Geistselbst

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Das Geistselbst (eng. spirit self), das höhere Selbst des Menschen im engeren Sinn, das ihn als Genius inspiriert und in der theosophischen Tradition auch als Manas (skrt.) oder Karana Sharira bezeichnet wird, ist jenes Wesensglied des Menschen, das durch die bewusste Arbeit des individuellen Ichs am menschlichen Astralleib gebildet wird. Die jüdische Kabbala kennt es unter dem Namen Neschama (hebr. שמה‎נ, auch N'schama), der aber auch für die Bewusstseinsseele gebraucht wird, insbesondere in ihrer Verbindung und Verschmelzung mit dem Geistselbst. Nach Rudolf Steiner wurde das Geistselbst auch als Salomo (hebr.שלמה‎, Schəlom:o) bezeichnet, nach dem gleichnamigen israelitischen König, bei dem alle 7 Wesensglieder des Menschen schon sehr vollkommen veranlagt waren:

"Und endlich nannten sie Manas oder Geistselbst diese Vorfahren - weil sie sagten, ein solches Geistselbst muß die Anlage in sich enthalten innerlich abgeschlossen zu sein, in sich im Gleichgewicht zu sein - , mit einem Wort, das da bedeutet «inneres Gleichgewicht», «Salomo»." (Lit.: GA 116, S. 83)

Angeregt wurde die Entwicklung des Manas bereits im letzten Drittel der atlantischen Zeit durch die Venuswesenheiten (vgl. auch GA 102, S. 59f):

„Und damals, als schon die Empfindungsseele, die Verstandesseele und die Bewußtseinsseele angeregt waren, da wurde der Anstoß gegeben, Manas in Fluß zu bringen. Denn dazu mußte zuerst auch noch eine Anregung gegeben werden. War es einmal in Fluß gebracht, dann konnte der Mensch sozusagen seine Entwicklung selbst in die Hand nehmen. Das war im letzten Drittel der atlantischen Zeit. Die Anreger waren die Wesenheiten, die auf der Venus waren. So können Sie sich eine Vorstellung machen von der Wechselwirkung der verschiedenen Glieder unseres Planetensystems. Wir müssen uns denken, daß der Mensch mitgebracht hatte seinen physischen Leib, seinen Ätherleib und seinen Astralleib. Dann entwickeln sich drei Glieder: die Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele und endlich Manas. Die Bewußtseinsseele hat ihre Kraft vom Jupiter, die Verstandesseele vom Merkur, die Empfindungsseele vom Mars und das Geistselbst empfing seinen Anstoß von der Venus. So müssen Sie, wenn Sie an sich selbst die Kräfte aufspüren wollen, die in Ihnen sind, zu den betreffenden Sternen aufschauen. Der Mensch ist ein kompliziertes Wesen; er ist dadurch geworden, daß die Kräfte des Kosmos in ihm zusammengeflossen sind.“ (Lit.:GA 98, S. 198)

Das Geistselbst entsteht in dem Maße, als es dem menschlichen Ich gelingt, die Herrschaft über die angeborenen Triebe, Empfindungen und Begierden zu gewinnen. Während der naturhaft dem Menschen verliehene Astralleib das Ich wie eine äußere Hülle umgibt, wird das Geistselbst zum unverlierbaren inneren Bestandteil der menschlichen Individualität. Das Ich beginnt sich dadurch mit jenen schöpferischen geistigen Kräften zu erfüllen, die imstande sind einen eigenständigen Astralleib zu schaffen. Geistig veranlagt wurden diese Kräfte bereits auf der planetarischen Entwicklungsstufe des alten Mondes. Im Zuge seiner geistigen Entwicklung beginnt der Mensch, diese Kräfte in seinen innersten Wesenskern aufzunehmen. Das macht ihn erst im eigentlichen Sinn zum Menschen. Unser Wort «Mensch» weist sehr deutlich auf diesen Zusammenhang mit Manas hin. Voll und ganz wird das erst auf dem neuen Jupiter (in der Apokalypse des Johannes auch als Neues Jerusalem bezeichnet) geschehen, doch schon während unseres irdischen Daseins wird dafür eine wesentliche Vorarbeit geleistet. Bei geistig hochentwickelten Menschen, die bereits sehr energisch an der Läuterung ihres Astralleibes gearbeitet haben, und deshalb zurecht als «Heilige» bezeichnet werden, können sich schon heute wesentliche Bereiche des Geistselbstes entfalten. In der Terminologie der morgenländischen Weisheitslehren wird das Geistselbst als «Manas» bezeichnet, in der christlichen Ausdrucksweise als «Heiliger Geist».

