Hebräische Sprache

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Hebräisch (עִבְרִית)
Linguistische
Klassifikation
Sprachcodes
ISO 639-1:

-

ISO 639-2:

sem (sonstige Semitische Sprachen)

ISO 639-3:

hbo

Hebräisch (עִבְרִית) gehört zur kanaanäischen Gruppe des nordwestlichen Zweigs der semitischen Sprachen und damit zur afro-asiatischen Sprachfamilie. Hebräisch ist die vereinfachte Bezeichnung für das Althebräische, von dem das neuhebräische Ivrit als Amtssprache des Staates Israel zu unterscheiden ist.

Geschichte

Man unterscheidet drei Entwicklungsstufen: Alt-, Mittel- und Neuhebräisch.

Die heilige Schrift der Juden, die Tora, wurde vor Tausenden von Jahren in dieser Sprache kodifiziert und den folgenden Generationen weitergegeben. Nach der Zerstörung des Ersten Tempels zu Jerusalem durch Nebukadnezar II. im Jahre 586 v. Chr. und dem darauf folgenden babylonischen Exil kam die dortige Amtssprache Aramäisch unter den Juden in Umlauf; späte Teile der Bibel enthalten deshalb aramäische Bestandteile. Auch die Muttersprache Jesu von Nazareth war Aramäisch. Nach der Zerstörung des Zweiten Tempels zu Jerusalem im Jahre 70 verlagerte sich das Zentrum jüdischen Lebens von Judäa nach Galiläa. Damit verbunden ging auch die Verwendung der hebräischen Sprache zurück. Etwa ab dem Jahre 200 hörte Hebräisch auf, als Alltagssprache zu fungieren. Es blieb indessen eine Sakralsprache, wurde jedoch nie ausschließlich zu liturgischen Zwecken benutzt, sondern auch zur Abfassung von philosophischen, medizinischen, juristischen und poetischen Texten, so dass sich das Vokabular im Laufe der Jahrhunderte erweitern konnte. Es ist ebenfalls bezeugt, dass sich die verstreuten jüdischen Gemeinden zur Verständigung untereinander des Hebräischen bedienten. Die Erneuerung des Hebräischen als Muttersprache begann im späten 19. Jahrhundert unter Elieser Ben-Jehuda. 1889 gründete er in Jerusalem den „Rat der hebräischen Sprache“ mit dem Ziel, die seit etwa 1700 Jahren kaum mehr gesprochene Sprache der Bibel wiederzubeleben. Wenn auf diesem Wege eine neuhebräische Muttersprache (Iwrit) entstand, deren Unterschiede zum biblischen Hebräisch recht gering sind – etwa im Vergleich mit den Unterschieden zwischen Altgriechisch und Neugriechisch –, so dass in Israel gar nicht zwischen Alt- und Neuhebräisch unterschieden wird, so ist doch zu beachten, dass sich dieser Umstand der Tatsache verdankt, dass das moderne Hebräisch eine Wiederbelebung des Entwicklungsstandes der Sprache ist, den die Masoreten von Tiberias mit ihrer Vokalisation fixiert hatten. Einige althebräische Formen werden zwar in Israel verstanden, aber in der Alltagssprache nicht verwendet (z.B. Pausalformen) oder haben heute eine andere Bedeutung (Zeitformen des Verbs). Jedenfalls ist Iwrit weltweit das einzige Beispiel für die erfolgreiche Umwandlung einer Sakralsprache zu einer Nationalsprache. Dies wurde von David Ben Gurion, dem ersten Ministerpräsidenten des neuzeitlichen Staates Israel, mit folgendem Ausspruch erläutert: „Wenn Moses heute zurückkäme und um ein Stück Brot bitten würde, würde man ihn verstehen.“

Frühgeschichte

Der Gezer-Kalender stammt aus dem 10. Jh. v. Chr., das heißt aus der Amtszeit des Königs Salomo, und gilt oft als die bisher älteste bekannte hebräische Inschrift. Aus sprachlicher und schrifthistorischer Sicht zeigt er aber noch keine typisch hebräischen Merkmale (Schrift und Grammatik sind noch phönizisch), die hebräische Zuschreibung erfolgt aus rein geographischen Erwägungen.

Das berühmteste Werk in hebräischer Sprache ist die jüdische Bibel, der Tanach (im christlichen Sprachgebrauch Altes Testament genannt). Die genauen Daten ihrer Abfassung sind umstritten. Die ältesten Exemplare von biblischen Texten wurden 1947 in Qumran gefunden und stammen aus der Zeit zwischen dem 3. Jahrhundert v. Chr. und dem späten 1. Jahrhundert n. Chr.

