Hass

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Hass ist die höchste Steigerung der Antipathie, die eine der beiden Grundkräfte der Astralwelt ist. Dem Hass, als Ausdruck des übersteigerten Egoismus, steht die Liebe als Gegenkraft gegenüber. Was im Menschen im subjektiven emotionalen Erleben als Hass auftritt, ist kosmisch die Kraft der Individualisierung, hinter der als wirkende Wesenheit Luzifer steht.

"Es gibt keine andere Ursache für Zorn und Haß und Antipathie als den luziferischen Einfluß." (Lit.: GA 162, S. 269)

"Die luziferischen [Wesenheiten] brachten mit der Freiheit und dem Ich-Bewußtsein den extremsten Ausdruck für dieses, den Haß. Niemals hätte der Mensch hassen können, wenn er sich nicht mehr und mehr in seinem Ich abgesondert hätte." (Lit.: GA 264, S. 220)

In bildhafter Form hat Rudolf Steiner das Wechselspiel von Liebe und Hass in seinem Märchen vom Lieben und Hassen charakterisiert, das im 6. Bild seines Mysteriendramas «Die Pforte der Einweihung» erzählt wird (Lit.: GA 014, S. 104f).

Der Hass als kosmische Kraft der Individualisierung

"Wenn man den Haß mit geisteswissenschaftlichen Methoden aufsucht im Kosmos – jetzt nicht im einzelnen Menschen, in die einzelne Menschenseele spielt er herein, der Haß –, wenn man ihn aufsucht im Kosmos, so ist er da etwas ganz anderes. Im Kosmos ist der Haß eine Kraft, ohne welche niemals Individualisierung eintreten könnte. Niemals könnten Sonderwesen entstehen, auch das menschliche Sonderwesen könnte nicht entstehen, wenn es nicht im Kosmos die Kraft des Hasses gäbe. Im Kosmos entsteht Haß, aber im Kosmos darf Haß nicht so moralisch bewertet werden, wie wenn er in die Menschenseele hereinspielt. Im Kosmos ist Haß eine Kraft, welche aller Individualisierung zugrunde liegt. Die ganze Welt würde in eine große Einheit verschwimmen, so wie es die nebulosen Pantheisten gerne haben möchten, es würde sich nicht gliedern, wenn nicht durch den ganzen Kosmos das waltete, was die Menschen zunächst nicht sehen im Kosmos, was aber in die Menschenseele hereinspielt und in der Menschenseele die besondere Form, die man da als Haß kennenlernt, annimmt." (Lit.: GA 184, S. 86f)

Hassbedürfnis in unserer Zeit

In den Seelen der Menschen liegt heute, meist unbewusst, ein latentes Hassbedürfnis, geradezu eine Hassensnotwendigkeit, die sich dann erst sekundär ein geeignetes Objekt sucht:

"Und so ist auch das ein naives Urteil, wenn man sagt: Ich hasse dies oder das, weil es hassenswert ist. Nun, auch da haben sich schon Menschen aufgeschwungen zu einem richtigen Urteil. Wer die Menschennatur näher betrachtet, sieht, wie die Gefühle, die in der Seele entwickelt werden, zu dem Rüstzeug, zu den Lebensbedingungen der Seele gehören. Und wenn man nicht naiv, sondern mit wirklicher Beobachtung der Tatsachen heute die Seelenwelt betrachtet, kommt man darauf, daß in dem Menschen latent aufgespeichert ist, ohne daß es sichtbar wird, ein gewisses Quantum von Hassensnotwendigkeit. Er muß hassen. Und wenn so viel Haß sich angesammelt hat, daß gewissermaßen das Faß übergeht, so sucht er sich ein Objekt seiner Hassenskraft [...]

Das Haßbedürfnis ist in ihm und das Objekt ergibt sich einem dann von selbst. Er muß hassen, wie man zu bestimmten Zeiten essen muß." (Lit.: GA 164, S. 244f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Vier Mysteriendramen, GA 14 (1998), ISBN 3-7274-0140-0
  2. Rudolf Steiner: Kunst- und Lebensfragen im Lichte der Geisteswissenschaft, GA 162 (2000), ISBN 3-7274-1620-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Der Wert des Denkens für eine den Menschen befriedigende Erkenntnis, GA 164 (1984)
  4. Rudolf Steiner: Die Polarität von Dauer und Entwickelung im Menschenleben. Die kosmische Vorgeschichte der Menschheit., GA 184 (2002)
  5. Rudolf Steiner: Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 1904 bis 1914, GA 264 (1987), ISBN 3-7274-2650-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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