Geologie

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Geologie (von griech. γῆ [ɡɛː] „Erde“ und λόγος [ˈlɔɡɔs] „Lehre“) ist im heutigen Sinn die Wissenschaft von der Zusammensetzung und Struktur der Erde und den Prozessen, die sie formen. Aus geisteswissenschaftlicher Sicht müssen diese Prozesse aber nicht bloß als physische, sondern als lebendige aufgefasst werden - und das umso mehr, je weiter man in die Vergangenheit zurück blickt. Was die Geologie heute beschreibt, ist im Grunde nur der Leichnam des einstmals ganz lebendigen Erdenwesens.

"Nun, wir betrachten ja heute - ich muß da allerdings jetzt aus einer Art biologischer Geologie eine Sache heranziehen - das Unorganische des Erdbodens so ungefähr, wie wenn das etwas Absolutes an sich wäre. Aber alles dasjenige, was wir als Mineralisiertes im Erdboden haben, ist nämlich ursprünglich ein Ausgeschiedenes. Wenn wir so vorgehen, wie die heutige Geologie vorgeht, dann kommen wir allerdings zu keiner Erkenntnis des Erdbildungsprozesses, weil wir herausabstrahieren aus dem Erdbildungsprozeß die bloße mineralische Grundlage. Es ist so, wenn wir heute die Geologie als ein fertiges System vor uns hinstellen, wie wenn wir das bloße Skelett des Menschen vor uns hinstellen und behaupten würden, das kann für sich ein Dasein haben. Das Skelett des Menschen kann nur als Abgeschiedenes, ich möchte sagen, Mineralisiertes ein Dasein haben. Ein Skelett kann nicht für sich entstehen. Ein Skelett kann auch nicht für sich betrachtet werden, nur im Zusammenhange mit dem ganzen Menschen.

So kann auch das, was die Geologie gibt, nur im Zusammenhang mit der lebendig organischen und geistig durchwesten Erde betrachtet werden. Wir haben nicht etwas Ursprüngliches in den geologischen Bildungen vor uns, sondern wir haben etwas vor uns, was abgeschieden ist. Tatsächlich, es ist der Prozeß der Steinkohlenbildung nur der einfachste, elementarste Prozeß des Mineralisierens. Aber alles, alle Schieferbildungen, alle kristallinischen Bildungen, alles ist Abgeschiedenes, ist Ausgeschiedenes, ist gewissermaßen dasjenige, was mineralisiert ist aus einem ursprünglich undifferenziert organisch Geistigen heraus." (Lit.: GA 319, S. 73f)

Je weiter der geistige Blick in die Vergangenheit der Erde zurück schaut, desto mehr erscheint die ganze Erde als ein großer lebendiger Organismus. Einzelne irdische Lebenwesen gab es damals noch nicht und die meisten Stoffe, die heute in den Erdentiefen zu finden sind, waren damals noch im Umkreis der Erde zu finden und in den Lebenskreislauf des Gesamtorganismus aufgenommen. Erst nach und nach haben sie sich daraus niedergeschlagen, so wie sich im tierischen und menschlichen Organismus nach und nach das Knochengerüst in dem reifenden Embryo herausbildet. Es ist dies ein Absonderungsprozess, vergleichbar dem, der sich in unserem Gehirn durch unsere Geistestätigkeit abspielt. Auch da geschieht ein Zerstörungsprozess, durch den sich tote Substanz absondert. So waren es auch seelisch-geistige Prozesse, die aus dem Gesamtleben der Erde nach und nach den toten Stoff abgesondert haben. Und dadurch zerfiel auch der große Erdenorganismus allmählich in einzelne Lebewesen.

"Wenn wir innerhalb der Geologie auf einem wirklich sicheren Boden bleiben - eigentlich sollte das, was jetzt gesagt wird, kein Naturforscher bezweifeln - , dann hat die Geologie hinter dem, was jenseits des Granits nach der Vorzeit zu liegt, nur Vermutungen. Solche Vermutungen kann sie auch darüber haben, wie es im Innern der Erde ausgeschaut habe, denn die Bohrlöcher, die durch Bohrungen in die Erde hineingearbeitet worden sind, führen nur so weit, daß man sie als winzig kleine Nadelstiche bezeichnen muß. Vermutungen und Hypothesen, weiter nichts, Ahnungen höchstens noch über das, was dem Gewoge und Getriebe der Granitbildung vorangegangen ist!