Spätere Geschichte

Die Juden im Perserreich benutzten Aramäisch, das für die folgenden 700 Jahre zur Umgangssprache wurde und vor allem in der Bibelübersetzung Targum und in Teilen des Talmuds literarisch verwendet wurde. Aramäisch gehört ebenfalls zum nordwestlichen Zweig der semitischen Sprachen und ist somit dem Hebräischen sehr nahe verwandt. In der mittelhebräischen Phase wurden zahlreiche aramäische Ausdrücke und Redewendungen ins Hebräische übernommen, vor allem aber die aramäische Schrift, die als Quadratschrift bis heute in Gebrauch ist. Während etwa zwei Jahrtausenden war Hebräisch keine gesprochene Sprache. In der traditionellen jüdischen Ausbildung, beginnend im Cheder und fortgesetzt in den Talmud-Hochschulen, wurde jedoch viel Zeit darauf verwendet, um Tora, Mischna, Gemara und rabbinische Kommentare im Original lesen zu können. Der wichtigste Beitrag zur Erhaltung des traditionellen Hebräisch stammt von den Masoreten, die vom 7. bis zum 10. nachchristlichen Jahrhundert zum ursprünglich rein konsonantischen Text Vokale, Akzente und so genannte Teamim hinzufügten, das heißt Angaben zum liturgischen Gesang im Gottesdienst. Da die entsprechenden Zeichen hauptsächlich aus Punkten bestehen, spricht man von „Punktation“ (hebr. „Nikud“). Die bedeutendsten Masoreten wirkten im 9./10. Jahrhundert n. Chr. in Tiberias am See Genezareth. Vor allem zwei Familien von Masoreten sind hier bedeutsam: die Ben Ascher und die Ben Naftali. Nachdem bereits vorher in Babylonien wie in Palästina Texte punktiert worden waren, schuf Aaron ben Mosche ben Ascher das ausführlichste und gründlichste Punktationssystem, das sich schließlich durchsetzte. Der allgemein anerkannte jüdische hebräische Bibeltext, der seit dem 16. Jahrhundert auch von christlichen Theologen der exegetischen Arbeit am Alten Testament zu Grunde gelegt wird, geht auf die Familie Ben Ascher zurück. In der Biblia Hebraica Stuttgartensia ist der masoretische Text nach der ältesten vollständigen Handschrift dieser Textform, dem Codex Leningradensis abgedruckt. Die Arbeiten von Paul Kahle zu verschiedenen masoretischen Systemen und der Vergleich mit griechischen Umschriften des Hebräischen in der Septuaginta und der Hexapla des Origenes hat gezeigt, dass die Masoreten von Tiberias in ihrer Punktation nicht von der gängigen Volkssprache ausgingen, sondern zum Teil ein ideales philologisches Konstrukt schufen, das vor allem religiösen Bedürfnissen genügen sollte.

Der imaginative Charakter der Althebräischen Sprache

"Wenn diese Sprache, in der die ersten Partien der Bibel uns zunächst vorliegen, heute auch nicht mehr so wirkt, einstmals hat sie so gewirkt, daß, wenn ein Buchstabe durch die Seele lautete, ein Bild in ihr wachgerufen wurde. Vor der Seele dessen, der mit lebendigem Anteil die Worte auf sich wirken ließ, tauchten in einer gewissen Harmonie, ja in einer organischen Form Bilder auf, die sich vergleichen lassen mit dem, was der Seher heute noch sehen kann, wenn er von dem Sinnlichen zum Übersinnlichen vorschreitet. Man möchte sagen, die hebräische Sprache, oder besser gesagt die Sprache der ersten Partien der Bibel, war eine Art von Mittel, aus der Seele herauszurufen bildhafte Vorstellungen, welche nahe heranrückten an die Gesichte, die der Seher erhält, wenn er fähig wird, leibfrei zu schauen in die übersinnlichen Partien des Daseins." (Lit.: GA 122, S. 32)

