Gewandformen

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Die Gewandformen ergeben sich aus den beiden grundlegenden Funktionen, die die Bekleidung für den Menschen erfüllen soll. Sie bietet einerseits Schutz gegen die Unbilden der äußeren Natur und ist dann nach praktischen äußeren Gesichtspunkten gestaltet; sie stellt sich anderseits als Schmuck dar, der idealerweise ein treffendes sinnliches Bild des menschlichen Seelewesens, d.h. seiner inneren Werte und Begabungen ist. Die Gewandformen und -farben waren dementsprechend in den älteren Kulturen nicht als Ausdruck modischer Willkür, sondern vielfach als symbolisches sinnliches Abbild der menschlichen Aura gestaltet.

"Der alte Römer und Grieche hat noch gewußt, wenn er herumgeht und seinen nackten Leib zeigt, so ist das nicht der ganze Mensch, sondern da gibt es einen übersinnlichen Leib. Diesen übersinnlichen Leib hat er in seiner Toga nachgeahmt. Die Toga ist nichts anderes als der astralische Leib. Und in dem Faltenwurf, der da kunstvoll der Toga gegeben worden ist, kamen die Kräfte des astralischen Leibes zum Vorschein." (Lit.: GA 352, S. 99)

Kopfbedeckungen, Hüte, Helme, Kappen usw. haben ihr Vorbild in der Kopfaura. Heute findet das, abgesehen von liturgischen Gewändern, in den westlichen Kulturkreisen nur mehr wenig bewusste Beachtung. In der Art, wie sich ein Mensch kleidet, drückt sich allerdings unbewusst oft sehr viel von seinem Seelenwesen aus.

"Ja, meine lieben Freunde, auch die Kulturgeschichte wird noch manche Bereicherung erfahren aus dem Okkultismus. Ich erinnere Sie daran, daß man in alten Zeiten doch eben solche Dinge gesehen hat, und das, was in der alten Zeit noch sichtbar war, den Aurenteil, hat man in der Gewandung nachgeahmt. Helme haben sich die Menschen deshalb aufgesetzt, weil sie den Helm im Sinne der astralen Mütze oder Haube, die jeder Mensch aufhat, geformt haben. Alle äußere Gewandung ist an ihrer ursprünglichen Stelle so entstanden, daß dasjenige, was der Mensch ätherisch oder astralisch um sich herum hat, in der Gewandung nachgeahmt worden ist. Und wenn wir die alten Gewandungen, namentlich die Priestergewandungen, verstehen wollen, wenn wir wissen wollen, warum das eine so oder so entstanden ist, dann brauchen wir bloß hellseherisch hinzuschauen auf die Dinge, die um die Menschen entweder als ätherische Aura oder als astralische Aura herum sind. Denn die Gestaltungen der ätherischen oder astralischen Aura wurden in den alten Gewandungen nachgeahmt und werden noch nachgeahmt in den Gewandungen, welche mit irgendeinem Kultus oder Ritual zu tun haben. Es ist daher — das bemerke ich nur in Parenthese — einer Zeit, welche dem Materialismus so verfallen ist, daß sie die Aura leugnet, ganz angemessen, daß sie auch keine Gewandung mehr haben will, die hervorgegangen ist aus der Nachahmung dessen, was der Mensch an sich trägt. Und wenn die Schrulle der Nacktkultur jetzt in unserer heutigen Zeit auftritt, so rührt das davon her, daß der materialistische Sinn nichts mehr wissen will von jenen höheren ätherischen und astralischen Aurenbildungen, die der Mensch um sich herum hat und aus denen heraus er die Formen seiner Gewandung gebildet hat. Ältere Zeiten, aber gar nicht so alte Zeiten, haben noch die Färbungen der Aura nachgebildet in der Gewandung der Menschen. Und wenn Sie die Bilder der älteren Maler sich anschauen, dann können Sie ein, man möchte sagen, noch in seinen alten Resten auftretendes Bewußtsein darin erblicken, daß das Aurische in den Farben der Gewänder auftritt. Sehen Sie sich die Bilder an, wie sie die Maria in der Regel mit ganz bestimmten Farben des Unterkleides und mit ganz bestimmten Farben des Übergewandes und wie sie mit anderen Farben zum Beispiel die Magdalena darstellen! Das Kleid der Magdalena mit der gelben Farbe konnte der alte Maler nicht verwenden für das der Maria. Warum nicht? Weil die Aura einer Magdalena verschieden ist von der Aura einer Maria. Der alte Maler hat noch durchaus das Bewußtsein zum Ausdruck gebracht, daß das Gewand der Ausdruck ist für dasjenige, was der Mensch übersinnlich, wie eine Art Gewandung mit sich herumträgt. Und wenn Sie namentlich auf das blicken, was nicht nur als Gewandung, sondern als Helmgestalt oder dergleichen die griechischen Göttergestalten an sich tragen, wie zum Beispiel die Pallas Athene dieses oder jenes an sich trägt, so hängt das davon ab, wie sich der griechische Künstler die Aura bei den alten Göttergestalten nach diesen Voraussetzungen denken mußte." (Lit.: GA 129, S. 198ff)