Die Geisteswissenschaft nun folgt — allerdings mit jenem Blick, dessen Eigentümlichkeiten hier öfter charakterisiert worden sind - dem Erdenwerden, rückwärtslaufend, in die Vorzeit und findet in dem Reiche, das man mit Augen sehen kann, immer unvollkommenere und unvollkommenere Wesen als die Vorlauf er unserer gegenwärtigen irdischen Lebewelt. Aber sie findet, daß die Erde, wenn wir sie so rückwärtssehend verfolgen, gewaltig anders sich darstellt, als sie sich in der jetzigen Zeit darstellt. Wie sie sich gegenwärtig als die mineralische Grundlage zeigt, auf der wir wandeln, umgeben von der Luft, wo sich die Nebel, die Wolkenbildungen und so weiter finden, so stellt sie sich, indem wir so in die Vorzeit zurückschreiten, durchaus nicht dar. Eine große Anzahl von Stoffen, die heute in den Tiefen der Erde sind, waren in früheren Zeiten noch in der Umgebung der Erde und schlugen sich erst nach und nach nieder. Das muß auch die Geologie zugeben. Aber je weiter wir zurückgehen, desto mehr finden wir, daß unsere Erde überhaupt als Planet ein ganz anderes Gebilde, etwas ganz anderes wird, daß gewissermaßen das, was jetzt Luftumkreis ist, immer mehr und mehr, indem wir nach rückwärts gehen, uns selber den Charakter eines Lebewesens zeigt. Daß wir im Umkreis unserer Erde nicht nur solche mineralische Luft und solche mineralische Wolkenbildung finden, wie wir sie jetzt haben, sondern daß wir innerhalb dessen, was zu unserer Erde gehört, in den ältesten Zeiten etwas wie lebendige Glieder eines großen lebendigen Wesens finden. Wir kommen uns vor, wenn wir so nach rückwärts schreiten, wie wenn wir heute als ganz winzige Wesen in einem menschlichen Organismus stehen könnten, wenn wir darinnen auf dem festen Boden eines Knochen stünden und hinaussehen könnten und draußen das Blutsystem, das Nervensystem und so weiter wie eine Umwelt sehen würden. So würde jemand in alten Zeiten, der auf der Erde gestanden und hinausgeschaut hätte, nicht mineralisches Weben und mineralische Luft gesehen haben, sondern lebendiges, pulsierendes Leben. Je weiter wir zurückkommen, desto mehr wäre dies der Fall, so daß wir bis zu der Epoche zurückkommen könnten, die wir als Granitbildung bezeichnen. Und wir könnten uns sagen: Da ist die Erde im Grunde genommen ein mächtiges Lebewesen, hat ein zahlreiches, mannigfaltiges Leben in sich, ist noch nicht von den Lebewesen belebt, die heute auf ihr herumwandeln oder sich im Wasser und so weiter aufhalten, sondern die da drinnen leben - gleichsam wie Parasiten des ganzen lebendigen Erdenorganismus, die in seinem Blute schwimmen, wie heute die Regenmassen in der Luft und dergleichen mehr. Dann kommen wir zu einer Zeit, von der wir sagen müssen: Auf dem Erdboden herrscht allerdings eine so große Temperatur, daß sich Leben nicht entwickeln kann, aber im Umkreise entwickelt sich Leben, Leben, das herunter will, aber nicht herunter kann. Warum kann es nicht herunter? Da unten wird durch den Feuerprozeß, den Prozeß hoher Erwärmung zunächst das aufgenommen, was das Lebendige unserer Erde so aus sich heraus absondert, wie unser lebendiger Organismus die festen Bestandteile, die Knochen, aus den weichen Teilen heraus absondert. Und jetzt blicken wir auf die Granitbildung und sagen: Das Material, welches der Granit enthält - Quarz, Feldspat und Glimmer - ist ursprünglich aufgelöst in dem großen lebendigen "Wesen: Erde. Das braucht zur Entwickelung die Tatsache, daß es sich dieser Stoffe entledigen kann, es sondert sie aus, läßt sie zur Erde fallen. Was unten ist, nimmt dies Ausgesonderte auf, bildet ein Grundmassiv, ein Knochengerüst in dem Lebewesen Erde. Und wenn wir noch weiter zurückgehen, müssen wir die Ursachen suchen, warum die ganze lebendige Erde aus sich heraus die Stoffe abgesondert hat, welche als chemische Stoffe heute unsere Erde bilden und nicht zugleich diejenigen sind, die sich im tierischen, pflanzlichen oder menschlichen Organismus befinden. Diese Stoffe wurden damals nach und nach auf ähnliche Weise durch Feuer- oder Wasserwirkung abgesondert und dann umgebildet zum Knochengerüst unserer Erde.

