Geistesschüler

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Der Geistesschüler ist ein Mensch, der einen konsequenten, geregelten Schulungsweg zur Entwicklung seiner geistigen Wesensglieder beschreitet. Er wird dabei gegebenenfalls nach literarischer Anleitung arbeiten, oder Rat und Hilfe von einem Geisteslehrer einholen, der ihn auf geeignete Übungen zur Konzentration und Meditation und auf andere der Geistesschulung förderliche Regeln hinweist. Durch solche systematisch ausgeführte Übungen wirkt der Geistesschüler bewusst verwandelnd auf seine leiblichen Wesensglieder ein.

In der Thesophischen Gesellschaft wurden die neu in die Esoteric School eintretenden Geistesschüler auch als Shravaka (skrt. श्रावक śrāvaka „Zuhörer, Schüler“) bezeichnet. So wurden ursprünglich die Schüler des Buddha bezeichnet, die seine Lehre hörten und verbreiteten[1]. Die fortgeschritteneren Schüler nante man auch Chela (skrt. चेल cela „Diener, Sklave; Jünger, Schüler; Kleid, Gewand“[2]).

Das Verhältnis zwischen Geistesschüler und Geisteslehrer

Im gegenwärtigen Bewusstseinsseelenzeitalter muss das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler ein völlig freies sein, egal, ob es sich dabei um einen persönlichen Lehrer oder um eine literarische Vorlage handelt.

"Und welchen Weg weist uns die esoterische Schulung, welche Mittel gibt sie uns, damit wir zu einer schnelleren Erkenntnis der höheren Welten kommen können als der Mensch des Alltags? Sie gibt uns gewisse Übungen, Konzentrations- und Meditationsübungen, bei deren Übung innere Seelenkräfte in uns erweckt werden können, die sonst noch lange schlummernd bleiben würden. Ich will hier noch ausdrücklich betonen, daß der Schüler sich nicht auf diesen Weg begeben soll aus bloßem Vertrauen zu seinem Lehrer oder vielleicht aus einer blinden Verehrung für ihn, denn das würde der ganz verkehrte Weg sein. Er soll seinen eignen Verstand gebrauchen bei allem, was er tut, und er soll auch nicht andere für ihn denken lassen, sondern selber soll er alles prüfen, auch was seine Übungen und Meditationen betrifft. Er soll, wenn er in seine Meditationen versunken ist, nicht an eine suggestive Kraft derselben glauben, denn das wäre eine ganz falsche Annahme. Sie können nicht suggerierend wirken, weil sie so zusammengesetzt sind, daß jedermann durch sich selbst zur Imagination kommt, auf die die Übungen nur hindeuten." (Lit.: GA 266b, S. 273f)

Über das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler sagt Rudolf Steiner in der Vorrede zur 5. Auflage seiner grundlegenden Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten»:

"Man könnte etwa in dem persönlichen Verhältnis zu diesem oder jenem Lehrer bei dem nach Geistesschulung Strebenden etwas viel Wesentlicheres sehen, als gesehen werden soll. Ich hoffe, daß es mir gelungen ist, in dieser neuen Auflage durch die Art der Darstellung mancher Einzelheiten schärfer zu betonen, wie es bei dem, der Geistesschulung sucht im Sinne der gegenwärtigen geistigen Bedingungen, viel mehr auf ein völlig unmittelbares Verhältnis zur objektiven Geisteswelt als auf ein Verhältnis zur Persönlichkeit eines Lehrers ankommt. Dieser wird auch in der Geistesschulung immer mehr die Stellung nur eines solchen Helfers annehmen, die der Lehrende, gemäß den neueren Anschauungen, in irgendeinem anderen Wissenszweige innehat. Ich glaube genügend darauf hingewiesen zu haben, daß des Lehrers Autorität und der Glaube an ihn in der Geistesschulung keine andere Rolle spielen sollten, als dies der Fall ist auf irgendeinem anderen Gebiete des Wissens und Lebens." (Lit.: GA 10, S. 11f)

