Gleichnis vom reichen Mann und vom armen Lazarus

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Das Gleichnis vom reichen Mann und vom armen Lazarus wird im Lukasevangelium überliefert. Es handelt sich dabei aber nicht um jenen Lazarus, der nach dem Johannesevangelium durch den Christus von den Toten auferweckt wurde (Joh 11,1-45 LUT).

„19 Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbares Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. 20 Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Tür voll von Geschwüren 21 und begehrte sich zu sättigen mit dem, was von des Reichen Tisch fiel; dazu kamen auch die Hunde und leckten seine Geschwüre. 22 Es begab sich aber, dass der Arme starb, und er wurde von den Engeln getragen in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und wurde begraben. 23 Als er nun in der Hölle war, hob er seine Augen auf in seiner Qual und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß. 24 Und er rief: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und mir die Zunge kühle; denn ich leide Pein in diesen Flammen. 25 Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, dass du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun wird er hier getröstet und du wirst gepeinigt. 26 Und überdies besteht zwischen uns und euch eine große Kluft, dass niemand, der von hier zu euch hinüberwill, dorthin kommen kann und auch niemand von dort zu uns herüber. 27 Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, dass du ihn sendest in meines Vaters Haus; 28 denn ich habe noch fünf Brüder, die soll er warnen, damit sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual. 29 Abraham sprach: Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie hören. 30 Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun. 31 Er sprach zu ihm: Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde.“

Lukasevangelium: 19-31,LUT EU

Bemerkenswert ist dieses Gleichnis insofern, als es als eine der wenigen biblischen Stellen eine konkrete Vorstellung vom Dasein der Toten in der Scheol, der Unterwelt, gibt und die Seelen hier in durchaus körperlicher Gestalt und nicht als leibbefreite Freiseelen gezeichnet werden. Sie erscheinen als konkrete Menschen, die sehen und hören, Schmerzen erleiden oder Freude empfinden können. Schon im frühen Christentum wurde daher dieses Gleichnis gerne als Argument gegen die platonische Seelenlehre und die an diese anknüpfende Gnosis verwendet, die die Erlösung der Seele gerade in ihrem leibbefreiten Dasein sah. Entsprechd charakterisiert schon Tertullian († um 220) die Seele so:

„Wir beschreiben also die Seele als entstanden aus Gottes Hauch, unsterblich, wesenhaft, körperlich, von abbildungsfähiger Gestalt, der Substanz nach einfach, durch sich empfindend, in verschiedener Weise fortschreitend, freien Willens, Zufälligkeiten ausgesetzt, von wechselnder Geistesrichtung und Anlage, vernünftig, herrschend, mit Ahnungsvermögen begabt und aus einer Seele hervorgehend[1].“

Tertullian: Über die Seele (De anima), Cap. 22[1]

Anmerkungen

  1. Tertullian beschreibt in den folgenden Kapitel sehr detailreich, wie die Seele bei der Zeugung zugleich mit dem Leib erzeugt wird, indem dabei der göttliche Hauch, den einst Adam empfangen hat, von Generation zu Generation weitergegeben wird (siehe dazu De anima 27.