Wenn wir nun weiter zurückfragen, wie es kommt, daß die Stoffe nun aus dem Erde-Lebewesen herausgesondert wurden und einen Grundstock bildeten, aus dem das Leben gewichen ist, und nach den Ursachen fragen, durch welche das hat kommen können, so stoßen wir auf etwas, was - spricht man von ihm als von Vorgängen innerhalb unserer Erdentwickelung - heute noch im weitesten Umkreis sehr leicht Ärgernis erregt, und zwar nicht bei naturwissenschaftlichen Denkern - diese sollten es anerkennen -, sondern besonders bei denen, die auf ein paar Vorstellungen hin, die sie gewonnen haben, eine Weltanschauung bauen wollen. Wir müssen aber hinweisen auf das, was die Geisteswissenschaft aus ihren Betrachtungen heraus zeigt, daß eben so die Wahrheit ist. Es zeigt sich nämlich, daß diesen Prozessen - gleichsam des Aussonderns der Gesteinsmaterialien - innerhalb des Erde-Lebewesens vorausgegangen ist ein solcher Prozeß, den wir nun mit einem heutigen Vorgang bezeichnen können, wenn wir auf unseren eigenen Innenvorgang hinweisen, der ja für die äußere Wissenschaft wenig bekannt ist, der aber auch in diesen Vorträgen - ich kann das auch nur andeutungsweise sagen - durch die Geisteswissenschaft bereits ein wenig beschrieben worden ist, — auf jenen Vorgang, der sich den ganzen Tag über in unserem eigenen Leibe abspielt, wenn wir durch Arbeit, durch die Begriffe, die der Geist schafft, unsere Muskeln, die Werkzeuge unseres Gehirns, überhaupt unsern ganzen Leib anstrengen. Da spielt sich der Prozeß ab, den wir als Ermüdung bezeichnen. Das ist im wesentlichen eigentlich eine Art Zerstörungsprozeß des Organismus. Deshalb können wir sagen: Während wir heute vom Morgen bis zum Abend unser waches Tagesleben führen, indem wir denken, fühlen und wollen, spielen sich in uns Zerstörungsprozesse ab, die wir dann als Ermüdung fühlen. Solche Prozesse geistig-seelischer Art, die aber in die Materie hineinwirken, wird als äußere Naturwirkungen eine naturwissenschaftliche Weltanschauung gewiß nicht leicht zugeben wollen. Aber sie waren in jenem großen, gewaltigen Organismus vorhanden, der einst die Erde war. Und als sich die Erde dem Zeitpunkt näherte, wo sich der Granit und ähnliches abgesondert hat, wurde sie von lauter solchen Zerstörungsprozessen ergriffen, die so wirkten, daß ein Geistig-Seelisches an einem Materiellen arbeitete. In jenen Organismus, in den früher hineingearbeitet waren nicht nur die Stoffe, die heute der pflanzliche, tierische und menschliche Organismus hat, sondern auch die Stoffe, welche heute unser Erdmassiv ausmachen, ergoß sich alles, was von solchen durch geistig-seelische Vorgänge bewirkten Zerstörungsprozessen vorhanden war. Diese Zerstörungsprozesse leiteten in dem großen Lebewesen Erde dasjenige ein, was dann herbeiführte, daß dasjenige — gleichsam durch einen Absonderungsprozeß - ausgestoßen wurde, was wir heute an chemischen Stoffen im Aufbau unserer Erde haben, was wir nicht in den organischen Leibern finden.