Die Wirkung der Geistesschulung auf die Wesensglieder

Grundvoraussetzung für jede Schülerschaft ist die Läuterung des Astralleibs, wodurch allmählich das Geistselbst als sein Höheres Selbst ausgebildet wird. Zu beachten ist dabei stets die goldene Regel aller Geistesschulung:

"Und diese goldene Regel ist: wenn du einen Schritt vorwärts zu machen versuchst in der Erkenntnis geheimer Wahrheiten, so mache zugleich drei vorwärts in der Vervollkommnung deines Charakters zum Guten." (Lit.: GA 10, S. 65)

Ein Geistesschüler, der auch den Ätherleib umwandelt, wird in den östlichen Weisheitslehren als Chela bezeichnet; er arbeitet dadurch bereits an seinem Lebensgeist. Durchschreitet er die Initiation, wird er zum Eingeweihten; erwirbt er sich dazu auch gewisse hellsichtige Fähigkeiten, kann er als Geistesforscher im modernen rosenkreuzerischen Sinn tätig werden. Die höchste Stufe der Schülerschaft hat der Adept oder Magier erreicht, der den physischen Leib nach und nach zum Geistesmenschen umgestaltet.

"Je höher ein Mensch in moralischer und intellektueller Kultur steht, desto mehr hat das Ich hineingearbeitet in den Astralleib. Der Seher kann sagen: Dies ist ein Entwickelter, dies ist ein Unentwickelter.

Was der Mensch selbst in den Astralleib hineingearbeitet hat, das nennt man Manas; das ist der fünfte Grundteil. So viel also der Mensch selbst in sich hineingearbeitet hat, so viel ist in ihm Manas; daher ist immer ein Teil seines Astralleibes Manas. Aber es ist dem Menschen nicht unmittelbar gegeben, auch auf seinen Ätherleib einen Einfluß auszuüben. So wie man lernt, auf eine höhere moralische Stufe zu kommen, so kann man auch lernen, in seinen Ätherleib hineinzuarbeiten. Wer dies lernt, ist ein Schüler, ein Chela. Dadurch wird der Mensch Herr über seinen Ätherleib, und so viel er in diesen hineingearbeitet hat, so viel ist in ihm vorhanden von Budhi. Das ist der sechste Grundteil, der umgewandelte Ätherleib. Einen solchen Chela können wir an etwas erkennen. Der gewöhnliche Mensch ist nicht ähnlich seiner früheren Verkörperung, weder in Gestalt noch Temperament; der Chela aber hat dieselben Gewohnheiten, dasselbe Temperament wie in der früheren Verkörperung. Er bleibt sich ähnlich. Er hat bewußt hineingearbeitet in den Leib, der Fortpflanzung und Wachstum trägt.

Die höchste Gabe, die der Mensch auf dieser Erde erreichen kann, ist, daß er in seinen physischen Leib hinunterarbeitet. Das ist das Allerschwerste. Auf den physischen Leib arbeiten heißt, seinen Atem beherrschen lernen, seinen Blutumlauf bearbeiten, die Nervenarbeit verfolgen, auch den Denkprozeß regeln. Derjenige, der auf dieser Stufe steht, heißt in theosophischer Sprache ein Adept, und dieser hat dann das, was man Atma nennt, an sich ausgebildet." (Lit.: GA 95, S. 17f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?, GA 10 (1993), ISBN 3-7274-0100-1; Tb 600, ISBN 978-3-7274-6001-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Vor dem Tore der Theosophie, GA 95 (1990), ISBN 3-7274-0952-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Aus den Inhalten der esoterischen Stunden, Band II: 1910 – 1912, GA 266/2 (1996), ISBN 3-7274-2662-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Anmerkungen

  1. vgl. Shravaka - Artikel in Yoga-Vidya
  2. vgl. Chela - Artikel in Yoga-Vidya