Indem das Geistselbst im innersten Wesenskern des Menschen tätig zu werden beginnt, erwacht der Mensch allmählich zu einem neuen, höheren Bewusstsein, das ihm durch Imagination, d.h. durch bewusste bildhafte geistige Wahrnehmung, den Blick auf die geistige Welt eröffnet.

Das Geistselbst, wie es heute auftreten kann, wenn sich der Mensch entsprechend dazu vorbereitet hat, ist kein innerlicher Bestandteil des Menschen. Dazu kann es erst auf dem Jupiter werden. Was auf der Erde als Vorwegnahme des Geistselbst auftritt, wird dann richtig aufgefasst, wenn man es ansieht als ein Element, das aus der geistigen Welt in den Menschen hinein scheint. Auf der Erde soll der Mensch sein Ich entwickeln - und dazu ist es notwendig, dass das Ich in der Erdenzukunft die Vorausnahmen von Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch durchlebt - ohne aber der Illusion zu verfallen, dass diese höheren Glieder bereits sein Eigen genannt werden dürften.

Das Geistselbst entspricht dem Kausalkörper (Ursachenkörper, Ursachenträger) der Theosophen, welcher alle Erfahrungen der einzelnen Inkarnationen eines Menschen wie eine Essenz in sich ansammelt und auf ewig bewahrt.

"Jede Inkarnation ist nur ein unvollkommenes Abbild dessen, was der Mensch eigentlich ist. Das geistige Selbst ist im Geisteslande, und indem es in den menschlichen Leib, in die menschliche Seele einzieht, kann es nur ein schwaches Abbild dessen verwirklichen, was es im Grunde genommen eigentlich ist. Wenn der Mensch heimkehrt in das eigentliche Selbst, in seine ursprüngliche Eigenheit, wenn er die fünfte Region kennenlernt, da weitet sich der Blick über seine eigenen Inkarnationen, da ist er imstande, seine Vergangenheit und seine Zukunft zu überschauen. Er erlebt ein Aufblitzen des Gedächtnisses über seine vergangenen Inkarnationen und kann sie in Zusammenhang bringen mit dem, was er in der Zukunft vollbringen kann. Er überschaut die Vergangenheit und die Zukunft mit prophetischem Blick. Alles, was er vollbringt, erscheint ihm wie aus dem ewigen Selbst herausfließend. Das ist das, was das Selbst sich erwirbt in der fünften Region des Geisteslandes. Deshalb nennen wir dieses Selbst, insofern es sich in der fünften Region auslebt und sich seiner eigenen Wesenheit bewusst wird, den Ursachenträger der menschlichen Wesenheit, der alle Ergebnisse des vergangenen Lebens in die Zukunft hinüberträgt. Das, was wiedererscheint in den verschiedenen Verkörperungen, das ist der Ursachenkörper, und zwar so lange, bis der Mensch übergeht zu höheren Zuständen, wo höhere Gesetze als die der Wiederverkörperung gelten. Seit dem Anfang des Planetenlebens unterliegen wir dem Gesetz der Wiederverkörperung. Der Kausalkörper ist dasjenige, was das Ergebnis eines früheren Lebens hinüberträgt in die kommenden Leben, was als Früchte genießt dasjenige, was in den vorhergehenden Leben erarbeitet wurde." (GA 88 Über die astrale Welt und das Devachan, Berlin, Vortrag vom 11.02.1904)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Natur- und Geistwesen – ihr Wirken in unserer sichtbaren Welt, GA 98 (1996), ISBN 3-7274-0980-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Das Hereinwirken geistiger Wesenheiten in den Menschen, GA 102 (2001), ISBN 3-7274-1020-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Der Christus-Impuls und die Entwickelung des Ich-Bewußtseins, GA 116 (1982) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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