So werden wir durch die Geisteswissenschaft zu der Erde zurückgeführt als zu einem Organismus - nicht zu einem Urzustand unserer Erde, in welchem sie sozusagen tote Masse war, sondern wo die Erde ursprünglich ein großer Organismus war. Im Sinne der Geisteswissenschaft muß man nämlich eine Frage, die heute ganz falsch gestellt wird, geradezu umdrehen. Keine Wissenschaft wird - wenn sie annimmt, daß unsere Erde einstmals eine tote Kugel war, worin nur chemische und physikalische Prozesse sich abgespielt haben - in der Lage sein, erklären zu können, wie aus dieser toten Kugel heraus das Leben hat entstehen können. Das ist eine große Streitfrage, aber sie wird in der Regel ganz falsch gestellt. Denn man fragt gewöhnlich: Wie hat sich aus dem Leblosen Leben entwickeln können? - Aber so ist es nicht: nicht dem Lebendigen geht das Leblose voran, sondern umgekehrt, dem Leblosen geht das Lebendige voran. Das leblose Mineral ist ein Absonderungsprodukt, wie unsere Knochen eine Absonderung unseres Organismus sind. So ist alles Gestein ein Absonderungsprodukt unseres Erdenorganismus, und geistig-seelische Prozesse sind es - wenn auch zunächst Zerstörungsprozesse -, die bewirkt haben, daß unser Erdenorganismus zu solchen Absonderungen kam. Wenn wir weiter zurückgingen, würden wir sehen, daß dieser Gang uns noch viel weiter führen würde. Wir würden da von dem, was sich in unserem Mineralischen abspielt, zu der Erde als einem Organismus geführt, ja, wir sehen jetzt schon, indem wir noch weiter zurückgehen, kommen wir nicht nur zu einem Organismus, sondern zu einem Gebilde unseres Planeten, das von geistigseelischen Wirkungen durchsetzt ist. Wir leiten nicht nur das Leben nicht auf Lebloses zurück, sondern wir führen das Leblose zurück auf Absonderungsprozesse aus dem Lebendigen, und wir nehmen das Lebendige als Folgezustand des Geistig-Seelischen an. Je weiter wir zurückgehen, desto mehr nähern wir uns dem, woraus wirklich entsprungen ist, was wir heute als Mineralien, Pflanzengebilde und so weiter vor uns haben: Wir nähern uns dem Geistigen und lassen uns von der Geisteswissenschaft sagen, daß nicht nur aus einem leblosen, feurigen Urnebel sich dasjenige gebildet hat, was uns heute in der Mannigfaltigkeit der Erderscheinungen gegenübertritt, sondern daß sich alles aus dem Geistigen herausgebildet hat, daß ursprünglich unsere Erde lauterer Geist war." (Lit.: GA 060, S. 328ff)

Aus geistiger Sicht wird die Erdentwicklung, die als vierte planetarische Entwicklungsstufe dem alten Saturn, der alten Sonne und dem alten Mond folgt, insbesondere in der Schöpfungsgeschichte der Bibel, der Genesis, ganz in diesem Sinn geschildert.

"Man wird niemals die eigentlichen Geheimnisse der althebräischen Kulturentwickelung verstehen, wenn man sie nicht in dem Sinne als Geologie nehmen wird, in dem wir sie jetzt als Geologie betrachten wollen. Wie tritt uns zunächst die Schar der Elohim, wie tritt uns der Jahvegott entgegen? So tritt er uns entgegen, daß er das zum Menschen bilden will, was von der Erde selber genommen wird. Umhüllen will er mit einer neuen Hülle, mit der Erdenhülle das, was von den früheren Zeiten, von Saturn, Sonne, Mond herübergekommen ist. Jahve ist gerade der Gott, der aus Erde den Menschen formt, das heißt aus den Kräften, aus den Elementen der Erde. Daher mußte die althebräische Weisheit als Bekennerin des Jahvegottes Geologie werden. Und die Lehre vom Menschen, der aus den Kräften der Erde geformt ist, ist Geologie. Wird uns nicht gleich, indem uns der Name des ersten Menschen hingestellt wird, der geologische Charakter der althebräischen Lehre hingestellt: Adam — der aus Erde Gebildete! Das ist das Bedeutsame, das man ins Auge fassen muß: All das, was die anderen, ich möchte sagen die Völker mit der meteorologischen Weltanschauung, als Seele faßten, all das spricht anders über die Menschenformung. Schauen wir hin auf die griechische Weltanschauung, wie Prometheus dasitzt und den Menschen formt. Pallas Athene kommt herzu und bewirkt aus geistigen Höhen die Verbindung des Menschen mit dem Geistesfunken. Prometheus formt die Seele im Symbolum des Schmetterlings. Der Jahvegott formt den Menschen aus Erde, und er, der Jahvegott, der im Laufe seiner Entwickelung zum Erdenherrn geworden war, haucht dem Menschen aus seiner eigenen Substanz die lebendige Seele ein. So verbindet sich Jahve durch seinen Hauch mit dem, was er aus Erde geformt hat. Und er will wohnen in seinem Sohne, in seinem lebendigen Hauche, in Adam und seinen Nachkommen, den Erdensöhnen, denjenigen Wesen, deren Hülle aus Erde zu formen der Jahvegott als seine Aufgabe betrachtete. Und wenn wir jetzt weitergehen: Versuchen wir einmal, all das, was wir im althebräischen Altertum selbst von der Bibel überliefert finden, vor unsere Seele zu rufen.