"Wenn man nämlich immer weiter und weiter zurückgeht in den Sprachen, so merkt man, daß man wirklich einmal kommen muß - wie es die okkulte Beobachtung zeigt - zu einer menschlichen Ursprache, die den ganzen Erdkreis umfaßte und die sich nur differenziert hat. Schon wenn man zum Hebräischen - in dieser Beziehung ist die hebräische Sprache ganz besonders merkwürdig - zurückgeht, merkt man in den Worten etwas anderes als in den Worten Westeuropas. Die Worte des Hebräertums sind viel weniger konventionell, sie haben sozusagen eine Seele, so daß man ihren Sinn ihnen anfühlt; sie sprechen einem ihren notwendigen Sinn aus, mehr als die westeuropäischen Sprachen. Je weiter man zurückgeht in der Entwickelung, desto mehr findet man solche Sprachen, die der gemeinsamen Ursprache ähnlich waren. Das, was erzählt wird als Turmbau zu Babel, ist Symbolum für die Tatsache, daß es wirklich eine Ursprache gegeben hat, und daß diese differenziert worden ist in die einzelnen Volks- und Stammes sprachen." (Lit.: GA 147, S. 93)

Hebräische Schrift

Siehe Hebräisches Alphabet sowie die Einträge unter den einzelnen Buchstaben, von Aleph bis Taw. Schreibrichtung von rechts (oben) nach links.

Grammatik

Hauptartikel: Althebräische Grammatik

In der althebräischen Grammatik werden zur Unterscheidung von Subjekt und Objekt keine Fälle verwendet, sondern Präpositionen. Flexion spielt jedoch eine wichtige Rolle bei der Bildung und Ableitung von Verben, Substantiven, der Genitivkonstruktion Status constructus, die auf Hebräisch Smichut (סְמִיכוּת - „Stützung“) genannt wird, und dem Besitzverhältnis.

Beispiele für Smichut:

bájit (בַּיִת) = Haus; lechem (לֶחֶם) = Brot; bēt lechem (בֵּית־לֶחֶם) = Haus des Brotes (Bethlehem). Hierbei tritt, je nach Genus und Numerus, meist eine Veränderung der Vokalisation ein.

In der Smichut steht der Artikel, im Gegensatz zu den Indogermanischen Sprachen, vor dem Objekt:

alijá (עֲלִיָּה) = Einwanderung; nó`ar (, נוֹעַר, נֹעַר) = Jugend; aliyát hanó`ar (עֲלִיַּת הַנּוֹעַר) = die Einwanderung von Jugendlichen.

Das Besitzverhältnis kann (insbesondere im Neuhebräischen) durch eine Kurzform und eine längere Form wiedergegeben werden. Die Kurzform besteht in der Anhängung einer persönlichen Nachsilbe (wie sie im Althebräischen ausgedrückt wird), die längere Form durch Ableitungen der Präposition שֶׁלּ schel („von“). Die Präposition schel wiederum ist selbst zusammengesetzt aus zwei Bestandteilen: Dem Reflexium שֶׁ... sche und der Präposition לְ... le, was soviel bedeutet wie bei. Beispiel:

Sohn = בֵּן ben
mein Sohn = בְּנִי bni bzw. הַבֵּן שֶׁלִּי habén schelí (wörtlich „der Sohn, der bei mir (ist)“). Das Reflexivum שֶׁ... ist hier eine Kurzform des vor allem im Althebräischen vorkommenden „אֲשֶׁר“ (aschēr), welches dem deutschen „der-/die-/dasjenige, der/die/das...“ übersetzt wird.

Dass die Hebräische Schrift eine Konsonantenschrift ist, kommt nicht von ungefähr: in der hebräischen Sprache besteht ein Wortstamm nur aus Konsonanten. Die verschiedenen abgeleiteten Formen entstehen durch Hinzufügung unterschiedlicher Vokale sowie mit Hilfe von Vor- und Nachsilben.

Die hebräische Sprache kennt zwei grammatikalische Geschlechter bzw. Genera: männlich und weiblich. Weibliche Substantive und Namen enden meistens mit ...a (... ָ ה) oder ...t (...ת). Beispiel: Sarah (שָׂרָה), `Ivrith (עִבְרִית). Es gibt jedoch auch einige Ausnahmen, beispielsweise endet das Wort „lájla“ (לַיְלָה - Nacht) mit dem Buchstaben „He“ und ist trotzdem grammatisch männlich. [1] Es können auch weibliche Nomen männliche Endungen tragen.

Betont wird meistens die letzte Silbe, in einigen Fällen auch die vorletzte Silbe, bei Fremdwörtern auch andere Silben (אוּנִיבֶרְסִיטָה univérsita „Universität“). Die Betonung ist (im Neuhebräischen) schwach phonemisch, es gibt also gelegentlich Wortpaare, die sich nur durch die Betonung unterscheiden (בִּירָה birá „Hauptstadt“, בִּירָה bíra „Bier“). Manche Personennamen können auf zweierlei Weise betont werden und erhalten dadurch einen jeweils unterschiedlichen emotionalen Beiklang.

