, die allerdings in Entwickelung begriffen ist, aber sie gehört zu den geistigen Hierarchien.

Nicht um Wiederholung handelt es sich im Weltenall, sondern jedesmal, wenn ein Umlauf gemacht ist, wird Neues eingefügt der Weltenevolution. Und dieses Neue einzufügen, ist immer die Mission der entsprechenden Hierarchie, die auf der Stufe ihrer Menschheit steht. Damit haben wir den Sinn des Menschen zu ergründen versucht aus dem Sinn unseres Kosmos heraus. Wir haben, bis zu einem gewissen Grade wenigstens, geistig heute uns gefragt nach dem Sinne des Menschen, und wir haben diesen Sinn des Menschen, des Punktes inmitten des Universums, nach der Mysterienanweisung zu ergründen versucht, indem wir den Punkt, den Menschen, aus dem Umkreis zu enträtseln versuchten — den Punkt aus dem Umkreis! Damit aber stellt sich unsere Erkenntnis in die Realität hinein. Und das ist das Wesentliche, daß alle wahrhaftige geisteswissenschaftliche Erkenntnis eine wirkliche, konkrete, eine reale Erkenntnis ist, das heißt, daß geisteswissenschaftliche Erkenntnis unmittelbar selber gibt ein Bild des Kosmos und der geistigen Hierarchien.

Wir stehen im Mittelpunkt der Welt. Alles, was um uns herum ist, verliert für uns seine Bedeutung, weil wir uns sagen: Die äußere Sinneswelt kann uns die Rätsel selber nicht lösen. Es ist, wie wenn in einem Punkt sich alles zusammenzöge. Dann aber, wenn sich alles zusammenzieht, dann kommt aus dem Umkreis zurück die Lösung des Welträtsels so wahrhaftig real, wie die Materie, die ein Abbild und Gleichnis des Geistigen ist, selber sich verhält. Sie zieht sich zusammen, verschwindet im Mittelpunkt und taucht aus dem Umkreis herein wieder auf. Das ist Realität. Und unsere Erkenntnis ist real, wenn sie uns so vor Augen tritt wie der Bau und Prozeß des ganzen Weltenalls. Dann ist sie nicht Spekulation, nicht Spintisiererei, dann ist sie geboren aus dem Kosmos heraus. Und dieses Gefühl sollen wir entwickeln: Weisheit soll ein Ideal sein für uns, das geboren wird aus dem Umkreis des Kosmos und das uns mit der stärksten Kraft erfüllt, mit der Kraft für unsere eigene Bestimmung, für unser eigenes großes Weltideal und damit auch für unser nächstes Menschenideal." (Lit.: GA 110, S. 155ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Geistige Hierarchien und ihre Widerspiegelung in der physischen Welt, GA 110 (1981), Zehnter Vortrag, Düsseldorf, 18. April 1909, abends pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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