In der vollständigen Bekleidung drückt sich die Dreigliederung des Menschen aus:

"Im wesentlichen besteht alle Kleidung aus drei Stücken, irgendwie aus drei Stücken. Das eine ist dasjenige, was ursprünglich aus dem Schurzfell entstanden ist. Wofür ist das die Kleidung beim Menschen? Für die Gliedmaßen. Der Mensch hat ausgedrückt, daß er mit den Füßen gehen kann, indem er die Füße bedeckt hat. Die Kraft der Füße, der Bewegungsorganisation, sollte mit dem Schurzfell ausgedrückt werden. Interessant ist, daß solche Dinge sich dann forterben, und daß die Freimaurer bei ihren Versammlungen das Schurzfell als eine besondere Auszeichnung tragen. Das ist eine alte ägyptische Erbschaft. Das Schurzfell wird angezogen als Zeichen, daß man mit seinen Gliedmaßen besonders stark wirken soll. Und aus dem Schurzfell ist alles entstanden, was in irgendeiner Weise die Gliedmaßen betrifft, zum Beispiel unsere Hosen. Das Schurzfell haben die Ägypter besonders künstlich ausgebildet, das sie in besonderer Weise anliegend gemacht haben an die Gliedmaßen, sie haben die Arme dann hineingestreckt, und es ist so das Schurzfell entstanden, das heraufgeht, Brustlatz bekommt, Ärmel, so daß auch die oberen Gliedmaßen darin eingespannt werden. Das zweite, das ist, daß der Mensch das Brustsystem in der Kleidung zum Ausdruck bringt, mit dem, was hemdartig ist und über den Kopf gezogen wird. Das war besonders bei den alten Assyrern ausgebildet. Da wurde das hemdartige Kleidungsstück ausgebildet, wo man oben durchschlüpft, und was dann glatt hinuntergeht. Das ist der Ausdruck für das Brustsystem, für die innere Bewegung. Daher werden auch die Falten so gemacht. Die Griechen haben dann das übernommen von Asien herüber und haben diesen künstlichen Faltenwurf hinzugefügt, der gewissermaßen sogar die Blutadern nachahmen sollte in ihrem wichtigsten Verlauf. Es war so gehalten, daß die wichtigste Blutzirkulation und die Strömung da drinnen nachgemacht wurde. Das dritte ist der Mantel, der übergeworfen wird, der ist ursprünglich nicht bloß über die Schultern geworfen worden, sondern auch über den Kopf." (Lit.: GA 352, S. 124f)

Siehe auch

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Weltenwunder, Seelenprüfungen und Geistesoffenbarungen, GA 129 (1977), Neunter Vortrag, München, 26. August 1911
  2. Rudolf Steiner: Natur und Mensch in geisteswissenschaftlicher Betrachtung, GA 352 (1981


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