Hebräische Substantive und Adjektive können mit dem bestimmten Artikel הַ... „ha“ definiert werden. Unbestimmte Substantive bzw. Adjektive tragen gar keinen Artikel. Der bestimmte Artikel wird zusammen mit dem zugehörigen Wort geschrieben. Beispiel: נוֹעַר no`ar = Jugend, הַנּוֹעַר hano`ar = die Jugend. Wird der Artikel angehängt, erhält der folgende Konsonant meist einen Punkt („Dagesch forte“), der anzeigt, dass weiche Konsonanten hart ausgesprochen werden sollen.

Hebräische Verben verfügen im Neuhebräischen über drei Zeitformen, Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart. Für die Gegenwart wird das Partizip verwendet, hier hat jedes Verb vier Formen, wobei zwischen männlicher Einzahl, weiblicher Einzahl, männlicher Mehrzahl und weiblicher Mehrzahl unterschieden wird. Beispiel:

כּוֹתֵב אֲנִי-אַתָּה-הוּא (aní, atá, hu) kotév (ich, du, er) [m.] schreibe, schreibst, schreibt
כּוֹתֶבֶת אֲנִי-אַתְּ-הִיא (aní, at, hi) kotévet (ich, du, sie) [f.] schreibe, schreibst, schreibt
כּוֹתְבִים אֲנַחְנוּ-אַתֶּם-הֵם (anáchnu, atém, hem) kotvím (wir, ihr, sie) [m.] schreiben, schreibt, schreiben
כּוֹתְבוֹת אֲנַחְנוּ-אַתֶּן-הֵן (anáchnu, atén, hen) kotvót (wir, ihr, sie) [f.] schreiben, schreibt, schreiben
dient dem Zeilenumbruch, bitte nicht entfernen

Die Grundform zur Ableitung sämtlicher Konjugationsformen ist im Hebräischen die 3. Person Singular maskulin Perfekt (der Vergangenheitsform), Beispiel כָּתַב katáv: er schrieb. Des weiteren verfügen die meisten Verben, mit Ausnahme von einigen Passivformen und Modalverben, über Infinitiv- sowie Imperativformen.

Hebräische Verben kennen weder eine Vorvergangenheit noch ein Futur II. Dieser Mangel an zeitlichen Ausdrucksformen wird jedoch dadurch ausgeglichen, dass die jahrtausendealten Wortstämme (siehe oben) durch die Ableitung von kausativen und reflexiven Formen neu belebt werden können. Beispiele:

לִכְתּוֹב *lichtów: schreiben, davon abgeleitet: מִכְתָּב **michtáw: Brief לְהַכְתִּיב *lëhachtíw: „zu schreiben geben“, d. h. diktieren, vorschreiben, davon abgeleitet: הַכְתָּבָה **hachtawá: Diktat לְהִתְכַּתֵּב *lëhitkatéw: „einander schreiben“, d. h. korrespondieren, davon abgeleitet: הִתְכַּתְּבוּת **hitkatwút: Korrespondenz

Im Althebräischen ist eine klare Trennung zwischen „Gegenwart“, „Vergangenheit“ und „Zukunft“ nicht möglich. Sie unterscheiden beim finiten Verb zwei Aktionsarten, nämlich die abgeschlossene und die unabgeschlossene Handlung, verteilt auf zwei Konjugationen mit je zwei verschiedenen Verbformen:

Das Perfekt, abgeschlossene Handlung
Das Perfectum Consecutivum, unabgeschlossene Handlung
Das Imperfekt, unabgeschlossene Handlung
Das Imperfectum Consecutivum, abgeschlossene Handlung

Die jeweilige Consekutivum-Form unterscheidet sich von der Normalform nur dadurch, dass die Kopula „und“ (וַ) vorangestellt wird, wobei der nachfolgende Konsonant geschärft (hebr. מְדֻגָּשׁ, m'duggash).

Moderne Grammatiken jedoch unterscheiden zwei Tempora, die durch die zwei Konjugationen ausgedrückt werden, nämlich Afformativ-Konjugation (AK, früher "Perfekt") und Präformativ-Konjugation (PK, früher "Imperfekt").