Wir wissen, wir haben es betont, daß die Erde gewisse Kräfte entwickelt. Goethe, Giordano Bruno und andere vergleichen diese Kräfte mit den Kräften des Ein- und Ausatmens beim Menschen. Die Erde entwickelt gewisse Kräfte, Ausatmungs- und Einatmungskräfte, welche Ebbe und Flut, das Anschwellen und Absinken des Wassers bewirken, innere Kräfte der Erde, dieselben Kräfte aber auch, welche den Mond um die Erde herum geleiten. Das sind diese Erdenkräfte. In den Wasserwirkungen treten uns diese Erdenkräfte entgegen als Erdenwirksamkeit. In den Wasserkräften verzeichnet uns die Bibel die Sintflut als ein weiteres wichtiges Ereignis nach der Schöpfung Adams, des Erdenmenschen. Und gehen wir weiter bis in die Zeit des Moses: Wenn wir richtig studieren, um was es sich überall handelt, es sind überall Erdenwirksamkeiten. Moses mit dem Stab geht an den Felsen und läßt aus der Erde Wasser hervorsprudeln. Moses geht auf den Berg hinauf. Dasjenige, was mit den Wirkungen der Erde zusammenhängt auf dem Berge oben und was sich gerade an diesem Berge begibt, es ist Erdenwirksamkeit. Denn dieser Berg darf nur als ein vulkanischer gedacht werden oder wenigstens als ein vulkanähnlicher Berg. Es ist nicht der Sinai, den man gewöhnlich im Auge hat, es ist Erdenwirksamkeit. In der Feuersäule, in der Moses steht, haben wir etwas Ähnliches zu sehen, wie wenn wir in den Schwefelhügeln Italiens ein Stück Papier abbrennen und der Rauch herauskommt; so kommt aus dem Berge Erdenwirksamkeit heraus, feuriger Rauch. Und in Erdenwirksamkeit sahen die Juden immer Symbole. Voran ging ihnen die Wetterwolke oder Feuersäule: Erdenwirksamkeit! Wir könnten tief in Einzelheiten uns einlassen, überall würden wir finden, daß der Geist der Erde waltet in dem, wovon Moses als von der Offenbarung des Jahvegottes spricht. Geologie ist dieVerkündigung des Moses. Niemals wird man den tiefgehenden Unterschied der hebräischen von der griechischen Weltanschauung verstehen, wenn man nicht wissen wird, daß die griechische Weltanschauung Meteorologie ist und die hebräische Geologie. Alles das, was der Grieche sich entfalten fühlt um sich herum, das denkt er in Zusammenhang mit den von dem Kosmos her in die Erdenelemente, in die Umgebung der Erde in Luft, in alles das, was in der Nähe der Erde ist, ergossenen Kräften. Alles das, womit die hebräische Weltanschauung sich umgeben fühlt, ist gebunden an die Kräfte, die von der Erde aus nach oben sich entfalten, die an die Erde gebunden sind. Ja, auch die Leiden des hebräischen Volkes, sie kommen von dem Wüstencharakter, von dem, was an die Erde und ihre Wirksamkeit gebunden ist. Geologie durchwaltet das Schicksal des hebräischen Volkes. Geologie, Fruchtbarkeit der Erde ist es, was in Form der Kundschafter sie in das für sie gelobte Land lockt.

Und Paulus weiß das wohl, daß dieses Bewußtsein des Zusammenhanges mit dem Erdengeiste eine Nachwirkung ist des vorirdischen Christus-Ereignisses; denn Paulus macht darauf aufmerksam, daß Christus es war, der den Juden voranschritt und bewirkte, daß aus dem Felsen Wasser kam in die Wüste. Und wenn wir gar von der Bibel zu den bedeutsamen Sagenstoffen des hebräischen Volkes gehen würden, so würden wir finden, wie diese Sagenstoffe durchdrungen sind von der hier gemeinten Geologie. Da wird uns erzählt, wie Jahve, als er den Menschen formte aus Erde, ausschickte die Dienst-Engel, um von allen Teilen der Erde zusammenzutragen die verschiedenen Farben der Erde, verschiedenfarbige Erden, um alles das, was der Erde angehört, in die Hülle des Adam hineinzumischen. Wir würden heute sagen: Jehova ließ es sich angelegen sein, den Menschen so auf die Erde zu stellen, daß der Mensch in seiner wahren Wesenheit die höchste Blüte, die Krone der Erdenschöpfung ist. Wir können sagen: Für die Chaldäer, für die Ägypter, für die Zarathustrianer, für die Griechen, für die Römer, für die europäischen Völker des mittleren und nördlichen Europas war das Wichtigste am Menschen das, was aus der geistigen Welt herüberkam. Für die Juden ist das Wichtigste am Menschen das, was zusammenhängt mit der Erde und ihren Kräften. Als der die Erde geistig durchwaltende Gott fühlt sich Jahve." (Lit.: GA 149, S. 66ff)

Literatur

  1. Johann Wolfgang von Goethe, Dankmar Bosse (Hrsg.): Die Metamorphose des Granits. Substanz- und Gestaltbildung des Erdorganismus, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1994 (Hrsg.) ISBN 978-3772505485
  2. Klaus-Henning Georgi: Kreislauf der Gesteine. Eine Einführung in die Geologie (= rororo 7758 rororo-Sachbuch). 44.–53. Tausend. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1983, ISBN 3-499-17758-7.
  3. Walther Cloos: Lebensstufen der Erde. Beiträge zu einer organischen Gesteins- und Mineralkunde, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1984 ISBN 978-3772504853
  4. Helmut Knauer: Erdenantlitz und Erdenstoffe, Verlag am Goetheanum, Dornach 1961, ISBN 978-3723500705
  5. Wolfhard Wimmenauer: Zwischen Feuer und Wasser: Gestalten und Prozesse im Mineralbereich, Urachhaus Verlag, Stuttgart 1992 ISBN 978-3878389453
  6. Dankmar Bosse: Die gemeinsame Evolution von Erde und Mensch: Entwurf einer Geologie und Paläontologie der lebendigen Erde, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgat 2002, ISBN 978-3772515934
  7. Dankmar Bosse: Die Lebenssphäre der Erde: Ihre Evolution in den geologischen Phänomenen, Rudolf Steiners Forschungen und in Goethes Studien, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2012. ISBN 978-3905919370
  8. Dankmar Bosse: Goethes Initiation und die Ursphäre der Erde, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1995 ISBN 978-3772500701
  9. Dankmar Bosse: Die Evolution der Minerale zwischen Kosmos und Erde: Entwurf einer Mineralogie und Kristallografie der lebendigen Erde, Verlag des Ita Wegman Instituts, Arlesheim 2015, ISBN 978-3905919684
  10. Rudolf Steiner: Antworten der Geisteswissenschaft auf die großen Fragen des Daseins, GA 60 (1983), ISBN 3-7274-0600-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  11. Rudolf Steiner: Christus und die geistige Welt. Von der Suche nach dem heiligen Gral, GA 149 (2004), ISBN 3-7274-1490-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  12. Rudolf Steiner: Anthroposophische Menschenerkenntnis und Medizin, GA 319 (1994), ISBN 3-7274-3190-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  13. Joachim Stiller: Geologie und Mineralogie PDF


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