Verben in der AK (bzw. PK mit Waw conv.) beschreiben konstatierbare Handlungen, während Verben in der PK (bzw. AK mit Waw conv.) Handlungen beschreiben, die ausstehen. Dem entsprechen auf Deutsch ungefähr einerseits das Perfekt (Konstatierung), andererseits der Modalis, also die Modifizierung der Aussage durch Modalverben.

Dabei bedient sich das Althebräische der Kopula „und“ (bei der AK וְ, bei der PK וַ), um ein Verb der einen Konjugation in die Funktion der jeweils anderen Konjugation zu überführen. Die Kopula in dieser Funktion heißt darum Waw conversivum. Waw conversivum bildet mit der PK das typische Erzähltempus (Narrativ) der biblischen Texte.

Sprachen mit starken hebräischen Einflüssen

In den Jahrhunderten der Diaspora verwendeten die Juden zahlreiche Sprachen wie Jiddisch, Jenisch, Ladino bzw. Judezmo, Karaimisch, Judäo-Arabisch und andere, die zwar nicht direkt vom Hebräischen abstammen, jedoch zahlreiche hebräische Lehnwörter aufweisen und fast stets mit dem hebräischen Alphabet notiert wurden.

Verbundenheit der heutigen Sprache mit der Bibel

Bis zum heutigen Tag werden biblische Zitate und Anspielungen in der Alltagssprache verwendet. Die Verse des Hoheliedes sind in unzähligen Varianten vertont worden; beim Eintritt des Frühlings wird beispielsweise Kapitel 2, Vers 11 zitiert: „Denn siehe, der Winter ist vergangen, der Regen ist vorbei, die Blumen zeigen sich im Lande.“

Einflüsse des Hebräischen auf das Deutsche und umgekehrt

Durch die Bibelübersetzung von Martin Luther sind zahlreiche Ausdrücke und Redewendungen mit biblischem Hintergrund in die deutsche Sprache aufgenommen worden. Beispiele: sicher wie in Abrahams Schoß, Jubeljahr, Kainsmal.

Vornamen hebräischen Ursprungs sind weit verbreitet: Benjamin, Daniel, David, Jakob, Joseph, Joachim, Joel, Johanna, Jonas, Jonathan, Judith, Hanna, Maria, Miriam, Michael, Johann, Rebekka, Samuel, Sarah, Achim und viele andere.

Einige hebräische Wörter sind über das Jiddische in die deutsche Sprache gelangt, z. B. Tacheles aus hebr. tachlit = Zweck, Sinnvolles, meschugge aus meshugá = verrückt/übergeschnappt, malochen aus melacha = Arbeit, koscher aus kascher = rein, tauglich, dufte aus tov = gut, betucht aus batuach = sicher, Stuss aus schtut = Unsinn (aus: [alt]). Auch zahlreiche Redewendungen haben möglicherweise einen hebräischen Ursprung. Zum Beispiel gilt der Gruß zum Jahreswechsel Einen guten Rutsch als Verballhornung des hebräischen Rosch ha-Schana = Anfang des Jahres. Auch der Ausdruck Es zieht wie Hechtsuppe kann auf einen hebräischen Ursprung (hech suppa = starker Wind) zurückgeführt werden.

Aus historischen Gründen befinden sich viele Wörter aus dem Geschäftsleben darunter. Da den Juden im christlichen Europa jahrhundertelang kaum andere Erwerbsquellen erlaubt wurden als Handel oder Geldwesen, sind diese Gebiete wichtige sprachliche Schnittstellen. Hierher gehören die Ausdrücke Kies im Sinne von (Taschen)geld aus kis = Tasche; Pleite aus peleta = Flucht, Entkommen; Reibach aus rewach = Gewinn, oder Ausdrücke der Kriminalität z. B. Ganove (von hebräisch ganav = Dieb). Siehe dazu auch Hebraismus.

Bei der Schaffung von Ivrit seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden aus den meisten europäischen Sprachen Ausdrücke entlehnt. Die modernen Monatsnamen in Israel entsprechen den deutschen Bezeichnungen: Januar, Februar, März usw. Die einzige Abwandlung ergibt sich beim Monat August, der Ogust ausgesprochen wird, da die Vokalverbindung au im Hebräischen ungewöhnlich ist. Die Neubildung iton (Zeitung) aus et = Zeit basiert auf dem deutschen Wort.

Das umgangssprachliche Hebräisch hat etliche deutsche bzw. jiddische Ausdrücke aufgenommen, z. B. „spritz“, „Schluck“, „Spitz“.

Auch im handwerklichen Sektor finden sich einige deutsche Ausdrücke, wie bspw. „Stecker“ oder „Dübel“, welcher allerdings – aufgrund des im Hebräischen fehlenden Ü-Lautes – „Diebel“ ausgesprochen wird.

Siehe auch

Literatur

Grammatiken:

  • Stähli, Hans Peter: Hebräische Kurzgrammatik, Göttingen 1985.
  • Feldhendler, Marie-Paule: Grammaire de l'hébreu israélien Ellipses. France 2004.
  • Gesenius/Kautsch/Bergsträsser: Hebräische Grammatik, Olms 1995.
  • Heinrich von Siebenthal: Bibel-Hebräisch: Lösungs- und Begleitband zum Lehrbuch von Thomas O. Lambdin, 3., verb. Aufl., Gießen: Brunnen, 2006.
  • Meyer, Rudolf: Hebräische Grammatik, Berlin 1992.
  • Körner, Jutta: Hebräische Studiengrammatik, Langenscheidt 1996. (ausführlich)
  • Krause, Martin: Biblisch-hebräische Unterrichtsgrammatik, hrsg. von Michael Pietsch und Martin Rösel, Walter de Gruyter, Berlin und New York 2007 [erscheint im Juli] ISBN 978-3-11-019028-1
  • Lambdin, Thomas O.: Lehrbuch Bibel-Hebräisch, Hg. Heinrich von Siebenthal, 1999. (aus dem Amerikanischen)
  • Lambdin, Thomas O.: Lehrbuch Bibel-Hebräisch, 5., verb. und erg. Aufl., Hg. Heinrich von Siebenthal, Gießen: Brunnen, 2006.

Wörterbücher:

  • Gesenius, Wilhelm: Hebräisches Handwörterbuch, Berlin 1962.
  • Köhler, Ludwig/Baumgartner, Walter: Hebräisches und aramäisches Lexikon zum Alten Testament 3. Auflage Leiden 1996.
  • Georg Fohrer: Hebräisches und aramäisches Wörterbuch zum Alten Testament, Berlin/New York 1997, ISBN 3-11-001804-7
  • PONS Kompaktwörterbuch Althebräisch, Stuttgart 2006.

Lehrbücher:

  • Ernst Jenni: Lehrbuch der hebräischen Sprache des alten Testamentes, Basel 1981, ISBN 3-7190-0706-5 (Schulbuch für Gymnasien konzipiert)
  • Frank Matheus: Einführung in das Biblische Hebräisch (I Studiengrammatik, II Studienbuch für das Gruppen- und Selbststudium), Münster 1997
  • Heinrich von Siebenthal: Bibel-Hebräisch: Lösungs- und Begleitband zum Lehrbuch von Thomas O. Lambdin, 3., verb. Aufl., Gießen: Brunnen, 2006.
  • Heinz-Dieter Neef: Arbeitsbuch Hebräisch. Materialien, Beispiele und Übungen zum Biblisch-Hebräisch, Tübingen 2003. (Lehrbuch zur Vorbereitung auf das Hebraicum)
  • Thomas O. Lambdin: Lehrbuch Bibel-Hebräisch, 5., verb. und erg. Aufl., Gießen: Brunnen, 2006.

Zur Sprachgeschichte:

  • haUniversita haPetucha: Peraqim beToledot haLashon ha'Ivrit 1-11. Tel Aviv.
  • Dominique Aubier: Der Jüdische Fall Die ontologische Kraft der hebräischen Sprache, die jüdische spezifische Besonderheit. (frz.: Le Cas Juif) Mont Blanc, Genf 1970
  • Gesenius, Wilhelm: Geschichte der hebräischen Sprache und Schrift, Olms 1973.
  • Rabin, Chaim, Die Entwicklung der hebräischen Sprache, Wiesbaden 1988.
  • Kutscher, Eduard Yechezkel: A History of the Hebrew Language, Jerusalem 1982.
  • Sáenz-Badillos, Angel: A History of the Hebrew Language, Cambridge 1996.
  • Hoffman, Joel M., In the Beginning: A Short History of the Hebrew Language, New York/London 2004.
  • Rudolf Steiner: Die Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte, GA 122 (1984)
  1. Rudolf Steiner: Die Geheimnisse der Schwelle, GA 147 (1997), ISBN 3-7274-1470-7
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Spezielles
Lehr-, Wörterbücher und Ähnliches

Anmerkungen

  1. Die heutige Form „lájla“ ist vermutlich durch Monophtongierung einer ursprünglichen Form *„lájlaj“ entstanden.

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